Die Themenzentrierte Interaktion von Ruth Cohn


Seminararbeit, 2006
16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ruth Cohn als Begründerin der TZI

3. Einblick in die Themenzentrierte Interaktion

4. Grundlagen der TZI
4.1 Das TZI- Dreieck
4.2 Der Gruppenleiter/ Der Lehrer
4.3 Die Axiome
4.4 Die Postulate
4.5 Die Hilfsregeln

5. Themenzentrierte Interaktion im Unterricht

6. Abschließende Betrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung „Kommunikation und Interaktion in beruflichen Lehr-/ Lernprozessen“ werde ich mich mit der Themenzentrierten Interaktion von Ruth Cohn auseinandersetzen. Die TZI[[1]] ist eine Methode, die in den 50er Jahren im therapeutischen Rahmen entwickelt wurde und mittlerweile auch im Schulalltag als lebendiges Lernen und Lehren zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ich möchte die Frage klären, ob das Modell der TZI im Unterricht von Vorteil ist.

Einführend wird die Begründerin der Themenzentrierten Interaktion Ruth Cohn vorgestellt (Punkt 2). Es folgt ein Einblick in die TZI (Punkt 3) und eine Klärung relevanter Begriffe (Punkt 4). Diese Grundlagen sind notwendig, um die Methode zu verstehen. Es geht hier explizit um das TZI- Dreieck (4.1), die Rolle des Gruppenleiters (4.2), die Axiome (4.3), die Postulate (4.4) sowie die Hilfsregeln (4.5). Schließlich wird auf die Anwendung dieses Modells im Unterricht eingegangen (Punkt 5). In einer abschließenden Betrachtung (Punkt 6) werden die Ergebnisse reflektiert.

2. Ruth Cohn als Begründerin der TZI

Dr. mult. hc. Ruth Charlotte Cohn, geb. Hirschfeld, wurde am 27. 08. 1912 in Berlin geboren. Sie wuchs in einer wohlhabenden jüdischen und liebevollen Familie auf. Von 1931-1933 studierte sie in Berlin und Heidelberg Psychologie. Grund dafür war ihre Faszination, andere Menschen von ihren Leiden zu befreien und nebenher ihre Lebensgeschichte kennen zu lernen. Am 31. März 1933 flüchtete die 20- jährige Ruth Cohn in die Schweiz, um dem aufkommenden Nationalsozialismus zu entkommen. Sie setze dort ihr Psychologiestudium fort und bildete sich nebenher in vorklinischer Medizin, Psychiatrie, Pädagogik, Theologie, Literatur und Philosophie weiter. Zusätzlich absolvierte Cohn eine Ausbildung zur Psychoanalytikerin. Ihre Lebensumstände und Erfahrungen als jüdischer Flüchtling förderten ihr Bedürfnis, nicht nur Privilegierte zu heilen, sondern ihre psychodynamischen Kenntnisse für größere Menschengruppen zugänglich zu machen.

1941 wanderte Cohn in die USA aus und funktionierte ein einfaches Hotelzimmer in ihren ersten Praxisraum um. Sie setze ihre psychotherapeutischen Studien fort und schloss diese 1946 mit dem Diplom ab. Als 1946 ein Gesetz verbreitet werden sollte, dass nur noch Ärzte die Psychoanalyse praktizieren durften, spezialisierte Cohn sich auf Kinderanalyse.

1955 war die Geburtsstunde der TZI. In einem Workshop brachte Cohn ihre eigenen Probleme mit einer Patientin ein, was für eine Therapeutin eine untypische und unneutrale Haltung war. „Es war eine schwere, doch zweifellos die fruchtbarste Entscheidung meines professionellen Lebens“ (Cohn in: Langmaack, 2001, S. 22). 1964 wurden die erste TZI- Gruppe von erfahrenen Therapeuten gegründet, die sich mit seelischen und körperlichen Problemen beschäftigten. 1966 gründete Cohn zusammen mit zehn Kollegen das Institut für Ausbildung, Forschung und Praxis von TZI „WILL“ (Workshop Institute for Living- Learning) in New York.

In den 60er und 70er Jahren erreichte die TZI auch die deutschsprachigen Länder in Europa und London. In der Schweiz wurde WILL- Europa gegründet. Seit 1974 lebt Ruth Cohn in der Schweiz. Sie arbeitet dort weiter in ihrer eigenen Praxis und an der École d`Humanité.

1979 wurde Cohn mit der Ehrendoktorwürde der Universität Hamburg ausgezeichnet, 1993 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen und 1994 nahm sie die Ehrendoktorwürde der Universität Bern entgegen. Auch heute ist Ruth Cohn noch aktiv mit der Weiterentwicklung der TZI beschäftigt. (vgl. Langmaack, 2001, S. 20 ff.)

