Miteinander Beziehungen führen

Interpersonelle Kommunikation als unterschätzter Schlüsselfaktor der Public Relations


Magisterarbeit, 2012

214 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung
1. Einführung
2. Ziele und Methode
3. Inhalt und Aufbau

B. Theorieteil
1. Interpersonelle Kommunikation
1.1 Definitionsversuche
1.2 Theorien zur Interpersonellen Kommunikation
1.2.1 Symbolischer Interaktionismus
1.2.2 Theorie des kommunikativen Handelns
1.2.3 Uncertainty Reduction Theory
1.3 Prozessmodelle zur Interpersonellen Kommunikation
1.3.1 Prozessmodell von Hartley
1.3.2 Prozessmodell von Baker
1.3.3 Prozessmodell von Hargie und Dickson
1.3.4 Prozessmodell von Kunczik und Zipfel
1.4 Erklärungsmodelle zur Interpersonellen Kommunikation
1.4.1 Axiome der Interpersonellen Kommunikation
1.4.2 Sach- und Beziehungsebene
1.4.3 Transaktionale Analyse
1.4.4 Nachrichtenquadrat
1.5 Interpersonelle Kommunikation in Training und Beratung
1.6 Zusammenfassende Betrachtung
2. Public Relations
2.1 Definitionsversuche im Wandel der Zeit
2.2 Funktionen von Public Relations
2.3 Sichtweisen zu Public Relations
2.4 Modelle und Theorien zu Public Relations
2.4.1 Vier Modelle der Public Relations - Grunig und Hunt
2.4.2 Das Modell exzellenter Public Relations - Grunig, Grunig und Dozier
2.4.3 Open System Model of Public Relations - Cutlip, Center und Broom
2.4.4 Public Relations as Relationship Management - Ledingham
2.4.5 Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit - Burkart
2.4.6 Theorie des öffentlichen Vertrauens - Bentele
2.5 Stakeholderansatz
2.6 Beruf Public Relations: Ausbildung und Professionalisierung
2.7 Zusammenfassende Betrachtung

C. Theorie trifft Praxis
1. Theoretischer Entwurf nach Payer
2. PR-Projektphasen und ihr Anteil an IPK
3. Medientraining für PR-Beauftragte und CEOs

D. Empirischer Teil
1. Forschungsfragen
2. Ablauf und Methode
3. Auswertung und Interpretation der Experteninterviews
3.1 Themenschwerpunkt: Interpersonelle Kommunikation
3.2 Themenschwerpunkt: Beziehung
3.3 Themenschwerpunkt: Ausbildung in Interpersoneller Kommunikation
4. Empirische Ergebnisse im Theorie-Kontext
5. Modell: Öffentlichkeitsarbeiter vs. Public Relations-Manager

E. Resümee
1. Zusammenfassung
2. Fazit
3. Ausblick

F. Quellenverzeichnis
1. Literaturangaben
2. Angaben zu den Experteninterviews

G. Anhang
1. Leitfaden für die Experteninterviews
2. Experteninterview 1: Paraphrasen und Überschriften
3. Experteninterview 2: Paraphrasen und Überschriften
4. Experteninterview 3: Paraphrasen und Überschriften
5. Experteninterview 4: Paraphrasen und Überschriften
6. Experteninterview 5: Paraphrasen und Überschriften
7. Experteninterview 6: Paraphrasen und Überschriften
8. Experteninterview 7: Paraphrasen und Überschriften
9. Experteninterviews: Soziologische Konzeptualisierung

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Hartley´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation

Abb. 2: Das Baker Modell

Abb. 3: Hargie/Dickson´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation

Abb. 4: Kunczik/Zipfel´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation

Abb. 5: Transaktion zwischen Chef und Sekretärin

Abb. 6: Die vier Seiten einer Nachricht

Abb. 7: Das Botschaftengeflecht unter der Lupe

Abb. 8: Der „vierohrige Empfänger“

Abb. 9: Gesamtübersicht zu Settings, Methoden und Übungen in der IPK

Abb. 10: Die vier Modelle der Public Relations von Grunig und Hunt

Abb. 11: Das zweiseitige Modell exzellenter Public Relations

Abb. 12: The Open Systems Model of Public Relations

Abb. 13: Die Phasen verständigungsorientierter Öffentlichkeitsarbeit

Abb. 14: Prozess der Interpersonellen Kommunikation im Rahmen der PR

Abb. 15: Analyse- und Entscheidungsrad der Public Relations

Abb. 16: Der Öffentlichkeitsarbeiter

Abb. 17: Der Public Relations-Manager

Eidesstattliche Erklärung

Hiermit versichere ich an Eides statt, dass ich die vorliegende

□ Seminararbeit □ Bakkalaureatsarbeit □ Magisterarbeit

ohne fremde Hilfe und ohne Benutzung anderer als der angegebenen Quellen und Hilfsmittel angefertigt und die den benutzten Quellen wörtlich oder inhaltlich entnommenen Stellen als solche kenntlich gemacht habe.

Diese Arbeit wurde in gleicher oder ähnlicher Form noch bei keiner anderen Prüferin/ keinem anderen Prüfer als Prüfungsleistung eingereicht.

Mir ist bekannt, dass Zuwiderhandeln mit der Note „nicht genügend“ (ohne Möglichkeit einer Nachbesserung oder Wiederholung) geahndet wird und weitere rechtliche Schritte nach sich ziehen kann.

Diese Arbeit wurde neben der gedruckten Version auch auf CD-Rom zur Prüfung der o.g. Erklärung bei der zuständigen Prüferin/dem zuständigen Prüfer hinterlegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vorbemerkungen

Die Begriffe Public Relations und Öffentlichkeitsarbeit werden in dieser Arbeit nicht synonym verwendet. Dem Begriff Public Relations wird der Vorzug gewährt, vor allem deshalb, weil die Wortbedeutung weitreichender ist, als jene von Öffentlichkeitsarbeit. Eine Begriffsklärung und Diskussion dazu folgt in der Einführung. Die Termini Unternehmenskommunikation und Corporate Communication werden als übergeordnete Begriffe verstanden, welche die Teilbereiche Public Relations und Marketingkommunikation bzw. Werbung umfassen. Diese Teilbereiche wiederum werden als eigenständig und als gleichwertig, sprich auf gleicher Ebene verstanden.

Im Laufe der Arbeit wird sowohl der Begriff Unternehmen als auch der Begriff Organisation verwendet. Die Inhalte dieser Arbeit beziehen sich auf beide Formen. Wenn nur ein Begriff genannt wird, so wird der jeweils andere mitgedacht.

Personen, welche im Bereich Public Relations tätig sind, werden unterschiedlich angesprochen. Die Begriffe wie PR-Praktiker oder PR-Berater werden hierbei synonym verwendet. Das gleiche gilt für die Personen der Unternehmensführung, die gleichbedeutend als Geschäftsführer oder CEO (Chief Executive Officer) angesprochen werden. Diese Arbeit richtet sich an PR-Ausübende als auch an Geschäftsführer, da beide in der Öffentlichkeit das Unternehmen repräsentieren.

Für die Begriffe Zielgruppe, Dialoggruppe und Anspruchsgruppe etc. wird kein Sammelbegriff verwendet, da die jeweiligen Begriffe aus unterschiedlichen Ansätzen stammen und jeweils eine spezifische Definition aufweisen. Die jeweilige Begriffsklärung findet im Zuge des Theorieteils statt.

Sämtliche, auf Personen bezogene, Begriffe werden ausschließlich in der männlichen Form formuliert und sind immer als geschlechtsneutral zu verstehen. Auf jegliche Art der Doppelnennung wird auf Grund der Lesefreundlichkeit verzichtet.

Vorwort

Die persönliche Motivation, mich im Rahmen meiner Magisterarbeit mit Public Relations und Interpersonelle Kommunikation zu beschäftigen, hat mehrere Quellen. Zum einen ist sie auf mein steigendes Interesse am Fachgebiet Interpersonelle Kommunikation zurückzuführen, das ich im Laufe meines Studiums mit Schwerpunkt Public Relations immer stärker verspürte. Diesem Wissensdurst ging ich in Form von zahlreichen Rhetorikseminaren nach, welche in Form einer „Studienergänzung Rhetorik“ auch mein Bakkalaureatszeugnis ergänzen. Zum anderen basiert meine Motivation auf meinen Erlebnissen in der Praxis, welche ich bei namhaften PR- und Werbeagenturen sammeln durfte. Der Faktor Beziehung kristallisierte sich hierbei als ein wesentlicher Baustein für meinen beruflichen Erfolg heraus. Und Beziehungen werden meist in Form von Interpersoneller Kommunikation aufgebaut, gepflegt und aufrechterhalten.

In meinem berufsbegleitenden Masterstudium für Interpersonelle Kommunikation konnte ich mich noch weiter in diese Thematik vertiefen und zahlreiche Erkenntnisse gewinnen. Daher war es für mich mehr als naheliegend, in meiner Magisterarbeit Public Relations aus Sicht der Interpersonellen Kommunikation zu betrachten. Dass es zu diesem Thema noch nicht viele Arbeiten gibt, bestärkte mich in meinem Vorhaben.

Bedanken möchte ich mich bei Ao.Univ.-Prof. Dr. Rudolf Renger. Einerseits für seine Offenheit hinsichtlich neuer Themenfelder, die eine fachbereichsübergreifende Arbeit überhaupt erst ermöglichte. Anderseits für die hervorragende Betreuung und Unterstützung während des Entstehungsprozesses. Für diese Arbeit entscheidend war auch die Mitarbeit der Experten, welche in den Interviews überaus interessante Inputs lieferten. Speziell bedanken möchte ich mich bei meinen Eltern Ingrid und Erich, die mich im Laufe meines Studiums in jeglicher Form unterstützt haben sowie bei meiner Partnerin Andrea für Ihre Geduld und Unterstützung während meiner Schreibphasen.

Joachim Erich Wald

A. Einleitung

Im folgenden Einführungskapitel werden die wichtigsten Grundüberlegungen zu der vorliegenden Magisterarbeit dargestellt. Diese Gedanken bilden die Basis für die Ausrichtung dieser Arbeit. Denn nur durch neue oder veränderte Perspektiven ist es möglich, Neues zu entdecken. Darüber hinaus erfolgt eine allgemeine Einführung in die Thematiken der Interpersonellen Kommunikation sowie der Public Relations. Diese soll dem Leser zum einen die Möglichkeit bieten, sich mit den Themengebieten vertraut zu machen. Zum anderen soll dadurch auch die Sichtweise des Autors vermittelt werden.

1. Einführung

Diese Magisterarbeit ist dem Bereich Public Relations zuzuordnen und trotzdem passt sie nicht ganz in das Schema einer klassischen PR-Arbeit. Denn in der vorliegenden Arbeit spielt die Interpersonelle Kommunikation - und somit eine andere Disziplin - die Hauptrolle. Wieso das der Fall ist und warum die folgenden Inhalte trotzdem höchst relevant für die Public Relations-Forschung sind, wird sich zum Großteil bereits in den folgenden Passagen und zur Gänze im Laufe der Arbeit klären.

Public Relations: Wie in der Vorbemerkung bereits angeführt erhält dieser Begriff im Laufe der gesamten Arbeit den Vorzug gegenüber dem Begriff Öffentlichkeitsarbeit. Die beiden Ausdrücke werden ganz bewusst nicht synonym verwendet. Wieso dem so ist, macht ein schlichtes Hinterfragen der Wortbedeutung deutlich. Denn wenn Public Relations im deutschen Sprachraum als Öffentlichkeitsarbeit übersetzt wird - und dem ist oft der Fall - dann geht dabei ein ganz wesentlicher Aspekt verloren, nämlich die Beziehung. Das Wort Beziehung, das so viele positive Bedeutungen Inne hat, wird scheinbar ohne großes Nachdenken mit dem Wort Arbeit ersetzt. Ist dieses Vorgehen schlicht darauf zurückzuführen, dass – „typisch deutsch“ - die Arbeit ein so bedeutsamer Begriff ist und den großen Fleiß und die hohen Qualitätsansprüche repräsentiert, die den Deutschen, Schweizern und Österreichern nachgesagt wird? Oder ist die Public Relations im deutschsprachigen Raum tatsächlich auf die Sprache fokussiert, während im angloamerikanischen Raum die Beziehungen zwischen den Menschen den höheren Stellenwert genießen?

Fakt ist, dass Sprache Realität schafft. Auch wenn die beiden gestellten Fragen an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden können. So bleibt der Eindruck, dass sehr wohl eine unterschiedliche Haltung und Mentalität hinter den Begriffen steckt. Der Begriff Öffentlichkeitsarbeit scheint bloß eine Informationsebene zu beinhalten, während Public Relations zusätzlich eine Beziehungsebene aufweist. Ist diese Priorisierung der Beziehungen nun tatsächlich notwendig oder nur ein weiterer idealisierter und nicht umsetzbarer PR-Ansatz. Diese Frage kann beantwortet werden, indem einige Entwicklungen im PR-Bereich dargestellt werden.

