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Die Grundlagen des Tötungsverbotes in Peter Singers "Praktische Ethik"

Darstellung und Kritik der zentralen Thesen zu den Auswirkungen des Personenstatus auf das ethische Tötungsverbot

Title: Die Grundlagen des Tötungsverbotes in Peter Singers "Praktische Ethik"

Term Paper , 2007 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Lukas Rieger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Innerhalb der letzten 40 Jahre ist in der westlichen Welt eine Debatte darüber entbrannt, in welchen Fällen passive und aktive Sterbehilfe, also die Tötung eines Menschen, gerechtfertigt sein kann. Im Zuge dieser Debatte ist unter anderen die radikale Position, die Peter Singer in seinem in Deutschland im Jahre 1984 erschienenen und im Jahre 1993 überarbeiteten Werk „Praktische Ethik“ zu dieser Frage vertritt, diskutiert worden. In nicht wenigen Auseinandersetzungen ist Singer vorgeworfen worden, er leiste die nachträgliche ethische Legitimation für die vom nationalsozialistischen Regime unter dem Deckmantel der „Euthanasie“, also des „schönen Todes“, durchgeführte Ermordung von Menschen, deren Leben als „lebensunwert“ eingestuft worden war. Er hat sich den Zorn vieler Menschen deshalb zugezogen, weil er zur Beantwortung der Frage, wann Euthanasie erlaubt sein soll, den Wert verschiedener Lebewesen miteinander vergleicht und Menschen mit schwerer geistiger Behinderung, Wachkomapatienten und Säuglingen das Recht auf Leben abspricht. Weil dieses Urteil an den Grundfesten der moralischen Überzeugungen im westlichen Kulturkreis rüttelt, ist die Diskussion oft hitzig und nicht immer sachlich geführt worden. Zahlreiche Podiumsveranstaltungen, zu denen Singer eingeladen worden war, um seine Position zu referieren, sind massiv gestört oder wegen der Ankündigung von Protesten schon im Voraus abgesagt worden. Das ist deshalb schade, weil so viele Möglichkeiten vergeben worden sind, fundiert und sachlich und deshalb überzeugend Gegenposition zu beziehen.

In der vorliegenden Arbeit soll dargestellt und kritisch überprüft werden, auf welchem Weg und mit welchen Mitteln Peter Singer wertende Unterscheidungen zwischen verschiedenen Lebewesen macht. Dabei war der Anspruch, der der vorliegenden Arbeit ursprünglich zugrunde lag, der, eine räumlich ausgewogene Darstellung der singerschen Positionen zum Verbot und der Erlaubnis Tötung menschlicher Wesen zu leisten. Im Entstehungsprozess dieser Hausarbeit hat sich jedoch gezeigt, dass sich die Kritik, die gegen das von Singer vorgestellte Modell zur Bewertung des Lebens verschiedener Wesen vorgebracht werden kann, vornehmlich an seiner Beantwortung der Frage, welche Wesen von einem Tötungsverbot überhaupt geschützt sind, festmacht. Deshalb konzentriert sich diese Arbeit auf eine ausführliche Darstellung und Prüfung seiner Thesen zum Tötungsverbot.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zwei Modelle zur Unterscheidung des Wertes verschiedener Lebewesen