3. Einblick in die Themenzentrierte Interaktion

TZI entstand durch die therapeutischen Erfahrungen Cohns mit Kindern, Eltern und in Schulen. Wie bereits ihren Lebensdaten zu entnehmen, suchte sie nach einem Konzept, das mehr Menschen helfen sollte, ihre psychische Gesundheit wiederzuerlangen, als es die Einzeltherapie zuließ. Die TZI ist somit die Antwort auf ihre Frage, was man tun muss, damit Menschen nicht erst in psychotherapeutischer Einzelbehandlung wieder zu relativ gesunden Menschen werden. (vgl. Langmaack, 2001, S. 17)

Die TZI ist aus diesem Rahmen heraus zu einer Methode des lebendigen Lernens geworden, „die individuelle, zwischenmenschliche und sachliche Aspekte zu einem Konzept verbindet, das alle Chancen hat, Lebens- und Arbeitsprobleme nicht nur vordergründig auf der intellektuellen Ebene zu verstehen und zu lösen, sondern Kopf, Herz und Hand gleichermaßen als am Geschehen beteiligt anzusehen und einzubeziehen“ (Langmaack, 2001, S. 15).

Die Methode bezeichnet Ruth Cohn als Themenzentrierte Interaktion, da Themen, Zielformulierungen, Lernstoffe und andere Aufgaben im Zentrum der beteiligten Personen stehen (themenzentriert) und diese dann durch Wechselbeziehungen zwischen und mit allen Beteiligten bearbeitet werden (Interaktion). Das Konzept dient gleichermaßen zur Selbsterfahrung und zur Verbesserung von zwischenmenschlichen Beziehungen. Cohn verfolg das Ziel, „ein Konzept zur Verfügung zu stellen, das Ausgleich schafft zwischen individuellen und kollektiven Bedürfnissen, zwischen kognitiven und emotionalen Ansprüchen, zwischen Abhängigkeit und Einsatz von Macht- ein Konzept, das der Realität den angemessenen Stellenwert gibt“ (ebd., S. 19). Die TZI hat drei Einflussfaktoren: die Tiefenpsychologie mit ihren Vertretern S. Freud, C. G. Jung, A. Adler, den Behaviorismus Maslows sowie die Humanistischen Psychologie mit ihren Anhängern C. Rogers, F. Pearls, E. Berne und V. Satir. (vgl. ebd., S. 30 ff.)

Die TZI wendet sich an Menschen, die Arbeits- und Lernsituationen so strukturieren wollen, dass jedes Gruppenmitglied sich als ganze Person ernst genommen fühlt und nicht nur vom Kopf her beteiligt ist. Der ideale Mensch soll sich laut Cohn in solch einer Situation von der Gleichheit untereinander tragen lassen und gleichzeitig die Andersartigkeit anderer akzeptieren. Er soll die Chance, voneinander zu lernen, nutzen.

Weiter spricht sie diejenigen an, die in der Wirtschaft und in der Politik humane Ziele verfolgen wollen. Sie richtet sich ebenso an Menschen, die an den Wandel und die Entwicklung glauben und nicht stehen bleiben, wenn es Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Schließlich sind noch diejenigen angesprochen, die ihr eigenes Denken und Handeln authentisch präsentieren möchten. (vgl. ebd., S. 24 f)

4. Grundlagen der TZI

Ruth Cohn erlebte in ihren Therapiegruppen anregendes und nutzbringendes Lernen, dass sie im Vergleich zum schulischen Lernen als „lebendig“ bezeichnet. Der Unterschied besteht darin, dass die Gefühlswelt des Einzelnen einen Platz in der Gruppe findet. Spricht ein Teilnehmer von seinem persönlichen Befinden, ist die ganze Gruppe emotional daran beteiligt und ermutigt jeden, Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Cohn wollte ihre psychotherapeutischen Erfahrungen auch ins Klassenzimmer und andere Gruppen übertragen, damit die Gefühle auch hier ihren angemessenen Platz finden und zu einem lebendigen Lehren und Lernen verhelfen. „Wäre es nicht möglich und wünschenswert, eine Emanzipation des Gefühlslebens in allen Lehr- und Lerninstituten zu erreichen? Vielleicht könnte der Lehrer sowohl sich selbst als auch seinen Schülern das Recht auf die Bewusstheit der eigenen Gefühle zubilligen und an die Stelle einer heimlichen Sabotage von Gefühlen ein offenes Anrecht der Menschen auf Gefühle setzen“ (Cohn, 2004, S. 112).

4.1 Das TZI- Dreieck

Die Methode ist klar strukturiert, wobei sie den Gruppenmitgliedern dennoch ein Gefühl von Freiheit vermittelt. Jede Gruppeninteraktion enthält drei Faktoren: das Ich, das Wir und das Es, die bildlich die Eckpunkte eines gleichschenkligen Dreiecks darstellen und von grundsätzlich gleicher Wichtigkeit sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abbildung: vgl. Langmaack, 2001, S. 49)

[...]

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Details

Titel
Die Themenzentrierte Interaktion von Ruth Cohn
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Kommunikation und Interaktion in beruflichen Lehr-/ Lernprozessen
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V205658
ISBN (eBook)
9783656326458
ISBN (Buch)
9783656327547
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ruth Cohn, themenzentrierte Interaktion, Schülerorientierung
Arbeit zitieren
Dipl.-Kml. Claudia Küper (Autor), 2006, Die Themenzentrierte Interaktion von Ruth Cohn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205658

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