Die Evolution des menschlichen Geistes


Seminararbeit, 2003
24 Seiten, Note: 100%

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Die Einleitung
1.1 Die natürliche Selektion
1.2 Die sexuelle Selektion
1.3 Die Frage nach der Entstehung des menschlichen Geistes

2. Die Abhandlung
2.1 Präferenzen
2.2 Der Sebstläuferprozess
2.3 Die verselbstständigte Gehirnentwicklung beim Menschen
2.3.1 Drei Theorien der genusübergreifende Merkmalsausprägung
2.4 Mutationen, ihre Auswirkungen auf das Individuum und die Evolution
2.5 Das Gehirn als Fitnessfaktor
2.6 Die Wahrnehmung von Genqualität
2.7 Spaß und Entertainment

3. Die Diskussion

Literaturverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Charles Darwin

1. Die Einleitung.

Charles Darwin (1809 - 1882) ist in die Geschichte eingegangen als der Begründer der Evolutionstheorie. In den Jahren zwischen 1831 - 1836 unternahm er mit der „Beagle“ eine Weltreise, und führte auf verschiedenen Landexkursionen die grundlegenden Beobachtungen für seine wissenschaftlichen Überlegungen durch. Mit der Veröffentlichung seines Werkes "Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" am 24. November 1859 und der Darstellung seiner Theorie der natürlichen Selektion trat er dramatische Diskussionen um die Entstehung der Menschheit los, die bisher kein Ende finden und auf wissenschaftlicher Seite in ihren Pro- und Kontrapunkten noch heute erforscht werden.

Darwin liefert mit seiner Theorie noch heute überzeugende Argumente für die Entwicklung der Lebewesen. Er setzt sich mit den zentralen Themen des Lebens im biologischen und entwicklungsgenetischen Sinn auseinander: mit der großen Vielfalt der Lebewesen, ihren Ähnlichkeiten und Unterschieden sowie ihrer Entstehung und Verbreitung auf der Welt, und nähert sich so der Frage nach der Verbindung zwischen diesen bis zu seinen Überlegungen separat betrachteten Phänomene. Darwin kommt zu dem Schluss, dass alle Arten, also auch der Mensch, einen gemeinsamen Ursprung haben und sich erst im Laufe eines Entwicklungsprozesses – nämlich der Evolution – voneinander differenziert und verändert haben. Dabei werden nur solche Eigenschaften und solche Arten ausgelesen, die der jeweiligen Umgebung am besten angepasst sind.

Doch wie lassen sich die Eigenheiten genau erklären, die der menschliche Geist hervorgebracht hat, und die für den Menschlichen kennzeichnend sind, wie Musik, Poesie oder alle möglichen Arten von kreativen Denkens und Handelns? Diese Frage bleibt bei Darwin offen.

Die vorliegende Hausarbeit stellt unterschiedliche Aspekte verschiedener theoretischer Erklärungsansätze vor, um der Suche nach der Einzigartigkeit des menschlichen Geistes nachzugehen. Um für diese Diskussion die grundlegende theoretische Basis zu schaffen, wird im Folgenden zunächst die natürliche der sexuellen Selektion gegenübergestellt.

1.1 Die natürliche Selektion.

Die natürliche Selektion beschreibt, dass ein Organismus dann eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, sich erfolgreich fortzupflanzen und zu verbreiten, wenn er sich gut an seine Umwelt anpassen kann. Da sich die Umwelt als inkonsistent erweist, hat nur derjenige Organismus, der sich parallel zu Veränderungen dieser Umwelt anpassen und verändern kann, eine langfristige Überlebenschance. Unterschiedliche Organismen werden aufgrund dieser unterschiedlich vorhandenen Anpassungsfähigkeit auch unterschiedliche Mengen an Nachkommen hervorbringen. Die Organismen mit der schwächeren Nachkommensrate werden langfristig geringere Chancen der Arterhaltung haben, während nachkommensstärkere Organismen bessere Voraussetzungen zum Überleben ihrer Art herstellen. (Miller, 2001)

