Interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit


Seminararbeit, 2011

18 Seiten, Note: 1,3

Roman R (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Interkulturelle Kompetenz
1.1 Was ist interkulturelle Kompetenz?
1.2 Verschiedene Ebenen der interkulturellen Kompetenz
1.3 Erwerb interkultureller Kompetenz

2. Interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit
2.1 Interkulturalität in der Sozialen Arbeit
2.2 Zwei Modelle von Kultur und kultureller Begegnung
2.2.1 Interkulturelle Kompetenzen in der Sozialen Arbeit

Fazit

Literatur

Einleitung

Soziale Arbeit ist eine Dienstleistung, die einem Einzelnen, einer Gruppe oder einem Gemeinwesen die nötige Hilfe leistet und sich gleichzeitig bei ihrer Beauftragung an sozialstaatlichen, fachlichen und ethischen Normen orientiert. Anhaltspunkt für das sozialarbeiterische Handeln ist immer bei jedem konkreten Fall die Differenz zwischen vorgegebener und erwünschter Situation. Soziale Arbeit verfolgt das Ziel, den KlientInnen und/oder der Gesellschaft Hilfe in verschiedenen Einrichtungen zu gewährleisten. Zugleich muss ein Interessenausgleich berücksichtigt werden und ein Integrationsprozess stattfinden (vgl. Maus 2008, S. 28). Meiner Meinung nach ist Soziale Arbeit eine Dienstleistung, die in erster Linie auf alle gesellschaftlichen Veränderungen reagieren muss, damit alle Menschen mit den ihnen zustehenden elementaren Rechten ausgestattet werden und „die Entwicklung einer Gesellschaft mit gleichen Teilhabechancen möglich wird“ (Maus 2008, S.30).

Aufgrund des Globalisierungsprozesses, der in unserer Gesellschaft in den letzten Jahren stattfindet und gleichzeitig die Entwicklung der multikulturellen Gesellschaft fördert, sind für die heutige Soziale Arbeit solche Tätigkeitsbereiche wie Gleichstellungs-, Antirassismus-, Antidiskriminierungs- und zuletzt die interkulturelle Arbeit mit Migranten und deren Familien wichtig. Das Phänomen der Mehrkulturalität bringt einige bestimmte Belastungen für beide Seiten dieser multikulturellen Gesellschaft mit sich. Und zwar begegnen die Einheimischen in ihrem Alltagsleben Menschen mit einer anderen Muttersprache, Kultur und Religion und müssen dies akzeptieren. Sie müssen anerkennen, dass sie diese Menschen aufgrund unterschiedlicher Sprachen, Kulturvorstellungen oder Religionen nicht immer verstehen werden. Aber sie müssen ebenfalls anerkennen, dass Migranten in erster Linie auch freie Bürger sind und die gleichen Rechte besitzen. Die Migranten wiederum müssen lernen, in einer fremden Gesellschaft zu leben. Sie müssen die Einheimischen ebenso akzeptieren und respektieren. Sie müssen deren Sprache lernen und versuchen sich zu integrieren. Dabei ist die Hilfe der Gesellschaft erforderlich (vgl. Freise 2007, S. 9). Die Migranten „müssen für sich eine Balance finden zwischen dem, was ihnen von ihrer Heimatkultur her wichtig bleibt, und dem, was an Akkulturation [...] [bzw.] Eingliederung in das rechtliche und politische System des Gastlandes [...] gefordert ist.“ (Freise 2007, S. 9)

Um in der beruflichen Praxis erfolgreich und nützlich zu sein sowie professionell Wirken zu können, müssen die Fachkräfte der Sozialen Arbeit eine ganze Reihe verschiedener Kompetenzen besitzen. Diese Kompetenzen werden oft als Schlüsselkompetenzen bezeichnet. Zu diesen gehören z.B. berufsethische, strategische, sozial-rechtliche, sozial-administrative, sozial-pädagogische Kompetenzen und viele andere (vgl. Maus 2008, S. 12). Im Kontext der o.g. Problemstellung möchte ich deutlich machen, dass es in meiner Hausarbeit um eine der wichtigsten Kompetenzen in diesem Zusammenhang geht: und zwar um die interkulturelle Kompetenz, die oft in der Sozialen Arbeit den Migrationskontext beinhaltet.

