Was versteht man unter der von Karl Friedrich Schinkel geplanten VIA TRIUMPHALIS und wie setzte er diese Planung in Berlin im 19. Jahrhundert um?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

25 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Bedingungen
2.1 Die Umgebung der Neuen Wache

3. Die neue Wache
3.1 Entwürfe
3.2 Die Beschreibung des heute vorhandenen Baukörpers
3.3 Die Genese der Neuen Wache
3.4 Die Neue Wache, wie es weiterging

4. Die Denkmäler
4.1 Das Denkmal des General Scharnhorst
4.2 Das Denkmal des General Bülow von Dennewitz
4.3 Das Denkmal des Fürsten von Blücher
4.4 Das Denkmal des Grafen York von Wartenburg
4.5 Das Denkmal des Grafen Gneisenau
4.6 Das Denkmal für Friedrich den Großen

5. Die Schlossbrücke

6. Schlussbetrachtung

7. Literatur

8. Daten zu den Denkmälern

9. Abbildungsquellen

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll das Werk Karl Friedrich Schinkels in Berlins heutiger Mitte besprochen werden. Der Baumeister erarbeitete in der preußischen Zeit einen Plan, wie er die Stadtansicht maßgeblich verändern kann. Der Fokus wird in der vorliegenden Hausarbeit auf dem Bau der Neuen Wache und dem Areal rund herum liegen. Karl Friedrich Schinkel bekam nach den Befreiungskriegen von König Friedrich Wilhelm III. den Auftrag für dieses Gebäude. In seine Planung bezog Schinkel die Umgebung mit ein und konstruierte eine VIA TRIUMPHALIS für das preußische Militär.

Genau diese VIA TRIUMPHALIS soll Gegenstand der Fragestellung werden. Wie erhoffte sich der Architekt diese Straße und welche Bildsprache wählte Schinkel dafür? Hierfür ist eine Betrachtung der Straße Unter den Linden notwendig. Diese beginnt im Westen mit dem Brandenburger Tor und endet im Osten auf der heutigen Museumsinsel. Ich möchte kurz auf das Brandenburger Tor eingehen, welches ab 1788 von Carl Gotthard Langhans errichtet wurde. Es bildet das westliche Ende der geplanten VIA TRIUMPHALIS. Weiter geht es an der Neuen Wache vorbei. Hier sind die Denkmäler der siegreichen Feldherren zu betrachten, welche Schinkel bei Christian Daniel Rauch in Auftrag gab. Und zu guter letzt möchte ich die Schlossbrücke mit ihrem Statuenschmuck besprechen. Diese Brücke führt die Straße Unter den Linden weiter auf die Museumsinsel, wo wir das Schloss und den Dom vorfinden.

Die verwendete Literatur bietet ein breites Spektrum zu der Arbeit des Städteplanersund Architekten. Schinkels Werke und Bauten sind vielfach beleuchtet und aufgearbeitet. Jürgen Tietz gibt in seinem Aufsatz „Schinkels neue Wache unter den Linden. Baugeschiche von 1816- 1993“ einen generellen Einblick in die Baugeschichte der Neuen Wache. Hieraus kann man sich einen ersten Überblick über die Geschehnisse machen. Erkis Forssman betrachtet die Bauphase schon genauer und stellt Karl Friedrich Schinkel in einen Kontext zu seinen Lehrer und Kollegen. Hier gelangt man tiefer in den Wirkungskreis um Schinkel und bekommt Hintergrundinformationen zu seinem Wissen geliefert. Der Autor Barry Bergdoll fokussiert in seiner Einleitung die historisch- militärische Situation. Er vermittelt Wissen über die damalige Zeit und die Bedeutung des Heeres in Preußen. Zuletzt möchte ich auf den Ausstellungskatalog der Bauakademie der DDR von 1982 mit dem Titel „Karl Friedrich Schinkel“ hinweisen, der durch eine gute Dokumentation einen schnellen und auch nahezu vollständigen Einblick in die Thematik bietet. Durch die klare Gliederung eines Ausstellungskataloges hat man immer direkt eine Abbildung des Besprochenen vor Auge.