Der freie Zugang zu Informationen ist eine Entwicklung, die auch auf der Ebene der Unternehmen große Veränderungen herbeigeführt hat. Denn es sind schon lange nicht mehr die Massenmedien alleine, die monopolartig Informationen über Unternehmen vermitteln. Vorwiegend über digitale, webbasierende Medien ist ein breiter Austausch möglich, der nicht mehr kontrolliert werden kann. Besonders wenn weltweit agierende Unternehmen ethisch und moralisch bedenkliche Entscheidungen treffen oder Handlungen vollziehen, dauert es nicht lange bis die ersten Blogs darüber verfasst sind und „Anti-Gruppen“ auf Facebook und Co. eingerichtet werden. Welche Konsequenzen ergeben sich nun daraus? Public Relations-Ansätze wie das Stakeholder-Konzept oder die dialogorientierte Unternehmenskommunikation sowie weitere Entwürfe, die eine unternehmerische Verantwortung der Unternehmen und die Einbeziehung der Anspruchsgruppen hervorheben, können nicht weiter als realitätsferne und idealtypische Vorschläge abgetan werden.

Die Unternehmen werden in Zukunft noch stärker unter Druck gesetzt werden, ökologisch und sozial nachhaltig zu agieren und nicht nur die Kommunikation an diesen Eckpfeilern auszurichten. Denn eine Diskrepanz von Kommunikation und tatsächlicher Handlung wird von der „Web-Community“ schnell entlarvt, die Verantwortlichen an den Pranger gestellt. Die Public Relations kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Mittels dialogorientierter Kommunikation kann es gelingen, alle relevanten Anspruchsgruppen zu erreichen. Ziel muss es sein, ehrliche und dauerhafte Beziehungen zu den Stakeholdern aufzubauen. Gemeinsam müssen Lösungen erarbeitet werden, die zum Wohle des Unternehmens und der Gesellschaft sind. Unternehmen, die so agieren, genießen zunehmend auch wirtschaftlich größere Erfolge, als jene, die schlicht auf den Profit der Shareholder ausgerichtet sind. Diese Entwicklung ist sehr positiv zu sehen und könnte auch eine Kehrtwende in Bezug auf die Reputation der Public Relations bedeuten.

Ein wichtiger Akteur - eingangs sogar mit dem Prädikat „Hauptrolle dieser Arbeit“ versehen - wurde in den vorangegangenen Ausführungen noch nicht erwähnt: die Interpersonelle Kommunikation. Doch es bedarf diesen Vorüberlegungen, bevor die Interpersonelle Kommunikation ins Spiel kommen kann. Denn die Hauptaussage der letzten drei Absätze ist, dass der Aspekt Beziehung in der Public Relations wichtiger denn je ist und gar nicht genug Beachtung finden kann. Und die Interpersonelle Kommunikation ist schlichtweg die Ebene, auf der Beziehungen aufgebaut und gepflegt werden. Alle medialisierten Arten der zwischenmenschlichen Kommunikation erfüllen zwar eine ergänzende Rolle, können aber nie die Direktheit und Echtheit der Interpersonellen Kommunikation erreichen. Die Interpersonelle Kommunikation setzt aber viel Fingerspitzengefühl, Empathie und kommunikative Kompetenz voraus. Genau das macht sie zur Königsdisziplin der Public Relations.

Aus Forschungssicht hat das Thema Interpersonelle Kommunikation in der Public Relations keine große Geschichte. Helga Payer hat in Form ihrer Dissertation (Payer 2010) an der Universität Salzburg einen wesentlichen Schritt unternommen, die beiden Themenbereiche Interpersonelle Kommunikation und Public Relations theoretisch zusammenzuführen. Wie die Ausführungen von Payer zeigen, ist die Relevanz des Themas durchaus groß. Denn wie PR-Berater die Interpersonelle Kommunikation in der Praxis einsetzen, hat ohne Zweifel einen enormen Einfluss auf den Erfolg des Unternehmens. Der Stellenwert des gesamten Forschungsbereichs Interpersonelle Kommunikation kann an Bedeutung gewinnen, indem auch wissenschaftlich belegt wird, wie wichtig das Thema für die Public Relations ist. Während aus der Public Relations-Literatur oft nur hervorgeht, dass man kommunizieren muss, stellt die Interpersonelle Kommunikation die entscheidende Frage: Wie wird kommuniziert? Die Interpersonelle Kommunikation kann somit der Public Relations nützliches und praxisorientiertes Fachwissen zur Verfügung stellen.

Die Dissertation von Payer ist eher theorielastig und beinhaltet neben einer umfangreichen Literaturanalyse auch einen Modell-Entwurf. Payer bietet zwar auch einige praxisorientierte Aspekte, diese werden aber nicht empirisch untersucht. Nach der theoretischen Vorleistung von Payer bietet es sich regelrecht an, ihre Ergebnisse kritisch zu analysieren, sowie die nächsten - praxisorientierteren - Schritte zu setzen. Einer dieser nächsten Schritte soll innerhalb dieser Magisterarbeit vollzogen werden. Die vorliegende Magisterarbeit soll neue und relevante Erkenntnisse über die Interpersonelle Kommunikation in der Public Relations zur Verfügung stellen. Diese können wiederum die Grundlage für weitere Forschungsaktivitäten sein. Dazu wird zum einen eine Literaturanalyse durchgeführt, welche die Basis für den empirischen Teil darstellt. Im empirischen Teil werden Experteninterviews mit Geschäftsführern von PR-Agenturen durchgeführt. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie es um den Status Quo in Bezug auf Interpersonelle Kommunikation und Beziehungsmanagement bestellt ist. Oder anders formuliert: in welchen Situationen Interpersonelle Kommunikation wie eingesetzt wird und in welcher Form Beziehungen aufgebaut, gepflegt und analysiert werden. Darüber hinaus soll herausgefunden werden, welche Ausbildungsinhalte aus dem Bereich der Interpersonellen Kommunikation für PR-Praktiker relevant und sinnvoll wären.

Alle wesentlichen Aspekte, die im Zuge dieser Einführung teilweise nur kurz erwähnt und nicht belegt wurden, werden im Theorieteil dieser Arbeit noch auf wissenschaftliche Art und Weise ausführlich erläutert.

2. Ziele und Methode

Die vorliegende Magisterarbeit hat das primäre Ziel, die im Folgenden verfassten Forschungsfragen zu beantworten und somit einen wissenschaftlichen Beitrag zur gemeinsamen Betrachtung von Interpersoneller Kommunikation und Public Relations zu leisten. Dazu wird zum einen eine Literaturanalyse durchgeführt. Die Literaturanalyse wird im empirischen Teil durch die Auswertung und Interpretation von Experteninterviews ergänzt. Die Methoden werden in weiterer Folge noch genauer erläutert. Zunächst sollen die forschungsleitenden Fragen, geordnet nach den Themenschwerpunkten für eine Übersicht sorgen:

Themenschwerpunkt Interpersonelle Kommunikation:

- Wie wichtig bewerten PR-Praktiker die Interpersonelle Kommunikation in ihrem Berufsalltag?
- Werden Instrumente/Methoden der Interpersonellen Kommunikation bewusst in diesen PR-Agenturen eingesetzt?
- Welche Instrumente/Methoden der Interpersonellen Kommunikation sind geeignet, um sie in der PR-Praxis einzusetzen?

Themenschwerpunkt Beziehung:

- Wird der Aspekt Beziehung in der Public Relations-Praxis als relevanter Faktor anerkannt?
- Wie werden in der Public Relations-Praxis Beziehungen aufgebaut, gepflegt, aufrechterhalten?
- Werden in der Public Relations-Praxis Beziehungen auch analysiert und systematisch bewertet?

Themenschwerpunkt Ausbildung in Interpersoneller Kommunikation:

- Macht eine Ausbildung im Bereich der Interpersonellen Kommunikation für PR-Berater einen Sinn?
- Welche Inhalte sollte eine Ausbildung in Interpersoneller Kommunikation für PR-Praktiker beinhalten?
- Kann eine fundierte Ausbildung in Interpersoneller Kommunikation einen Beitrag leisten, um den Professionalisierungsgrad der Berufsgruppe voranzutreiben und deren Image zu verbessern?

Zunächst erfolgt eine Literaturanalyse im Theorieteil dieser Arbeit. Ziel ist es, in diesem Abschnitt die wichtigsten Aspekte zu diesen Themenbereichen genauer zu erläutern und zu diskutieren, um eine fundierte Basis für den empirischen Teil der Arbeit zu legen. Im Theorieteil werden dazu die wichtigsten und relevantesten Theorien und Modelle aus der Interpersonellen Kommunikation und der Public Relations angeführt und interpretiert. Mittels einer Literaturanalyse wird der derzeitige Forschungsstand dargestellt. Des Weiteren werden die Ergebnisse von Payer kurz zusammengefasst und kritisch hinterfragt.

Im empirischen Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der Experteninterviews dargestellt sowie interpretiert und den theoretischen Ansätzen gegenübergestellt. Die Personen für die Experteninterviews wurden bewusst gewählt und haben allesamt einen Bezug zur Universität Salzburg. Alle verfügen über eine akademische Ausbildung und langjährige Praxiserfahrung. Sie sind entweder Eigentümer oder Geschäftsführer von PR-Agenturen.

Alle interviewten Personen können ohne Zweifel als Experten im Bereich Public Relations bezeichnet werden. Darunter sind auch Geschäftsführer von den führenden Top 10 Agenturen in Österreich. Aber auch Personen die eigene, kleine Agenturen führen, wurden in die Expertenrunde aufgenommen, um breitere Ergebnisse zu gewinnen.

Die Experteninterviews werden mündlich und in Form von Leitfadeninterviews durchgeführt. Dabei werden ausschließlich offene Fragen gestellt. Die zuvor erarbeiteten Forschungsfragen bilden die Basis für den Leitfaden.

Ziel der Experteninterviews ist u. a. die Exploration des Themas Interpersonelle Kommunikation in der Public Relations. Somit dienen die Antworten auch als Orientierung in einem sehr jungen und wenig erforschten Themenbereich. Zum anderen soll aber auch eine systematische Informations-Gewinnung erfolgen, die weitere Verwertungsschritte zulässt. In Form einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Meuser und Nagl werden dazu die Rohtexte schrittweise abstrahiert und kategorisiert. Die genaue Vorgehensweise wird ausführlich im empirischen Teil dieser Arbeit dargestellt.

Die Ergebnisse der Magisterarbeit sollen dazu beitragen, die Relevanz der Interpersonellen Kommunikation in der Public Relations praxisnah darzustellen. Die Ergebnisse geben des Weiteren Aufschluss darüber, inwieweit Instrumente und Methoden der Interpersonellen Kommunikation schon jetzt bewusst und gezielt eingesetzt werden und in welchen Bereichen noch Potential besteht. Außerdem sollen mögliche Inhalte für eine Ausbildung von PR-Praktikern in Interpersoneller Kommunikation herausgearbeitet werden.

Die Ergebnisse der Magisterarbeit können direkt weiterverwertet werden. Sie können beispielsweise die Grundlage für ein Seminardesign bilden, das den Fokus auf die Interpersonelle Kommunikation legt. Somit kann ein wissenschaftlich fundiertes, aber vor allem auch praxisnahes Seminardesign erstellt werden. Die Ergebnisse können aber auch dazu dienen, um Lehrveranstaltungen an der Universität zu entwickeln.

3. Inhalt und Aufbau

Die vorliegende Magisterarbeit ist in sieben Abschnitte (A-G) gegliedert. Der Abschnitt A (Einleitung) umfasst zunächst eine Einführung in die Thematik (Kapitel: 1. Einführung). In diesem Kapitel wird der Leser in die Themengebiete Interpersonelle Kommunikation und Public Relations eingeführt. Die Einführung beinhaltet darüber hinaus eine Argumentation, wieso die gemeinsame Betrachtung der beiden Themenbereiche als äußerst relevant betrachtet wird. Im Anschluss werden die Ziele der Magisterarbeit dargestellt und die Methoden kurz vorgestellt, die zur Zielerreichung eingesetzt werden (Kapitel: 2. Ziele und Methoden). Das vorliegende 3. Kapitel (Inhalt und Aufbau) rundet den einleitenden Abschnitt A ab.