1.2 Die sexuelle Selektion.

Doch neben diesen funktionellen Veränderungen hat die Evolution bei gleichem Selektionsdruck für alle Individuen auch typische Veränderungen innerhalb der jeweiligen Arten geschaffen, die im Unterschied der Geschlechter und den damit korrelierenden Unterschieden in Verhalten und morphologischer Ausprägung zu finden sind. Die Rede ist von so genannten Fitnessindikatoren, wie z.B. dem ausgeprägte Pfauenschwanz oder dem Geweih von Hirschen. Diese erschweren dem Individuum einer Art das Überleben und geben somit den gegengeschlechtlichen Paarungswilligen Auskunft darüber, wie gesund und kräftig das jeweilige Tier ist - bei den meisten Arten geschieht die Auswahl der Sexualpartner, also die sexuelle Selektion, primär seitens der Weibchen. Implizierter Basisgedanke ist hierbei: „wer mit einer solchen Alltagsbehinderung in freier Wildnis überleben kann, muss besonders kräftig und besonders gesund sein und hat bestimmt auch gute Gene!“. (Miller, 2001)

Der Aspekt in Darwins Ausführungen, dass die Evolution seitens der weiblichen Individuen einer Art gesteuert werden sollte, passte überhaupt nicht in die Viktorianische Zeit, in der die Frauen Darwin lebte. Vor dem historischen Hintergrund fand hingegen der Gedanke des „survival of the fittest“ breites Lob. Daher wurde seine Theorie der sexuellen Evolution über ein ganzes Jahrhundert vernachlässigt, bis sie neu aufgegriffen, ernsthaft verfolgt werden, und ganz neue Denkanstösse hervorbringen konnte.

1.3 Die Frage nach der Entstehung des menschlichen Geistes

Doch kann durch diese Theorie die Einzigartigkeit des menschlichen Geistes und seiner Leistungen beschrieben oder erklärt werden? In den Erklärungen der menschlichen Evolution gibt es einige Probleme bei der Entstehung des Gehirns. Dieses wurde mittlerweile als organischer Sitz des menschlichen Geistes anerkannt, entgegen früheren Ansichten, nach denen der menschliche Geist im Herzen angesiedelt wurde.

Immense Gehirngrößen und komplexe Geistesleistungen treten im Verlauf der Evolution spät und nur bei wenigen Spezies auf. 99% aller Tierarten gedeihen mit kleinen Gehirnen und können mit diesen bestens überleben. Wie konnte die Evolution das Wachstum eines so kostspieligen Organs begünstigen (das Gehirn verbraucht ca. 20% des gesamten menschlichen Sauerstoffbedarfs!), obwohl sich nennenswerte Überlebensvorteile erst lange nach Erreichen seiner endgültigen Größe offenbarten (und zwar ca. 90.000 Jahre später!)? Es muss also irgendein Überlebensvorteil darin zu suchen sein, dass der Mensch über geistige Fähigkeiten wie Humor, Klatsch, Kunst, Musik, Bewusstsein, Redekunst, etc. verfügt. Steven Pinker gibt auf diese Frage eine ernüchternde Antwort, wenn er behauptet, diese Fähigkeiten seien biologische Begleiterscheinungen, sie seien biologisch zwecklos, und der Geist sei lediglich ein neuronaler Computer, den die natürliche Selektion mit kombinatorischen Algorithmen für kausale und probabilistische Schlussfolgerungen ausgestaltet habe.

Hat Pinker damit Recht? Ist die Psychologie nicht vielleicht sogar die treibende Kraft der biologischen Evolution?

Diese Hausaufgabe wird sich damit beschäftigen, die bekannten, traditionellen Evolutionstheorien der natürlichen und sexuellen Selektion aus Sicht der heutigen Psychologie zu durchleuchten und zu hinterfragen.

2. Die Abhandlung.

G.F. Miller stellt in seinem Buch „Die sexuelle Evolution. Partnerwahl und die Entstehung des Geistes.“ (2001) verschiedene Theorien dar, die Grundlage für eine tiefere Diskussion der Thematik in dieser Hausarbeit liefern. Diese Theorien schließen sich gegenseitig nicht notwendigerweise aus, sondern haben nebeneinander Bestand. Sie sollen im Folgenden vor dem Hintergrund des zentralen Themas dieser Arbeit – der Entstehung des menschlichen Geistes – parallel zueinander vorgestellt und diskutiert werden.

In der Einleitung wurden bereits die natürliche und die sexuelle Selektion beschrieben und kurz erwähnt, dass es Indikatoren gibt, anhand derer die Genqualität eines Individuums von seinem Gegenüber erkannt werden kann. Diese Thematik wird sich durch die gesamte Hausarbeit ziehen, da sie grundlegend für die Diskussion um die Entstehung und Entwicklung des menschlichen Geistes ist. Zunächst soll darauf eingegangen werden, wie es überhaupt zu extremen morphologischen Ausprägungen wie dem überdimensionalen Pfauenschwanz kommen konnte.

2.1 Präferenzen.

Nach Fischer haben Pfauenhennen irgendwann damit angefangen, eine Vorliebe für überdurchschnittlich große Schwänze zu entwickeln. Dadurch werden alle großschwänzigen Pfauenhähne von den Hennen bevorzugt, was ihnen besonders viele Nachkommen beschert. Sind diese Nachkommen männlich, so erben sie mit hoher Wahrscheinlichkeit die Veranlagung des Vaters, einen großen Schwanz auszuprägen. Sind sie weiblich, so erben sie die Vorliebe der Mutter für große Schwänze. Würde der Pfauenhahn nun um der Alltagsbehinderung entgegenzuwirken, beginnen, kleinere Schwänze auszuprägen, so hätte er damit keine Aussichten auf Fortpflanzungserfolge, solange die Pfauenhennen die Präferenzen für lange Schwänze beibehalten. Allerdings kann es auch eine Präferenzvielfalt seitens der Weibchen einer Art geben, so dass mehrere Merkmale signifikant sind. (Miller, 2001)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Beispiel Fitnessindikator: Pfau mit Rad

Bei diesem Prozess kann es durch die ständige Ausprägung noch größerer Merkmale zu einer Spirale an Ausprägungsentwicklungen kommen, die auch auf das „Warum“ in der Frage nach der Einzigartigkeit der Beschaffenheit des menschlichen Geistes möglicherweise eine Antwort liefern könnten. Diese Automatisierung der Ausprägung ständig wachsender Merkmale beschreibt der Selbstläuferprozess. Die Theorie, die Fisher 1930 veröffentlichte, stellt dar, wie sich die körperlichen Merkmale aufgrund sexueller Selektion über Generationen ausprägen und entwickeln. Der Prozess soll anhand eines Beispiels näher erläutert werden.

2.2 Der Selbstläuferprozess.

Die Söhne der durch Präferenzstrategien gebildeten Paare werden verhältnismäßig große Schwänze erben. Dadurch wird bereits in der F1-Generation (erste Kindsgeneration eines via Präferenzstrategie gebildeten Paares) die durchschnittliche Schwanzlänge angehoben, so dass alle Durchschnittslängen der Kinder von nicht schwanzlängen - präferierenden Paaren im Vergleich innerhalb dieser F1-Generation Schwanzlängen ausbilden, die als unterdurchschnittlich gelten, selbst wenn sie in der Parentalgeneration noch als durchschnittlich gewertet worden wären. Der Nachwuchs der präferierenden Eltern erbt neben der körperlichen Ausprägung auch die Vorliebe für lange Schwänze. Fishers Selbstläuferprozess wird durch eben diese genetische Kopplung zwischen sexuellen Merkmalen und sexuellen Präferenzen angetrieben, die wiederum durch die sexuelle Auswahl seitens der Eltern entsteht.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Evolution des menschlichen Geistes
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Psychologie)
Veranstaltung
Evolution & Emotion
Note
100%
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V20540
ISBN (eBook)
9783638243919
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beinhaltet die verschiedenen Selektionsarten und ihre Wirkungen auf Präferenzbildungen, die zur Entwicklung des menschlichen Geistes geführt haben und determinieren, wie wir denken, fühlen und handeln.
Schlagworte
Evolution, Geistes, Emotion
Arbeit zitieren
Ulrich Stephany (Autor), 2003, Die Evolution des menschlichen Geistes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20540

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