Islamisches Wirtschaftswesen und vergleichbare christliche Regelungen


Hausarbeit, 2011

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Gender-Klausel

1. Einleitung

2. Die wichtigsten Elemente des islamisches Wirtschaftswesen
2.1. Das Zinsverbot
2.2. Der „Zakat“

3. Vergleichbare Elemente des christlichen Wirtschaftswesens
3.1. Das christliches Zinsverbot
3.2. Der Zehnt und die Kirchensteuer

4. Fazit

Literaturverzeichnis (in alphabetischer Reihenfolge)
1. Bücher
2. Pressemitteilungen, Präsentationen, Studienarbeiten, Broschüren
3. Literatur aus dem Internet

Gender-Klausel

Aus Gründen der Textökonomie werden in der vorliegenden Arbeit weibliche Formen nicht explizit angeführt. An dieser Stelle wird jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich alle personenbezogenen Formulierungen grundsätzlich gleichermaßen auf Frauen und Männer beziehen.

1. Einleitung

Auch in diesem Jahr spürt man in der Bundesrepublik Deutschland noch immer die Auswirkung der globalen Wirtschaftskrise, die im Jahr 2007 begann und mit der Insolvenz der damaligen viertgrößten US-Investmentbank „Lehman Brothers“ im September 2008 ihren bisherigen Höhepunkt fand.[1] Ausgangspunkt dieser Wirtschaftskrise waren bereits die Anschläge des 11. Septembers, denn danach konnten, aufgrund einer Zinssenkung der amerikanischen Notenbank, auch Bürger der USA mit geringer Bonität einen sogenannten „Subprime-Kredit“[2] aufnehmen, wodurch unter anderem die Nachfrage am amerikanischen Häusermarkt enorm anstieg (vgl. Twele, 2009, Seite 1f). Grund für diese Zinssenkung war, dass die amerikanische Notenbank dadurch einen drohenden Wirtschaftseinbruch nach den Anschlägen verhindern wollte. Diese Kredite wurden international gehandelt und von vielen Investoren gekauft, da sie zeitweise eine zweistellige prozentuale Wertsteigerung erzielten.[3] Nach der Erholung der Wirtschaft und der dadurch eintretenden Inflation erhöhte die amerikanische Notenbank den Leitzins, deshalb erhöhten sich allerdings auch die variablen Zinsen der „Subprime-Kredite“. Dadurch konnten viele Kreditnehmer in den USA den Kredit nicht mehr zurückzahlen und die Banken mussten die Häuser, die aufgrund der sinkenden Nachfrage allerdings stark an Wert verloren hatten, pfänden und machten dadurch Verlust. Dies führt zu Milliardenverlusten der Banken und am Ende zu der noch heute spürbaren, globalen Wirtschaftskrise.

Seit dem Ausbruch der Wirtschaftskrise diskutieren viele Finanzexperten darüber, wie man den Finanzmarkt besser absichern und eine erneute Wirtschaftsblase vermeiden kann. Dies führte auch zu einer ethischen Diskussion über das gesellschaftliche Gewinnstreben, dass wie oben erläutert einer der Auslöser der Krise war. Diese Diskussion wurde ebenfalls durch Stellungnahmen der beiden großen Kirchen in Deutschland unterstützt, so betonte unter anderem Nikolas Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland in einer Rede, dass das Streben nach Gewinnen einiger Unternehmen eine „zerstörerische Maßlosigkeit“ angenommen hat.[4] Auch die katholische Kirche geht in einer Enzyklika aus dem Jahr 2009 auf die Wirtschaftsfragen der Gegenwart ein und kritisiert darin das spekulative Gewinnstreben und fordert „solide aufgestellte Unternehmen, auf die Verlass ist.“[5] In der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ erschien bereits vier Monate vor der Herausgabe dieser Enzyklika ein Artikel, der mögliche Schritte behandelte um eine solche Wirtschaftskrise demnächst zu vermeiden. Dieser empfahl der westlichen Welt, „künftig verstärkt auf islamische Finanzprodukte zu setzendenn die "islamische Finanzwirtschaft kann zur Entwicklung neuer Regeln für die westliche Finanzwirtschaft beitragen. "[6] In der folgenden Hausarbeit sollen die Grundlagen der islamischen Finanzwirtschaft erörtert, Unterschiede zur christlichen Finanzwirtschaft aufgezeigt und kritisch betrachtet werden, ob dies tatsächlich eine Option für die „normale“ Weltwirtschaft wäre.

