Augustinus und das höchste Gut nach Meinung der Christen gegenüber den Philosophen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
20 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einführung zu Buch XIX

3. Das höchste Gut nach der Meinung der Christen gegenüber den Philosophen
3.1 Buch XIX Kapitel 1 – Die Lehren der Philosophen
3.2 Buch XIX Kapitel 4 – Christiani contra philosophos

4. Zusammenfassung

1. Einleitung

Seit jeher bietet die Debatte zum höchsten Gut reichlich Diskussionsstoff. Worin besteht das Endziel? Was ist der wahre Frieden? Wo findet sich das höchste Gut? Wie kann es erlangt werden? All diesen Fragen widmeten sich bereits in der Antike und Spätantike Philosophen und Theologen und kamen dabei zu meist höchst unterschiedlichen Argumenten und Antworten.

Die Stoiker knüpften den finis boni an die Tugend und tugendhaftes Leben. Dabei sei die menschliche Seele bereits im Diesseits frei von allen Übeln und Affekten. So könne die vollkommene Glückseligkeit erlangt werden. Die Tugend gilt also als „höchste Leistung der menschlichen Seele,“ so Krieger.[1] Aristoteles und Platon hingegen verbanden das höchste Gut mit dem vollkommen schönen, glückseligen Leben. Dabei wird die Wirkung der Tugend sowie der naturgemäßen Güter herangezogen. Epikur sah das höchste Gut in der voluptas – der Lust als Schmerlosigkeit. Die geistige Lust sei dabei wichtiger als die Körperliche.[2] Auch Cicero hat sich in seinem Werk De finibus bonorum et malorum, wie der Titel bereits sagt, diesem Thema angenommen und diskutiert dabei die Ansichten Aristoteles, Epikurs und der Stoiker.

Der Theologe und Kirchenvater Augustinus, einstiger Bischof von Hippo, hat sich – nach dem Fall Roms im Jahre 410[3] - in seinem Werk De civitate Dei der Frage nach dem summum bonum hingegeben. Vor allem im neunzehnen Buch diskutiert er die philosophischen Meinungen zu diesem Thema, die oben bereits kurz vorgestellt wurden, und begründet darauf die christliche Ansicht, dass das höchste Gut nicht, wie die Philosophen behaupten, in diesem Leben zu finden sei, sondern erst im Jenseits, dem ewigen Leben, erlangt werden könne.

Diese Arbeit soll sich mit der Argumentation des Augustinus zum höchsten Gut und den christlichen Ansichten – vor allem wie diese sich von den Ansätzen der Philosophen unterscheiden – auseinandersetzen. Dabei wird zuerst allgemein in das Buch XIX des Werkes De civitate Dei eingeführt und dessen grundlegender Aufbau vorgestellt. Danach soll es insbesondere um relevante Textpassagen aus den Kapiteln eins und vier desselben Buches gehen, wobei Schritt für Schritt die Argumentation des Kirchenvaters hinsichtlich des summum bonum analysiert und interpretiert wird, um dabei die christlichen Ansichten denen der Philosophen gegenüberzustellen.

2. Einführung zu Buch XIX

Das Buch XIX der De civitate dei von Augustinus von Hippo ist nach Ansicht vieler Experten das wichtigste des Gesamtwerkes. Es eröffnet gleichzeitig den letzten Teil der civitate die über das Ende der beiden Städte, der civitas terrena und der civitas caelestis, wie Augustinus in den retractiones selbst erklärt (retr. II 43). Es geht im Buch XIX hauptsächlich um die Frage nach dem höchsten Gut, dem Endziel und dem wahren Frieden – dem „Kern Augustinischer Theologie“.[4]

Mit seiner Argumentation will Augustinus nach eigenen Angaben erreichen, die Ungläubigen von ihrem Irrglauben abzubringen abzubringen (civ. XIX 1) und deren Meinung zu widerlegen. So zieht er die von Varro aufgestellten 288 Lehrmeinungen zum höchsten Gut in ironischer Vorführung hinzu. Daraus ergeben sich zwölf Schulen, indem die Lehrmeinungen auf vier Dinge, die Lust, die Ruhe, die Summe aus beiden und die prima naturae – die ursprünglichen Naturgüter, reduziert werden und durch die drei Fragen, ob diese vier Dinge um ihrer selbst willen, um der Tugend willen oder um beider wegen anzustreben seien.[5] Durch die karikierte Darstellung dieser Vielzahl an Schulen stellt der Bischof von Hippo heraus, dass „[…] die Stadt Gottes nur über eine einzige Konzeption des höchsten Gutes und der Glückseligkeit verfügt.“[6] Nach van Oort, diene De civitate Dei aber keineswegs nur dazu, die Heiden zu bekehren, sondern diskutiere von Beginn an auch innerchristliche Belange.[7]