Der Abschnitt B beinhaltet den Theorieteil der Magisterarbeit. Dabei werden zunächst verschiedene theoretische Basisgrundlagen der Interpersonellen Kommunikation (1. Kapitel) präsentiert. Zunächst werden einige ausgewählte Definitionsversuche (Kapitel 1.1) angeführt, anschließend wird jene Definition präsentiert, die innerhalb dieser Arbeit verwendet wird. Im Rahmen der theoretischen Auseinandersetzung werden im weiteren Schritt Theorien zur Interpersonellen Kommunikation (Kapitel 1.2) dargestellt. Im Zuge dessen wird der symbolische Interaktionismus ebenso diskutiert, wie die Theorie des kommunikativen Handelns und die Uncertainty Reduction Theory. Daran anschließend erfolgt eine Darstellung von verschiedenen Prozessmodellen zur Interpersonellen Kommunikation (Kapitel 1.3). Dabei werden die Prozessmodelle von Hartley, Baker, Hargie und Dickson sowie jenes von Kunczik und Zipfel miteinander verglichen. Jedes dieser Modelle liefert einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Interpersonellen Kommunikation. Ebenfalls leicht zu erfassen sind die Erklärungsmodelle zur Interpersonellen Kommunikation (Kapitel 1.4). Wesentliche Bestandteile davon sind die Axiome der Interpersonellen Kommunikation, besonders die Unterscheidung von Sach- und Beziehungsebene, sowie das Nachrichtenquadrat und die Transaktionsanalyse. Die Erklärungsmodelle sind jene Modelle, die oft in Seminaren und Trainings herangezogen werden, um den Teilnehmern zwischenmenschliche Kommunikation zu veranschaulichen. Ein Kapitel über Interpersonelle Kommunikation in Training und Coaching (Kapitel 1.5) beinhaltet eine Begriffsklärung, die innerhalb dieser Arbeit noch relevant wird. Eine zusammenfassende Betrachtung (Kapitel 1.6) rundet den Theorieteil zur Interpersonellen Kommunikation ab, dabei werden die wesentlichsten Punkte aus den vorangegangenen Kapiteln zusammengefasst und verbunden.

Im Zweiten Teil des Abschnitts B (Theorieteil) erfolgt eine basistheoretische Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Public Relations. Dabei werden zunächst Definitionsversuche aus verschiedenen Zeitepochen (Kapitel 2.1) vorgestellt. Dadurch wird deutlich, wie sich diese im Laufe der Zeit verändert haben und was der aktuelle Stand der Dinge ist. Die Vorstellung der verschiedenen Funktionen der Public Relations (Kapitel 2.2) sowie die unterschiedlichen Sichtweisen (Kapitel 2.3) ermöglichen es, den Themenbereich noch besser zu erfassen. Im anschließenden Kapitel (2.4) werden verschiedene Modelle und Theorien präsentiert und interpretiert. Dabei werden die Beiträge von zahlreichen relevanten Autoren zusammengefasst. Es werden Grunig und Hunt ebenso berücksichtigt wie Grunig, Grunig und Dozier, Cutlip, Center und Broom, Ledingham, Burkart sowie Bentele. Die beiden letzten Kapitel im Public Relations Theorieteil beschäftigen sich mit zwei konkreten Konzepten. Zum einen wird der Stakeholderansatz vorgestellt (Kapitel 2.5). Dieses Konzept passt sehr gut in den Gesamtkontext dieser Magisterarbeit. Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Professionalisierungsprozess der Public Relations (Kapitel 2.6). Dadurch, dass dabei die Ausbildung von PR-Praktikern eine wesentliche Rolle spielt, ist dieser Ansatz für die Arbeit von großer Bedeutung. Denn diese Magisterarbeit soll einen Beitrag zum Thema Ausbildung in der Public Relations leisten. Die zusammenfassende Betrachtung (Kapitel 2.7) bietet abschließend einen Überblick über die wichtigsten Ergebnisse der theoretischen Auseinandersetzung und betrachtet die einzelnen Aspekte in einem Gesamtzusammenhang.

Im Abschnitt C trifft die Theorie dann auf die Praxis. Dabei werden zunächst einige Gedanken in Bezug auf die gemeinsame Betrachtung von Interpersoneller Kommunikation und Public Relations wiedergegeben (Kapitel1.1). Anschließend erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse von Payer (Kapitel 1.2). Die Autorin führte die Themenbereiche zusammen und erstellte darüber hinaus auch einen theoretischen Entwurf. Im zweiten Teil dieses Abschnitts wird die Interpersonelle Kommunikation im Kontext der PR-Praxis (Kapitel 2) betrachtet. Dabei werden zunächst die Phasen von PR-Projekten dargestellt, sowie deren Anteil an Interpersoneller Kommunikation analysiert (Kapitel 2.1). Anschließend erfolgt eine Auseinandersetzung mit Medientrainings, die für PR-Beauftragte und CEOs angeboten werden (Kapitel 2.2).

Der empirische Teil folgt anschließend im Abschnitt D. Dabei werden zunächst die Forschungsfragen (1. Kapitel) sowie der Ablauf und die Methode (2. Kapitel) vorgestellt. Dadurch sollen die weiteren Schritte für den Leser nachvollziehbar werden. Im 3. Kapitel erfolgt die Auswertung der durchgeführten Experteninterviews. Dieses Kapitel ist in die Themenschwerpunkte Interpersonelle Kommunikation (3.1), Beziehung (3.2) und Ausbildung in Interpersoneller Kommunikation (3.3) unterteilt. Daran anschließend erfolgt eine Darstellung der empirischen Ergebnisse im Theorie-Kontext (Kapitel 4). Abschließend wird ein Modellentwurf (Kapitel 5) vorgestellt, der auf dem Theorieteil sowie auf den Ergebnissen des empirischen Teils aufbaut.

Im Abschnitt E erfolgt eine Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte und Ergebnisse dieser Magisterarbeit (Kapitel 1). Anschließend wird ein Fazit gezogen (Kapitel 2) sowie ein Ausblick gewagt (Kapitel 3).

Das Quellenverzeichnis ist im Abschnitt F zu finden. Dabei wird zunächst die gesamte Literatur (Kapitel 1) aufgelistet, die innerhalb dieser Arbeit verwendet wurde. Danach folgen die Daten zu den Experteninterviews (Kapitel 2).

Sämtliche Anhänge finden sich im Abschnitt G wieder. Der Interviewleitfaden für die Experteninterviews (Kapitel 1) ist dabei ebenso dargestellt wie sämtliche Paraphrasen, Überschriften und Kategorienbegriffe aus der Interviewauswertung (Kapitel 2 bis 9).

B. Theorieteil

Der vorliegende Theorieteil befasst sich umfassend mit den theoretischen Grundlagen zu den Themengebieten Interpersonelle Kommunikation und Public Relations. Dabei werden jene Beiträge vorgestellt, die entweder als anerkannte basistheoretische Grundlagen gelten oder aber für den Gesamtzusammenhang der vorliegenden Arbeit als relevant erscheinen.

Im Fall der Interpersonellen Kommunikation erfolgt zunächst ein Überblick über Definitionsversuche sowie die Vorstellung einiger ausgesuchter Theorien und Ansätze. Im weiteren Schritt werden Modelle dargestellt, die den Prozess der Interpersonellen Kommunikation beschreiben. In den Erklärungsmodellen der Interpersonellen Kommunikation werden Aspekte behandelt, die sehr leicht nachvollziehbar sind und viele wichtige Erkenntnisse für die Kommunikationspraxis bereitstellen.

Im Zuge der theoretischen Auseinandersetzung mit Public Relations erfolgt zunächst, ebenfalls eine Präsentation von ausgesuchten Definitionen. Dabei werden auch die verschiedenen Sichtweisen sowie die Funktionen der Public Relations dargestellt. Im Anschluss werden relevante Modelle und Theorien behandelt und diskutiert. Nach dieser basistheoretischen Auseinandersetzung, folgt die Präsentation und Diskussion von zwei Konzepten aus dem Bereich der Public Relations. Zunächst wird dabei der Stakeholderansatz vorgestellt, da dieses Konzept sehr gut in den Gesamtkontext dieser Arbeit passt. Abschließend folgt eine Diskussion zum Professionalisierungsprozess in der Public Relations. Dieser Aspekt ist in Bezug auf diese Arbeit deshalb von großer Bedeutung, da die Ausbildung eine der wesentlichen Stützen, der meisten Professionen ist. Mit der vorliegenden Magisterarbeit soll auch ein Output betreffend der Ausbildung von zukünftigen PR-Beratern bereitgestellt werden.

1. Interpersonelle Kommunikation

Im Theorieteil zur Interpersonellen Kommunikation erfolgt zunächst eine grundlegende Auseinandersetzung mit verschiedenen Definitionsversuchen. Dabei wird abschließend dargestellt, wie der Begriff innerhalb dieser Arbeit definiert wird. Die anschließend vorgestellten Theorien und Ansätze bilden den theoretischen Gesamtrahmen dieser Magisterarbeit. Mit der Vorstellung der Prozessmodelle sowie der Ebenen der Interpersonellen Kommunikation erfolgt bereits der Schwenk in eine praxisnahe, theoretische Betrachtung.

1.1 Definitionsversuche

In der Literatur finden sich unzählige Definitionen zur Interpersonellen Kommunikation. Viele davon heben ähnliche oder sogar dieselben Aspekte hervor und unterscheiden sich nicht gravierend. Speziell anhand der Prozess- und Erklärungsmodelle zur Interpersonellen Kommunikation - die im Laufe dieses Hauptkapitels noch folgen - wird die Interpersonelle Kommunikation sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Deshalb erfolgt an dieser Stelle, lediglich die Darstellung von einigen, ausgewählten Definitionen sowie die Präsentation einer zusammenfassenden Erklärung, die verdeutlicht, wie Interpersonelle Kommunikation innerhalb dieser Arbeit verstanden wird.

DeVito versucht Interpersonelle Kommunikation innerhalb eines Satzes zu definieren: „ Interpersonal communication is the verbal and nonverbal interaction between two (or sometimes more than two) interdependent people.“ (DeVito 2009: 4, Hervorheb. i. O.) Er verweist auf die Wechselbeziehung der Interpersonellen Kommunikation. Interpersonelle Kommunikation findet – nach DeVito – innerhalb von Beziehungen statt und beeinflusst bzw. definiert diese sogar. Die Kommunikation, die innerhalb einer Beziehung stattfindet, ist - nach DeVito - eine Funktion dieser Beziehung (vgl. DeVito 2009: 4).

West und Turner formulieren ihren Beitrag zur Definitionsvielfalt von Interpersoneller Kommunikation ebenfalls in sehr knapper Form: „We define interpersonal communication as the process of message transaction between people to create and sustain shared meaning.“ (West/Turner 2010: 10, Hervorheb. i. O.) Die Grundlage dieser Definition stellt die Herausarbeitung von drei wesentlichen Aspekten dar: „There are three critical components embedded in this definition: process, message exchange, and shared meaning.“ (West/Turner 2010: 10)

Im Gegensatz zur Definition von DeVito fehlt hier der Aspekt der Beziehung. Dafür werden mit den Begriffen Prozess, Austausch und Bedeutung, weitere relevante Elemente der Interpersonellen Kommunikation hervorgehoben. In Bezug auf die Prozesshaftigkeit der Interpersonellen Kommunikation stellen die Autoren folgende Erklärung zur Verfügung: „When we state that interpersonal communication is a process, we mean that is an ongoing, unending vibrant activity that is always changing.“ (West/Turner 2010: 10, Hervorheb. i. O.) Nach dieser Interpretation hat die Interpersonelle Kommunikation keinen konkreten Anfang und kein spezifisches Ende.

Den Austausch von Informationen erläutern West und Turner folgendermaßen: „The second element of our definition highlights message exchange, by which we mean the transaction of verbal and nonverbal messages, or information, being sent simultaneously between people.“ (West/Turner 2010: 10, Hervorheb. i. O.) Hier werden die Elemente nonverbale und verbale Kommunikation ersichtlich, welche auch die Definition von DeVito beinhaltet.

Abschließend stellt die Bedeutung einen weiteren wesentlichen Aspekt der Interpersonellen Kommunikation dar: „Meaning is central to our definition of interpersonal communication because meaning is what people extract from a message.“ (West/Turner 2010: 10, Hervorheb. i. O.) Diese Hervorhebung ist deshalb so relevant, weil sie Nachricht und Bedeutung trennt. Dabei wird ersichtlich, dass erst der Empfänger die Bedeutung einer Nachricht generiert.

