In Anbetracht der technologischen Entwicklungen des vergangenen Jahrzehnts sind vor allem im Bereich der computervermittelten Kommunikation neue Kommunikationsräume und Kommunikationsträger geschaffen worden, die eine „stärker interaktive Nutzung“ (Tophinke 2008, 153) der Schriftlichkeit ermöglicht haben. Als einer der größten und bedeutendsten Kommunikationsräume im Internet hat sich dabei das soziale Online-Netzwerk Facebook formiert. Ähnlich dem mündlichen Sprachgebrauch gibt es also nicht mehr nur eine Schriftsprache, sondern durch die computervermittelte Kommunikation vielmehr eine Variationsbreite, die von Expertengesprächen in Foren hin zu privaten, umgangssprachlich markierten Dialogen reicht. Die Relevanz des Themas ist dabei nicht nur durch die Aktualität der Entwicklungen der neuen Medien gegeben, sondern auch durch die Annahme, die computervermittelte Kommunikation könnte einen Wandel der Schriftkultur des Deutschen eingeleitet haben (vgl. Davies 2010, 389; Schlobinski 2005,7).
Insofern sollen in der vorliegenden Arbeit, diese beiden Aspekte - die dialektale Sprachverwendung und die computervermittelte Kommunikation bei Facebook – in Verbindung gebracht werden. Verknüpfend wird untersucht, inwieweit die regionale Varietät als Merk-mal des mündlichen Sprachgebrauchs in der computervermittelten Kommunikation bei Facebook Verwendung findet und welche Einstellungen Sprecher bzw. Nutzer gegenüber einer dialektalen Sprachverwendung bei Facebook haben.
Inhaltsverzeichnis
I. Ausgangslage
1. Einleitung
2. Forschungsfrage und Hypothesenbildung
3. Forschungsstand
II. Theoretische Grundlagen
4. Computervermittelte Kommunikation im Internet
4.1. Geschichte, Begriffe, Merkmale
4.2. Differenzierung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit
4.3. Soziale Kommunikation im Internet: Netzwerkplattformen
4.3.1. Facebook - Grundlagen
4.3.2. Kommunikative Praktiken auf Facebook
5. Forschungsfeld Dialekt
5.1. Schwerpunkte in der Entwicklung der Dialektologie
5.2. Dialektverwendung und Dialektbewertung
5.3. Dialekteinteilung
6. Synthese: Dialektologie und computervermittelte Kommunikation
III. Empirische Untersuchung der Einstellungen gegenüber einem dialektalen Sprachgebrauch bei Facebook
7. Methodisches Vorgehen
7.1. Forschungsdesign
7.2. Messinstrument
7.3. Datenkontrolle und Datenprobleme
7.4. Datenauswertung
8. Ergebnisse der empirischen Untersuchung
8.1. Deskriptive Analyse
8.1.1. Verteilung der Teilnehmer
8.1.2. Dialektgewohnheiten der Teilnehmer
8.1.3. Dialektaler Sprachgebrauch bei Facebook
8.1.4. Spracheinstellungen zum dialektalen Sprachgebrauch bei Facebook
8.2. Diskussion der Untersuchungsergebnisse und Hypothesenprüfung
8.2.1. F1: Dialektaler Sprachgebrauch bei Facebook
8.2.2. F2: Gründe und Faktoren für die Dialektverwendung bei Facebook
8.2.3. F3: Bewertung des dialektalen Sprachgebrauchs bei Facebook
8.2.4. F4: Bedeutung der Dialektverwendung bei Facebook für die gesprochene Sprache
IV. Resümee
9. Zusammenfassung
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Facebook-Nutzer dialektal geprägten Sprachgebrauch in der Kommunikation innerhalb des sozialen Netzwerks verwenden, wie sie diesen bewerten und welche Faktoren (wie regionale Herkunft oder Dialektkompetenz) diesen Sprachgebrauch beeinflussen. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob die medial schriftliche Kommunikation auf Facebook konzeptionell mündliche Merkmale aufweist und ob dies zu einer Interaktion zwischen dem Sprachgebrauch im Internet und der gesprochenen Alltagssprache führt.