2. Die wichtigsten Elemente des islamisches Wirtschaftswesen

Die islamische Wirtschaft wurde von der Weltwirtschaftskrise weniger stark getroffen wie andere Banken. Dies liegt unter anderem an den klaren Regelungen für ihr Bankenwesen, die sich durch den Koran ableiten, unter anderem das Zinsverbot.[7]

Die Heilige Schrift des Islams, der Koran, wird als das empfangene Wort Gottes durch den Propheten Muhammad betrachtet. „Es handelt sich beim Heiligen Koran also nicht um inspiriertes Menschenwort, sondern um wörtliche Offenbarung vom Schöpfer aller Wesen und Dinge.“[8] Die im Koran enthaltenen Aufgaben, Gebote und Verbote gelten deshalb für Muslime als verpflichtenden und müssen eingehalten werden, denn es „versteht sich nicht nur als Buch des Glaubens, sondern auch als Buch der Rechtsleitung.“ [9] „Diese Summe von Pflichten und Verboten, die das Leben des Einzelnen und er Gemeinschaft prägen “,[10] wird im Islam als Scharia bezeichnet und gilt als göttliches Recht. Die Scharia enthält auch in Bezug auf das Finanzwesen eine Vielzahl von Regelungen in denen erklärt wird, was erlaubt und somit „halal“ ist und was verboten, also „haram“ ist.[11] In den folgenden Punkten sollen mit dem Zinsverbot und dem Zakat die beiden wichtigsten, wirtschaftlichen Regelungen des Islams dargestellt werden.

2.1. Das Zinsverbot

In der gesamten westlichen, christlich orientierten Welt ist der Zins mittlerweile selbstverständlich. Der Begriff Zins leitet sich vom lateinischen Begriff „census“ ab und bedeutet in das Deutsche übersetzt „Abgabe“.[12] „Der Zins ist der Preis, den ein Schuldner für einen Kredit zahlen muss (Sollzins) beziehungsweise den ein Gläuber für die Überlassung von Sparkapital erhält (Habenzins)“.[13] Diese Form von einer finanziellen Abgabe, beispielsweise bei einem Darlehen für den Erwerb einer Immobilie, ist in der islamischen Religion verboten. Den Grund des Zinsverbotes im Islam findet man in den Suren des Korans, unter anderem in Sure 2, Vers 278, in dem „O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn ihr Gläubige seid“[14] steht. Auch heißt es in Sure 3, Vers 130, „O ihr, die ihr glaubt, verschlingt nicht die Zinsen in mehrfacher Verdoppelung, sondern fürchtet Allah; vielleicht werdet ihr erfolgreich sein.“ Durch die in der Scharia bestimmten Autorität des Korans und die dadurch entstehende Unanfechtbarkeit der Worte im Koran, ist es im Islam göttliches Gesetz, keinen Zins zu verlangen und hat somit auch heute noch bestand. Durch das Zinsverbot soll verhindert werden, dass arme Menschen noch ärmer werden und Reiche noch reicher, außerdem gehen islamische Gelehrte davon aus, dass zinslose Kredite die Menschen einander näher bringen, während Zinsen die Menschen voneinander entfernen.[15] Eine deutsche Finanzberatung für Muslime betont weiter, dass Zinsen aus ökonomischer, sozialer und ethischer Sicht schädlich für die Gesellschaft sind und deshalb durch Allah verboten sind. Investoren dürfen des Weiteren keine spekulativen Transaktionen tätigen und keine unsicheren Verträge eingehen. Das aus diesen Regelungen abgeleitete „Islamic Finance“ berücksichtigt dies und stellt den wirtschaftlichen Nutzen des einzelnen in den Hintergrund und den Zusatznutzen für die Gemeinwirtschaft in den Vordergrund.[16]

