Protest und Anpassung, Initiativen und politische Kampagnen


Seminararbeit, 2002
24 Seiten, Note: Sehr gut

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zu meiner Arbeit

3. Begriffsdefinitionen
3.1. Arbeit
3.2. Globalisierung Grundzüge der Globalisierung
3.3. Flexible Arbeitsformen
3.4. Globalisierung - Verlust des Politischen
3.5. Konsequenz für die Politik

4. Sennetts: Der flexible Mensch

5. Einfluß der Politik auf die Globalisierung

6. Grundsicherung
6.1. Wozu ein Grundeinkommen
6.2. Was ist das Grundeinkommen
6.3. Motive, Zugänge für ein Grundeinkommen

7. Resümee

8. Literatur

1. Einleitung

Seit mehr als zwei Jahrzehnten befindet sich die Arbeit und die gesamte Wirtschaft in allen industrialisierten Ländern der Erde in einem Umbruch, der in unserem Jahrhundert ohne Vergleich ist. Der ökonomische Modernisierungsprozeß, der in den 70er Jahren begonnen hat und in den 80er Jahren durch strukturelle Wirtschaftskrisen verstärkt wurde, hat durch die Globalisierung in den 90er Jahren eine zusätzliche Dynamik gewonnen.

Mit dem Ende des Kalten Krieges begann in raschem Tempo der Wandel von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft. So stellt heute nur eine Minderheit von Erwerbstätigen tatsächlich noch Produkte her. Und diese Minderheit nimmt weiter ab. Die meisten Erwerbstätigen sind - in der einen oder anderen Form - mit dem Erbringen von Dienstleistungen befaßt. Im Zeitalter der Globalisierung fand ein Prozeß der Entstofflichung von Arbeit statt. Arbeit verlor seine Bindung an Ort und Raum. In der Ideenökonomie bemißt sich der Wert von Produkten immer weniger am Einsatz von Kapital und Arbeit, sondern an einer sich freilich rasch verändernden Position von Anbietern am Markt. Digitalisierung ermöglicht eine neue Mobilität von Dienstleistungen.

Heute wird zentral gesteuert, aber dezentral, nahe den Absatzmärkten in quasi-transnationalen Unternehmen produziert. Aus weltweit agierenden Konzernen werden Netzwerke.

Die Frage nach der Zukunft der Arbeit und der Arbeit der Zukunft ist eine zentrale Frage der gesellschaftlichen Entwicklung und des gesellschaftlichen Zusammenhalts geworden. Einerseits wird die Arbeit immer weniger; dieser Umstand wird durch Statistiken (z.B. sind in Deutschland derzeit über 4 Millionen Menschen arbeitslos) ausgedrückt. Andererseits wird Arbeit immer mehr, weil sie selbst ein universeller Ausdruck für Lebenstätigkeit geworden ist. Denn wer immer für eine Tätigkeit Geld bekommt, auch wenn er nicht unmittelbar produktiv ist, arbeitet selbstverständlich. Arbeit ist längst zur einzig relevanten Quelle und zum einzig gültigen Maßstab für die Wertschätzung unserer Tätigkeiten geworden.

Jedoch regiert in einer Welt, wo professionell über die Welt von morgen nachgedacht wird, längst der Zweifel an der Fähigkeit moderner Gesellschaften, nämlich heute und in Zukunft jene elementaren politischen Steuerungsleistungen überhaupt noch erbringen zu können, die Voraussetzung für die Bewahrung des sozialen Zusammenhangs sind. So zeigt sich, daß immer mehr Menschen keiner Politik mehr zutrauen, Lösungen für unsere Gesellschaft, wie zum Beispiel die vermehrte Flexibilisierung am Arbeitsmarkt, zu finden.

2. Zu meiner Arbeit:

Ausgangspunkt meiner Arbeit war das Buch „Der flexible Mensch – Die Kultur des neuen Kapitalismus“ von Richard Sennett. Anhand Sennetts Ausführungen möchte ich der Frage nachgehen, welche Handlungsmöglichkeiten die Politik heute noch hat, um auf Fehlentwicklungen des Marktes eingreifen zu können.

