Vor dem Hintergrund der finanziellen Lage der Städte können viele notwendige Investitionen,insbesondere an Straßen, Schulen, Kindergärten und Rathäusern, kaum umgesetzt werden, so dass sich bereits der Begriff ‚kommunale Schuldenfalle’ entwickelt hat. Die seit langem bestehende und kontinuierlich gestiegene strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen hat zu einem erheblichen Investitionsstau geführt. Bis zum Jahr 2020 wird ein kommunaler Investitionsbedarf in Höhe von mehr als 700 Mrd. € insbesondere in den Bereichen Verkehr und Bildungsinfrastruktur erwartet. Doch wie kann unter Berücksichtigung der schwierigen Haushaltssituation zukünftig die Bereitstellung einer funktionierenden kommunalen Infrastruktur auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit gewährleistet werden?
Eine Lösung zur Realisierung von öffentlichen Aufgaben ist Public Private Partnership (PPP). Projekte im Rahmen von PPP haben in Deutschland in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Vor dem Hintergrund der schwierigen Haushaltssituation und der notwendigen Wartungs-, Sanierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen wird
somit die Erfüllung der öffentlichen Aufgaben ermöglicht.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privaten bei PPP-Projekten darzustellen und die beiden wesentlichen Formen der Finanzierung dieser Projekte und dessen Möglichkeiten der Risikoverteilung zwischen den Projektpartnern
aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Public Private Partnership
2.1. Begriffsbestimmungen
2.2. Anwendungsbereiche
2.3. PPP in Deutschland
2.4. Vertragsmodelle
2.4.1. PPP-Verfügbarkeitsmodelle
2.4.2. PPP-Konzessionsmodell (K-Modell)
2.4.3. PPP-Gesellschaftsmodell (G-Modell)
3. PPP-Finanzierung
3.1. Projektfinanzierung
3.1.1. Merkmale der Projektfinanzierung
3.1.2. Grundstruktur der Projektfinanzierung
3.2. Forfaitierung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft im Rahmen von Public Private Partnership (PPP)-Projekten mit Fokus auf Finanzierungsmodelle und Risikoverteilung.
- Grundlagen und Definitionen von Public Private Partnership
- Anwendungsbereiche und rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland
- Verschiedene Vertragsmodelle für PPP-Bauprojekte
- Analyse der Projektfinanzierung als Organisationsmodell
- Funktionsweise und Bedeutung der Forfaitierung mit Einredeverzicht
Auszug aus dem Buch
3.1. Projektfinanzierung
Unter Projektfinanzierung versteht man eine sich selbst tragende Wirtschafteinheit, bei der sich die Kapitalgeber hauptsächlich auf den Cash Flow für die Rückzahlung des Fremdkapitals verlassen und die Aktiva des Projektes als Sicherheit dienen. Der Fremdkapitalgeber berücksichtigt somit neben den Projektaktiva primär die zu erwartenden Zahlungsströme, also die Ertragkraft und die Risikostruktur des jeweiligen Projekts.
Die Projektfinanzierung ist durch drei wesentliche Merkmale geprägt. Einerseits stehen bei der Kreditvergabe, im Gegensatz zur klassischen Kreditfinanzierung, bei der die Bonität des Unternehmens ausschlaggebend ist, die prognostizierten Cash Flows im Vordergrund. Dieses Merkmal wird in der Praxis als ‚Cash Flow related lending’ bezeichnet.
Als weiters Merkmal ist das sogenannte ‚Risk Sharing’ anzuführen. In der Regel ist bei der Projektfinanzierung eine vollständige Absicherung durch die Projektaktiva nicht möglich. Aus diesem Grund werden die Risiken in wirtschaftlich sinnvoller Weise auf die Projektbeteiligten verteilt, wobei jeweils der Projektpartner den größten Teil des Risikos trägt, der dieses am besten beeinflussen und kontrollieren kann. Somit tragen nicht nur die Sponsoren, sondern auch alle anderen Beteiligten gewisse Risiken. Die Verteilung dieser Risiken ist eine grundlegende Voraussetzung für eine erfolgreiche Projektfinanzierung, so dass das Risk Sharing als wichtigstes der drei Merkmale angesehen werden kann.
