Die Identitätsentwicklung Jugendlicher im Religionsunterricht


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Identität
2.1 Identität in den Sozialwissenschaften
2.2 Identität in der Psychologie

3. Identitätsmodelle
3.1 Psychosoziale Entwicklung (Erik H. Erikson)
3.2 Identitätszustände (James E. Marcia)

4. Schule und Identität
4.1 Leistungsdifferenzierung
4.2 Schüleridentität im Unterricht

5. Religionsunterricht und Identität
5.1 Wer bin ich?
5.2 Fremdheit
5.3 Heimat

6. Abschließende Betrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der folgenden Ausarbeitung soll die Identitätsbildung Jugendlicher dargestellt werden. Fokussiert werden soll dabei die Rolle des Religionsunterrichts, der die Suche nach Identität und Anderem unterstützt und begleitet.

Die Gewinnung einer Identität ist kein plötzlich und unvermittelt einsetzender Prozess im Jugendalter, sondern eine Entwicklung, die in der Kindheit ihre Wurzeln hat. Besonders Jugendliche sind aber so weit entwickelt, dass sie sich mit dem Selbstbild ihrer Person auseinandersetzen können und verschiedene Möglichkeiten der Identität durchspielen. Der Lehrer sollte den Jugendlichen auf diesem Weg begleiten und ihm die Möglichkeit geben, eine stabile Identität zu entwickeln. Dies gilt für jeden Unterricht, aber besonders der Religionsunterricht sollte den nötigen Anstoß geben.

Hieraus ergibt sich die Fragestellung, wie der Religionsunterricht an Berufsbildenden Schulen die Identitätsfindung Jugendlicher unterstützen kann.

Einleitend wird der Begriff Identität definiert (Punkt 2), wobei auf die unterschiedlichen Aspekte in den Sozialwissenschaften (2.1) und in der Psychologie (2.2) eingegangen wird. Es folgt die Darstellung von Identitätsmodellen (Punkt 3). Exemplarisch wird hier näher auf das Modell der psychosozialen Entwicklung von Erik H. Erikson (3.1) sowie auf die Identitätszustände nach James E. Marcia (3.2) eingegangen. Der nächste Punkt (4) beschreibt den Zusammenhang von Schule und Identität. Die Identitätsentwicklung der Schüler wird zunächst anhand der Leistungsdifferenzierung (4.1) im Allgemeinen und anschließend im Unterricht (4.2) im Speziellen beschrieben. Der nächste Gliederungspunkt Religionsunterricht und Identität (5) greift die Fragestellung auf und bildet somit den Kernpunkt meiner Arbeit. In diesem Zusammenhang werden die Aspekte Wer bin ich (5.1), Fremdheit (5.2) und Heimat (5.3) näher betrachtet. Letztlich werden in der abschließenden Betrachtung (6) noch einmal die wichtigsten Aussagen der Arbeit zusammengefasst und Gedanken über einen möglichen Ausblick dargelegt.

2. Identität

Mit der Entwicklung der Persönlichkeit entsteht „Identität“. Was steckt aber nun hinter diesem Begriff? Sowohl in den Sozialwissenschaften als auch in der Persönlichkeitspsychologie sucht man aufgrund seines komplexen Charakters vergeblich nach einer einheitlichen klaren Definition des Identitätsbegriffs. „Etymologisch geht Identität zurück auf das lateinische ,idem, eadem, idem´ (auf deutsch ,derselbe, dieselbe, dasselbe; das nämliche; ein und derselbe´“ (Haußer, 1995, S. 3). Identität ist ein Relationsbegriff. Das heißt, dass man erst dann von identisch sprechen kann, wenn man zwei Dinge zueinander in Relation setzt. Es geht also weniger darum, wer ich bin, sondern eher um die Frage „Wer bin ich jetzt im Vergleich zu damals?“ (vgl. ebd., S. 3f.)

2.1 Identität in den Sozialwissenschaften

In den Sozialwissenschaften unterscheidet man zwei große Bedeutungskontexte. Zunächst ist die Rede von „sozialer, öffentlicher, situierter Identität, die dem Individuum in einem sozialen System zugeschrieben wird, eine Kombination von Merkmalen und Rollenerwartungen, die es kenntlich, identifizierbar macht“ (Frey et al, 1987, S. 3). Es geht hier um die gegenseitige Identifizierung von Menschen durch äußere Merkmale in einer Gesellschaft wie beispielsweise Status, Typisierung, Rolle etc. .

Im zweiten Kontext verwendet man Identität zur Kennzeichnung von sozialen Systemen. Es geht nicht mehr um einzelne Personen, sondern um Kulturen, Schichten, Organisationen, Gruppen wie beispielsweise die Aussage „Ich bin ein Deutscher.“ (vgl. ebd., S.4)

In der Literatur unterscheidet man weiter kulturelle, ethnische, nationale Identität, Gruppenidentität oder soziale Identität. Die Merkmale von Identität werden auch hier von außen definiert. Die Person ist ein Teil eines sozialen Systems, ist aber nicht identisch mit ihm selbst.

In den Sozialwissenschaften ist Identität eine notwendige Voraussetzung für die Handlungsfähigkeit des Einzelnen in der Gesellschaft. Nur wenn der andere weiß, wer ich bin, sind Interaktionsbeziehungen möglich. Dazu muss ich natürlich selbst wissen, wer ich bin. An dieser Stelle kommt die Psychologie ins Spiel.