Weiterhin wird Augustinus im Verlauf des XIX. Buches argumentieren, dass das höchste Gut und vollkommene Glückseligkeit sowie wahrer ewiger Friede nicht zu finden sei im diesseitigen Leben und setzt sich dabei mit der antiken Meinung der Philosophen vom finis bonorum auseinander, die er der christlichen Meinung gegenüberstellt. So behauptet der Schreiber, dass „[…] nur die christliche Endzeithoffnung als Erfüllung des menschlichen Glücksstrebens in Betracht kommt.“[8] Im irdischen Leben, so Augustinus selbst, könne also nur ein vorläufiger, endlicher Friede herrschen (XIX 10). Nach christlicher Ansicht hingegen sei das höchste Gut nur im Jenseits – bei der Einswerdung mit Gott - zu erreichen. Dabei gibt er einen theoretisch und einen praktisch relevanten Aspekt an. Theoretisch gesehen ist das summum bonum nur im Glauben erreichbar; praktisch bietet die richtige Lebensführung – das recte vivere – erst die Möglichkeit zum Erlangen des höchsten Gutes, was nur mit dem Beistand Gottes möglich sei (XIX 4). Ferner bestimmt der Bischof von Hippo den ewigen Frieden als das höchste Gut. So schreibt er: „quapropter possemus dicere fines bonorum nostrorum esse pacem [...]” (XIX 11). Diese Friedenslehre des Augustinus bildet den Abschluss des XIX. Buches.

Im Folgenden soll vor allem auf das erste und vierte Kapitel des Buches XIX der De civitate dei und somit auf die unterschiedlichen Meinungen der Philosophen gegenüber den Christen hinsichtlich des höchsten Gutes eingegangen werden.

3. Das höchste Gut nach der Meinung der Christen gegenüber den Philosophen

3.1 Buch XIX Kapitel 1 – Die Lehren der Philosophen

Das Kapitel 1 des 19. Buches eröffnet die Argumentation Augustinus’ zum höchsten Gut und höchsten Übel – dem summum bonum und summum malum. Es geht, wie oben bereits angesprochen, um das Ende der beiden Städte, des irdischen und des himmlischen. Ziel der Darstellung ist es, die Ungläubigen von ihren Auffassungen bezüglich des höchsten Gutes und höchsten Übels, des Endzieles, abzubringen. Augustinus wird im Laufe seiner Beweisführungen die Meinungen der Philosphen anführen und versuchen, diese ad absurdum zu führen. So wird er zeigen, dass das Endziel, das summum bonum, im Diesseits nicht zu erreichen ist, wie es die Philosophen behaupten, sondern – nach christlicher Vorstellung – erst im Jenseits, dem civitas caelestis, erlangt werden kann und dass es dafür nur eine vernunftgemäße Konzeption geben kann. Diese Schilderungen werden dann im Kapitel 4 des 19. Buches fortgeführt. Die folgenden Ausführungen werden sich auf die wesentlichen Textabschnitte zum höchsten Gut aus den Kapiteln 1 und 4 beschränken.

Zu Beginn des ersten Kapitels legt Augustinus dar, was das Ziel der nun folgenden Argumentation ist, da „das Werk zum Ende drängt.“[9] Der Bischof von Hippo möchte aufzeigen, „mit welchen Gründen sich die Sterblichen Glückseligkeit verschaffen wollen in diesem unglücklichen Leben“[10] – und zwar nach Meinung der Ungläubigen, also der Philosophen, und anch Ansicht der Gläubigen, der Christen, die meinen, dass Gott ihnen die Hoffnung auf Glückseligkeit bereits gegeben habe und die Glückseligkeit selbst noch schenken werde.[11] Durch das Futur-Tempus bei Deus nobis […] dabit spielt Augustinus bereits an den Glaube auf die Glücksfindung erst im jenseitigen Leben an, was er im Kapitel 4 noch näher ausführt. Außerdem betont Augustinus, dass er seine Argumentation nicht nur auf der auctoritate divina, sondern auch auf der von den Philosophen so geschätzten ratio aufbauen werde, um so die Ungläubigen zu überzeugen.[12]

[...]


[1] G. Krieger & R. Wingendorf, “Christsein und Gesetz: Augustinus als Theoretiker

des Naturrechts,” in: C. Horn (Hrsg.) Augustinus. De civitate Dei (Berlin: Akademie Verlag, 1997)

243.

[2] Vgl. Fin. I 32.

[3] Geerlings, Leben und Werk, 32.

[4] Geerlings 218.

[5] Geerlings 218f.

[6] Geerlings 218.

[7] Van Oort, 349.

[8] Geerlings 219.

[9] Civ. XIX 1 (S. 346, Z. 9f): […] operis huius terminandi ratio patitur.

[10] Civ. XIX 1 (S. 346, Z. 10-12).

[11] Civ. XIX 1 (S. 346, Z. 13f).

[12] Civ. XIX 1 (S. 346, Z. 14f).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Augustinus und das höchste Gut nach Meinung der Christen gegenüber den Philosophen
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Altertumswissenschaften)
Veranstaltung
Augustinus - De civitate dei
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V205519
ISBN (eBook)
9783656319719
ISBN (Buch)
9783656320586
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
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Arbeit zitieren
David Stehling (Autor), 2010, Augustinus und das höchste Gut nach Meinung der Christen gegenüber den Philosophen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205519

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