Das dritte charakteristische Merkmal ist das ‚Limited Recourse Financing’. Bei der Projektfinanzierung sind die Projektsponsoren grundsätzlich bestrebt ihre Haftung durch Gründung einer eigenständigen Projektgesellschaft zu mindern. Hierbei wird in der Regel je nach Haftungsanspruch der Kreditgeber gegenüber den Sponsoren in Limited und Non Recourse Finanzierungen unterschieden. Bei der Non Recourse Finanzierung fehlt den Kapitalgebern die Rückgriffsmöglichkeit auf die Projektsponsoren, so dass ein Großteil der Risiken bei den Kapitalgebern verbleibt. Bei der Projektfinanzierung wird in der Regel die Limited Recourse Finanzierung verwendet, da die Kreditgeber hierbei in einem begrenzten Umfang auf das Vermögen der Sponsoren zurückgreifen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den kommunalen Investitionsstau und stellt PPP als Lösung zur Bereitstellung öffentlicher Infrastruktur vor.
2. Public Private Partnership: Dieses Kapitel definiert PPP als langfristiges Organisationsmodell, erläutert die Anwendungsbereiche und stellt verschiedene Vertragsmodelle wie E-, M-, L-, I-, K- und G-Modelle vor.
3. PPP-Finanzierung: Hier werden die Projektfinanzierung durch ihre Merkmale sowie die Forfaitierung mit Einredeverzicht als zwei zentrale Finanzierungsformen für PPP-Projekte analysiert.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass PPP eine wirksame Strategie gegen den Investitionsstau darstellt, wobei die Wahl der Finanzierungsform maßgeblich die Risikoverteilung und die Effizienz des Projekts beeinflusst.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, PPP, Projektfinanzierung, Forfaitierung, Infrastruktur, öffentliche Hand, Risikoverteilung, Investitionsstau, Vertragsmodelle, Cash Flow related lending, Risk Sharing, Limited Recourse Financing, Einredeverzicht, Daseinsvorsorge, kommunale Finanzen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Finanzierung von Public Private Partnership (PPP)-Projekten im Kontext der kommunalen Daseinsvorsorge und der Bewältigung des Investitionsstaus in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Themen sind die Definition von PPP, die Darstellung gängiger Vertragsmodelle und eine detaillierte Untersuchung der Finanzierungsformen, insbesondere der Projektfinanzierung und der Forfaitierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft bei PPP-Projekten sowie die wesentlichen Finanzierungsformen und deren Möglichkeiten zur Risikoverteilung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine strukturierte deskriptive Analyse und Literaturrecherche, um die bestehenden Finanzierungsmodelle für PPP-Projekte und deren jeweilige Strukturmerkmale zu erläutern.
Was wird primär im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die konzeptionellen Grundlagen von PPP, die Vorstellung spezifischer Vertragsmodelle sowie eine fundierte Analyse der Projektfinanzierung und der Forfaitierung als Instrumente der PPP-Umsetzung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wesentliche Begriffe sind PPP, Projektfinanzierung, Forfaitierung, Risikoverteilung, öffentliche Infrastruktur und Effizienzpotentiale.
Wie unterscheidet sich die Projektfinanzierung von klassischen Kreditfinanzierungen?
Im Gegensatz zur klassischen Finanzierung, die primär auf der Bonität des Unternehmens basiert, fokussiert die Projektfinanzierung auf die prognostizierten Cash Flows des Projekts und eine risikogerechte Verteilung auf die Projektbeteiligten.
Warum ist der Einredeverzicht bei der Forfaitierung von Bedeutung?
Der Einredeverzicht ist entscheidend, da er das Ausfallrisiko für die finanzierende Bank minimiert, indem der öffentliche Auftraggeber sich verpflichtet, unabhängig von der tatsächlichen Leistungserbringung des privaten Partners zu zahlen, was zu günstigeren Finanzierungskonditionen führt.
Was ist das Ziel des „Risk Sharing“ innerhalb eines PPP-Projekts?
Das Ziel ist die wirtschaftlich sinnvolle Verteilung von Risiken, bei der jeder Projektpartner diejenigen Risiken trägt, die er am effektivsten steuern und beeinflussen kann.
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- Sabrina Kühn (Autor), 2012, Public Private Partnership-Finanzierungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205869