2.1 Die Unterscheidung Mensch – Tier

2.2 Die Unterscheidung nach dem Grad des Bewusstseins

2.2.1 Die ethische Relevanz des unterschiedlichen Grades des Bewusstseins in utilitaristischen Systemen

2.2.1.1 Die Relevanz unterschiedlicher Bewusstseinsgrade im klassisch hedonistischen Utilitarismus

2.2.1.1.1 Die „kritische“ Bewertung: der Handlungsutilitarismus

2.2.1.1.2 Die „intuitive“ Bewertung: der Regelutilitarismus

2.2.1.2 Zwischenergebnis

2.2.2 Das personale Merkmal im Präferenz-Utilitarismus

2.2.2.1 Die Auswirkungen des personalen Merkmals auf Präferenzen

2.2.2.2 Zwischenergebnis

2.3 Das Recht auf Leben

2.3.1 Wunsch und Recht

2.3.2 Interesse und Recht

2.4 Die Respektierung der Autonomie

2.5 Bewusstes Leben

2.5.1 Der Wert bewussten Lebens im Vergleich zu selbstbewusstem Leben

2.6 Ergebnis

3 Kritik

3.1 Das indirekte Tötungsverbot für Personen im klassischen Utilitarismus und die Reichweite menschlicher Empathie

3.2 Zum „Wert“ einer Person

3.3 Zum „Rechte“-Modell

3.3.1 Recht und Wunsch

3.3.2 Recht und Interesse

3.4 Die Unvereinbarkeit der Konsequenzen aus der Wertschätzung bewussten Lebens mit der ethischen Praxis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht und kritisiert die von Peter Singer in seinem Werk „Praktische Ethik“ dargelegten Modelle zur ethischen Differenzierung zwischen verschiedenen Lebewesen. Das primäre Ziel besteht darin, die Konsistenz und praktische Anwendbarkeit von Singers Argumentation bezüglich des Tötungsverbots, basierend auf dem Personenstatus und dem Grad des Bewusstseins, auf den Prüfstand zu stellen.

  • Methodische Untersuchung der singerschen Unterscheidungen zwischen Mensch, Tier und Person.
  • Analyse des Personenstatus innerhalb des klassischen und des Präferenz-Utilitarismus.
  • Kritische Würdigung der Argumente zu Rechten, Wünschen, Interessen und der Respektierung von Autonomie.
  • Untersuchung der moralischen Konsequenzen bei der Wertschätzung von bewusstem Leben.
  • Prüfung der praktischen Tauglichkeit des utilitaristischen Systems für ethische Tötungsverbote.

Auszug aus dem Buch

3.2 Zum „Wert“ einer Person

Singers Modell vom besonderen Status der Person ist ein Entwurf, den er explizit gegen das jüdisch-christliche Modell von der „Heiligkeit des Lebens“ oder von der „Heiligkeit menschlichen Lebens“ positioniert. Gerade in der Gegenüberstellung der Ergebnisse des Modells von Singer und der Ergebnisse der Heiligkeitskonzeption zeigt sich bei Singer ein großes Defizit: sein Modell kann keinen eigenen Wert bestimmter Lebewesen begründen. All seine Untersuchungen zum „besonderen Wert“ bestimmter Lebewesen laufen darauf hinaus, nur vergleichende, nie absolut geltende Werte zu begründen. Das liegt an der seinen Untersuchungen zugrunde liegenden präferenz-utilitaristischen Konzeption. Die präferenz-utilitaristische Konzeption kennt als einzigen eigenen Wert die Maximierung gesamtgesellschaftlicher, idealerweise universeller Präferenzen. Dass die Präferenzen einer Person zu respektieren sind, heißt deshalb nicht, dass diese einen absoluten, unantastbaren Wert darstellen, sondern nur, dass die Präferenz einer Person in der Schau aller Präferenzen aller Personen als eine Stelle unter vielen zählt. Das bestehende Interesse einer Person kann jedoch durch andere entgegenstehende und zahlenmäßig überwiegende Interessen aufgewogen werden. Deshalb sind im Singerschen Konzept weder Person noch ihr Leben heilig und unantastbar. Der Person selbst und ihrem Leben kommen an sich kein besonderer Wert zu. Der besondere Wert gehört im Präferenz-Utilitarismus dem gesellschaftlichen Gesamtinteresse, an dem eine Person mit ihrem eigenen Interesse teilhaben kann.