Als politische Handlungsmöglichkeit der Politik habe ich mir die Thematik der Grundsicherung näher angeschaut und habe analysiert, ob diese Maßnahme geeignet wäre, die Problematik der flexiblen Arbeitszeit zu mildern.

Zu Beginn meiner Arbeit war es wichtig, die Begriffe „Arbeit“, „Globalisierung“ sowie „flexible Arbeitsformen“ mit Hilfe von Sekundärliteratur zu definieren.

Anschließend habe ich mich mit Sennetts Ausführungen der Konsequenzen der Globalisierung für den Arbeitsmarkt in seinem Buch „Der flexible Mensch – Die Kultur des neuen Kapitalismus“ auseinandergesetzt.

3. Begriffsdefinition:

3.1 Arbeit:

In der griechischen Klassik galt Arbeit als Mühe und Plage, die eines freien (männlichen) Bürgers nicht würdig war und von SklavInnen und später im Mittelalter von Leibeigenen zu verrichten war. Bis in die Neuzeit hinein erfolgten Haushaltstätigkeit und das Herstellung von Gütern im gemeinsamen Haushalt (oikos). Diese Tätigkeiten waren in die übrigen Lebensvollzüge eingebunden; die Lebens- und Arbeitsgemeinschaften boten Versorgung und Sicherheit im Rahmen von Sicherheit im Rahmen von Leibeigenschaft und Knechtschacht. Durch die Etablierung von Arbeitsmärkten Ende der 2. Hälfte des 18. Jhdts wurden Arbeitszeit und Lebenszeit voneinander getrennt. Die produzierende Tätigkeit wurde aus dem Haushalt ausgelagert, die Menschen begannen, aus dem Haus „zur Arbeit” zu gehen. Arbeit wurde zunehmend salonfähig und gewann immer mehr an Ansehen.

Hegel geht der Rolle von Produktion, Tausch, Arbeit und Anerkennung nach. Arbeit ist ein „Aufheben des Triebes”, ein „Sich zum Ding machen”. Durch die Vergegenständlichung des inneren Triebes im Produkt der Arbeit erhält dieser äußere Existenz und Dauer. Das Werk ist eine „List”, mit deren Hilfe es dem Arbeitenden gelingt, die Natur zu unterwerfen. Er bringt die Wirtschaftsgesellschaft auf ihren Begriff: „Arbeit aller und für Alle und Genuß - Genuß aller. Jeder dient dem Anderen und leistet Hilfe, oder das Individium hat hier erst als einzelnes Dasein, vorher ist es nur abstraktes oder unwahres”. Das Arbeiten wird zu einem „abstrakten”, weil es sich nicht mehr auf das eigene, konkrete Bedürfnis, sondern auf das „aller” bezieht. Hegel leitet hieraus die Arbeitsteilung ab: „Jeder befriedigt also die Bedürfnisse Vieler und die Befriedigung seiner vielen Bedürfnisse ist die Arbeit vieler Anderer”[1]

Klassische Ökonomen wie Adam Smith und später Karl Marx beschrieben „Arbeit als Quelle von Wert, Mehrwert und Reichtum”[2] Die positive Umwertung bezieht sich bis heute einseitig auf produktive abhängige Erwerbsarbeit, also jene Arbeit, die Mehrwert produziert. Die „unproduktive” reproduktive Arbeit der Hege und Pflege, wie der Kinder- und Altenbetreuung verblieb in den Häusern und bei den Frauen. Daß jedoch diese „unproduktive” Arbeit Voraussetzung und Basis für die freigesetzte produktive männliche Kraft der Gesellschaft wurde, wird zum Teil bis heute nicht wahrgenommen. Die arbeitenden Menschen waren zwar frei von Sklaverei, mußten jedoch auf den entstehenden Arbeitsmärkten einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit unter die Verfügungsgewalt der Arbeitgeber abtreten und gegen einen Arbeitslohn verkaufen, der so bemessen wurde, daß er gerade ihre Arbeitskraft erhielt. Arbeit nahm die fiktive Gestaltung einer Ware an, der man sich, wenn sie nicht mehr benötigt oder zu kostenspielig geworden ist, einfach entledigt.