Payer (2010: 62) erstellte in ihrer Dissertation eine übersichtliche Zusammenfassung, welche die wichtigsten Merkmale der Interpersonellen Kommunikation darstellt und auf den Definitionen basiert, die als Standard gelten. Es wird ersichtlich, dass die beiden oben präsentierten Definitionen bereits alle Aspekte beinhalten, die Payer innerhalb ihrer Analyse zahlreicher Definitionen herausgearbeitet hat. Die einzige Ausnahme ist der Hinweis, dass Interpersonelle Kommunikation direkt (face-to-face) oder technisch vermittelt stattfinden kann. Die zusammengefassten, wesentlichen Elemente der Interpersonellen Kommunikation nach Payer beinhalten folgende Aspekte:

- „Interpersonelle Kommunikation ist eine Interaktion zwischen mindestens zwei Personen.“
- „Interpersonelle Kommunikation erfolgt über Sprache und nonverbale Zeichen.“
- „Interpersonelle Kommunikation ist ein Prozess.“
- „Interpersonelle Kommunikation generiert Bedeutungen, Beziehungen und wechselseitige Beeinflussung.“
- „Interpersonelle Kommunikation hat Verständigung zum Ziel.“
- „Interpersonelle Kommunikation kann direkt (face-to-face) und technisch vermittelt sein.“ (Payer 2010: 62f.)

Ergänzend hält Payer (2010: 63) noch fest, dass Interpersonelle Kommunikation die grundlegende Aufgabe besitzt, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen. Diese zusammenfassende Darstellung von Interpersoneller Kommunikation wird auch für die vorliegende Arbeit übernommen, da sie alle Aspekte beinhaltet, die in der Standard-Literatur hervorgehoben werden.

1.2 Theorien zur Interpersonellen Kommunikation

Die im Folgenden präsentierten Ansätze und Theorien bilden den theoretischen Rahmen dieser Magisterarbeit. Sie haben die Gemeinsamkeit, dass sie sich mit der menschlichen Kommunikation - aus einer grundlegenden Perspektive heraus - beschäftigen. Deswegen finden die präsentierten Ansätze und Theorien häufig im Kontext der Interpersonellen Kommunikation Verwendung. Sie bilden ein wichtiges Fundament, wenn es darum geht, sich auf wissenschaftliche Weise mit Interpersoneller Kommunikation auseinanderzusetzen.

1.2.1 Symbolischer Interaktionismus

Der symbolische Interaktionismus ist ein Ansatz, der sich mit dem Zusammenleben von Menschen beschäftigt und auf Überlegungen von George Herbert Mead basiert. Weitere Wissenschaftler haben den Ansatz weitergedacht und -entwickelt, darunter u. a. Herbert Blumer, John Dewey und W. I. Thomas. Auch wenn sich die Denkhaltungen dieser Persönlichkeiten durchaus unterscheiden, ist Ihre Auffassung über das menschliche Zusammenleben ähnlich (vgl. Blumer 2007: 24). Die Basis des symbolischen Interaktionismus sind drei Prämissen. Diese werden im Folgenden vorgestellt und zur besseren Verständlichkeit näher erläutert.

Prämisse 1:

„Die erste Prämisse besagt, dass Menschen ‚Dingen’ gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen handeln, die diese Dinge für sie besitzen.“ (Blumer 2007: 25)

In diesem Fall, fällt alles unter den Begriff Dinge, was Menschen wahrnehmen können. Das geht von physischen Gegenständen bis hin zu Idealen, Wünschen und Gefühlen. Die Besonderheit des symbolischen Interaktionismus, stellt nach Blumer (2007: 26) die Tatsache dar, dass der Bedeutung ein großer Stellenwert eingeräumt wird. Eine Nichtbeachtung wird innerhalb dieses Ansatzes nicht akzeptiert:

Die Vernachlässigung der Bedeutung zugunsten der Faktoren, denen man die Hervorbringung des Verhaltens zuschreibt, wird als eine bedauerliche Geringschätzung der Rolle angesehen, die die Bedeutung beim Aufbau eben dieses Verhaltens einnimmt. (Blumer 2007: 26)

Blumer (2007: 25) weist darauf hin, dass es den Anschein macht, dass es nichts an der ersten Prämisse auszusetzen gibt. Dennoch stellt er fest, dass die Bedeutung in der zeitgenössischen Sozialwissenschaft unbeachtet oder zumindest heruntergespielt wird:

Die Bedeutung wird entweder als gegeben hingenommen und somit als unbedeutend beiseite geschoben, oder man betrachtet sie als ein rein neutrales Verbindungsglied zwischen den das menschliche Verhalten bestimmenden Faktoren einerseits und diesem Verhalten - als dem Produkt eben dieser Faktoren - andererseits. (Blumer 2007: 25)

Trotz der Wichtigkeit, welche die Bedeutung im symbolischen Interaktionismus einnimmt, ist dieser Faktor nicht entscheidend für die Abgrenzung dieses Ansatzes zu anderen. Denn wie weiter oben beschrieben, wird der Faktor Bedeutung nicht angezweifelt, sondern einfach als gegeben hingenommen oder vernachlässigt. Mehr Abgrenzungspotential weist die zweite Prämisse auf (vgl. Blumer 2007: 26)

Prämisse 2:

„Die zweite Prämisse besagt, dass die Bedeutung solcher Dinge aus der sozialen Interaktion, die man mit seinen Mitmenschen eingeht, abgeleitet ist oder aus ihr entsteht.“ (Blumer 2007: 25)

Nach Blumer (2007: 26f.) unterscheidet sich der symbolische Interaktionismus vor allem durch diese Prämisse von anderen Ansätzen. Denn im symbolischen Interaktionismus entsteht die Bedeutung, aus dem Interaktionsprozess zwischen den Menschen. „Für den symbolischen Interaktionismus sind Bedeutungen daher soziale Produkte, sie sind Schöpfungen, die in den und durch die definierenden Aktivitäten miteinander interagierenden Personen hervorgebracht werden.“ (Blumer 2007: 27)

Im Gegensatz dazu identifiziert Blumer (2007: 26) vor allem zwei vorherrschende Ansätze. Zum einen ist das die Denkhaltung des Realismus, in der die Bedeutung dem jeweiligen Ding zu eigen ist. So ist etwa ein Tisch von sich aus ein Tisch. Die Bedeutung ist also ein natürlicher Teil des Dinges:

Da die Bedeutung dem Ding, dem sie zugehört, innewohnt, braucht sie nur durch die Beobachtung dieses objektiven Dinges aus ihrer Zusammensetzung herausgelöst werden. Die Bedeutung geht sozusagen von dem Ding aus, und es gibt daher keinen Entwicklungsprozess, keinen Aufbau der Bedeutung; es ist einzig notwendig, die Bedeutung, die in dem Ding selbst steckt, zu erkennen. (Blumer 2007: 26)

Zum anderen nennt Blumer (2007: 26) einen weiteren Ansatz, der davon ausgeht, dass die Bedeutung eines Dinges durch die Person herangetragen wird, die es wahrnimmt. Es handelt sich somit um einen psychischen Prozess. „Die Bedeutung eines Dinges ist nur der Ausdruck gegebener psychologischer Elemente, die in Verbindung mit der Wahrnehmung des Dinges ins Spiel gebracht werden.“ (Blumer 2007: 26) Als derartige Elemente gelten Gefühle und Empfindungen ebenso wie Erinnerungen und Motive.

Anhand des Vergleiches mit den anderen beiden Denkhaltungen wird deutlich, welchen großen Stellenwert die Interaktion innerhalb des symbolischen Interaktionismus spielt. Der Ansatz unterscheidet sich dadurch gravierend von anderen. Zu einer weiteren Abgrenzung trägt die dritte Prämisse bei.

Prämisse 3:

„Die dritte Prämisse besagt, dass diese Bedeutungen in einem interpretativen Prozess, den die Person in ihrer Auseinandersetzung mit den ihr begegnenden Dingen benutzt, gehandhabt und abgeändert werden.“ (Blumer 2007: 25)

Nach Blumer (2007: 27) beinhaltet auch der Gebrauch von Bedeutungen innerhalb einer Person einen Interpretationsprozess. Dem Autor ist es wichtig, diesen Aspekt hervorzuheben, da eine reine Anwendung der - zuvor gewonnenen - Bedeutung nicht dem Ansatz des symbolischen Interaktionismus entsprechen würde. Im ersten Schritt dieses Interpretationsprozesses, tritt eine Person mit sich selbst in einen Kommunikationsprozess, um sich selbst auf die Dinge aufmerksam zu machen, auf die die Person ihr Handeln ausrichtet. Diese Phase der Interaktion mit sich selbst unterscheidet der Autor von dem bloßen Zusammenspiel psychischer Elemente. Im zweiten Schritt wird die Interpretation zur Frage des Handhabens von Bedeutungen. „In Abhängigkeit von der Situation, in die er gestellt ist sowie der Ausrichtung seiner Handlung sucht der Handelnde die Bedeutungen aus, prüft sie, stellt sie zurück, ordnet sie neu und formt sie um.“ (Blumer 2007: 27f.) Somit sieht Blumer (2007: 28) die Interpretation als einen Prozess, in dem Bedeutungen gebraucht und abgeändert werden, um sie für die Steuerung von Handlungen einzusetzen. Die Interpretation ist nicht die automatische Anwendung von bereits bestehenden Bedeutungen. „Es ist notwendig zu sehen, dass die Bedeutungen aufgrund des Interaktionsprozesses des Einzelnen mit sich selbst einen wesentlichen Bestandteil der Handlung darstellen.“ (Blumer 2007: 28)

Der symbolische Interaktionismus setzt sich auf einer sehr grundlegenden Basis mit menschlicher Kommunikation auseinander. Die Themengebiete aus dem Bereich der Interpersonellen Kommunikation, welche in dieser Magisterarbeit hauptsächlich behandelt werden, sind dagegen sehr praxisorientiert. Dennoch erscheint es als überaus wichtig, den Themenbereich auch aus dieser Perspektive zu betrachten. Eine weitere Theorie, welche innerhalb dieser Arbeit nicht fehlen sollte, ist die des kommunikativen Handelns.

1.2.2 Theorie des kommunikativen Handelns

Habermas (1981: 128) versteht unter kommunikativem Handeln eine Interaktion von mindestens zwei Personen, die beide sprach- und handlungsfähig sind. Diese Personen gehen eine Interpersonelle Beziehung ein, in der sie verbale sowie extraverbale Mittel einsetzen, mit dem Ziel Verständigung zu erzielen: „Die Aktoren suchen eine Verständigung über die Handlungssituation, um ihre Handlungspläne und damit ihre Handlungen einvernehmlich zu koordinieren.“ (Habermas 1981: 128)

Die Theorie des kommunikativen Handels von Jürgen Habermas stellt somit den Verständigungsprozess in den Mittelpunkt der Forschung. Dabei versucht Habermas die universalen Bedingungen des Verständigungsprozesses zu rekonstruieren (vgl. Burkart/Lang 2007: 42). Der Autor geht von folgender Grundannahme aus: „Wir alle, so behauptet Habermas, besitzen nämlich ein intuitives, vortheoretisches Wissen darüber, was Verständigung ihrem eigentlichen Sinn nach sein soll und wie wir sie herstellen können.“ (Burkart/Lang 2007: 42)

Burkart und Lang (2007: 42) betrachten die Sprache als das wichtigste Element nach Habermas. Durch die Entschlüsselung der Struktur der Sprache, versucht er, seine Annahmen zu bestärken. Denn durch die Analyse sprachlicher Kommunikation, sollen die Leistungen verdeutlicht werden, die Verständigung möglich machen. Die Interpretation von Sprache durch Habermas nimmt eine besondere Form an:

Da auf soziokultureller Entwicklungsstufe zudem Sprache das spezifische Medium der Verständigung ist, möchte ich noch einen Schritt weitergehen und unter den kommunikativen Handlungen explizite Sprechhandlungen auszeichnen; nicht-verbalisierte Handlungen und leibgebundene expressive Äußerungen werde ich vernachlässigen. (Habermas 1984: 353)

Burkart und Lang (2007: 42) resümieren, das für Habermas, die Sprache „das humanspezifische Medium der Verständigung schlechthin“ darstellt. Laut den Autoren geht Habermas davon aus, „dass auch die Bedeutung nichtsprachlicher Ausdrucksformen (Gestik, Mimik etc.) stets sprachlicher Natur ist und dass damit alle Formen nonverbaler Kommunikation ihrerseits wieder auf Sprache verweisen“. (Burkart/Lang 2007: 42)

Den Rahmen für die Theorie des kommunikativen Handelns bilden Habermas universale Ansprüche. Die Theorie geht davon aus, dass ein Sprecher, der in einen Verständigungsprozess eintreten will, folgende Ansprüche erfüllen muss:

- „den Anspruch der ‚Verständlichkeit’ (er weiß, dass er sich dem grammatikalischen Regelsystem seiner Sprache entsprechend ausdrücken muss, wenn ihn sein Gegenüber verstehen soll),
- den Anspruch der ‚Wahrheit’ (er weiß, dass er über etwas sprechen muss, das auch von seinem Kommunikationspartner als existent begriffen werden kann),
- den Anspruch der ‚Wahrhaftigkeit’ (er weiß, dass er seine tatsächlichen Absichten zum Ausdruck bringen soll, um sein Gegenüber nicht zu täuschen),
- und den Anspruch der ‚Richtigkeit’ (er weiß, dass er eine Äußerung wählen muss, die vor dem Hintergrund beiderseits anerkannter Werte und Normen akzeptabel erscheint).“ (Burkart/Lang 2007: 42)

Nur wenn alle Beteiligten davon ausgehen, dass die angeführten Ansprüche erfüllt sind, kann eine Verständigung stattfinden. Die Verständigung ist - laut Habermas - wiederum eine wichtige Grundlage für die Erlangung eines Einverständnisses:

Ziel der Verständigung ist die Herbeiführung eines Einverständnisses, welches in der intersubjektiven Gemeinsamkeit des wechselseitigen Verstehens, des geteilten Wissens, des gegenseitigen Vertrauens und des miteinander Übereinstimmens terminiert. (Habermas 1984: 355, Hervorheb. i. O.)

