Jeden Fachwortschatz kann man gleichsetzen mit der (Fach)Terminologie; der Gesamtheit der Termini (Begriffe und Benennungen) eines Fach- oder Sachgebietes. Diese spezifische Lexik eines Wissenschaftsgebietes zu beherrschen ist Voraussetzung für eine effiziente fachsprachliche Kommunikation, was ohne die korrekte Verwendung der entsprechenden Fachwörter nicht möglich ist.
Die Fachsprache ist Instrument des fachinternen, interfachlichen und fachexternen Austausches und dient der Erfassung und Kommunizierung von Gegenständen, Strukturen und Prozessen des jeweiligen Fachgebiets. Sie ist eine Teilsprache, die nur einem jeweils begrenzten Kreis der Sprachgemeinschaft geläufig und verständlich ist. Diese Teil- oder Subsysteme innerhalb des Systems der Gegenwartssprache können charakterisiert werden als teils expandierende und teils ökonomisch reduzierende sowie funktional präzisierende Auswahl- und Verwendungsweisen sprachlicher Mittel. Das Fachwort ist der Hauptinformationsträger einer Fachsprache.
Die Fachsprachen unterscheiden sich von Standard- oder Umgangssprachen vor allem durch einen erweiterten und spezialisierten Wortschatz, aber auch durch syntaktische und textuelle Besonderheiten sowie durch intensive Nutzung bestimmter Wortbildungsmodelle.
Innerhalb der Fachsprache des Pferdesports sind häufg komplexe Zusammensetzungen zu finden (Trabrennsport, Fachübungsleiter, Sattelgurtschoner, Stirnbandkopfstück, Aufziehtrense) und auch Präfigierung bei Verben (anpiaffieren, antreiben, durchparieren, losreiten, versammeln, überbiegen, überstellen, durchgehen, abkauen). Bei den Zusammensetzungen sind als Wortbildungsmodelle vor allem Substantiv+Substantiv, (Stockmaß), Adjektiv+Substantiv (Offenstall), Verb+Substantiv (Wanderreiter) produktiv.
Terminologiearbeit beinhaltet die Erarbeitung, Bearbeitung, Speicherung und Nutzung von Fachwörtern. Zusätzlich die Bearbeitung, bzw. das Erfassen und Zugänglichmachen von Fachwortschätzen in mehrsprachigen Terminologiedatenbanken oder Fachwörterbüchern sowie die sprachwissenschaftliche Erforschung der Fachwortschätze und die Terminologielehre.
Inhaltsverzeichnis
1 Fachwortschatz und Fachsprache
1.1 Syntax
1.2 Entlehntes Vokabular im Pferdesport
1.3 Fachwortschatz im Pferdesport
1.3.1 „Echte“ Fachtermini
1.3.2 „Spezifizierte“ Fachtermini
1.3.3 „Zusammengesetzte“ Fachtermini
1.3.4 „Unechte“ Fachtermini
1.4 Obsolete Terminologie in älteren Texten
2 Wortbildungsstrukturen
2.1 Komposition
2.1.1 Analystische Aufspaltung von Kompositionen
2.1.2 Verschiedene Wortarten in der Komposition
2.1.3 Bedeutungsbeziehungen zwischen den Gliedern
2.1.3.1 Determinativkomposita:
2.1.3.2 Kopulativkomposita:
2.1.3.3 Possessivkomposita:
2.1.4 Interfix oder Kompositumfuge
3 Derivation
3.1 Implizite Derivate
3.2 Explizite Derivate
3.3 Präfigierung
3.4 Suffigierung
4 Konversion
5 Abbreviation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachwissenschaftlichen Aspekte der Terminologie und Wortbildung im Bereich der Pferdesport-Fachtexte, um aufzuzeigen, wie spezifische Fachsprachen durch komplexe Wortbildungsmodelle und syntaktische Kondensation funktionieren und sich über die Zeit verändern.
- Analyse der fachsprachlichen Charakteristika im Pferdesport
- Untersuchung von Wortbildungsstrukturen wie Komposition und Derivation
- Identifikation von Fachtermini und deren Abgrenzung zur Standardsprache
- Diachrone Betrachtung von obsolete gewordenen Fachausdrücken
- Darstellung von Konversion und Abbreviation als ökonomische Sprachprozesse
Auszug aus dem Buch
1.3.4 „Unechte“ Fachtermini
Die „unechten“ Fachtermini seien Begriffe, die in jedem üblichen Lexikon zwar zu finden sind, aber eine dort nicht erschlossene fachsprachliche Zusatzbedeutung aufweisen. Nur der Wortkörper ist Deckungsgleich mit einem anderen Wort des Deutschen:
Takt
Duden: Gliedernde Einteilung eines Musikstückes oder Gefühl für Anstand und Höflichkeit
Fachterminus: Das räumliche und zeitliche Gleichmaß von Schritten und Tritten
Sperren
Duden: Unzugänglich machen, den Zugang oder Aufenthalt an einem Bestimmten Ort verbieten
Fachterminus: Vorgang des unerwünschten Maulöffnens eines Pferdes beim Reiten, um sich einer Zügelhilfe zu entziehen
Versammlung
Duden: Mehrere Menschen veranlassen, sich zu einer Zusammenkunft für einige Zeit an einem bestimmten Ort zu begeben
Fachterminus: Vermehrtes Untertreten der Hinterbeine unter den Pferdekörper und damit verbunden eine stärkere Beugung und Gewichtsaufnahme der Hinterhand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Fachwortschatz und Fachsprache: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen der Fachsprache, analysiert syntaktische Besonderheiten und kategorisiert den pferdesportlichen Fachwortschatz inklusive historisch veralteter Begriffe.
2 Wortbildungsstrukturen: Hier werden die Mechanismen der Komposition sowie die Bedeutungsbeziehungen zwischen den Gliedern von zusammengesetzten Wörtern detailliert untersucht.
3 Derivation: Dieser Abschnitt behandelt die expliziten und impliziten Ableitungsprozesse, insbesondere durch Präfigierung und Suffigierung bei der Wortneubildung.
4 Konversion: Das Kapitel erläutert den Prozess der Wortartenänderung ohne formale Modifikation, etwa durch die Substantivierung von Verben.
5 Abbreviation: Hier wird die sprachökonomische Kürzung von Wörtern und die Bildung von Kurzwörtern im Fachkontext beleuchtet.
Schlüsselwörter
Pferdesport, Fachsprache, Wortbildung, Komposition, Derivation, Konversion, Abbreviation, Fachtermini, Syntax, Linguistik, Terminologie, Sprachökonomie, Fachwortschatz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die linguistische Struktur, Wortbildung und terminologische Beschaffenheit der Fachsprache innerhalb des Pferdesports.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den morphologischen Prozessen wie Komposition, Derivation und Konversion sowie der diachronen Analyse von Begriffsveränderungen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, die spezifischen Wortbildungsmodelle und die syntaktischen Merkmale zu identifizieren, die Fachtexte des Pferdesports charakterisieren und von der Alltagssprache abgrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer sprachwissenschaftlichen Strukturanalyse von Fachbegriffen und deren Einordnung in bestehende morphologische Kategorien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Kompositionsarten, Ableitungsregeln, Konversionen sowie einer Untersuchung von Abkürzungstypen.
Welche Schlüsselwörter beschreiben den Inhalt am besten?
Wesentliche Begriffe sind Pferdesport, Fachsprache, Wortbildung, Terminologie und morphologische Prozesse.
Was unterscheidet „echte“ von „unechten“ Fachtermini im Kontext der Arbeit?
„Echte“ Fachtermini sind dem Laien ohne Erläuterung unverständlich, während „unechte“ Fachtermini aus der Alltagssprache bekannt sind, im Pferdesport jedoch eine spezialisierte Zusatzbedeutung erhalten.
Warum ist die Untersuchung „obsoleten“ Vokabulars für das Thema relevant?
Die Betrachtung älterer Texte verdeutlicht den Bedeutungswandel von Fachwörtern und zeigt auf, wie sich das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd in der Sprache widerspiegelt.
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- Katharina von Lingen (Author), 2001, Wortbildung und Wortwandel in Fachtexten des Pferdesports, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20620