Für den heutigen Charakter der Arbeit ist entscheidend, daß der Mehrwert im wesentlichen wiederum für die weitere Produktion investiert und kapitalisiert wird, dies führt zur fortgesetzten Steigerung der Arbeitsproduktivitäten. Immer weniger Menschen produzieren immer mehr Güter mit Hilfe von hochtechnologischen Maschinen und Computern. Ende 2001 waren in Österreich über 300.000 Menschen arbeitslos, in Deutschland und Frankreich gingen mehrere Hunderttausende Menschen auf die Straßen, um für Arbeit zu plädieren .

3.2. Globalisierung:

Die Globalisierung setzt heute eine Entwicklung zur Internationalisierung des Kapitals fort, die schon vor Jahrhunderten ihren Anfang genommen hat. Sie ist daher nicht in allen Aspekten etwas historisch Neues, sondern entwickelt bekannte Trends auf neuer Stufenleiter weiter. Sie ist zugleich doch etwas historisch Neues, weil sie weit mehr umfaßt als den Prozeß der Ausdehnung von Exportmärkten, des Welthandels und internationaler Unternehmensstrategien.

1983 hat Theodore Levitt in einem Artikel den Standpunkt vertreten, daß sich die Welt aufgrund des technologischen Fortschritts im Prozeß der Homogenisierung befände. Demnach würden nationale und regionale Unterschiede verschwinden, durch Angleichung der Geschmäcker würden sich Güter und Dienstleistungen standardisieren. Die Unternehmung der Zukunft werde eine globale sein, weltweit in identischer Weise und Art aktiv. Eine multinationale Unternehmung mit ihrer nationalen Differenzierung ist obsolet[3].

Ralf Dahrendorf schrieb in der Zeit, „wenn einmal die Geschichte der Globalisierung geschrieben wird, könnte man sie mit dem 20. Juli 1969 beginnen lassen, dem Tag der ersten Mondladung. Dahrendorf meinte dies als Metapher: Das Bild der Erde zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit vom Mond aus gesehen, auf den Fernsehschirmen der ganzen Welt; der Planet Erde war plötzlich um einiges „kleiner“ geworden. Das Bild, das Ralf Dahrendorf mit seiner Beschreibung herbeischwören will, zeigt gerade jene Assoziation mit Globalisierung: Die klein gewordene Welt.[4]

Die Informationstechnologie in den 90er Jahren hat unter anderem dazu beigetragen, daß räumliche Distanzen keine bedeutenden Rollen mehr spielen. Entscheidungen und Prozesse, die an irgendeinem Punkt der Erde stattfinden, können schwerwiegende Konsequenzen an fast jedem anderen Ort haben. Diese Tatsache ist zwar nichts Neues, da schon immer Ereignisse an einem Ort der Welt auch Konsequenzen an anderen Orten gehabt haben. Neu hinzukommt jedoch die Geschwindigkeit und das Ausmaß, mit der diese Konsequenzen zu spüren sind.

Der Politologe Yehezkel Dror bemerkt zum Thema Globalisierung, daß es eines der Schlagworte unserer Zeit sei. Denn das Wort Globalisierung wird für die Beschreibung einer Vielzahl von gegenwärtig ablaufenden Prozessen des Wandels verwendet und manchmal auch mißbraucht.[5]

Grundzüge der Globalisierung:

Yehezkel Dror charakterisiert folgende Grundzüge der Globalisierung, deren Prozesse und Ereignisse durchaus miteinander verbunden sind, aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben[6]. In diese Aufzählung sind jene Charakteristika eingebunden, die auch Ulrich Beck mit der Globalisierung verbindet.[7]

