Friedrich Schiller (1759-1805) ist einer derjenigen Autoren, die sich nicht nur literarisch, sondern auch theoretisch, der Dichtung gewidmet haben. Die Theorie lässt sich jedoch nicht immer problemlos auf die Literarischen Werke anwenden, und genau das macht sie so spannend. Eines dieser Theorie-Literatur-Verbindungen soll in dieser Arbeit betrachtet werden, nämlich die philosophische Theorie „Über das Erhabene“ im Bezug auf das Drama „Maria Stuart“.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Erhabene
1.1 Schillers theoretische Reflexionen „Über das Erhabene“
1.2 Kritik an Schillers System des Erhabenen
2. „Maria Stuart“
2.1 Maria vor der Wandlung
2.2 Maria im fünften Akt
3. Das Gender-Argument
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen Friedrich Schillers philosophischer Theorie „Über das Erhabene“ und dessen praktischer Anwendung im Drama „Maria Stuart“. Dabei wird hinterfragt, inwiefern die Titelheldin als erhabener Charakter konzipiert ist oder ob sie aufgrund ihrer psychologischen Vielschichtigkeit und ihrer starken religiösen Bindung dieser theoretischen Kategorie widerspricht.
- Analyse von Schillers theoretischen Abhandlungen zum Erhabenen
- Kritische Überprüfung der Anwendbarkeit des Erhabenen auf das Drama
- Untersuchung der Charakterzeichnung Maria Stuarts im Verlauf des Stücks
- Diskussion des Gender-Arguments im Kontext von Schillers Polaritätendenken
- Evaluierung der Wechselwirkung zwischen Religion und Erhabenheitsanspruch
Auszug aus dem Buch
1.1. Schillers theoretische Reflexionen „Über das Erhabene“
„Kein Mensch muß müssen“, leitet Schiller seine Abhandlung „Über das Erhabene“, die vermutlich zwischen 1793 und 1796 entstand, aber erst 1801 im dritten Band der kleineren prosaischen Schriften publiziert wurde, ein, und das ist auch im wesentlichen das Programm, denn in seinen Augen ist „der Mensch [...] das Wesen, welches will“ und davon will er handeln.
In seinem Menschenbild ist das Individuum von seiner Umwelt beherrscht. Sie spielt den „Meister“ über ihn. Der Mensch wird als Gefangener seiner Umwelt profiliert. Ausgehend von dieser negativen Situation und der gewünschten Willensfreiheit des Menschen, versucht Schiller nun aufzuzeigen wie der Mensch diese Freiheit, bei allem was ihm widerfahren kann, das er nicht will, behalten bzw. erhalten kann.
Er zeigt zwei Möglichkeiten auf, die den Menschen, seinen Willen, behaupten lassen. Die erste ist die „realistisch[e]“. Hierbei setzt „der Mensch der Gewalt Gewalt entgegen[...]“. Denn die Menschen sind nichts „so unwürdig, als Gewalt zu erleiden“. Ein Beispiel hierfür wäre ein Blitzableiter. Der Naturgewalt eines Blitzes würden so die physikalischen Kräfte, durch die Kenntnis derer, entgegengesetzt und so die Gewalt des Blitzes, im Sinn des menschlichen Willens abgeleitet und der Mensch bliebe verschont. Allerdings gibt es auch Dinge, die der Mensch nicht verändern kann. Das führt zur zweiten Methode.
Die zweite Möglichkeit, nach Schiller, ist die „idealistisch[e]“. Hierzu müsste der Mensch aus dem Bereich der Natur heraustreten und „den Begriff der Gewalt vernichten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Erhabene: Dieses Kapitel stellt Schillers theoretische Grundlagen dar und hinterfragt diese kritisch hinsichtlich ihrer praktischen Umsetzbarkeit.
2. „Maria Stuart“: Hier erfolgt die detaillierte Analyse der Titelheldin, unterteilt in ihren Zustand vor und nach der sogenannten Wandlung im fünften Akt.
3. Das Gender-Argument: Dieser Abschnitt untersucht die Rolle des Geschlechts und Schillers Polaritätendenken, das die Frau primär der „Anmut“ und nicht der „Würde“ zuordnet.
Schlüsselwörter
Friedrich Schiller, Maria Stuart, Das Erhabene, Schöne Seele, Anmut und Würde, Weimarer Klassik, Dramentheorie, Religion, Katholizismus, Heteronomie, Autonomie, Charakterentwicklung, Gender-Argument, Tragik, Ästhetik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Drama „Maria Stuart“ von Friedrich Schiller auf der Grundlage seiner philosophischen Theorie „Über das Erhabene“ und prüft, ob die Titelheldin die Kriterien eines erhabenen Charakters erfüllt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis zwischen Theorie und dichterischer Praxis, der Begriff der Erhabenheit im Vergleich zur „Schönen Seele“, die Rolle der Religion im Drama sowie die geschlechterspezifische Differenzierung in Schillers Denken.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob Maria Stuart als erhaben im schillerschen Sinne betrachtet werden kann, oder ob ihre Komplexität und Religiosität diesem Anspruch entgegenstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Schillers philosophische Schriften (insbesondere „Über das Erhabene“ und „Über Anmut und Würde“) mit dem dramatischen Text kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Schillers Theorie, das Verhalten Marias vor und nach ihrer Wandlung im fünften Akt sowie die geschlechtsspezifischen theoretischen Vorgaben für das Handeln von Männern und Frauen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Erhabenheit, Schöne Seele, Idealismus, Religion, Heteronomie und die spezifische Charakterkonzeption Schillers.
Warum ist der fünfte Akt für die Untersuchung so entscheidend?
Der fünfte Akt markiert die sogenannte „Wandlung“ Marias, die in der Forschung häufig als der Moment identifiziert wird, in dem sie ihre erhabene Haltung gegenüber dem Tod einnimmt.
Inwiefern beeinflusst Marias Religion ihr Erhabenheits-Potenzial?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die starke religiöse Bindung Marias – symbolisiert durch Kruzifix, Rosenkranz und Agnus Dei – einer freien, vom Geist bestimmten Erhabenheit entgegensteht, da Maria weiterhin den Gesetzen ihrer Religion unterworfen bleibt.
- Arbeit zitieren
- Markus Stettner (Autor:in), 2012, Schillers Maria Stuart: ein erhabener Charakter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206132