Habermas geht nun davon aus, dass Verständigung nicht mehr zustande kommen kann, wenn auch nur einer dieser Ansprüche angezweifelt wird. Ist dies der Fall, so müssen die Kommunikatoren die Ebene der Alltagskommunikation verlassen. Dann ist es nötig eine andere Ebenen der Kommunikation zu betreten, in Form des Diskurses: „In ihm wird versucht, ein in der Alltagskommunikation (naiv) vorausgesetztes, nun aber problematisch gewordenes Einverständnis durch Begründung (d.h. durch das Anführen überzeugender Argumente) wiederherzustellen.“ (Burkart/Lang 2007: 42f.) Erst dann ist es möglich den Verständigungsprozess wieder aufzunehmen.

Innerhalb dieses Diskurses sollte sich das beste Argument durchsetzen. Also jenes Argument, dass objektiv gesehen am meisten einleuchtet. Dies erfordert natürlich die Bereitschaft der Beteiligten, offen und flexibel in den Diskurs einzutreten. Nach Burkart und Lang (2007: 43) spricht Habermas in diesem Fall von einer „idealen Sprechsituation“. Die Basis für einen derartigen Prozess - der zum Ziel hat, die besten Argumente herauszuarbeiten - ist, dass eine grundsätzliche Chancengleichheit gegeben sein muss. Das betrifft besonders die Verteilung der Sprechanteile. Auch wenn sehr oft nicht die gleichen Chancen gewährt sind, so ist die Annahme dessen, eine notwendige Voraussetzung für den Diskurs (vgl. Burkart/Lang 2007: 43).

Das vorgestellte Verständigungskonzept ist die Basis für die Gesellschaftstheorie von Habermas. Auch wenn der Verständigungsprozess als Mittel zur Realisierung der eigenen Interessen gesehen werden kann, so geht es - nach Habermas - nicht darum, diese Interessen um jeden Preis durchzusetzen. Viel mehr ist das Ziel, die eigenen Interessen mit jenen der anderen Beteiligten abzustimmen (vgl. Burkart/Lang 2007: 43). Dieser Abstimmungsprozess ist nicht nur für die gelungene Kommunikation der Beteiligten relevant, sondern bildet auch die Basis für das alltägliche Zusammenleben.

Das allgemeine Ziel jeglicher Kommunikation besteht somit - auf den Punkt gebracht - in der Organisation des Miteinander-Lebens, im Aushandeln von Lebensverhältnissen und genau zu diesem Zweck müssen Verständigungsprozesse ablaufen, in denen verschiedene partikulare Interessen gleichermaßen berücksichtigt werden. (Burkart/Lang 2007: 43)

Einige der vorherrschenden Begriffe der Theorie des kommunikativen Handelns sind Verständigung, Einverständnis und Abstimmung. Die Theorie beschreibt dabei einige idealtypische Ausgangssituationen. Dadurch kann sie durchaus herangezogen werden, um einige Grundvoraussetzungen für gelungene Kommunikation zu identifizieren.

1.2.3 Uncertainty Reduction Theory

Die Uncertainty Reduction Theory (URT) geht auf Charles Berger und Richard Calabrese (1975) zurück und beschreibt die Beziehung zwischen Unsicherheit und anderen kommunikativen Faktoren. Somit leistet diese Theorie einen Beitrag, um den Prozess der Interpersonellen Kommunikation am Beginn einer Interaktion zu erklären (vgl. Infante/Rancer/Womack 1993: 288). Infante, Rancer und Womack identifizieren eine Kernaussage der Uncertainty Reduction Theory: „One core assumption of this theory is that when strangers meet, they seek to reduce uncertainty about each other.“ (Infante/Rancer/Womack 1993: 288, Hervorheb. i. O.) Menschen versuchen also stets ihre Fähigkeit zu verbessern, das Verhalten des Partners in einer bestimmten Situation vorherzusehen oder zumindest abschätzen zu können: „One of the major problems we face when we first meet people is the uncertainty of predicting their behavior.“ (Infante/Rancer/Womack 1993: 289)

Zu Beginn einer Interaktion, lassen sich einige Informationen leichter gewinnen, als andere. Informationen zur äußeren Erscheinung, zum Geschlecht, zum Alter und eventuell sogar zum sozialen Status der anderen Person können schnell und einfach wahrgenommen werden (vgl. Infante/Rancer/Womack 1993: 289). Dadurch entsteht ein erstes Bild des Gegenübers, das nicht immer richtig sein muss. Die Anfangsphase der Interaktion ist darüber hinaus geprägt von einer gewissen Vorsicht: „Much of the interaction in this entry phase is controlled by communication rules and norms.“ (Infante/Rancer/Womack 1993: 289, Hervorheb. i. O.)

Es scheint ohne Zweifel ein menschliches Grundbedürfnis zu sein, dass Menschen andere Menschen näher kennenlernen möchten und somit auch die Unsicherheiten reduzieren. Griffin verweist auf Bergers Aussage über drei konkrete Gründe, weshalb Menschen einen starken Drang haben können, die Unsicherheit möglichst schnell zu minimieren:

1. „Anticipation of future interaction: We know we will see them again.“
2. „Incentive value: They have something we want.“
3. „Deviance: They act in a weird way.“ (Griffin 2006: 131, Hervorheb. i. O.)

Dahinter liegt eine grundlegendere Motivation: „Berger believes that our main purpose in talking to people is to ‚make sense’ out of our interpersonal world.“ (Griffin 2006: 131) Um den Zusammenhang zwischen den zentralen Aussagen seines Konzeptes und den relevanten Faktoren aufzuzeigen, welche beim Beziehungsaufbau eine Rolle spielen, entwickelte Berger acht Axiome. Diese werden - im Folgenden - vorgestellt und erläutert.

Axiom 1:

Verbal Communication: Given the high level of uncertainty present at the onset of the entry phase, as the amount of verbal communication between strangers increases, the level of uncertainty for each interactant in the relationship will decrease. As uncertainty is further reduced, the amount of verbal communication will increase.“ (Griffin 2006: 132)

Ist die Konversation einmal im Gange, so haben die Beteiligten die Möglichkeit, gegenseitig Dinge voneinander zu erfahren. Je mehr die Kommunikatoren übereinander wissen, desto sicher fühlen sie sich in der Gegenwart des anderen. Mit dem Wohlfühlen in der Aktion steigt auch das Sprechtempo (vgl. Griffin 2006: 132).

Axiom 2:

Nonverbal Warmth: As nonverbal affiliative expressiveness increases, uncertainty levels will decrease in an initial interaction situation. In addition, decreases in uncertainty level will cause increases in nonverbal affiliative expressiveness.“ (Griffin 2006: 132f.)

Griffin (2006: 133) nennt einige nonverbale Signale, die eine gewisse Wärme in der Interpersonellen Kommunikation ausdrücken. Wenn sich Personen wohlfühlen, so drücken sie das – oft unterbewusst – aus, indem sie ausgedehnten Augenkontakt halten, sich nach vorne lehnen oder ihre Stimme einen angenehmen Ton annimmt.

Axiom 3:

Information Seeking: High levels of uncertainty cause increases in information-seeking behavior. As uncertainty levels decline, information-seeking behavior decreases.“ (Griffin 2006: 133)

Wenn sich Personen also in einer Situation befinden, in der die Unsicherheit noch groß ist, so tendieren sie dazu, ihr Gegenüber ganz genau wahrzunehmen. Mit zunehmender Sicherheit beginnen sich die Gesprächspartner zu entspannen, da sie besser einschätzen können, was sie erwartet (vgl. Griffin 2006: 133).

Axiom 4:

Self-Disclosure: High levels of uncertainty in a relationship cause decreases in the intimacy level of communication content. Low levels of uncertainty produce high levels of intimacy.“ (Griffin 2006: 133)

Griffin (2006: 133) interpretiert das vierte Axiom so, dass in der ersten Phase einer Interaktion mit einer fremden Person, keine Informationen ausgetauscht werden, die sehr intim oder persönlich sind. Personen beginnen erst über Werte, Einstellungen und Gefühle zu sprechen, wenn sie abschätzen können, wie ihr Gesprächspartner reagieren wird.

Axiom 5:

Reciprocity: High levels of uncertainty produce high rates of reciprocity. Low levels of uncertainty produce low levels of reciprocity.“ (Griffin 2006: 133)

Dieses Axiom ist so zu interpretieren, dass am Anfang einer Interaktion die Sprechanteile kürzer sind und sich häufiger abwechseln, da die Beteiligten nicht zu viele und auf keinen Fall sensible Informationen preisgeben möchten. Ist ein höheres Maß an Sicherheit erreicht, so passiert es häufiger, dass längere Monologe abgehalten werden (vgl. Griffin 2006: 133).

Axiom 6:

Similarity: Similarities between persons reduce uncertainty, while dissimilarities produce increases in uncertainty.“ (Griffin 2006: 133)

Griffin (2003: 234) merkt zu diesem Axiom an, dass Menschen das Gefühl haben, ihr Gegenüber besser zu verstehen, wenn sie mit dieser Person viele Kontaktpunkte haben. Das Gegenteil trägt dazu bei, dass die Unsicherheit nur langsamer abgebaut werden kann.

Axiom 7:

Liking: Increases in uncertainty level produce decreases in liking; decreases in uncertainty produce increases in liking.“ (Griffin 2006: 134)

Je mehr Informationen eine Person von einer anderen besitzt, desto leichter fällt es, diese Person einzuschätzen. Die Vertrautheit kann dann wiederum dazu führen, dass die Sympathie ansteigt (vgl. Griffin 2003: 134).

Axiom 8:

Shared Networks: Shared communication networks reduce uncertainty, while lack of shared networks increases uncertainty.“ (Griffin 2006: 134)

Das achte Axiom ist nicht Teil der ursprünglichen Theorie von Berger. Es entstand viel mehr dadurch, dass Bergers Ansätze andere Wissenschaftler dazu anregte, sich intensiv mit der Uncertainty Reduction Theory auseinanderzusetzen. Griffin (2003: 134) verweist in Bezug dazu auf Parks und Adelman, die herausfanden, dass Personen, die oft mit der Familie ihres Partners kommunizieren, dadurch auch das Gefühl bekommen, ihren Partner besser zu kennen. Dies vermindert wiederum die Unsicherheit.

Die Uncertainty Reduction Theory betrachtet die Interpersonelle Kommunikation aus einer ganz anderen Perspektive wie andere Ansätze und Theorien. Dadurch, dass der Faktor Unsicherheit in den Mittelpunkt gerückt wird, werden Aspekte in der menschlichen Kommunikation sichtbar, die sehr gut anhand von praktischen Beispielen und eigenen Erfahrungen nachvollziehbar sind. Somit leistet diese Theorie einen besonderen Beitrag, wenn es darum geht, zwischenmenschliche Kommunikation zu erklären.

1.3 Prozessmodelle zur Interpersonellen Kommunikation

Die folgenden Modelle zum Prozess bzw. Ablauf Interpersoneller Kommunikation stellen lediglich eine Auswahl dar und sollen nur zur weiteren Vertiefung in die Thematik dienen. Nicht vorgestellt werden jene Modelle, die den Prozess der Interpersonellen Kommunikation rein technisch beschreiben.