- Erstmals in der Geschichte der Menschheit kann das Überleben der Menschen auf entscheidende Weise beeinflußt werden. Dror gibt hier als Beispiel die Möglichkeit des Nuklearkrieges, den Treibhauseffekt und das Potential der Gentechnologie an, die von den Menschen selbstgemacht und potentielle globale Wirkung haben.
- Dror weist darauf hin, daß bereits im 17. Jahrhundert ein „globales System“ entstanden ist, viele Grundzüge des modernen Konzepts der „einen Welt“ begannen sich schon vor langer Zeit herauszubilden. Schon immer waren die Nationen dem Handeln von Akteuren ausgesetzt, die sich außerhalb des Einflußbereiches der Staaten befanden. Neu an der heutigen Entwicklung ist, daß z.B. im globalen Finanzbereich die Akteure oft selbst nicht mehr jene Handlungen und Prozesse verstünden, mit denen sie arbeiten und sich dem Einfluß des Staates entziehen. Die Prozesse, deren Auswirkungen globale Dimensionen haben, werden immer undurchsichtiger. Ulrich Beck weist darüber hinaus darauf hin, daß die Globalisierung unrevidierbar ist, neu ist auch die Selbstwahrnehmung in der Transnationalität – in den Massenmedien, im Konsum, in der Touristik.[8]
- Souveränitätsverlust: Es bilden sich Kommunikationsnetzwerke auf globaler Ebene, die sich der lokalen, nationalen Kontrolle entziehen. Dadurch entschwindet die Bedeutung von Staatsgrenzen, die Souveränität der Staaten gerät unter Druck.
- Die Zahl der internationalen Akteure wird größer: Immer mehr Nationen drängen auf die internationale Bühne. Ulrich Beck spricht in diesem Zusammenhang von einer „postinternationalen, polyzentrischen Weltpolitik. Er meinte damit, das Auftauchen neuer Akteure auf der internationalen Bühne: Konzerne, Nicht-Regierungs-Organisationen (NG0s), Vereinte Nationen.[9]
- Herausbildung einer globalen Kultur: Es entstehen weltweite, ähnliche bis gleiche Modetrends, Werte und Sichtweisen, Dror nennt sie eine „Globalelite“. Jedoch meint Dror, wird es die unterschiedlichen Kulturen weiterhin geben, die Unterschiede werden größer, dies bewirkt möglicherweise interkulturelle Konflikte. Denn einige Kulturen teilen nicht die Werte der westlichen Welt, und es ist gut möglich, daß diese den Kampf mit dem Westen gewinnen könnten. Beck nennt den Anspruch auf „Menschenrechte“ ein weiteres Anzeichen für die fortschreitende Globalisierung und ihrer Unrevidierbarkeit, schränkt aber wiederum ein, daß er meint, daß diese öfters nur reine Lippenbekenntnisse sind.[10] Der amerikanische Philosoph Benjamin Barber bezeichnet die globale Kultur als „Mc World“. Für ihn ist der wachsende Fundamentalismus – nicht nur der islamische Fundamentalismus – eine Antwort auf die wachsende globale Kultur.[11]

[...]


[1] aus Kreisky, Eva (April 1997), S 197

[2] Newsletter der Katholischen Sozialakademie Österreichs (KSÖ) 10/1996, S 4

[3] vgl.Levitt, Theodore (1987), S 92 ff

[4] Dahrendorf, Ralf (1997), S 14f

[5] Dror, Yehezkel, Demokratie unter Globalisierungsdruck, Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft, in: Weidenfeld Werner (1996), S 372 f

[6] ebenda

[7] Beck, Ulrich (1997)

[8] Beck (1997), S 31

[9] Beck (1997), S 29

[10] Beck , Ulrich (1997), S 29

[11] Barber, Benjamin (1995)

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Protest und Anpassung, Initiativen und politische Kampagnen
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar aus Politischer Theorie/Ideengeschichte
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V20539
ISBN (eBook)
9783638243902
ISBN (Buch)
9783668354142
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Protest, Anpassung, Initiativen, Kampagnen, Seminar, Politischer, Theorie/Ideengeschichte
Arbeit zitieren
Christa Bernert (Autor), 2002, Protest und Anpassung, Initiativen und politische Kampagnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20539

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