Die Stunde ist die zehnte Stunde innerhalb einer zwölfstündigen Unterrichtsreihe zum Thema ‚Das Dt. Kaiserreich 1871-1914‘. Bisher haben die SuS grundlegende Kenntnisse über die Entstehung des Reiches (Schritte zur Reichsgründung, Kaiserproklamation) und dessen innenpolitischen Aufbau (Reichsverfassung, Parteienspektrum) erworben. Daran schloss sich die Thematisierung verschiedener Reichsfeinde an (Politik mit Zuckerbrot und Peitsche, Kulturkampf; rassischer Antisemitismus). Die Schwerpunkte hinsichtlich der Arbeitstechniken lagen auf der Interpretation von Bildquellen sowie der Analyse von Darstellungstexten und Schriftquellen. Die Prüfungsstunde stellt den Einstieg in die Binneneinheit Militarismus dar. Dabei wurde sich für die thematische Herangehensweise über die Ermittlung des Ist-Zustandes - d.h. die Stellung des Militärs in der Öffentlichkeit - entschieden . Der Inhalt stellt damit nicht den Höhepunkt der zu erreichenden Erkenntnis dar, schafft aber die elementaren Voraussetzungen für eine weitreichendere und kritische Auseinandersetzung mit dem Komplex Militarismus. Diese wird in den Folgestunden durch die Behandlung des patriotischen Kaiserwillens (Armee als Schule der Nation) und dessen Umsetzung sowie der Entzauberung des Militärs durch die fächerübergreifende Thematisierung des Hauptmann von Köpenicks realisiert. Bei Letzterem steht der Umgang mit Filmquellen im Fokus der Kompetenzschulung. Indem die Prüfungs- und deren Folgestunden den Komplex Militarismus thematisieren, erleichtern sie den Übergang zur Einheit Imperialismus, der mit dem dt. Imperialismus begonnen werden wird.
Inhaltsverzeichnis
1.) Stundenrelevante Anmerkungen zur Lerngruppe
2.) Bemerkungen zum Unterrichtszusammenhang
3.) Sachanalyse
4.) Didaktische Überlegungen
4.1.) Relevanzanalyse
4.2.) Konzeption des Lern- und Erkenntnisprozesses
5.) Lehrziele
6.) Methodische Überlegungen
7.) Hausaufgabe
8.) Tabellarischer Stundenverlaufsplan
Zielsetzung & Themen
Die Unterrichtseinheit zielt darauf ab, den Widerspruch zwischen der harten, oft unmenschlichen Militärausbildung im Deutschen Kaiserreich und der hohen gesellschaftlichen Attraktivität des Militärdienstes zu analysieren und zu erklären.
- Die Rolle des Militärs als "Schule der Nation" und Instrument des Obrigkeitsstaates.
- Die gesellschaftliche Wertschätzung und Vorbildfunktion des Militärs.
- Wirtschaftliche Anreize und Privilegien für Offiziere.
- Das Standesgefühl des Militärs und die Abgrenzung gegenüber Zivilisten.
- Die Entwicklung des Militarismus im gesellschaftlichen Kontext um 1900.
Auszug aus dem Buch
3.) Sachanalyse
Das Dt. Kaiserreich ist gekennzeichnet durch einen latenten Militarismus. Grund dafür war das staatliche Ziel, die Armee als Schule der Nation zu gestalten, womit sie als Kampfinstrument nach Innen (gegen die sog. Reichsfeinde) und Außen fungieren sollte.
Die Armee stellte eine „totale Institution“ auf Basis des unbedingten Gehorsams dar, in der die zivilen Verhaltensmuster ihre Bedeutung verloren (M0, M1): Im Zuge der Ausbildung gab es keine privaten Freiräume, denn das Verhalten wurde vorgeschrieben und der Tagesablauf bis ins Detail geregelt. Die zentrale Erziehungsform war der ‚Drill‘, „der Versuch, die (…) Soldaten zu einer reibungslos funktionierenden Maschine zusammenzufassen“.