1.3.1 Prozessmodell von Hartley

Nach eigener Aussage dient Hartley´s Modell (1999: 33) dazu, die Bestandteile Interpersoneller Kommunikation zu identifizieren. Außerdem soll es helfen, zu verstehen, welche Prozesse währenddessen ablaufen. Der Autor weist selber darauf hin, dass bei genauerer Betrachtung des Modells Lücken auftreten werden. Die wesentlichen Bestandteile in diesem Modell (siehe Abb. 1) werden wie folgt erläutert:

- „features of the social situation influence our social identities“
- „how we see ourselves influences how we see others - social perception“
- „these mental or cognitive processes influence how we act - how we encode and decode our communication“ (Hartley 1999: 41)

Darüber hinaus beinhaltet das Modell von Hartley (1999: 33) noch die Elemente „Presentation“ (Relationship) und „Representation“ (Information). „Representation“ beschreibt die Tätigkeit, wenn wir eine Information präsentieren bzw. eine Aussage treffen. „Presentation“ meint, dass wir Aussagen immer in einer bestimmten Art und Weise kommunizieren. Wie wir eine Aussage äußern, definiert dann wiederum die Beziehung zum Gesprächspartner in einer bestimmten Art und Weise. In der Interpersonellen Kommunikation laufen „Presentation“ und „Representation“ immer gleichzeitig nebeneinander her (vgl. Hartley: 1999: 37).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Hartley´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation (Quelle: Hartley 1999: 33)

Um das Modell nachvollziehbarer zu machen, beschreibt Hartley (1999: 34) den Ablauf in seinem Modell anhand mehrerer Beispiele. Im Folgenden wird ein Beispiel in Form einer Unterhaltung mit anschließender Analyse zur Veranschaulichung wiedergegeben. Die Unterhaltung läuft folgendermaßen ab:

A: „What´s your name, boy?“

B: „Dr Poussaint. I´m a physician.“

A: „What´s your first name, boy?“

B: „Alvin.“

Erklärung:

Diese Unterhaltung fand 1967 auf einer öffentlichen Straße in den USA statt. „A“ war ein weißer Polizist und „B“ ein afroamerikanischer Doktor. Die 1960er Jahre waren von großen sozialen Veränderungen geprägt. Zwischen Menschen mit afroamerikanischen Wurzeln und der weißen Bevölkerung waren teilweise immer noch Anspannungen zu spüren (vgl. Hartley 1999: 34).

Social context:

Um dieses Gespräch nachvollziehen zu können, ist es wichtig den sozialen Kontext zu verstehen. In diesem Fall beeinflusst die Zeit und der Ort die Situation wesentlich. Dr. Pouissant fühlte sich gezwungen, die Fragen des Polizisten zu beantworten, weil dieser grundsätzlich die Erlaubnis hat, ohne besonderen Grund persönliche Fragen zu stellen (vgl. Hartley 1999: 34).

Social identities/perception:

Weitere wichtige Faktoren, die zur Analyse des Gesprächs wichtig sind, sind die soziale Identität und die soziale Wahrnehmung der beiden Gesprächspartner. Also die Frage danach, wie sie sich selbst sahen und wie sie den jeweils anderen sahen. Dr. Pouissant sah sich selbst als ehrenwerten Bürger, dem normalerweise ein gewisser Respekt entgegengebracht wird. Den Polizisten sah er als Person, die die Amtsgewalt vertritt. Somit müsste er gemäß seiner Verpflichtungen respektvoll und gesetzestreu reagieren (vgl. Hartley 1999: 34f.).

Auch wenn das Modell von Hartley - im Vergleich mit den folgenden Modellen - einige wesentliche Elemente im Prozess der Interpersonellen Kommunikation auslässt, so ist es dennoch sehr gut geeignet, um die Faktoren sozialer Kontext, soziale Identität und soziale Wahrnehmung zu veranschaulichen. Darüber hinaus berücksichtigt das Modell auch WIE Informationen kommuniziert werden. Somit beinhaltet es auch die Differenzierung zwischen Inhalts- und Beziehungsebene.

1.3.2 Prozessmodell von Baker

Baker betrachtet es als positives Zeichen, wenn man mit einer Person zusammen sein kann, ohne dass ein unangenehmes Empfinden auftritt, wenn längere Zeit Schweigen herrscht. Sein Modell ist nicht zuletzt deswegen interessant, weil es eben nicht auf aktiver Kommunikation basiert: „Unlike most communication models, the Baker Model is based on silence being the aim of communication; people need to talk until there is no more to be said.“ (Masterson/Beebe/Watson 1989: 100, Hervorheb. i. O.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Das Baker Modell (Quelle: Baker, Sidney J. (1955): The Theory of Silence. In: Journal of General Psychology 53. Jg., S. 145-67, zit. n. Masterson/Beebe/Watson: 1989: 101)

Wie in der Abbildung (siehe Abb. 2) zu sehen, unterscheidet Baker verschiedene Stufen von wechselseitiger Identifikation (Reciprocal Identification). Dieser Wert drückt aus, wie ähnlich sich Personen sind und wie hoch ihr gegenseitiges Verstehen ist. Eine hohe wechselseitige Identifikation liegt dann vor, wenn die Reaktion der anderen Person vorhersehbar ist und deshalb keine Kommunikation mehr stattfinden muss. Dieser Fall wird ganz rechts im Modell dargestellt. Die Kreise A und B bilden jeweils eine Person ab. Die beiden Personen überschneiden sich zur Gänze. Somit ist ihr gegenseitiges Verständnis vollkommen vorhanden. Masterson, Beebe und Watson verweisen darauf, dass dieser Zustand wünschenswert, jedoch selten ist (vgl. Masterson/Beebe/Watson 1989: 100).

In der Mitte des Modells befinden sich zwei Kreise bzw. Personen die sich teilweise überschneiden. Der Bereich, der sich überschneidet symbolisiert die Gemeinsamkeiten der Personen A und B. Diese wiederum sind die Basis einer gemeinsamen Sprache, aus der auch gemeinsame Gedanken entstehen können. Sollten die Personen bereits länger in Beziehung stehen, müssen sie an ihrer Empathie arbeiten, um die Gefühle und Gedanken des jeweils anderen besser verstehen zu können (vgl. Masterson/Beebe/Watson 1989: 101).

Auf der linken Seite des Modells, haben die Personen gar nichts gemeinsam. Die Personen können beispielsweise unterschiedliche Werte und Einstellungen haben und somit nicht in der Lage sein, die Sicht des anderen nachzuvollziehen. Eine unterschiedliche Herkunft, Kultur oder Sprache kann ebenfalls der Grund für diesen Zustand sein. Die Folge können fatale Missverständnisse sein. In diesem Fall gibt es nur wenig oder gar nichts, über das sich diese Personen unterhalten könnten (vgl. Masterson/Beebe/Watson 1989: 101).

Im oberen Bereich des Modells befindet sich noch eine abfallende Fläche, welche die psychische Anspannung (Psychic Tension) darstellt, die auftreten kann, wenn es zu einem Missverständnis oder zu einem Konflikt kommt. Ganz links sowie ganz rechts ist jeweils ein „S“ zu sehen, dass für Schweigen (Silence) steht. Während „-S“ negatives Schweigen bedeutet, steht „+S“ für positives Schweigen (vgl. Masterson/Beebe/Watson 1989: 1989: 101).

Um das Modell in seiner Gesamtheit erfassen zu können, eignet sich die Darstellung der beiden Extremfälle. Wenn also wenig oder gar keine wechselseitige Identifikation vorhanden ist, dann ist die psychische Anspannung eher hoch. Die Personen fühlen sich in der Situation unwohl und haben sich nichts zu sagen. Das Resultat ist negatives Schweigen. Im umgekehrten Fall, also wenn die wechselseitige Identifikation hoch ist, besteht wenig oder keine Anspannung. Beide Personen verstehen einander und fühlen sich verstanden. Es herrscht eine ruhige Zufriedenheit, also positives Schweigen (vgl. Masterson/Beebe/Watson 1989: 102).

In Bakers Modell wird sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt, das es in der Interpersonellen Kommunikation unterschiedliche Situationen gibt, in denen sich Menschen mehr oder weniger wohl fühlen und in denen Schweigen entweder als etwas sehr Positives oder sehr Unangenehmes empfunden wird.

Sehr interessant wird es auch, wenn man dieses Modell in den beruflichen Kontext stellt, in denen eine gewisse Kommunikation stattfinden muss, beispielsweise im Fall von Public Relations Beauftragtem und Journalist. Selbst wenn sich diese Personen lange kennen, befreundet sind und „miteinander schweigen“ als nicht unangenehm empfinden, wäre dieser Nichtaustausch höchst kontraproduktiv für deren berufliches Interesse. Denn der Austausch von so vielen relevanten Informationen wie möglich ist oft das Ziel der Kommunikation. In diesem Beispiel einer beruflichen Beziehung zwischen PR-Berater und Journalist wäre also das positive Schweigen nicht der Zustand, der anzustreben ist.

1.3.3 Prozessmodell von Hargie und Dickson

Das Prozessmodell zur Interpersonellen Kommunikation von Hargie und Dickson (2004: 23) soll die wichtigsten Komponenten hervorheben und den Prozessablauf der Interaktion erklären (siehe Abb. 3). Die Autoren verweisen auf sechs Elemente, welche die Interpersonelle Kommunikation charakterisieren:

1. „Person-situation context“
2. „Goal“
3. „Mediating process“
4. „Response“
5. „Feedback“
6. „Perception.“ (Hargie/Dickson 2004: 23)

Das Modell basiert auf den Annahmen, dass Menschen zielgerichtet kommunizieren und sich der Wirkung ihrer Handlungen bewusst sind. Die Autoren gehen darüber hinaus davon aus, dass Menschen - im Wissen dieser Wirkung - Maßnahmen ergreifen, um nachfolgende Handlungen abzuändern (vgl. Hargie/Dickson 2004: 22).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Hargie/Dickson´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation (Quelle: Hargie/Dickson 2004: 23)

Hargie und Dickson (2004: 22f.) gehen davon aus, dass Interpersonelle Kommunikation in einem Person-Situation-Kontext (Person-situation context) stattfindet. Dabei bringt jede Person ihren persönlichen "Koffer" in Form von Wissen, Werten, Beweggründen, Gefühlen etc. mit. Diese Faktoren und die Art wie sich die Personen selbst betrachten (Selbstkonzept), beeinflussen die Begegnung. Die Situation selbst sowie der örtliche Rahmen, in der die Interaktion passiert, haben ebenfalls Einfluss auf die Kommunikation.

Die Autoren (Hargie/Dickson 2004: 22) weisen darauf hin, dass Soziale Interaktion zielgerichtet ist. Personen legen also Ziele fest, welche sie innerhalb der Interaktion verfolgen. Um diese auch erreichen zu können, werden Vermittlungsprozesse operationalisiert. Dabei formulieren Menschen mögliche Strategien und evaluieren die beabsichtigten Wirkungen. Danach treffen sie eine Entscheidung bezüglich der geplanten Vorgehensweise. Nach der Umsetzung orientieren sich Personen wiederum an den Reaktionen des Gegenübers.

Beide Personen geben sich wechselseitig wichtige Informationen in Form von Feedback. Diese Informationen sind auch bezüglich den Entscheidungen zur Zielerreichung relevant. Selbstverständlich muss dazu erst einmal eine Aufnahme des Feedbacks durch den Empfänger passieren: „Feedback is a fundamental feature of communication and without it prospects of skilled engagement are denied.“ (Hargie/Dickson 2004: 39)

1.3.4 Prozessmodell von Kunczik und Zipfel

Eine komplexe Darstellung des Prozesses der Interpersonellen Kommunikation haben Kunczik und Zipfel erarbeitet (siehe Abb. 4). Dem Modell liegt die Annahme zu Grunde, dass eine soziale Situation dann gegeben ist, wenn sich mindestens eine Person in der Gegenwart anderer Personen befindet „und ein Akteur Gegenstand visueller und kognitiver Aufmerksamkeit eines anderen Akteurs wird und umgekehrt“ (Kunczik/Zipfel 2005: 46).

Das Modell von Kunczik und Zipfel berücksichtigt externe soziokulturelle bzw. situationale Faktoren, welche - in Form einer Linie - das gesamte Modell umrahmen (siehe Abb. 4). Unter diesen Faktoren verstehen die Autoren den Einfluss von Status, Hierarchie und Geschlecht. Die Anwesenheit Dritter oder mehrerer anderer Personen sowie die Örtlichkeit, in der die soziale Situation stattfindet, sind weitere Faktoren (vgl. Kunczik/Zipfel 2005: 46).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Kunczik/Zipfel´s Modell zu Interpersoneller Kommunikation (Quelle: Kunczik/Zipfel 2005: 45)

Der situative Kontext beeinflusst die Verwendung von Sprache und nonverbaler Kommunikation. Im Zuge der Beschreibung der situativen Faktoren, verwenden die Autoren auch den Ausdruck „kommunikative Kompetenz“. Der Begriff drückt die Fähigkeit aus, sich in einer Situation „durch rollenadäquates, d.h. den Erwartungen der anderen entsprechendes Kommunikationsverhalten anzupassen“ (Kunczik/Zipfel 2005: 46). Dazu ist es - besonders im interkulturellen Kontext - notwendig zu wissen, welche Codes, Kanäle und Ausdrücke in welchen Situationen und welchen Personen gegenüber eingesetzt werden können und dürfen (vgl. Kunczik/Zipfel 2005: 46).