Um die Denkmäler von Christian Daniel Rauch zu besprechen, nutze ich das Werk von Jutta von Simson. Sie bespricht ausführlich das Werk und dessen Genese, geht auf die historischen Umstände ein und spannt immer wieder einen Faden zu Rauchs Privatleben.

Insgesamt soll die vorliegende Hausarbeit einen Einblick in Karl Friedrich Schinkels Planungen und seine Ideen geben.

2. Historische Bedingungen

Das Ende der Befreiungskriege bedeutete für Schinkel eine Wende in seinem Leben.1 Ein neuer Abschnitt in seinem Berufsleben begann. Er sollte nicht länger Maler und Bühnenbildner sein, sondern konnte nun beginnen, Gebäude zu entwerfen und zu errichten.

Es war eine Zeit, in der sich Berlin verändern sollte, „da architektonische Träume während der Kriegs- und Besatzungszeit unerfüllt blieben.“2

Friedrich Gilly war im Jahr 1800 verstorben, Heinrich Gentz schien sich in Berlin nicht genug gefordert zu fühlen und ging zu seinem späteren Mentor Goethe nach Weimar. David Gilly, der Lehrer einer Generation preußischer Baumeister, verstarb 1808 im Elend unter französischer Besatzung. Der König kam 1809 aus dem ostpreußischen Exil zurück und beauftragte Gentz mit einer Erweiterung des Stadtpalais und später mit dem Mausoleum für die plötzlich verstorbene König Luise. Zwischen Oktober 1806 und August 1815 findet man keine hervorragenden Bautätigkeiten in Berlin, so Pundt.3

Nach den Befreiungskriegen wollte der preußische König Friedrich Wilhelm III. im Kronprinzenpalais residieren und nicht mehr in dem Berliner Hohenzollernschloss. Das Kronprinzenpalais befand sich im Osten an der Straße Unter den Linden. Demzufolge beauftragte der König den Künstler Karl Friedrich Schinkel damit, das alte Wachgebäude im Kastanienwäldchen zu erneuern.4 In direkter Umgebung findet man das Zeughaus und gegenüber der Wache steht das Königliche Palais. Es war Neuland, welches Schinkel damit betrat, da er sich bisher nur theoretisch an Skizzen und Entwürfen geübt hatte. Schinkel hatte bei seinen Lehrmeistern Gilly und Gentz gelernt, wie man städtebauliche Planungen vornahm. Zudem konnte er erahnen, dass er als Architekt des Staates keinen Plan ganz und gar nach seinen Vorstellungen durchbringen können würde. Schinkel musste die bereits vorhandenen Gebäude in seinen Plänen berücksichtigen und sich zum ersten Mal an Vorgaben wie etwa Kosten und Größe halten.

Generell wollte Schinkel gerne noch weitere Gebäude in diesem Abschnitt der Straße bearbeiten. Er hatte 1817 einen Bauplan für die Berliner Innenstadt entwickelt.

Schinkels Plan wurde nie ernsthaft in Erwägung gezogen, da es in den Staatskassen von Preußen zu wenig Mittel für ein solch umfassendes Projekt gab.5

2.1 Die Umgebung der Neuen Wache

Wir befinden uns in Berlin Mitte, wie man es heute nennt.6 Die Straße Unter den Linden verläuft von Osten nach Westen und ist eine von Baumreihen gesäumte Mittelpromenade. Eine Wache bestand bereits in Form einer Wachstube für die Artillerie und Kanoniere.7 Man nannte sie die alte Hauptwache. Sie verschwindet völlig aus der Ansicht der Straßenflucht, da sie von der Straße weg nach hinten gebaut war. Die Umgestaltung dieses Gebäudes wurde zu Schinkels erstem Auftragswerk. Die umliegenden Gebäude unterscheiden sich voneinander in Stil und Anlage, die Umgebung der Neuen Wache ist nicht durch eine einheitliche Ansicht geprägt.8 Im Osten der alten Hauptwache bzw. der Neuen Wache steht das barocke Zeughaus, das zeremonielle Hauptquartier des Militärs. Hiervor ist ein großer Platz, der Platz am Zeughaus. Neben dem Zeughaus ist ein Seitenarm der Spree und somit die von Schinkel umgestaltete Hundebrücke, die jetzige Schlossbrücke. Dazu komme ich in meiner Ausführung an einem späteren Punkt.