Durch Überforderungen bei Übungen, die nicht selten zu Zusammenbrüchen führten, und Erniedrigungen, die bis zur Misshandlung oder Schikanen wegen falsch ausgeführter Befehle reichten, ließen die Männer den Militärdienst als körperliche und psychische Tortur erleben. Die Ausnutzung der Befehlsgewalt gehörte zum Alltag und der Soldat war dieser Willkür ausgeliefert, da es in der Kaserne keine Öffentlichkeit gab, die mäßigend hätte einwirken können.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Stundenrelevante Anmerkungen zur Lerngruppe: Dieses Kapitel enthält spezifische, nicht näher ausgeführte organisatorische oder pädagogische Rahmenbedingungen zur Lerngruppe.
2.) Bemerkungen zum Unterrichtszusammenhang: Einordnung der Unterrichtsstunde in die Gesamtkonzeption der Einheit zum Deutschen Kaiserreich sowie die didaktische Verortung innerhalb der Binneneinheit Militarismus.
3.) Sachanalyse: Detaillierte Darstellung der militärischen Strukturen, des Drill-Konzepts und der sozialen sowie politischen Rolle des Militärs im Deutschen Kaiserreich.
4.) Didaktische Überlegungen: Begründung der Relevanz des Themas im Lehrplan sowie Erläuterung des gewählten problemorientierten Lern- und Erkenntnisprozesses.
5.) Lehrziele: Auflistung der angestrebten Kompetenzen, unterteilt in Minimal- und Maximallehrziele sowie spezifische prozessbezogene Lernziele für die Schülerinnen und Schüler.
6.) Methodische Überlegungen: Beschreibung der methodischen Vorgehensweise, inklusive Einstieg, Erarbeitungsphasen und der Funktion der verschiedenen Materialien.
7.) Hausaufgabe: Erläuterung der Aufgabenstellung für die Nachbereitung der Stunde und die Vorbereitung der darauffolgenden Unterrichtseinheit.
8.) Tabellarischer Stundenverlaufsplan: Detaillierte zeitliche und methodische Strukturierung der Unterrichtsstunde in tabellarischer Form.
Schlüsselwörter
Deutsches Kaiserreich, Militarismus, Militärausbildung, Schule der Nation, Drill, Offizierskorps, Sozialmilitarismus, Obrigkeitsstaat, Einjährig-Freiwilligen Dienst, gesellschaftliches Prestige, Standesgefühl, Zivilbevölkerung, Preußische Armee, Wehrpflicht, Militärgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Rolle des Militärs im Deutschen Kaiserreich, insbesondere mit dem Widerspruch zwischen der harten, entwürdigenden Ausbildung und der hohen gesellschaftlichen Attraktivität des Militärdienstes.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Armee als Erziehungsinstrument ("Schule der Nation"), der soziale Status des Militärs, ökonomische Privilegien von Offizieren und das spezifische Standesgefühl.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtsstunde?
Das Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler verstehen, warum der Militärdienst trotz der harten Bedingungen als erstrebenswert galt und welches elitäre Selbstverständnis das Militär prägte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Es wird ein problemorientierter Ansatz gewählt. Die Lernenden analysieren verschiedene Quellenmaterialien (Karikaturen, Statistiken, Texte) und führen einen Perspektivwechsel durch.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse des Militarismus, didaktische Begründungen, die Festlegung von Lernzielen sowie einen detaillierten Verlaufsplan der Unterrichtsstunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Militarismus, Kaiserreich, Drill, Standesgefühl, gesellschaftliche Privilegien und die Rolle der Armee im Obrigkeitsstaat sind die prägenden Begriffe.
Warum wurde das "Einjährig-Freiwilligen"-System thematisiert?
Es dient als Beispiel dafür, wie das Bürgertum durch finanzielle Eigenleistung den sozialen Aufstieg und die Integration in den militärisch geprägten gesellschaftlichen Status erlangen konnte.
Welche Rolle spielen Karikaturen in dieser Analyse?
Karikaturen werden als historische Quellen genutzt, um das Standesgefühl des Militärs und die Abgrenzung gegenüber Zivilisten zu verdeutlichen und eine kritische Auseinandersetzung anzuregen.
- Quote paper
- Nina Hollstein (Author), 2010, Unterrichtsentwurf - Militarismus im Kaiserreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206036