Ganz links im Modell wird ein Kommunikator dargestellt der eine Botschaft kommuniziert, welche von seiner Situationsdefinition und Intention beeinflusst wird. Bei der Encodierung wählt der Kommunikator einen Code bzw. einen Kanal aus, in dem er/sie die Botschaft übermitteln will. Dabei stehen verbale und/oder nonverbale Ausdrucksformen zur Wahl. Wenn in der parallelen Benutzung dieser Kanäle Unstimmigkeiten auftreten, sprechen die Autoren von Synchronisationsproblemen. Das ist dann der Fall, wenn über die Kanäle unterschiedliche Informationen weitergegeben werden oder es dazu kommt, dass über einen Kanal unbeabsichtigt Informationen übermittelt werden (vgl. Kunczik/Zipfel 2005: 46).

Im nächsten Schritt erfolgt die eigentliche Übermittlung der Botschaft durch einen Kanal, die durch eventuelle Störquellen beeinflusst wird. Der Empfänger bzw. Rezipient nimmt die Signale dann durch seine Sinnesorgane auf. In diesem Stadium kann eine selektive Wahrnehmung die Botschaft verzerren. Es ist auch möglich, dass bestimmte Aspekte der Botschaft vom Rezipienten nur selektiv wahrgenommen werden. Eine Decodierung kann nur dann entsprechend erfolgen, wenn die benutzten verbalen und nonverbalen Codes von Sender und Empfänger übereinstimmen. Dabei geht es vor allem um die Bedeutungszuweisung zu bestimmten Symbolen (vgl. Kunczik/Zipfel 2005: 47).

Eine weitere Fehlerquelle ist die unterschiedliche Interpretation der Situation. In diesem Fall interpretiert der Rezipient die decodierte Botschaft, ausgehend von einer anderen Situationsdefinition (vgl. Kunczik/Zipfel 2005: 47). Neben einer hohen kommunikativen Kompetenz, ist vor allem eine ähnliche Bedeutungszuweisung die Grundlage von gelungener Interpersonellen Kommunikation: „In einem Kommunikationsprozess treten umso weniger Verzerrungen auf, je mehr gemeinsame Erfahrungen die Kommunikationspartner besitzen, d.h. um so eher sie den (die) gleichen Code(s) verwenden und Situationen in gleicher Weise definieren.“ (Kunczik/Zipfel 2005: 47)

Die präsentierten Prozessmodelle verdeutlichen, dass im komplexen Themenbereich der Interpersonellen Kommunikation durchaus mehrere Ansichten nebeneinander stehen können. Jedes der Modelle hat dabei eine spezifische Besonderheit, die es von den anderen zumindest im geringen Ausmaß unterscheidet. Die nun folgenden Modelle erklären zwar auch zum Teil den Prozess der Interpersonellen Kommunikation, sind jedoch noch praxisnäher, weil sie konkrete Abläufe ansprechen, die jederzeit innerlich an einem Beispiel nachvollzogen werden können.

1.4 Erklärungsmodelle zur Interpersonellen Kommunikation

Die Prozessmodelle tragen ihren Namen, da sie genau das leisten: Die modellhafte Darstellung des Prozesses der Interpersonellen Kommunikation. Die - im Folgenden - präsentierten Erklärungsmodelle erhielten ihren Oberbegriff in dieser Arbeit deshalb, weil sie versuchen die Interpersonelle Kommunikation weniger abzubilden, sondern vielmehr zu erklären. Sie zeichnen sich dabei vor allem dadurch aus, dass sie besonders einfach formuliert und nachzuvollziehen sind. Denn mit Hilfe der Erklärungsmodelle ist es selbst für einen kommunikationswissenschaftlichen Laien schnell möglich, die eigenen Kommunikationssituationen zu analysieren und so manche Quelle eines Konfliktes zu erkennen. Trotz dieser Einfachheit sind die folgenden Ansätze wissenschaftlich anerkannt und jederzeit zitierbar.

1.4.1 Axiome der Interpersonellen Kommunikation

Die fünf Axiome beschäftigen sich mit verschiedenen Spezifika der Interpersonellen Kommunikation. Die Axiome fassen in wenigen Worten wichtige Besonderheiten zusammen und geben dabei hilfreiche Anregungen für die Praxis. Daher werden sie in diesem Kapitel vorgestellt und jeweils näher erläutert.

Axiom 1:

Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 53, Hervorheb. i. O.)

Diese fünf Wörter bilden den wohl am häufigsten zitierten Satz aus dem Fachbereich der Kommunikationswissenschaft. Trotz seiner Kürze beinhaltet er eine wesentliche Erkenntnis. Die Grundannahme für das erste Axiom ist, dass das Verhalten in einer zwischenmenschlichen Interaktion einen Mitteilungscharakter aufweist. Da Verhalten permanent stattfindet, schließen die Autoren daraus, dass sich Menschen nicht nicht verhalten können. Somit ist es auch nicht möglich, nicht nicht zu kommunizieren. Dabei wird Schweigen oder Nichtreagieren ebenfalls als Mitteilung aufgefasst (vgl. Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 51).

Axiom 2:

Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, derart, dass letzterer den ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 56, Hervorheb. i. O.)

Die Autoren Watzlawick, Beavin und Jackson (2000: 53) halten fest, dass menschliche Kommunikation einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt aufweist. Auf die Frage was eine Nachricht enthält, wird sich die Beantwortung vor allem auf den Inhaltsaspekt beziehen: „Dabei ist es gleichgültig, ob diese Information wahr oder falsch, gültig oder ungültig oder unentscheidbar ist.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 53)

Der Beziehungsaspekt gibt Aufschluss darüber, wie der Sender einer Botschaft sie vom Empfänger verstanden haben will. Dieser Aspekt ist ebenso wichtig, wenn auch wesentlich weniger augenscheinlich. Der Beziehungsaspekt gibt - wie der Name schon andeutet - Aufschluss über die Beziehung zwischen den Beteiligten: „Sie definiert also, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht, und ist in diesem Sinn seine persönliche Stellungnahme zum anderen.“ (Watzlawick/Beavin/ Jackson 2000: 53) Da dieses zweite Axiom besonders für die Beziehungsgestaltung äußerst relevant ist, wird es noch ausführlicher im anschließenden Kapitel erläutert. Zunächst werden jedoch die weiteren Axiome vorgestellt.

Axiom 3:

Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktion der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 61, Hervorheb. i. O.)

Das dritte Axiom bezieht sich auf den „ununterbrochenen Austausch von Mitteilungen“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 57, Hervorheb. i. O.) in einer Interaktion. Dabei legen die beiden Kommunikatoren ihrem Gesprächsverlauf automatisch eine Struktur zu Grunde. Es geht darum, welche Mitteilung als Reiz und welche als Reaktion gesehen wird (vgl. Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 57). Eine Diskrepanz in dieser - nicht offen gestellten - Frage, kann immer wiederkehrende Beziehungskonflikte hervorrufen.

Schulz von Thun nennt es eine menschliche Eigenheit, dass Menschen ihr eigenes Verhalten immer als Reaktion sehen: „Dies erklärt zu einem guten Teil den merkwürdigen Umstand, daß sich in konfliktreichen Auseinandersetzungen meist alle im Recht fühlen.“ (Schulz von Thun 2010: 85f.) Doch die Frage nach dem Anfang ist laut Schulz von Thun schlicht unbeantwortbar, denn „nach der systemtheoretischen Sichtweise ist Kommunikation kreisförmig und ohne Anfang.“ (Schulz von Thun 2010: 87) Der Autor weist darüber hinaus darauf hin, dass die Metakommunikation einen Lösungsansatz bieten kann. Jedoch ist es wichtig, nicht die Frage nach dem Anfang und der Schuld zu stellen, sondern schlichtweg die eigene Situation zu erkennen, darüber zu sprechen und neue Verabredungen zu treffen (vgl. Schulz von Thun 2010: 87).

Axiom 4:

Menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten. Digitale Kommunikationen haben eine komplexe und vielseitige logische Syntax, aber eine auf dem Gebiet der Beziehungen unzulängliche Semantik. Analoge Kommunikationen dagegen besitzen dieses semantische Potential, ermangeln aber die für eindeutige Kommunikation erforderliche logische Syntax.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 68, Hervorheb. i. O.)

Vor der Erklärung des vierten Axioms muss erwähnt werden, dass die Verwendung der Begriffe digital und analog durch die Autoren auf eine Zeit zurückgeht, als digitalisierte Medien noch keine Rolle gespielt haben. Die Begriffe sind also nicht direkt synonym zu den Begriffen aus der Informationstechnologie zu verstehen. Vielmehr bezieht sich das vierte Axiom auf die beiden unterschiedlichen Arten des Informationstransportes innerhalb des Menschen.

Im Nervensystem werden Signale grundsätzlich auf zwei verschiedene Arten übermittelt: durch die Neuronen mit dem ihnen eigenen Alles-oder-nichts-Charakter ihrer Entladung und durch die Aktivität der innersektorischen Drüsen, die Hormone als Informationsträger in den Blutkreislauf einführen. (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 61)

Die Autoren weisen darauf hin, dass die beiden Formen parallel existieren und sich gegenseitig ergänzen. Übertragen auf die menschliche Kommunikation bezeichnen sie die Namensgebung von Gegenständen als digitale Kommunikation: „Namen sind Worte, deren Beziehung zu den damit ausgedrückten Gegenstand eine rein zufällige oder willkürliche ist.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 62) Dabei besteht eine semantische Übereinkunft bezüglich der Beziehung zwischen Wort und Gegenstand. Als analoge Kommunikation bezeichnen die Autoren Analogien, welche mit dem jeweiligen Gegenstand Ähnlichkeitsbeziehungen aufweisen (vgl. Watzlawick/Beavin/ Jackson 2000: 62). Um die Unterscheidung der beiden Kommunikationsformen praktisch darzustellen, verfassten die Autoren folgendes Beispiel:

Der Unterschied zwischen digitaler und analoger Kommunikation wird vielleicht etwas klarer, wenn man sich vor Augen hält, daß bloßes Hören einer unbekannten Sprache, z.B. im Radio, niemals zum Verstehen dieser Sprache führen kann, während sich oft recht weitgehende Informationen relativ leicht aus der Beobachtung von Zeichensprachen und allgemeinen Ausdrucksgebärden ableiten lassen, selbst wenn die sie verwendende Person einer fremden Kultur angehört. (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 62f.)

Die Bedeutung und Wichtigkeit beider Kommunikationsformen ist unumstritten. Die digitale Kommunikation ist für die generationsübergreifende Übermittlung von Informationen essentiell. Genauso wichtig bewerten die Autoren die analoge Kommunikation im Bereich der Beziehungen: „Überall, wo die Beziehung zum zentralen Thema der Kommunikation wird, erweist sich die digitale Kommunikation als fast bedeutungslos. [...] Eine Geste oder eine Miene sagt uns mehr darüber, wie ein anderer über uns denkt, als hundert Worte.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 64) Die Autoren gehen diesbezüglich noch einen Schritt weiter und stellen eine Verbindung zur Inhalts- und Beziehungsebene von Nachrichten her: „Wir dürfen ferner vermuten, daß der Inhaltsaspekt digital übermittelt wird, der Beziehungsaspekt dagegen vorwiegend analoger Natur ist.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 64)

Letzterer Vermutung von Watzlawick, Beavin und Jackson seien die folgenden Anmerkungen entgegengestellt. Auf der einen Seite können nonverbale Signale den Inhaltsaspekt sehr wesentlich ergänzen oder auch verändern. Auf der anderen Seite kann eine Wortwahl oder verbale Nachricht auch die Beziehung zwischen Personen beeinflussen. Somit greifen die Formen ineinander über und ergänzen sich gegenseitig. Die Formulierung, wie sie die Autoren angestellt haben, bietet diesen Überlegungen etwas zu wenig Platz. Dass der Großteil der Sachinformationen über die digitale und Beziehungsaspekte häufig über die analoge Kommunikation übermittelt werden, wird jedoch nicht in Frage gestellt.

Axiom 5:

Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder Unterschiedlichkeit beruht.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 70, Hervorheb. i. O.)

Symmetrische Kommunikationsabläufe zeichnen sich dadurch aus, dass die Beziehung zwischen den beiden Kommunikatoren auf Gleichheit basiert. In diesem Fall sind Verhalten und Kommunikation der Beteiligten symmetrisch. Im Fall eines komplementären Kommunikationsablaufes beruht die Beziehung hingegen auf Unterschiedlichkeit. Wie der Begriff komplementär schon ausdrückt, ergänzt das Verhalten eines Kommunikators dabei das Verhalten des anderen.

Für das fünfte und letzte Axiom gilt dasselbe wie für das zweite Axiom. Es ist in puncto Beziehungsmanagement derart relevant, dass es im übernächsten Kapitel (transaktionale Analyse) ausführlich behandelt wird. Zunächst soll aber das zweite Axiom und somit die Sach- und Beziehungsebene näher vorgestellt werden.

