Die von mir untersuchte Zeitschrift ist die „Österreichische Badezeitung, Organ für die Interessen der europäischen Kurorte und des Kurpublikums" (Signaturnummer 6813, gefunden in der Universitätsbibliothek der Universität Wien). Ich werde im Laufe meiner Arbeit mit "Österreichischer Badezeitung" betiteln. Nach der erstmaligen Durchsicht der Zeitschrift fiel mir auf, daß vor 1880 einige Artikel zu frauenrelevanten Themen in der Zeitschrift erschienen sind. Besonders in den ersten Jahrgängen (1872-1876) der „Österreichischen Badezeitung“ wurden eine Anzahl von frauenspezifischen Artikeln (wie zum Beispiel "Frauen als Ärzte" oder medizinische Themen für Frauen) publiziert, die jedoch im Laufe der Zeit abnehmen. Mit Beginn der Badesaison 1877 reißt die frauenspezifische Berichterstattung abrupt ab. Folgende Forschungsfragen habe ich mir daher gestellt:
Warum verändert sich die Berichterstattung in der Österreichischen Badezeitung? Welche historischen, politischen und redaktionellen Veränderungen in der Zeitung selbst können dafür verantwortlich gemacht werden? Über welche frauenrelevanten Themen wurde in der Zeit von 1872-1873 berichtet und welches Rollenbild der Frau wurde in dieser Zeitschrift bekundet?
Um mich meinen Forschungsfragen nähern zu können, begann ich zu Beginn meiner Arbeit die Begriffe "Zeitschrift" und "Frauenzeitschrift" zu definieren, um die "Österreichische Badezeitung" von ihrem Inhalt her besser beurteilen zu können. Weiters beleuchtete ich mit Hilfe der Sekundärliteratur den Stellenwert des Kur- und Badewesens vom 18. bis ins 20. Jahrhundert und welche Rolle die Frau zu dieser Zeit in der Gesellschaft inne hatte. Desweiteren habe ich recherchiert, welche Badezeitungen es um 1870-1900 gegeben hatte und aus welchen Rubriken sie sich zusammensetzten. Da die meisten Artikel in der Zeit von 1872-1873 erschienen sind, habe ich einige redaktionelle Beiträge aus der "Österreichischen Badezeitung" aus dieser Zeit, die frauenrelevanten Themen behandelten, einer Analyse unterzogen. Ich habe mich auf die Analyse von einigen wenigen Zeitungsbeiträgen
beschränkt, da ich einerseits in sämtlichen frauenrelevanten Zeitungsbeiträgen das selbe Rollenbild der Frau fand und um andererseits die Seminararbeit einzuschränken.
Inhaltsverzeichnis
1. Zu meiner Arbeit
2. Begriffsdefinitionen:
3. Badekultur
3.1 Badekultur im 17. und 18. Jahrhundert
3.2 Das Badewesen im 19. Jahrhundert:
3.3 Das Badewesen aus medizinisch-therapeutischer Sicht
3.4. Gesellschaftliche Bedeutung der Badereisen im 19. Jahrhundert
4. Die Stellung der Frau im Bürgertum:
5. Zeitschriften im Bereich des Badewesens bis 1900:
5.1 Badeblätter 1870 – 1900:
5.2 Die Berichterstattung in den Badezeitschriften
6. Die Österreichische Badezeitung
6.1 Selbstdefinition:
6.2 Abonnenten/Leser:
6.3 Struktur der Österreichischen Badezeitung:
6.4 Redakteure:
6.5. Herausgeber:
6.5 Frauenrelevante Themen:
7. Resümee:
8. Literatur:
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Berichterstattung in der "Österreichischen Badezeitung" zwischen 1872 und 1876 mit dem primären Ziel, das in der Zeitschrift vermittelte Rollenbild der Frau zu analysieren und zu hinterfragen, warum sich die frauenspezifische Berichterstattung im Laufe der Zeit veränderte.
- Analyse der redaktionellen Struktur und inhaltlichen Ausrichtung der "Österreichischen Badezeitung".
- Untersuchung des zeitgenössischen Kur- und Badewesens als gesellschaftliches Phänomen.
- Darstellung der bürgerlichen Frauenrolle und gesellschaftlicher Restriktionen im 19. Jahrhundert.
- Kritische Auseinandersetzung mit der medialen Behandlung von Frauen, insbesondere bezüglich des Frauenstudiums.
- Reflexion des Einflusses der männlich dominierten Ärzteschaft auf die publizistischen Inhalte.
Auszug aus dem Buch
Die Stellung der Frau im Bürgertum:
Die Stellung der Frau wurde durch die ihr von der Gesellschaft zugeordnete Rolle, der Mutter, Hausfrau und Gattin, bestimmt. Sie besaß keinen eigenen Status und wurde nur über Vater oder Ehemann definiert. Sie war eingebunden in die patriachale Ordnung und hatte die ihr zugedachte geschlechtsspezifische Rolle zu erfüllen.
Die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde durch den Ehestand gegeben. Nur als verheiratete Frau genoss sie Achtung und Ansehen, während der Mann auch als Junggeselle anerkannt war.
Aufgrund der Tatsache, daß der Ehestand für die Frau die einzige von der Gesellschaft akzeptierte Form darstellte, wurde die Ehe auch als Versorgungsinstitution angesehen. Daher war Liebe nicht immer das ausschlaggebende Motiv und der Altersunterschied war oft beträchtlich. Die Devise könnte gelautet haben, „besser ein alter Mann, als gar keiner“.
Wichtig war hingegen die „standesgemäße Wahl“ des Partners, das heißt, er sollte aus den selben Kreisen stammen. Maßgebend war auch die gute Position des Mannes. Der Mann traf seine Wahl oft auch aus geschäftlichen Interessen, entweder um seine Geschäftsverbindungen zu fördern, sein Unternehmen zu vergrößern oder um Konkurrenten auszuschalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zu meiner Arbeit: Einführung in das Untersuchungsobjekt, Definition der Forschungsfragen und methodisches Vorgehen bei der Quellenanalyse.
2. Begriffsdefinitionen:: Klärung der Begriffe „Zeitschrift“ und „Frauenzeitschrift“ zur methodischen Einordnung der "Österreichischen Badezeitung".
3. Badekultur: Historischer Überblick über die Entwicklung des Kurwesens, von den Ursprüngen bis zur soziokulturellen Bedeutung im 19. Jahrhundert.
4. Die Stellung der Frau im Bürgertum:: Darstellung der patriarchalen Strukturen und des eingeschränkten Rollenverständnisses der Frau innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft.
5. Zeitschriften im Bereich des Badewesens bis 1900:: Analyse der vielfältigen Bade-Publikationen und Systematisierung der redaktionellen Inhalte dieser Zeit.
6. Die Österreichische Badezeitung: Detaillierte Untersuchung der Struktur, der Redakteure, der Herausgeber sowie der spezifischen frauenrelevanten Inhalte dieser Zeitung.
7. Resümee:: Fazit der Forschungsarbeit mit der Feststellung, dass die Zeitung keine Frauenzeitschrift war und die Darstellung der Frau durch das patriarchalische Weltbild der Ära geprägt wurde.
8. Literatur:: Verzeichnis der verwendeten Sekundär- und Primärquellen zur wissenschaftlichen Untermauerung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Österreichische Badezeitung, Badekultur, Frauenrolle, 19. Jahrhundert, Kurwesen, Bürgertum, Frauenstudium, Medizinische Publizistik, Patriarchat, Herausgeber, Redaktion, Gesellschaftsgeschichte, Historische Presseanalyse, Feminismus, Emanzipation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die "Österreichische Badezeitung" als Quelle für das zeitgenössische Frauenbild und die gesellschaftliche Rolle der Frau im Kurwesen des späten 19. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entwicklung des Badewesens, die gesellschaftliche Stellung der bürgerlichen Frau, das Frauenstudium sowie die redaktionelle Struktur und Ausrichtung von Fachzeitschriften jener Ära.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum sich die Berichterstattung über frauenrelevante Themen änderte und welches Rollenbild der Frau in der Zeitung vermittelt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, basierend auf der Durchsicht der "Österreichischen Badezeitung" (1872-1876) und der Einordnung in den Kontext der zeitgenössischen Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Badewesens, die Analyse der Frauenrolle, eine Übersicht der Badezeitschriften bis 1900 sowie eine detaillierte Inhaltsanalyse der "Österreichischen Badezeitung" hinsichtlich Redaktion und frauenrelevanter Artikel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Österreichische Badezeitung, Frauenrolle, Badekultur, 19. Jahrhundert und medizinische Publizistik charakterisiert.
Welche Haltung nahm die Zeitung bezüglich des Frauenstudiums ein?
Die Zeitung bot zwar unterschiedliche Argumente (Gegner und Befürworter), jedoch spiegelte der Leitartikel primär die vorherrschende männlich-patriarchale Lehrmeinung wider, die Frauen die akademische Eignung absprach.
Welche Rolle spielte der Herausgeber Friedrich Boschan bei der inhaltlichen Ausrichtung?
Friedrich Boschan prägte die Zeitung maßgeblich durch sein medizinisches Fachwissen und sein hohes Ansehen; sein Rücktritt 1879 markiert eine deutliche Verschiebung des publizistischen Schwerpunkts hin zu rein medizinischen Inhalten.
- Quote paper
- Christa Bernert (Author), 2002, Die Österreichische Badezeitung. Wie verändert sich die Berichterstattung?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20546