Der steigende Wettbewerbsdruck auf den global verschmelzenden Weltmärkten und der damit verbundene Wechsel vom Anbieter- zum Käufermarkt stellen besonders produ-zierende Unternehmen vor immer neue Herausforderungen. Insbesondere die wirt-schaftliche Handhabung kundenindividueller Variantenausprägungen in kleinen Aufla-gen bis hin zur Losgröße eins ist dabei problematisch. Zudem gewinnt der Faktor Flexi-bilität immer mehr an Bedeutung, um geringe Durchlaufzeiten zu generieren und den immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen gerecht zu werden.
Der Prinzipien- und Methodenbaukasten der Lean-Production stellt eine Vielzahl an Werkzeugen zur Erschließung von Rationalisierungspotenzialen bereit. Sind die Kapa-zitäten der Prozessverbesserungen auf produzierender Ebene weitestgehend ausge-schöpft ist es notwendig, die schlanken Prinzipien über die gesamte Wertschöpfungsket-te auszuweiten. Durch die Integration auf logistischer Ebene lassen sich nachhaltige Wettbewerbsvorteile generieren. Auf der Ebene der Produktionslogistik stellt besonders die Materialbereitstellung einen Herd an Verschwendungen und Ineffizienzen dar, die es im Rahmen der Prozessverbesserungen zu eliminieren gilt.
Neben vielen anderen Methoden der Lean Logistics zeigt sich insbesondere die zyklische Materialbereitstellung mittels Milkrun als gelungenes Werkzeug auf dem Weg zur operativen Exzellenz. Das Erfolgskonzept innerbetrieblicher Milkruns ist weit verbreitet, dennoch mangelt es an klaren Richtlinien zur Planung und Bewertung der Routenzüge. Neben ergonomischen und kapazitätsorientierten Planungsansätzen gilt es hierzu insbesondere die benötigten Ausführungszeiten als Soll-Zeiten in Abhängigkeit der Ge-staltungsparameter in der Planungsphase zu bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2 Ganzheitliche Produktions- und Logistiksysteme
2.1 Lean Production
2.2 Ganzheitliche Produktionssysteme
2.3 Lean Logistics
3 Zyklische Materialbereitstellung mittels Milkrun
3.1 Herausforderungen für die Materialbereitstellung
3.2 Entwicklung der Milkrun-Verfahren
3.2.1 Eigenschaften
3.2.2 Staplerfreie Fertigung
3.2.3 Abgrenzung zu ähnlichen Verfahren
3.3 Prozessschritte
3.4 Organisatorische und technische Ausführungsformen
3.4.1 Transportsystem und Routenführung
3.4.2 Quelle
3.4.3 Senke
3.4.4 Steuerungssystem
3.5 Gestaltungsansätze
4 Zeitdatenmanagement
4.1 Zeitaufnahmen
4.2 Multimomentstudien
4.3 Vergleichen und Schätzen
4.4 Berechnen
4.5 Befragen
4.6 Simulieren
4.7 Systeme vorbestimmter Zeiten
5 Beschreibung ausgewählter SvZ
5.1 Methods Time Measurement
5.1.1 MTM-1 Grundverfahren
5.1.2 MTM-Bausteinsystem
5.1.3 Universelles Analysiersystem
5.1.4 MTM-Standardvorgänge Logistik
5.2 Maynard Operation Sequence Technique
5.2.1 Work-Factor
6 Planungsmodell
6.1 Definition und Abgrenzung des Modells
6.2 Ausprägungsformen
6.3 Bilden von Ablaufabschnitten und Prozesscharakteristika
6.4 Auswahl der Zeitdatenermittlungsmethode
6.4.1 Prozesscharakteristika
6.4.2 Verfahrenscharakteristika
6.4.3 Entscheidungsfindung
7 Modellierung anhand eines Referenzprozesses
7.1 Handhabungsprozesse
7.1.1 Laufwege an den Haltestellen
7.1.2 Informationsaufnahme
7.1.3 Handhaben
7.2 Transportprozesse
7.2.1 Fahren
7.2.2 Start-/Stoppvorgänge
7.2.3 Laufwege entlang des Transportmittels
7.3 Bestimmung der Parameter
7.4 Zusammensetzung des Gesamtprozesses
8 Operationalisierung des Planungskonzepts
9 Modellerweiterungen
9.1 Manueller Transportwagen
9.2 Ankuppeln von Behältern
9.3 Taxiwagen
9.4 Handhabung von Verbrauchssignalen
9.5 Ergänzungswerte Transportmittel
10 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Entwicklung eines Konzepts zur zeitlichen Bewertung innerbetrieblicher Milkruns im Planungsstadium, um eine fundierte Basis für die Gestaltung und Optimierung dieser logistischen Prozesse zu schaffen.