2.2 Identität in der Psychologie

Der psychologische Identitätsbegriff hat ein ganz wesentliches Kennzeichen. „Die Instanz, die über die Identität eines Menschen Auskunft zu geben vermag, ist der betreffende Mensch, das Subjekt selbst“ (Haußer, 1995, S. 3). Es handelt sich um einen selbstreflexiven Prozess, bei dem eine Person ihr Wissen und ihre Erfahrungen über sich selbst verarbeitet und so eine Identität herstellt. (vgl. Frey et al., 1987, S. 4) Neue und alte Erfahrungen müssen integriert werden.

Identität ist von Rolle und Persönlichkeit zu unterscheiden. Es geht weder um gesellschaftliche Verhaltenserwartungen noch um psychische Merkmale. Identität existiert schon ursprünglich im Bewusstsein. (vgl. Haußer, 1995, S. 3) „Identität hat eine kognitive, emotionale und motivale Komponente“ (Frey et al., 1987, S. 21). Der kognitive Teilbereich ist das Selbstkonzept, das zeitlich mittelfristig stabile Selbstbild einer Person. Es besteht aus universellem Wissen „Ich bin ein Mensch“ und individualtypischem Wissen über die eigene Person „Ich heiße Claudia und bin 23 Jahre alt.“

Die emotionale Einschätzung des Selbstkonzepts bezeichnet man als Selbstwertgefühl. „Das Selbstwertgefühl ist die subjektive Bewertung der eigenen Persönlichkeit, der Zufriedenheit mit sich selbst [Es] kann als eine besondere Einstellung angesehen werden: als Einstellung gegenüber sich selbst“ (Asendorpf, 1996, S. 194). Im Vergleich zum Selbstkonzept ist es zeitlich etwas weniger stabil. Das Selbstwertgefühl lässt sich durch Stimmungsschwankungen beeinflussen und führt entweder zu einer allgemeinen

Lebenszufriedenheit „Ich bin mit mir selbst zufrieden“ oder –unzufriedenheit „ich denke, dass ich gar nichts tauge.“ (vgl. ebd.) Im Umgang mit Schülern ist zu bedenken, dass man das allgemeine Selbstwertgefühl in vier Faktoren unterteilen kann: intellektuelles, soziales, emotionales und physisches Selbstwertgefühl. Die motivale Komponente der Identität ist die Kontrollüberzeugung. „Unter Kontrollüberzeugung versteht man eine generalisierte Haltung, die eigene Lage beeinflussen zu können oder ihr ausgeliefert zu sein, persönliche Pläne umsetzen zu können oder hilflos zu sein, mit der Zukunft rechnen oder sie nicht vorhersehen zu können“ (Frey et al., 1987, S. 20). Der Mensch hat das Bedürfnis, auf Gegebenheiten und Ereignisse der Umwelt Einfluss zu nehmen.

3. Identitätsmodelle

Identität entsteht durch Entwicklung, und somit werden im folgenden Abschnitt zwei Identitätsmodelle vorgestellt.

3.1 Psychosoziale Entwicklung (Erik H. Erikson)

Wer sich mit Identitätsentwicklung auseinandersetzt, stößt zunächst auf die Theorie der psychosozialen Entwicklung von dem Psychoanalytiker und Psychiater Erik H. Erikson (1902- 1993). In seinem Modell gibt es acht Stufen (Krisen), die aufeinander aufbauen und in einem lebenslangen Prozess durchlaufen werden. Auf der fünften Stufe geht es um die Gewinnung einer psychosozialen Identität. „Im Zusammenhang mit den einschneidenden körperlichen Veränderungen in der beginnenden Jugendzeit stellt sich nun die Aufgabe, die in den bisherigen Krisenlösungen gesammelten Ich- Werte in eine Ich- Identität münden zu lassen. Alles kreist um die Frage: Wer bin ich, wer bin ich nicht?“ (Gudjons, 2003, S.118). Das Kind hat größtenteils die Überzeugung und Orientierung der Eltern übernommen und tritt so in die Pubertät ein. Nun wird die bisherige Einstellung in Frage gestellt und es kommt zu Identitätsverwirrungen. Man versucht sich beruflich, ethisch oder partnerschaftlich neu zu orientieren. Erikson versteht unter Identität in diesem Zusammenhang die „unmittelbare Wahrnehmung der eigenen Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und die damit verbundene Wahrnehmung, dass auch andere diese Gleichheit und Kontinuität erkennen“ (Haußer, 1995, S.75).

Ein erster Kritikpunkt an der Eriksonschen Auffassung ist, dass Identität hier nur in der Adoleszenzphase entsteht und weiter noch, dass man den individuellen Lebenslauf nicht in ein starres Entwicklungsschema zwingen kann. Identitätsentwicklung ist eine „lebenslange, intra- und interindividuell variable Entwicklung“ (ebd., S. 71).

3.2 Identitätszustände (James E. Marcia)

James E. Marcia, Entwicklungspsychologe und Jugendforscher, greift den Ansatz von Erikson auf, verzichtet aber auf altersgebundene Phasen. Er entwickelt ein Instrument zur Erhebung von Identitätszuständen und macht dadurch die Theorie empirisch zugänglich. Sein so genanntes „Identity- Status- Interview“ gibt Auskünfte über die derzeitige Identität der Probanden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Identitätsentwicklung Jugendlicher im Religionsunterricht
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Schulischer Religionsunterricht zwischen Identitätsbildung und Entdeckung des Anderen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V205653
ISBN (eBook)
9783656326496
ISBN (Buch)
9783656328216
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identität, identitätsmodelle, Entwicklung, Identitätsentwicklung Jugendlicher, Religionsunterricht
Arbeit zitieren
Dipl.-Kml. Claudia Küper (Autor), 2007, Die Identitätsentwicklung Jugendlicher im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205653

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