Gegenüber dem Zeughaus auf der anderen Straßenseite des Platzes befindet sich das Königliche Palais. Hier wollte König Friedrich Willhelm III. nach dem Kriegsende 1815 residieren. Somit hatte er seine Wache immer gut im Blick. Neben dem Palais steht die Staatsoper. Neben der Oper findet man den Bebel-Platz. Über die Schlossbrücke hinüber auf der anderen Flussseite findet man damals das Museum, den Dom und das Königliche Schloss, welche den Lustgarten in einem Halbkreis umschließen. In Richtung Westen findet man die Friedrich- Wilhelm- Universität. Dieser Bau war bis 1810 das Palais des Prinzen Heinrichs.9 Ebenso ist der Kastanienwald westlich hinter der Neuen Wache. Ganz am Ende der Straße Unter den Linden befindet sich um Westen das Brandenburger Tor auf dem Pariser Platz.

Die Neue Wache sollte eine eigene Wirkung zwischen den bedeutenden Bauten ausüben. Die bestehenden Gebäude waren Symbole für die militärische Tradition und die Bildung in Preußen. Eine weitere Herausforderung kam mit dem kleinen Graben neben der Wache für Karl Friedrich Schinkel hinzu. Auf dem Grundstück befand sich ein Wassergraben, der Grüne Graben. Es handelte sich um einen Teil des alten Festungsgrabens, der den Baugrund von Norden nach Süden durchschnitt. Zwischen dem Opernplatz und dem Platz am Zeughaus führte eine Brücke über diesen Graben. Das Geländer der Brücke war mit Statuen geschmückt. Hermann G. Pundt wirft die These auf, dass man den unansehnlichen Graben aus dem Stadtbild verschwinden lassen wollte und auch aus diesem Grund den Neubau der Wache plante.10

Sicherlich war eine solche Brücke für diesen wichtigen Ort nicht mehr geeignet. Sie hatte schlichtweg ausgedient und es musste eine Besserung her. Jedoch glaube ich, dass der König wirklich an einem neuen Wachhaus interessiert war und dies in den Vordergrund stellte.

3. Die neue Wache

In diesem Kapitel möchte ich auf den Baukörper selbst eingehen. Schinkel bekam den Auftrag des Königs und fertigte insgesamt drei Entwürfe für die Neue Wache an. Der dritte Entwurf wurde letztendlich umgesetzt.

In dem folgenden Abschnitt stelle ich zuerst die beiden nicht verwirklichten Entwürfe vor und komme dann zu dem verwirklichten Baukörper. Anschließend möchte ich den Grundriss beschreiben und dann auf Besonderheiten und die Literatur eingehen.

3.1 Entwürfe

Die Bauphase der klassizistischen Neuen Wache ist von 1816- 1818 datiert. Schinkel begann seine Arbeit und zeichnete Entwürfe, die eine „repräsentative Schaufassade“11 aufwiesen. Dies war in seinen Augen notwendig, da der Bau zwischen dem Zeughaus und dem Palais des Prinzen Heinrich nicht untergehen sollte.

Am Anfang gestaltete Schinkel die Neue Wache in Form einer Loggia mit drei offenen Arkaden.12 Die Literatur sieht hier eine Renaissance- Architektur als Vorbild.13 Die Loggia sollte nach hinten auf dem Grundstück verlagert werden, in der Häuserflucht nicht auftauchen und in einer tiefen Baumallee stehen. Sie wahrt eine Distanz zu den großen Repräsentanzbauten direkt an der Straße. Dem König schien dieser Platz nicht angemessen und zu idyllisch für seine Wache und lehnte den Entwurf an.14 Weiter entwickelte Schinkel einen Bau mit breiten, fünfachsigen Pfeilerportikus am Hauptgebäude und mit massiven Ecktürmen.15 Auf diesen Pylonen sollten übergroße Trophäen stehen, von welchen sich Adler erheben.16 Für das Gebälk des Portikuses entwarf Karl Friedrich Schinkel Kriegerköpfe, die das Thema der Masken sterbender Kriegers am Zeughaus frei zitieren sollten. Diesen Entwurf zeigte Schinkel im ersten Heft seiner „architektonischen Entwürfe“ von 1819.17 Der König entschied sich gegen die Trophäen auf den Ecktürmen, welche eine Verbindung zu dem Zeughaus in der direkten Nachbarschaft geschaffen hätten.