Deshalb diskutiere ich in meiner Arbeit zuerst über die Begrifflichkeit der interkulturellen Kompetenz, um zu verstehen, was diese beinhaltet und in welcher Weise sie sich ausprägt und welche persönlichen Fähigkeiten dazu gehören. Als nächstes werde ich verschiedene Ebenen der interkulturellen Kompetenz betrachten, um die Großzügigkeit und Vielfältigkeit dieser Kompetenz vorzustellen und zu strukturieren, auf welche Wissens- und Erfahrungsbestände sich die dazu gehörigen Fähigkeiten beziehen. Außerdem beschreibe ich kurz, wie interkulturelle Kompetenz erworben wird. Um den Begriff mit der Sozialen Arbeit zu verbinden, werde ich auf das Problem der Interkulturalität unserer Gesellschaft eingehen und erläutern, warum eine der zentralen Aufgaben Sozialer Arbeit in der heutigen, vielfältigen Gesellschaft die Förderung einer vorurteilsfreien Integration von Migranten und deren Familien ist. Um die interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit näher zu bestimmen, werde ich zwei idealtypische Modelle von Kultur und kultureller Begegnung vorstellen. Abschließend werde ich aus Sicht eines dieser Modelle bestimmte Anforderungssituationen beschreiben und erklären, welche Rolle bei deren Bewältigung die interkulturelle Kompetenz und die dazu gehörigen Fähigkeiten spielen und wie diese bei der Lösung kultureller Überschneidungssituationen hilfreich sein können. Am Ende folgt das Schlusswort, in dem ich meine Meinung über diese Problematik äußere und noch einmal zusammenfasse, warum die Entwicklung der interkulturellen Kompetenz für die Soziale Arbeit wichtig ist.

1. Interkulturelle Kompetenz

1.1 Was ist interkulturelle Kompetenz?

Der Begriff „interkulturelle Kompetenz“ hat zahllose Definitionen. Ich werde hier zwei Definitionen vorstellen, die sich einigermaßen voneinander unterscheiden, uns aber eine Vorstellung davon geben, was mit dem Begriff „interkulturelle Kompetenz“ gemeint ist. Baumer zum Beispiel erklärt diesen Begriff im weiteren und engeren Sinne.

Er versteht unter interkultureller Kompetenz im weitesten Sinne die Fähigkeit der Menschen, erfolgreich mit anderen zu kommunizieren. Diese Fähigkeit kann sowohl schon seit der Kindheit vorgegeben sein als auch unter bestimmten Umständen und Willen im Laufe des Lebens entwickelt werden. Dies lässt sich damit erklären, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte, sein eigenes Lebens und daher auch seine eigene Kultur bzw. kulturelle Zugehörigkeit besitzt. Der Begriff „kulturelle Zugehörigkeit“ wiederum schließt die geografische, ethische, moralische, religiöse, ethnische, politische und historische Zugehörigkeit mit ein.

Wenn man die interkulturelle Kompetenz im engeren Sinne betrachtet, ist diese also die Fähigkeit mit Menschen aus anderen Kulturen umgehen zu können (vgl. Baumer 2006, S. 76). Meiner Ansicht nach lässt diese Erklärung nur ungefähr verstehen, was mit dem Begriff „interkulturelle Kompetenz“ gemeint ist. Obwohl der Autor auf den Doppelsinn des Begriffes hinweist, wird die zweite Definition bzw. die interkulturelle Kompetenz im engeren Sinne nicht genügend erklärt bzw. mit Argumenten verstärkt.

Beniers führt eine klarere Definition an:

„Interkulturelle Kompetenz ist die Summe aller Fähigkeiten, die erforderlich sind, um mit Menschen anderer Kulturen einen Zustand der Gemeinsamkeit herzustellen, der nicht von kulturspezifischen Eigenheiten und Vorstellungen dominiert wird.“ (Beniers 2006, S. 35)

Auch wie Baumer betrachtet Beniers interkulturelle Kompetenz als das Ergebnis eines Lern- und Entwicklungsprozesses, in dem „Persönlichkeitsmerkmale und situative Kontextbedingungen so ineinander verschränkt sind, dass zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen eine von Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung getragene Kommunikation und Kooperation möglich wird“ (Beniers 2006, S. 36). Außerdem sprechen beide Autoren über Fähigkeiten, die die interkulturelle Kompetenz beinhalten. Zu diesen gehören nach Beniers in erster Linie Fähigkeiten, Wahrnehmungen, Urteile, Empfindungen und Handlungen bei sich selbst und bei anderen zu erfassen, zu respektieren, zu würdigen und produktiv anzuwenden. Dies kann wiederum nur durch eine gegenseitige Anpassung an die fremdkulturelle Umwelt, ein hohes Maß an Toleranz und „effektives Handeln im Umgang mit fremdkulturell geprägten Interaktionspartnern“ (Losche 2000, S. 87) geschehen.