Es ist schwer vorstellbar, wie eine solche moralische Konzeption in der Praxis wirken soll. Damit ein ethisches System in der Gesellschaft wirken kann, ist es erforderlich, dass die Gesellschaft die dem System zugrunde liegenden Annahmen kennt und sie mehrheitlich zu tragen bereit ist. Auf das Modell von Singer übertragen heißt das, dass der Einzelne akzeptieren müsste, dass sein eigenes Leben nichts wert ist, weil jederzeit Erwägungen, die im gesamtgesellschaftlichen Interesse angestellt werden, zu dem Schluss kommen könnten, dass seine Präferenz des Weiterlebens von den Präferenzen anderer Subjekte aufgewogen werden und dass es deshalb ethisch gut sei, wenn er sterbe.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Debatte um Singers Thesen in der „Praktischen Ethik“ und legt den Fokus der Arbeit auf die kritische Prüfung seiner Argumente zum Tötungsverbot.

2 Zwei Modelle zur Unterscheidung des Wertes verschiedener Lebewesen: Dieses Kapitel analysiert Singers Differenzierung zwischen Lebewesen anhand von Spezieszugehörigkeit, Bewusstseinsgraden, Personenstatus, Rechtsverständnis und Autonomie.

3 Kritik: Das Kapitel formuliert fundamentale Einwände gegen die Grundlagen von Singers Tötungsverbot, insbesondere zur Empathie, dem Personenwert und der praktischen Untauglichkeit des utilitaristischen Ansatzes.

Schlüsselwörter

Peter Singer, Praktische Ethik, Tötungsverbot, Utilitarismus, Personenstatus, Bewusstsein, Präferenz-Utilitarismus, Selbstbewusstsein, Euthanasie, Autonomie, Lebensrecht, Moraltheorie, Ethik, Empfindungsfähigkeit, Speziezismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert und kritisiert Peter Singers moralphilosophische Position zum Tötungsverbot, wie er sie in seinem Werk „Praktische Ethik“ formuliert hat.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?

Die Themen umfassen die Unterscheidung von Lebewesen nach Bewusstsein und Personenstatus, utilitaristische Tötungsargumente sowie eine kritische Hinterfragung von Rechten und Interessen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Konsistenz und die praktische Anwendbarkeit von Singers Modell zur Bewertung verschiedenen Lebens auf seine ethische Validität hin zu prüfen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine analytische und kritische philosophische Untersuchung, die Singers Argumentationslinien darstellt und auf logische Defizite sowie praktische Implikationen hin überprüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der singerschen utilitaristischen Modelle und einen umfassenden kritischen Teil, der Einwände gegen Singers Rechts- und Wertverständnis vorbringt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Utilitarismus, Personenstatus, Tötungsverbot, Präferenzen und ethische Konsistenz.

Wie bewertet die Arbeit die Unterscheidung zwischen „Person“ und „Nicht-Person“ bei Singer?

Die Arbeit kritisiert diese Unterscheidung als Grundlage für ein Tötungsverbot und zeigt auf, dass sie im Utilitarismus keine absolut geschützten Werte begründen kann.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit hinsichtlich des utilitaristischen Systems?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass der utilitaristische Ansatz, wie er von Singer vertreten wird, für ein in der Praxis taugliches ethisches System ungeeignet ist, da er die praktische Handhabbarkeit vermissen lässt.

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Details

Title
Die Grundlagen des Tötungsverbotes in Peter Singers "Praktische Ethik"
Subtitle
Darstellung und Kritik der zentralen Thesen zu den Auswirkungen des Personenstatus auf das ethische Tötungsverbot
College
University of Heidelberg  (Philosophisches Seminar)
Course
Einführung in die philosophische Ethik
Grade
1,0
Author
Lukas Rieger (Author)
Publication Year
2007
Pages
24
Catalog Number
V205347
ISBN (eBook)
9783656316138
ISBN (Book)
9783656318132
Language
German
Tags
grundlagen tötungsverbotes peter singers praktische ethik darstellung kritik thesen auswirkungen personenstatus tötungsverbot
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lukas Rieger (Author), 2007, Die Grundlagen des Tötungsverbotes in Peter Singers "Praktische Ethik", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205347
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