1.4.2 Sach- und Beziehungsebene

Zur besseren Verdeutlichung der Sach- und Beziehungsebene (gleichbedeutend mit Inhalts- und Beziehungsebene), bedienen sich die Autoren Watzlawick, Beavin und Jackson verschiedener Beispiele. Die folgenden beiden Mitteilungen zwischen einem Fahrlehrer und seinem Fahrschüler weisen in etwa dieselbe Sachinformation auf. Sie sind sich also in Bezug auf den Inhaltsaspekt ähnlich. Dagegen ist die Beziehungsdefinition sehr unterschiedlich. Die Mitteilungen lauten: „Es ist sehr wichtig, die Kupplung langsam und weich zu betätigen“ und „Lass das Kupplungspedal einfach aus, das tut dem Getriebe sehr gut“. (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 54f.) Die Autoren weisen darauf hin, dass die Definition von Beziehungen aber selten bewusst erfolgt:

Im allgemeinen ist es so, dass die Definition der Beziehung um so mehr in den Hintergrund rückt, je spontaner und ‚gesunder’ die Beziehung ist, während ‚kranke’ (d.h. konfliktreiche) Beziehungen u.a. durch wechselseitiges Ringen um ihre Definition gekennzeichnet sind, wobei der Inhaltsaspekt fast völlig an Bedeutung verliert. (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 55)

Ein weiteres Beispiel - in diesem Fall ein Vergleich - verdeutlicht die unterschiedlichen Funktionen noch etwas deutlicher. Dabei ziehen die Autoren (Watzlawick/Beavin/ Jackson 2000: 55) die „Konstrukteure von Elektronenrechnern“ als Vergleichsobjekte heran. Diese müssen ihren künstlichen Organismen Mitteilungen bereitstellen, die aus Daten und Instruktionen bestehen. Ein Computer, der z. B. zwei Zahlen multiplizieren soll, benötigt zum einen die Zahlen (Daten) und zum anderen die Instruktion, was er damit tun soll, in diesem Fall: „multiplizieren“. Es besteht also eine logische Verbindung zwischen diesen beiden Formen von Information, auf dessen Wichtigkeit die Autoren hinweisen:

Im Sinne der logischen Typenlehre gehört Information über Information einem höheren logischen Typus an als die Daten. Es handelt sich dabei um Metainformation, und jede Vermischung dieser Art von Information mit den Daten würde sinnlose Resultate ergeben. (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 55, Hervorheb. i. O.)

Die Aussage dieses Beispiels lässt sich wiederum auf die Interpersonelle Kommunikation übertragen: „In der menschlichen Kommunikation besteht dieselbe Relation zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekt: Der Inhaltsaspekt vermittelt die ‚Daten’, der Beziehungsaspekt weist an, wie diese Daten aufzufassen sind.“ (Watzlawick/Beavin/Jackson 2000: 55)

Schulz von Thun stellt darauf aufbauend die Frage, welche jeweiligen kommunikations-psychologischen Probleme auf der Sach- und Beziehungsebene entstehen können. Auf der Sachebene hebt der Autor zwei mögliche Schwierigkeiten heraus. Zum einen geht es darum, dass Gespräche oft unsachlich geführt werden. Es sollte also das Ziel sein, Sachlichkeit anzustreben. Zum anderen kann es vorkommen, dass schwerverständliche Sachinformationen beim Empfänger nicht ankommen. Hier lautet das Ziel, Verständlichkeit zur gewährleisten (vgl. Schulz von Thun 2010: 130ff.).

In Bezug auf die Sachlichkeit weist Schulz von Thun darauf hin, dass eine langfristige Kooperation nicht möglich ist, wenn die Gesprächspartner in der Diskussion ständig dazu aufrufen, sachlich zu bleiben. Der Autor verweist auf zwei Gründe, warum die Beziehungsebene nicht verbannt werden sollte:

Denn zum einen braucht eine engagierte, kreative Sachlichkeit den Aufwind positiver mitmenschlicher Beziehungen - andernfalls herrscht auch sachliche Flaute. Zum anderen lassen sich die unsachlichen Impulse gar nicht aus der (Seelen-)Welt schaffen - sie sind Teil der Realität und gehen bei offiziellem Verbot in den Untergrund und bestimmen die Kommunikation aus dem Verborgenen. (Schulz von Thun 2010: 131)

Aus diesem Grund empfiehlt Schulz von Thun, gelegentlich Metakommunikation zu betreiben und besonders auf die Beziehungsebene einzugehen (vgl. Schulz von Thun 2010: 132). Das erfordert natürlich den nötigen Mut, hätte aber sicherlich einen positiven Effekt auf die Sachdiskussion.

Zum Thema Verständlichkeit führte Schulz von Thun eine eigene Untersuchung durch: Das „Hamburger Verständlichkeitskonzept“. Das Resultat sind vier Eigenschaften, die es dem Empfänger leichter machen, die Sachinformation aufnehmen zu können. Das Verständlichkeitskonzept kann auf geschriebene Texte ebenso angewendet werden wie auf Reden, Vorträge und Gespräche. Schulz von Thun (2010: 142) nimmt an, dass sich Texte vor allem in vier „Dimensionen der sprachlichen Gestaltung“ voneinander unterscheiden:

- Einfachheit vs. Kompliziertheit
- Gliederung/Ordnung vs. Unübersichtlichkeit/Zusammenhanglosigkeit
- Kürze/Prägnanz vs. Weitschweifigkeit
- Zusätzliche Stimulanz vs. keine zusätzliche Stimulanz

Die Einfachheit bezieht sich auf den allgemeinen Sprachgebrauch sowie auf die Formulierung. Fachspezifische oder wissenschaftliche Ausdrücke werden - nachvollziehbarer Weise - nicht von allen Bildungsschichten verstanden. Gliederung und Ordnung dagegen betrifft den Aufbau eines Textes oder einer Rede. Deren Bedeutung steigt mit der Länge der Mitteilung. Weitschweifigkeit meint, wenn eine einfache Botschaft mit vielen, unnötigen Begleiterklärungen versehen wird. Die Empfänger können dann das Wesentliche nicht mehr erfassen. Unter zusätzlicher Stimulanz versteht Schulz von Thun unterschiedlichste Stilmittel, die den Empfänger auch emotional ansprechen. Lebhafte Beispiele, Bilder, Analogien und Zeichnungen sind einige Beispiele für die Möglichkeiten, mehr Leben in den Text bzw. Vortrag zu bringen (vgl. Schulz von Thun 2010: 142-146).

Die möglichen Probleme auf der Beziehungsebene unterscheiden sich stark von jenen auf der Sachebene. Denn auf der Beziehungsebene kommt vor allem eines zum Ausdruck: „So stehe ich zu dir, so sehe ich dich.“ (Schulz von Thun 2010: 156) Es geht primär darum, wie kommuniziert wird. Durch die Art der Formulierung, aber auch durch Mimik und Gestik, bringt der Gesprächspartner zum Ausdruck in welcher Beziehung er mit seinem Gegenüber steht (vgl. Schulz von Thun 2010: 156). Zu diesem Themenbereich steht mit der transaktionalen Analyse ein eigenes Modell zur Verfügung. Dabei wird genau hinterfragt, wie sich die Beziehung der beiden Gesprächspartner darstellt.

Um die Anforderungen der Verständlichkeit von Schulz von Thun nachzukommen und die Dimension der Gliederung und Ordnung nachzukommen, wird die transaktionale Analyse ausführlich im nächsten Kapitel vorgestellt. Die Heraushebung dieses Modells liegt darüber hinaus auch darin begründet, dass innerhalb dieser Arbeit der Beziehungsaspekt eine noch größere Rolle spielt, als die Herausforderungen auf der Sachebene.

1.4.3 Transaktionale Analyse

Nach Schulz von Thun (2010: 169) hat die transaktionale Analyse - welche auf Berne zurückgeht - den Vorteil, dass die wechselseitige Interaktion auf der Beziehungsebene sichtbar wird. Dies geschieht, indem beide Kommunikatoren in diesem Modell einbezogen werden. Anders gesagt, wird dadurch ersichtlich „was sich zwischen zwei Leuten auf der Beziehungsebene abspielt“. (Schulz von Thun 2010: 169) Zusammen-fassend beschreibt der Autor die transaktionale Analyse folgendermaßen: „Die TA geht davon aus, daß in jedem von uns drei Persönlichkeitsinstanzen vorhanden sind und sich (als jeweilige ‚Ich-Zustände’) zu Worte melden können: Das Eltern-Ich, das Kindheits-Ich und das Erwachsenen-Ich.“ (Schulz von Thun 2010: 169, Hervorheb. i. O.)

Das Eltern-Ich

In diesem Ich-Zustand sind nach Schulz von Thun (2010: 170 f.) jene Dinge vereint, welche die Eltern dem Kind vermittelt haben. Dazu gehören Hilfe, Behütung und Weisheiten ebenso wie Ermahnungen und Verbote. Auch in der Kommunikation kann sich das Eltern-Ich auf zwei verschiedene Weisen bemerkbar machen. Auf der einen Seite kann es sich kritisch, verurteilend oder moralisierend zeigen und auf der anderen Seite fürsorglich. Als Beispiel für die erste Ausprägung führt der Autor folgenden Satz an: „Frau Meier, wenn Sie einmal etwas mehr Ordnung halten würden, dann würden Sie die Akte auch finden.“ (Schulz von Thun 2010: 170) Die fürsorgliche Ausprägung wird mit folgendem Beispielsatz ersichtlich: „Und zieh dir schön eine Jacke über, nicht? ´s kalt draußen!“ (Schulz von Thun 2010: 170)

Das Kindheits-Ich

Auch dieser Ich-Zustand steckt laut Schulz von Thun (2010: 171) in jedem Menschen, unabhängig von Alter und geistiger Reife. Darin verborgen sind vor allem Gefühle und Reaktionen aus der Kindheit. Dieser Ich-Zustand stellt sich in drei verschiedenen Arten dar: „1. natürlich (ausgelassen, verspielt, spontan); 2. angepaßt (brav, unterwürfig) oder 3. rebellisch (trotzig, patzig, wehleidig)“ (Schulz von Thun 2010: 171, Hervorheb. i. O.) Der natürliche Zustand äußert sich in spontanen Gefühlsausdrücken. Ein unterwürfiger Satz lautet: „Es soll auch nie wieder vorkommen, Herr Dr. Ebersfeld!“ (Schulz von Thun 2010: 171) Im Gegensatz dazu steht das rebellische Kindheits-Ich, dass folgendermaßen reagieren könnte: „Wenn Sie alles besser wissen, machen Sie Ihren Kram doch alleine!“ (Schulz von Thun 2010: 171)

Das Erwachsenen-Ich

Dieser Ich-Zustand wird dann sichtbar, wenn eine Person sachlich und analysierend kommuniziert. Dabei wird der Gesprächspartner auf der gleichen Ebene angesprochen. „Ein gut ausgebildetes Erwachsenen-Ich läßt nur die Normen und Wertsetzungen aus dem Eltern-Ich zu, die noch heute adäquat erscheinen, und läßt diejenigen Teile aus dem Kindheits-Ich zu, die situationsangemessen sind.“ (Schulz von Thun 2010: 171)

Schulz von Thun (2010: 172) weist ausdrücklich darauf hin, dass alle Ich-Zustände zu einer Persönlichkeit gehören und jeder Zustand für sich, wertvolle Aspekte einbringt. In Bezug auf die Interaktion zwischen zwei Personen wird das Modell dann interessant, wenn man die Ich-Zustände der Gesprächspartner gegenüberstellt und analysiert auf welchen Ebenen die beiden miteinander kommunizieren. Dabei gilt, dass in einer partnerschaftlichen Beziehung am häufigsten von Eltern-Ich zu Eltern-Ich kommuniziert wird bzw. werden sollte. In der folgenden Abbildung (siehe Abb. 5) ist dies nicht der Fall. Hier führt eine Mitteilung aus dem Eltern-Ich zu einer Reaktion aus dem rebellischen Kindheits-Ich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 214 Seiten

Details

Titel
Miteinander Beziehungen führen
Untertitel
Interpersonelle Kommunikation als unterschätzter Schlüsselfaktor der Public Relations
Hochschule
Universität Salzburg  (Fachbereich Kommunikationswissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
214
Katalognummer
V206519
ISBN (eBook)
9783656343974
ISBN (Buch)
9783656359630
Dateigröße
5301 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interpersonelle Kommunikation, Public Relations, Unternehmenskommunikation, Integrierte Kommunikation, Zwischenmenschliche Kommunikation, Kundenbeziehungen, Verständigungsorientierte Öffentlichkeitsarbeit, Stakeholder, Öffentllichkeitsarbeit, Öffentlichkeitsarbeiter, Public Relations Manager
Arbeit zitieren
Joachim Wald (Autor:in), 2012, Miteinander Beziehungen führen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206519

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Miteinander Beziehungen führen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden