Lange Zeit galt in Deutschland Korruption als ein Problem der Entwicklungsländer, da man hierzulande nur selten mit Bestechungen oder Schmiergeldern in Berührung kommt. Dahingegen ist es in Entwicklungsländern, wie beispielsweise Tansania ein „weit verbreitetes Phänomen […], vor allem im alltäglichen Umgang mit staatlichen Institutionen wie Polizei, Rechtssystem und dem Gesundheitswesen.“1 In einer repräsentativen Umfrage beurteilten deshalb 75 Prozent der Tansanier Korruption als weit verbreitet. Deshalb erreichte Tansania im Jahr 2010 beim jährlich erscheinenden „Corruption Perceptions Index“ (CPI) von „Transparency International“ nur einen Wert von 2,7 und belegte somit Rang 116 von 178 erfassten Ländern.2
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1 Vgl. http://www.sid-bonn.de/documents/Budgethilfe_Spitzer.pdf
2 Vgl. http://www.transparency.de/Tabellarisches-Ranking.1745.0.html
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Rechtliche Bewertung
4. Folgen von Korruption
5. Akteure und Ursachen von Korruption
6. Möglichkeiten zur Korruptionsbekämpfung
6.1. Korruptionsbekämpfung durch weitere Repressionen
6.2. Korruptionsbekämpfung durch Prävention
6.2.1. Die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen
6.2.2. Geschäftsgrundsätze für die Bekämpfung von Korruption von Transparency International
6.2.3. Leitfaden zur Korruptionsprävention des VDMAs
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen Korruption in Deutschland, definiert den Begriff rechtlich und inhaltlich, analysiert die Ursachen sowie Akteure und entwickelt wirksame Strategien zur Korruptionsprävention für Unternehmen.
- Grundlagen und Definition der Korruption
- Rechtliche Bewertung von Korruptionsdelikten im deutschen Strafrecht
- Analyse der volkswirtschaftlichen und unternehmerischen Folgen
- Modellhafte Betrachtung der Akteure (Prinzipal-Agenten-Klienten-Modell)
- Präventionsstrategien und Compliance-Instrumente
Auszug aus dem Buch
6.2.3. Leitfaden zur Korruptionsprävention des VDMAs
Vor zwei Monaten veröffentlichte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) einen Leitfaden zur Korruptionsprävention, der Mitgliedsunternehmen bei der Erstellung eigener, unternehmensinterner Richtlinien zur Korruptionsbekämpfung unterstützen soll. Anhand eines Fünf-Punkte-Plans soll ein Unternehmen in der Lage sein, eine auf sich zugeschnittene Strategie zur Korruptionsprävention aufzubauen. Als erstes soll ein Unternehmen die korruptionsgefährdeten Bereiche identifizieren (vgl. Punkt 6.2.2.) um anschließend unternehmensinterne Richtlinien für diese sensiblen Bereiche zu erstellen. Hierbei wird besonders betont, dass die arbeitsrechtlichen Anforderungen eingehalten werden müssen, beispielsweise eine Beteiligung des Betriebsrats (vgl. VDMA, 2011, Seite 22).
Die internen Richtlinien sollen eindeutig formuliert sein und unmissverständliche Hinweise und Anweisungen vorgeben. Auch soll durch die Richtlinien ein Problembewusstsein für korrupte Situationen und deren compliance-orientierte Lösung geschaffen werden (vgl. VDMA, 2011, Seite 22). Der Leitfaden definiert einen groben Maßstab, den sogenannte „Öffentlichkeitstest“, mit dessen Hilfe Mitarbeiter die Zulässigkeit eines Verhaltens erkennen können. Dieser beinhaltet die Fragen, ob ein Mitarbeiter mit einem Verhalten im Interesse des Unternehmens handelt, dieses Verhalten den Werten des Unternehmens entspricht und legal ist. Außerdem wird gefragt ob man mit diesem Verhalten auch an die Öffentlichkeit gehen würde und ob der Mitarbeiter dafür die Verantwortung übernehmen lassen würde. Wenn man diese Fragen eindeutig bejahen kann, dann ist ein Verhalten vermutlich zulässig. Bei allen anderen, kritischen Situationen erscheint es nützlich, konkrete Maßregeln zu definieren (vgl. VDMA, 2011, Seite 23).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Wahrnehmung von Korruption in Deutschland im Vergleich zu Entwicklungsländern und thematisiert die Problematik des Dunkelfeldes sowie die Notwendigkeit von präventivem Handeln in Unternehmen.
2. Definition: Das Kapitel erläutert den etymologischen Ursprung des Begriffs Korruption und definiert ihn als Missbrauch einer Machtstellung zur Erlangung materieller oder ideeller Vorteile.
3. Rechtliche Bewertung: Hier wird dargelegt, dass Korruption kein expliziter Fachbegriff im StGB ist, sondern durch verschiedene Tatbestände (Amtsdelikte, Wettbewerbsdelikte) abgedeckt wird und die Rolle der Kronzeugenregelung beschrieben.
4. Folgen von Korruption: Dieses Kapitel verdeutlicht die massiven volkswirtschaftlichen Schäden, die durch Korruption entstehen, und zeigt auf, wie Unternehmen durch Ineffizienz, Vertrauensverlust und rechtliche Sanktionen langfristig geschädigt werden.
5. Akteure und Ursachen von Korruption: Unter Nutzung des Prinzipal-Agenten-Klienten-Modells werden die individuellen und organisatorischen Anreizstrukturen analysiert, die Korruptionshandlungen begünstigen.
6. Möglichkeiten zur Korruptionsbekämpfung: Das Kapitel bietet eine umfassende Analyse von Repressionsmaßnahmen und präventiven Instrumenten wie den OECD-Leitsätzen, den Geschäftsgrundsätzen von Transparency International und dem VDMA-Leitfaden.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer unternehmensweiten Anti-Korruptionsstrategie zusammen und plädiert für die Einführung eines spezifischen Unternehmensstrafrechts, um Korruption wirksam zu bekämpfen.
Schlüsselwörter
Korruption, Korruptionsprävention, Compliance, Bestechung, Wirtschaftskriminalität, Prinzipal-Agenten-Modell, Transparency International, OECD-Leitsätze, VDMA, Unternehmensethik, Repression, Unternehmensstrafrecht, Wettbewerbsverzerrung, Schmiergelder, Vier-Augen-Prinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Problematik der Korruption aus einer betriebswirtschaftlichen und unternehmensethischen Perspektive mit Fokus auf den deutschen Kontext.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die Definition von Korruption, ihre rechtliche Einordnung, die ökonomischen Folgen sowie Strategien zur Bekämpfung und Prävention in Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für Korruptionsursachen zu schaffen und konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen aufzuzeigen, um korruptes Verhalten effektiv zu unterbinden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analysierende Arbeit, die auf einer fundierten Literatur- und Quellenrecherche sowie der Auswertung von Leitfäden und internationalen Standards basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Akteure (Prinzipal-Agenten-Modell) und eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Compliance-Methoden zur Korruptionsprävention.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Compliance, Korruptionsprävention, Unternehmensethik und Bestechungsbekämpfung beschreiben.
Warum spielt das Prinzipal-Agenten-Modell eine so wichtige Rolle?
Es dient dazu, das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen Führungskraft, Mitarbeiter und externem Geschäftspartner transparent zu machen, um zu verstehen, wo und warum korruptive Anreize entstehen können.
Was ist das Ergebnis der Analyse der Unternehmensleitlinien?
Das Ergebnis zeigt, dass theoretische Verbote allein nicht ausreichen; es bedarf einer gelebten Unternehmenskultur, klarer Verantwortlichkeiten und systematischer Kontrollmechanismen, wie beispielsweise eines Hinweisgebersystems.
- Arbeit zitieren
- B.A. Manuel Sedlak (Autor:in), 2011, Korruption: Definition, Ursache und Lösungsmöglichkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206251