- Grundlagen der Lean Production und Lean Logistics
- Analyse und Charakterisierung von Milkrun-Systemen
- Methoden des Zeitdatenmanagements und Systeme vorbestimmter Zeiten (SvZ)
- Entwicklung und Operationalisierung eines Planungsmodells für Milkruns
- Modellierung anhand eines Referenzprozesses inklusive Handhabungs- und Transportvorgängen
Auszug aus dem Buch
3.3 Prozessschritte
Nachdem der grobe Gestaltungsrahmen der Materialbereitstellung festgelegt ist, lässt sich nun der Milkrun-Zyklus wie in Abbildung 3-2 zu sehen ist, genauer beschreiben. Bewusst handelt es sich hierbei um eine sehr allgemeine Beschreibung um Platz für verschiedene Ausprägungsformen zu lassen.
Den Startpunkt des Milkrun-Zyklus bildet das Aufnehmen des bereits vorkommissionierten Materials an der/den Quelle(n). Je nach Anzahl der zu beliefernden Senken, erfolgt ein iteratives Anfahren der Verbrauchsorte an denen jeweils ein Voll-/ Leerguttausch stattfindet. Anschließend werden die Leergutsammelstation(en) angefahren und das Leergut abgeladen. Abschließend führt der Zyklus wieder zum Startpunkt zurück. Wenn die Leergutsammelstation(en) und Quelle(n) sehr nahe beieinander liegen, muss kein weiteres Anfahren erfolgen (Baudin 2007, S. 68f; Droste, Deuse 2011, S. 606; Hartmann 2004, S. 292f; IPE GmbH 2012, S. 10; Kovacs 2011, S. 312; Nyhuis u. a. 2006, S. 347).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beschreibt die Ausgangssituation, das Ziel der Arbeit sowie den Aufbau und die methodische Vorgehensweise.
2 Ganzheitliche Produktions- und Logistiksysteme: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Lean Production, Ganzheitlicher Produktionssysteme und der Lean Logistics erläutert.
3 Zyklische Materialbereitstellung mittels Milkrun: Dieses Kapitel widmet sich den Anforderungen, der Entwicklung, den Prozessschritten und den Ausführungsformen von Milkrun-Systemen.
4 Zeitdatenmanagement: Es erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Methoden der Zeitermittlung wie Zeitaufnahmen und Systemen vorbestimmter Zeiten.
5 Beschreibung ausgewählter SvZ: Eine tiefergehende Untersuchung spezifischer Systeme vorbestimmter Zeiten, insbesondere MTM und MOST, wird hier vorgenommen.
6 Planungsmodell: In diesem Kapitel wird ein Modell definiert, das die Auswahl geeigneter Zeitermittlungsmethoden für Milkruns unterstützt.
7 Modellierung anhand eines Referenzprozesses: Die Anwendung des Modells wird anhand eines konkreten Referenzprozesses mit verschiedenen Handhabungs- und Transportvorgängen demonstriert.
8 Operationalisierung des Planungskonzepts: Die operative Umsetzung erfolgt mittels eines Excel-Tools, das als Planungsmodell dient.
9 Modellerweiterungen: Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, das Modell um weitere Ausprägungen und Anforderungen zu ergänzen.
10 Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend erfolgt ein Fazit der Arbeit sowie ein Ausblick auf zukünftige Forschungsschritte.
Schlüsselwörter
Milkrun, Lean Production, Lean Logistics, Materialbereitstellung, Zeitdatenmanagement, Zeitaufnahme, Multimomentstudie, MTM, MOST, Work-Factor, Planungsmodell, Transportlogistik, Prozessbausteine, Zykluszeit, Produktionssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung eines Konzepts zur zeitlichen Bewertung von innerbetrieblichen Milkrun-Systemen bereits während der Planungsphase.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Lean-Logistik, die Methoden der Zeitwirtschaft sowie die Modellierung und Berechnung von logistischen Transport- und Handhabungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Planern ein Werkzeug an die Hand zu geben, mit dem sie die Auslastung und Effizienz von Milkrun-Routen zeitlich bewerten können, bevor diese in der Praxis implementiert werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Konzepte und kombiniert diese mit dem MTM-System (Methoden vorbestimmter Zeiten), um ein spezifisches Planungsmodell in Excel zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Milkrun-Prozessschritte, eine detaillierte Beschreibung der Zeitwirtschaftsmethoden und die anschließende Konstruktion und Anwendung des Planungsmodells an einem Referenzprozess.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Schlüsselwörtern gehören Milkrun, Lean Logistics, MTM, Zeitwirtschaft, Prozessbausteine und Materialbereitstellung.
Warum sind Systeme vorbestimmter Zeiten (SvZ) für das Modell so wichtig?
SvZ ermöglichen eine prospektive Zeitplanung, ohne dass der reale Prozess bereits existieren muss, was für die Planungsphase von Milkrun-Routen entscheidend ist.
Wie trägt das Excel-Tool zur Problemlösung bei?
Das Excel-Tool operationalisiert das theoretische Modell, indem es die manuellen Berechnungen automatisiert und es dem Planer erlaubt, durch die Anpassung von Parametern schnell verschiedene Szenarien zu vergleichen.
- Quote paper
- Benedikt Kramps (Author), 2012, Entwicklung eines Planungskonzepts zur parameterbasierten Zeitermittlung innerbetrieblicher Milkruns in der Lean Production, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205779