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Trügerisch, machtvoll, destruktiv – Geld und Gold in Theodor Storms „Im Nachbarhause links“

Titel: Trügerisch, machtvoll, destruktiv – Geld und Gold in Theodor Storms „Im Nachbarhause links“

Hausarbeit , 2012 , 30 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Wiebke Hugen (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Darstellung der zutiefst hasserfüllten und deshalb einsamen, vom Alter schwer gezeichneten und höchst argwöhnischen Madame Sievert Jansen in Theodor Storms „Im Nachbarhause links“ lässt keinen Zweifel, dass im Leben der Greisin etwas gründlich schief gegangen ist, das in ihrem späteren Leben seinen Tribut zollt. Gleichzeitig erleben wir die Bewohnerin des „Nachbarhauses links“ als reuelos und trotz schlechter physischer Verfassung als zäh und äußerst willensstark, was darauf hindeutet, dass sie sich mit ihrer Situation durchaus zu arrangieren weiß. Dafür liefert die Erzählung eine Erklärung: Botilla Jansen fand mit dem Geld einst etwas, das vermag, die „normalen“ menschlichen Bedürfnisse, welche den Ausschluss jedweder sozialer Kontakte eigentlich nicht zulassen, zu kompensieren – eine Ersatzbefriedigung. Insbesondere an ihrem Goldschatz, den die Greisin Zeit ihres Lebens angehäuft hat, kann sie nun, da ihr jedes andere Glück abhanden gekommen ist, ihre Triebe und Leidenschaften ausleben. Vom Geiz zerfressen, richtet sich folglich ihr ganzes Bemühen darauf, ihr Vermögen zu schützen – komme da, was wolle. Die Chance auf menschliche Nähe hat sie dank einer steten Haltung, die selbst die eigenen Familienmitgliedern zu Schnorrern und potenziellen Dieben erklärt, längst verwirkt.
Die vorliegende Arbeit wird untersuchen, wie das Geld in Botilla Jansens Leben einen solchen Stellenwert einnehmen konnte und in welch destruktiver Weise es sich fortan auf ihr Dasein auswirkt. Dazu wird nachvollzogen, inwiefern Geld bzw. Gold die Lebensstadien der Protagonistin beeinflusste und anhand zweier Theorien ein Einblick in die Psyche der Figur gewagt: Zum einen gibt die Erzählung Anhaltspunkte dafür, der Protagonistin eine Besessenheit durch einen „Dämon Gold“ zu attestieren. Zum anderen, doch daran angelehnt, lässt sich die Macht des Geldes mit einem Fetischismus erklären, also einer irrationalen Subjekt-Objekt-Beziehung, die auf dem Glauben Botillas an die Kraft ihres Goldschatzes beruht. Zu Beginn soll jedoch ein Einblick in die Entstehungsgeschichte der Novelle darlegen, weshalb sich Theodor Storm für einen derart desillusionierenden Stoff, bei dem alles auf das düster gezeichnete Ende eines verwirkten Menschenlebens gerichtet ist, entschied. Den Bogen hierzu schlägt das fünfte Kapitel, in dem geklärt wird, ob mit der Figur Mechtilds, Botillas positivem Gegenbild in der Erzählung, ein „Anlass zur Hoffnung“ vermittelt werden soll.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Desillusionierung des Humanisten Storm infolge gesellschaftlicher Bewegungen

2.1 Botilla Jansen als Paradebeispiel der menschlich gescheiterten Kapitalistin

3 Dem Goldrausch auf der Spur: Einflüsse und Auswirkungen im Leben der Botilla Jansen

3.1 Zentrale Anhaltspunkte in der Novelle

3.2 Zwischenfazit I: Das Gold – vier Lebensstadien, ein Bezugspunkt

3.3 Zwischenfazit II: Botilla Jansen als „Opfer“ von Herkunft und Erziehung

4 Die Kraft des Goldes – zwei Thesen

4.1 Das Gold als dämonische Kraft

4.2 Das Gold als Fetisch

5 Mechtild – Das humane Gegenbild zu Botilla Jansen?

6 Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den Stellenwert des Geldes im Leben der Protagonistin Botilla Jansen in Theodor Storms Novelle „Im Nachbarhause links“ und analysiert dessen zerstörerische Auswirkungen auf ihr Dasein. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, warum und auf welche Weise das Geld eine derart deformierende Wirkung auf ihren Charakter ausüben konnte und wie Storm dies im Kontext seiner gesellschaftlichen Desillusionierung darstellt.

  • Entstehungsgeschichte und gesellschaftlicher Kontext der Novelle
  • Entwicklung von Botilla Jansen vom "goldbesessenen" Kind bis zur isolierten Greisin
  • Analyse des "Dämons Gold" als Triebkraft der menschlichen Entstellung
  • Theoretische Untersuchung des Fetischcharakters des Geldes
  • Gegenüberstellung von Botilla Jansen und der Figur Mechtild

Auszug aus dem Buch

3.1 Zentrale Anhaltspunkte in der Novelle

Wie bereits festgestellt wurde, ist das Leben der Botilla Jansen von seinem Ende her erzählt. Erst nach und nach erhält der Leser – gemeinsam mit dem jungen Ich des Binnenerzählers – Informationen über frühere Lebensstadien der Figur. Seine erste überraschende Begegnung mit der alten Frau, die in der Stadt als schrullige Einzelgängerin, „Geizdrache“ (S. 356) und „alte Hexe“ (S. 357) verschrien ist, hat der Erzähler der Geschichte vom „Nachbarhause links“ (die eine Binnenerzählung innerhalb der eigentlichen Novelle darstellt) bei einem zufälligen Zusammentreffen in den benachbarten Gärten: Hier kommt es über die Grenze der Grundstücke hinweg zum Blickkontakt mit Frau Jansen.

Auffällig ist an ihrem Auftritt vor allem ihre ungewöhnliche Aufmachung („Ihr schwarzes verschossenes Kleid war von einem Stoffe, den man damals Bombassin nannte; auf dem Kopf trug sie einen italienischen Strohhut mit einer weißen Straußenfeder“, S. 349 / „das Gesicht [war] zu beiden Seiten […] mit einigen Rollen falscher Locken eingerahmt […], wie sie vordem auch wohl von jüngeren Frauen getragen wurden“, S. 350) und ihr Verhalten, als sie der Beobachtung durch den Nachbar gewahr wird: „Als ich dann fast verlegen meinen Hut vom Kopf zog, erwiderte sie dies Kompliment durch einen feierlichen Knicks im strengsten Stile […]“ (S. 350).

An dieser Stelle erhält der Leser erste wichtige Hinweise zum Charakter Botillas, der nach wie vor von übertriebener Eitelkeit geprägt ist, sowie zu ihrer Herkunft bzw. einem früheren Leben, in dem sie sich augenscheinlich in gehobenen gesellschaftlichen Kreisen bewegte (dass sowohl die altmodische Ausstaffierung der alten Frau als auch ihre übertriebene Geste zum Gruße ihre Wirkung inzwischen vollends verfehlen und ins Lächerliche verkehrt erscheinen, ist ebenso symptomatisch für den Verfall der Figur wie ihre Beschreibung als „winzige zusammengekrümmte Frauengestalt“ mit „verfallenem Antlitz“, S. 349 / 350).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Novelle und Darlegung der Fragestellung zur destruktiven Rolle des Geldes im Leben der Protagonistin.

2 Die Desillusionierung des Humanisten Storm infolge gesellschaftlicher Bewegungen: Analyse des Einflusses der historisch-politischen Lage der Gründerzeit auf das pessimistische Weltbild Theodor Storms.

2.1 Botilla Jansen als Paradebeispiel der menschlich gescheiterten Kapitalistin: Untersuchung der Figur Botilla als gesellschaftliche Außenseiterin, die Merkmale der frühkapitalistischen Gesellschaft verkörpert.

3 Dem Goldrausch auf der Spur: Einflüsse und Auswirkungen im Leben der Botilla Jansen: Detaillierte Analyse der Lebensstadien der Protagonistin anhand textlicher Hinweise auf ihre Sammelleidenschaft.

3.1 Zentrale Anhaltspunkte in der Novelle: Zusammenstellung der prägenden Charakterzüge und erziehungsbedingten Neigungen aus der Textvorlage.

3.2 Zwischenfazit I: Das Gold – vier Lebensstadien, ein Bezugspunkt: Systematisierung der Entwicklung von der Kindheit bis zum Lebensende in Bezug auf den materiellen Besitz.

3.3 Zwischenfazit II: Botilla Jansen als „Opfer“ von Herkunft und Erziehung: Beleuchtung der Determination der Figur durch Kindheitseinflüsse und gesellschaftliche Faktoren.

4 Die Kraft des Goldes – zwei Thesen: Überleitung zur theoretischen Deutung der Macht des Goldes durch zwei philosophische Ansätze.

4.1 Das Gold als dämonische Kraft: Untersuchung der Geldgier als dämonische Entstellung des menschlichen Charakters nach Margaret Peischl.

4.2 Das Gold als Fetisch: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Fetischbegriff und der Wirkung des Goldes als Ersatz für soziale Bindungen.

5 Mechtild – Das humane Gegenbild zu Botilla Jansen?: Vergleich der Protagonistin mit der Nichte Mechtild, um das Potenzial für eine andere Lebensführung zu prüfen.

6 Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und Fazit über die Warnfunktion der Novelle bezüglich des Materialismus.

Schlüsselwörter

Theodor Storm, Im Nachbarhause links, Novelle, Geldgier, Gold, Fetischismus, Desillusionierung, Kapitalismus, menschlicher Verfall, Isolation, Botilla Jansen, gesellschaftliche Entwicklung, Materialismus, Wahnsinn, Mechtild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie die Protagonistin Botilla Jansen in Theodor Storms Novelle durch ihre lebenslange Fixierung auf Geld und Gold systematisch vereinsamt und menschlich verfällt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Feldern zählen der Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen auf die Literatur, die psychologische Analyse von Habgier sowie die philosophische Bedeutung des Fetischismus.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Entwicklung der Hauptfigur als Resultat einer fatalen Lebensentscheidung zu deuten und aufzuzeigen, wie das materielle Streben soziale Bindungen ersetzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die textimmanente Beobachtungen mit theoretischen Modellen zum "Dämonischen" und zum "Fetischismus" verknüpft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Analyse der Lebensstadien Botillas sowie eine theoretische Einordnung ihrer Charakterdeformation mittels zeitgenössischer und philosophischer Theorien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Gold", "Fetischismus", "Desillusionierung", "Kapitalismus" und "menschlicher Verfall" definiert.

Warum wird das Leben der Botilla Jansen vom Ende her erzählt?

Der Aufbau dient dazu, dem Leser die verheerenden Endkonsequenzen ihrer Lebensweise vor Augen zu führen, bevor das "Rätsel" ihrer Entwicklung durch Rückblicke gelöst wird.

Welche Rolle spielt die Figur Mechtild im Vergleich?

Mechtild dient als "humanes Gegenbild" zur Protagonistin und zeigt, dass auch unter schwierigen Bedingungen eine Entscheidung gegen den reinen Materialismus und für die Liebe möglich ist.

Inwiefern beeinflusste die politische Lage der Gründerzeit Storms Werk?

Die Enttäuschung über den unethischen Kapitalismus nach der Reichsgründung spiegelt sich in den "Desillusionierungsnovellen" wider, in denen Storm den moralischen Verfall des Bürgertums thematisiert.

Was bedeutet es, wenn das Gold als "Fetisch" bezeichnet wird?

Als Fetisch erhält das Gold eine eigendynamische, lebensähnliche Macht; es wird für Botilla zum Ersatz für soziale Interaktion und bietet eine trügerische Sicherheit gegen die Vergänglichkeit.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Trügerisch, machtvoll, destruktiv – Geld und Gold in Theodor Storms „Im Nachbarhause links“
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für deutsche Literatur)
Veranstaltung
Theodor Storm: Novellen
Note
1,0
Autor
Wiebke Hugen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
30
Katalognummer
V205729
ISBN (eBook)
9783656323556
ISBN (Buch)
9783656325796
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fetisch Fetischismus Storm Geld Novelle Gold Realismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Wiebke Hugen (Autor:in), 2012, Trügerisch, machtvoll, destruktiv – Geld und Gold in Theodor Storms „Im Nachbarhause links“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205729
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Leseprobe aus  30  Seiten
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