3.2 Die Beschreibung des heute vorhandenen Baukörpers

Die Neue Wache liegt an der Straße Unter den Linden. Damals wie auch heute ist diese Straße eine wichtige Achse in Berlin. In preußischer Zeit war es eine Zufahrt zum Schloss auf der Spreeinsel und eine Flanierstraße. Heutzutage ist es eine stark befahrene Straße, welche den Osten der Stadt mit dem Westen verbindet. Hinzu kommen die wichtigen Gebäude, etwa die Oper, die an der Straße liegen. Wir erblicken die Neue Wache in dem Zustand nach der letzten Umbauphase von 1993. Das Gebäude liegt hinter einem breiten Bürgersteig umsäumt von Kastanienbäumen.18 Man blickt auf ein rechteckiges Gebäude, mit einem Pfeilerportikus und dominanten Eckrisaliten. Für die Vorderansicht wurde Sandstein verwendet.19 Die Säulen gehören zu der dorischen Gattung. Auf dem Portikus befindet sich ein Giebel, welcher ein Relief trägt. Unter dem Giebel sind auf einer Freifläche Figuren angebracht. Über zwei Stufen erreicht man den Portikus. In der ersten Reihe wurden sechs Säulen benutzt, um den Portikus zu stützen, in der zweiten Reihe stehen vier Säulen. Diese vier Säulen sitzen genau parallel hinter den mittleren vier aus der Vorderreihe.20 Schaut man sich den Grundriss an, so sieht man, dass der Portikus etwa zwei Drittel der gesamten Breite einnimmt. Durch die Risalite wird der Gebäudekörper jeweils an den Ecken nochmals in der Breite betont. Die Seiten der Neuen Wache sind heute schmucklos und aus Backstein gefertigt. Aber auch in der originalen Fassung schienen die Seiten ohne Zierwerk zu sein.

[...]


1 Der französische Herrscher Napoleon war im Oktober 1806 durch das Brandenburger Tor in Berlin einmarschiert und hatte für einen Krieg gesorgt, der erst 1815 beendet werden konnte.

2 Siehe Pundt: S. 120

3 Ebenda

4 Siehe Tietz: S. 10.

5 Ausstellungskatalog: S.76

6 Abbildung 1

7 Siehe Forssman: S. 92.

8 Siehe Pundt: S. 122.

9 Ebenda: S. 123.

10 Siehe Pundt: S. 127.

11 Ebenda.

12 Abbildung 2

13 Siehe Tietz: S. 12.

14 Siehe Forssmann: S. 92.

15 Abbildung 3

16 Ausstellungskatalog: S. 76.

17 Ebenda.

18 Abbildung 7

19 Abbildung 4

20 Abbildung 5

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Was versteht man unter der von Karl Friedrich Schinkel geplanten VIA TRIUMPHALIS und wie setzte er diese Planung in Berlin im 19. Jahrhundert um?
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2
Autor
Jahr
2008
Seiten
25
Katalognummer
V205934
ISBN (eBook)
9783656328629
ISBN (Buch)
9783656329152
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
karl, friedrich, schinkel, triumphalis, planung, berlin, jahrhundert
Arbeit zitieren
Jenny Schwarzhaupt (Autor), 2008, Was versteht man unter der von Karl Friedrich Schinkel geplanten VIA TRIUMPHALIS und wie setzte er diese Planung in Berlin im 19. Jahrhundert um?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205934

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