- Die konzeptionelle Mündlichkeit in der computervermittelten Kommunikation.
- Forschungsstand und Entwicklung der Dialektologie.
- Die Rolle von Facebook als Kommunikationsplattform und soziales Netzwerk.
- Methodik der quantitativen Datenerhebung mittels Online-Umfragen.
- Empirische Analyse der Einstellungen und Faktoren zum Dialektgebrauch.
Auszug aus dem Buch
4. Computervermittelte Kommunikation im Internet
Um die grundlegende Frage zu beantworten, was genau sich hinter dem Begriff der computervermittelten Kommunikation verbirgt, scheint es sinnvoll, sich zunächst den elementaren Bausteinen zu widmen, die ihn ausmachen.
Auf der einen Seite bedarf es eines Computers, also eines technischen Gerätes, das zudem Äußerungen vermitteln kann, also als Medium fungiert. Der Computer wird somit in zweifacher Funktionalität beschrieben „als Maschine und Medium“ (Beck 2006, 16). In Anlehnung an Holly (1997 zit. n. Dürscheid 2005, 4) liegt dieser Arbeit ein technologisches Medienkonzept zugrunde, wonach Medien „materiale, vom Menschen hergestellte Apparate zur Herstellung/Modifikation, Speicherung, Übertragung oder Verteilung von sprachlichen (und nicht-sprachlichen) Zeichen“ sind. Entsprechend dieser Definition sind also nicht nur Papierformate wie Briefe, Fotos und Textseiten Medien, sondern auch, die dazugehörigen Maschinen: Drucker, Kameras, aber eben auch der Bildschirm bzw. Computer (vgl. Dürscheid 2005, 4).
Unter Kommunikation, so definiert Beck (vgl. 2010, 12), ist erst einmal nur die symbolische Interaktion zwischen Menschen zu verstehen. Im speziellen Fall der computervermittelten Kommunikation wird diese Interaktion mittels eines Mediums, genauer eines technisch basierten Kommunikationsmittels, realisiert. Kimpeler und Schweiger (2007, 15) begreifen computervermittele Kommunikation dann als Überbegriff für „alle Formen der inter-personalen, gruppenbezogenen und öffentlichen Kommunikation, die offline oder online über Computernetze oder digitale Endgeräte erfolgen.“
Computer und Internet sind nicht nur aufgrund ihrer relativ kurzen Entwicklungsgeschichte neue Medien, sondern sie sind auch neuartig, indem sie sich von den traditionellen und bisher bekannten Medien „hinsichtlich der verwendeten Zeichensysteme, […], der kommunikativen Formen und Funktionen, aber auch der institutionellen und organisatorischen Aspekte“ (Beck 2010, 17) unterscheiden. Resultierend daraus entstehen durch die Verwendung von Computer und Internet zu Kommunikationszwecken neben einer neuen „Kommunikationskultur und -infrastruktur“ (Moraldo 2011, 14), auch neue kommunikative Formen, Praktiken und Textsorten (vgl. Moraldo 2011, 11-12). Kommunikative Praktiken sind hierbei „präformierte Verfahrensweisen, die gesellschaftlich zur Verfügung stehen, wenn bestimmte rekurrente Ziele oder Zwecke kommunikativ realisiert werden sollen“ (Fiehler et al. 2004, 99), so dass auf bereits angeeignete Praktiken und kommunikative Bausteine zurückgegriffen werden kann. Sie bilden also innerhalb des kommunikativen Geschehens ein
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Identitätsfunktion von Sprache und Dialekten ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung des Dialektgebrauchs im Kontext des Web 2.0.
2. Forschungsfrage und Hypothesenbildung: In diesem Kapitel werden die zentralen Forschungsfragen sowie die aufgestellten Hypothesen hinsichtlich des Dialektgebrauchs bei Facebook dargelegt.
3. Forschungsstand: Hier wird der aktuelle Stand der Forschung zu Dialektologie und computervermittelter Kommunikation zusammengefasst und die Einordnung der vorliegenden Arbeit begründet.
4. Computervermittelte Kommunikation im Internet: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der computervermittelten Kommunikation und analysiert die verschiedenen Plattformen und ihre kommunikativen Praktiken.
5. Forschungsfeld Dialekt: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Dialektbegriffs, der Dialektologie als Disziplin und der Konzepte von Dialektverwendung und -bewertung.
6. Synthese: Dialektologie und computervermittelte Kommunikation: Dieses Kapitel führt die beiden theoretischen Stränge zusammen und leitet die Erwartung ab, dass Dialekt auch in der computervermittelten Kommunikation eine Rolle spielt.
7. Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das Forschungsdesign, das Messinstrument der Online-Befragung sowie die Kriterien der Datenkontrolle und -auswertung.
8. Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Der Hauptteil präsentiert die deskriptive Analyse der erhobenen Daten sowie die Diskussion der Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesenprüfung.
9. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Erhebung zusammen und beantwortet die zugrundeliegenden Forschungsfragen.
10. Fazit und Ausblick: Der abschließende Teil zieht ein Fazit über die methodischen Herausforderungen und gibt einen Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Spracheinstellungen, Dialektgebrauch, Facebook, Computervermittelte Kommunikation, Web 2.0, Wahrnehmungsdialektologie, Soziolinguistik, Dialektbewertung, Online-Netzwerke, konzeptionelle Mündlichkeit, Identitätsstiftung, Sprachwandel, empirische Forschung, Kommunikative Praktiken, Dialektkompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Hausarbeit untersucht, wie Nutzer des sozialen Netzwerks Facebook zu dialektal gefärbtem Sprachgebrauch stehen und ob sie in ihren eigenen Beiträgen Dialekt verwenden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft die beiden Felder der computervermittelten Kommunikation und der Wahrnehmungsdialektologie, um zu ergründen, wie digitale Kommunikation die Sprachverwendung beeinflusst.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob eine "dialektale Schriftlichkeit" bei Facebook existiert und welche persönlichen oder situativen Faktoren Nutzer dazu bewegen, Dialekt zu schreiben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wurde eine quantitative Online-Umfrage durchgeführt, an der 345 Facebook-Nutzer teilnahmen, um Einstellungsdaten statistisch auszuwerten.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Internetkommunikation und Dialektologie sowie die detaillierte Vorstellung der empirischen Untersuchung, ihrer Datenauswertung und der anschließenden Diskussion der aufgestellten Hypothesen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben Facebook-Kommunikation sind Begriffe wie konzeptionelle Mündlichkeit, Spracheinstellungen, dialektale Identität und die Abgrenzung von Dialekt und Standardsprache für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Spielt die regionale Herkunft eine Rolle für den Dialektgebrauch?
Ja, die Studie zeigt ein deutliches Nord-Süd-Gefälle: Teilnehmer aus südlicheren Regionen weisen eine höhere Dialektkompetenz auf und nutzen diesen auch häufiger bei Facebook.
Wird Dialektgebrauch bei Facebook als angemessen empfunden?
Dies hängt stark vom Kontext ab; private Nachrichten und Kommentare werden eher als angemessen für Dialektgebrauch bewertet, während dies bei formellen Anlässen abgelehnt wird.
Beeinflusst Facebook den Dialektgebrauch im echten Leben?
Die Mehrheit der Befragten verneint dies; die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Online-Nutzung von Dialekt kaum Auswirkungen auf den alltäglichen Sprachgebrauch außerhalb des Netzwerks hat.
- Quote paper
- Nadja Grebe (Author), 2012, Liken, wenn dir dit jefällt!, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205661