Nach Beniers ist die interkulturelle Kompetenz die notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche und angenehme Kommunikation sowie für eine Begegnung und Kooperation zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen (vgl. Beniers 2006, S.35 f.).

1.2 Verschiedene Ebenen der interkulturellen Kompetenz

Um besser den Begriff interkulturelle Kompetenz in seiner Verbindung mit der sozialen Arbeit zu veranschaulichen und die dazu gehörigen Fähigkeiten zu konkretisieren, stelle ich zuerst die verschiedenen Ebenen der interkulturellen Kompetenz nach Fischer vor. Er unterscheidet die Ich-, Wir-, Sach- und Organisationsebene. Diese Ebenen wiederum müssen im Rahmen eines globalen Zusammenhangs betrachtet werden. Das ist wichtig, weil viele moderne berufliche Tätigkeiten besonders im Migrationskontext (womit sich auch Soziale Arbeit beschäftigt) immer wieder von globalen Prozessen beeinflusst werden (vgl. Fischer zit. in Zacharaki 2007, S. 20).

Schematisch lässt sich dies folgendermaßen darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Ebenen der interkulturellen Kompetenz (Quelle: Fischer in Zacharaki 2007, S. 21)

Die globale Ebene

In der heutigen modernen Gesellschaft wird aufgrund ihrer Multikulturalität öfter nach interkultureller Kompetenz gefragt, denn im Rahmen des Globalisierungsprozesses verlieren die Grenzen der Nationalstaaten ihre Bedeutung und Entfernungen innerhalb des Globus spielen keine Rolle mehr. Dieses Phänomen der Globalisierung beeinflusst natürlich kulturelle, politische, ökonomische und soziale Bereiche unseres Lebens. In diesem Kontext wird die interkulturelle Kompetenz vom globalen Denken beeinflusst, das wiederum das Bewusstsein über die Ursachen und Auswirkungen internationaler Migrationsströme und der Wanderungsgeschichte umfasst.

Die gesellschaftliche Ebene

Damit sind unmittelbar die ökonomischen, politischen, rechtlichen, sozialen und kulturellen Strukturen einer Gesellschaft gemeint. Von deren Seite wird das Leben durch z.B. Auslandspolitik, Staatsbürgerschaftsrecht und Asylrecht geprägt und beeinflusst. Um auf dieser Ebene in einer Einwanderungsgesellschaft kompetent zu handeln, sind Kenntnisse über rechtliche Regelungen erforderlich.

Die institutionelle Ebene

Die neuen Herausforderungen bzw. die unterschiedlichen Anforderungsprofile werden für die Institutionen in der Einwanderungsgesellschaft vorgelegt. Arbeitskonzepte müssen je nach Arbeitsspektrum der Einrichtung und dem Bedarf der Zielgruppen in Einklang gebracht werden (vgl. Fischer zit. in Zacharaki 2007, S. 21 f.).

Ich-Ebene

„Wichtigste Voraussetzung im interkulturellen Dialog ist die Akzeptanz der eigenen Fremdheitsgefühle.“ (Fischer zit. in Zacharaki 2007, S. 22) Also ist eine wichtige Bedingung des professionellen Handels in der interkulturellen Arbeit die Reflexion bzw. die Fähigkeit die eigene kulturelle Gewordenheit zu reflektieren, was auch das eigene Deutungs- und Wahrnehmungsmuster zu verstehen und zu systematisieren hilft. Der/die professionell Handelnde muss unbedingt die eigenen Wahrnehmungen von den Wahrnehmungen der Klienten aus unterschiedlichen Kulturen unterscheiden können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V206542
ISBN (eBook)
9783668326040
ISBN (Buch)
9783668326057
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle Kompetenz, Soziale Arbeit, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Roman R (Autor), 2011, Interkulturelle Kompetenz in der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206542

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