Aus diesem Grund bieten islamische Banken allerdings keine üblichen Kredite und Darlehen an,[17] da ein zinsloser Kredit einer Geldschenkung gleichkommt und somit den Bestand der Bank gefährden würde. Stattdessen bieten die Banken die den „Islamic Finance“ berücksichtigen andere Möglichkeiten an, beispielsweise die Finanzierung nach der „Murabaha“. Hierbei tätigt zuerst die Bank die Investition, das heißt, die Bank kauft ein Haus für einen Kunden, berechnet zu diesen Investitionskosten zusätzlich die gewollte Gewinnmarge und verkauft für diesen errechneten Betrag das Haus an den Kunden, der die Bank beauftragt hat.[18] Diese Zahlung kann ebenfalls in Raten getätigt werden, allerdings zahlt der Kunde dabei keine Zinsen,[19] sondern nur den von der Bank angesetzten Verkaufspreis. Dieser Trick, im Islam auch „hiyal“ bezeichnet, erlaubt es Muslime, eine Art Kredit aufzunehmen ohne gegen Allahs Gesetze zu verstoßen.

Eine weitere Möglichkeit eines zinslosen Darlehens ist die „Musharaka“, bei der ein Unternehmen zusammen mit der Bank einen Vertrag abschließt, dafür von der Bank finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt bekommt. Allerdings wird dadurch der Bank auch ein Mitspracherecht in der Unternehmensführung eingeräumt. Beide Seiten teilen anschließend den Gewinn und Verlust des Unternehmens nach einem vorher festgelegten Anteil auf. Dies führt dazu, dass die Bank nicht als reiner Geldgeber in Erscheinung tritt, sondern in einem Joint Venture zu einem Teilhaber des Unternehmens wird[20]. Dies ist nach der Scharia legitim, da auch hierbei keine Zinsen gezahlt werden.

Eine dritte Möglichkeit ist die „Mudaraba“, bei der die Bank auf Anfrage eines Kunden, das gesamte Kapital eines Unternehmens aufbringt, allerdings die Geschäftsführung an den auftraggebenden Kunden übertragen wird. Die Verteilung des Gewinnes wird zwischen beiden Seiten vorher festgelegt, der Verlust wird von der Bank getragen.[21] Dadurch gehört das Unternehmen der Bank und wird vom Kunden geführt, wodurch der Kunde ebenfalls keinerlei Zinsen zahlen muss und somit beide Seiten Schariakonform handeln.

Da Zinsen jedoch nicht nur bei Darlehen gezahlt werden, sondern auch im Bereich der Geldanlagen eine Rolle spielen, gibt es hier für Banken des „Islamic Finance“ ebenfalls strikte Regelungen. Im Islam ist es verboten, Geld ohne Leistung zu bekommen, wodurch eine einfache Sparanlage nach westlichem Vorbild nicht erlaubt wäre. Der Managing Director des Institut for Islamic Banking and Finance in Frankfurt am Main erklärt dieses Verbot wie folgt, „mit Geldzinsen erzielt man einzig aus dem Faktor Zeit einen Gewinn. Zeit aber ist ein öffentliches Gut, über das allein der Schöpfer verfügt. “[22] Zusätzlich ist es im Islam nicht erlaubt, in Unternehmen zu investieren, die „ihren Umsatz mit Zinsgeschäften, Alkohol, Tabak, Schweinefleischprodukten, Glücksspiel, Pornografie oder Rüstung generieren. “[23] Auch wie bereits oben beschrieben ist die spekulative Investition nicht erlaubt. Banken des „Islamic Finance“ bieten aber mittlerweile unter Berücksichtigung der Scharia einige Möglichkeiten der Geldanlage an. Unter anderem wird darauf geachtet, dass sich die Geldanlage auf den Handel oder die Investition in ein bestimmtes Produkt bezieht, das den Regelungen des Korans entspricht. Auch investieren die Anleger ihr Geld nicht nur in ein Unternehmen sondern werden ebenfalls Beteiligte an diesem Unternehmen und erhalten keine Zinsen sondern eine Gewinnauszahlung. Diese, an der Börse auch Dividende genannte Auszahlung, wird nicht als Zins bezeichnet und ist deshalb keine Handlung gegen die Scharia.

Während in England mit der „Islamic Bank of Britain“ bereits im Jahr 2004 eine Bank eröffnete [24] , die islamisch reine Finanzierungs- und Anlageformen anbot, dauerte es in der Bundesrepublik Deutschland deutlich länger, denn erst 2010 eröffnete in Mannheim die „Kuveyt Türk Beteiligungsbank“. [25] Davor gab es von der Deutschen Bank zwar Banken für türkischstämmige Kunden, diese boten allerdings keine schariagerechte Finanzprodukte an und das obwohl die Deutsche Bank in arabischen Ländern „zu den führenden Anbietern entsprechender Produkte gehört.“ [26]

[...]


[1] Vgl. http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/lehman-brothers-muss-konkurs- beantragen;2040059

[2] Vgl. http://finrex.de/lexikon/subprime-kredit/

[3] Vgl. http://www.finanzberater-aktuell.de/finanzen/subprime-hypothekenkrise-in-einfachen-worten- erklart.html

[4] Vgl. http://evangelischekirche.info/aktuell_presse/news_2010_03_09_1_kirchen_ rabbinerkonferenzen_augsburg.html

[5] Vgl. http://www.kath.de/lexika/wirtschaft_werte/sozialenzyklika6.html

[6] Vgl. http://www.faz.net/s/RubEClACFElEE274C81BCD3621EF555C83C/Doc~EF58A220028014C2382D56E

2E0946C392 ~ATpl~ Ecommon~Scontent.html

[7] Vgl. http://www.welt.de/wirtschaft/article2586393/lslamische-Welt-stolz-auf-krisenfeste-Banken.html

[8] Vgl. http://www.ahmadiyya.de/islam/islamische-quellen-und-prophezeiungen/der-heilige-koran/der-heilige-

koran-offenbarung-durch-gott.html

[9] Vgl. http://www.chj.de/Koran/Arab_Koran_Hintergr.html#08

[10] Vgl. http://www.zeit.de/2009/11/Scharia-Kasten

[11] Vgl. http://www.dge.de/modules.php?name=News&file=article&sid=508

[12] Vgl. http://www.privatimmobilien.de/glossar/zinsen.html

[13] Vgl. http://www.aspect-online.de/lexikon/banken-und-finanzen/zinsen/

[14] Alle Zitate aus dem Koran entstammen aus dieser Onlinequelle: http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=58& kapitel=1#gb_found

[15] Vgl. http://www.f-m-f.de/islam_und_zinsen.php

[16] Vgl. http://www.f-m-f.de/islam_und_zinsen.php

[17] Vgl. http://www.f-m-f.de/hausfinanzierung.php

[18] Vgl. http://www.finanz-lexikon.net/Murabaha_2185.html

[19] Vgl. http://atheism.about.com/library/glossary/islam/bldef_hiyal.htm

[20] Vgl. http://www.finanz-lexikon.de/musharaka_4169.html

[21] Vgl. http://www.finanz-lexikon.net/Mudaraba_2168.html

[22] Vgl. http://www.zeit.de/2008/19/GS-lslamic-Banking

[23] Vgl. http://www.f-m-f.de/geldanlage.php

[24] Vgl. http://www.islamic-bank.com/about-us/

[25] Vgl. http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,656021,00.html

[26] Vgl. http://www.welt.de/finanzen/article2241507/Wie_islamische_Banken_Deutschland_erobern.html

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Islamisches Wirtschaftswesen und vergleichbare christliche Regelungen
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Veranstaltung
Interreligiöser Dialog
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V206244
ISBN (eBook)
9783656333630
ISBN (Buch)
9783656333869
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde durch den Dozenten für den evangelischen Studentenpreis vorgeschlagen.
Schlagworte
Islam, Wirtschaft, Religion
Arbeit zitieren
B.A. Manuel Sedlak (Autor), 2011, Islamisches Wirtschaftswesen und vergleichbare christliche Regelungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206244

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Islamisches Wirtschaftswesen und vergleichbare christliche Regelungen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden