Seit Jahrzehnten beschäftigt sich die Betriebswirtschaftslehre schon mit der Bewertung
von Unternehmen und stellt damit den Bewerter vor eine sehr komplizierte
Aufgabe. Um das Risiko von Fehlbewertung in dieser komplexen Sphäre
zu minimieren, hat sich die anwendungsorientierte Betriebswirtschaftslehre zur
Aufgabe gemacht, für verschiedene Bewertungsanlässe und -objekte möglichst
präzise Bewertungsverfahren zu konzipieren, die die jeweiligen spezifischen Individualitäten
des zu bewertenden Objektes berücksichtigen.
Im deutschsprachigen Raum kam in der Vergangenheit primär in der Unternehmensbewertung
das traditionelle Ertragswertverfahren zum Einsatz, welches
jedoch in jüngster Zeit von dem verstärkt international ausgerichteten angelsächsischen
Discounted Cashflow-Verfahren (DCF-Verfahren) abgelöst wurde. Dies
ist einerseits auf die rasch voranschreitende Globalisierung und die damit im Zusammenhang
stehende ständig wachsende Zahl grenzüberschreitender Unternehmenstransaktionen,
andererseits auf die von Unternehmensberatungsgesellschaften
forcierte Verbreitung des Shareholder Value-Ansatz zurückzuführen.
Auch wird die wachsende Stellung des Verfahrens mit der Aufnahme in das Wirtschaftsprüfer-
Handbuch und des IDW-Standards S 1 unterstrichen.
Im Rahmen dieser Arbeit soll ein systematischer Überblick über das Discounted
Cashflow-Verfahren mit dem Entity-Approach, unter besonderer Berücksichtigung
des Weighted Average Cost of Capital (WACC-) Ansatzes, verschafft werden.
Im Anschluss an die allgemeinen theoretischen Erläuterungen der Bewertungsverfahren
folgt im Anhang jeweils deren Anwendung an Fallbeispielen, welche
anhand zugrunde gelegter identischer Finanzierungsprämissen auf ihre Vorteilhaftigkeiten
überprüft werden.[...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen der Discounted Cashflow-Verfahren
2.1 Gesamtbewertungsverfahren
2.2 Überblick über die verschiedenen DCF-Ansätze
2.3 Entity- vs. Equity-Verfahren : Die Unterschiede
3 Die Entity-Methode
3.1 Grundlagen
3.2 Bestimmung der Kapitalkosten
3.2.1 Eigenkapitalkosten
3.2.2 Fremdkapitalkosten
3.3 Cashflows im Entity-Ansatz
3.4 Ermittlung von Zukunftserfolgen mittels Prognoseverfahren
3.5 Finanzierungsstrategien
4 Berechnung des Unternehmenswertes mit der Entity- Methode
4.1 Weighted Average Cost of Capital
4.1.1 Grundlagen
4.1.2 Autonome Finanzierungsstrategie
4.1.3 Wertorientierte Finanzierungsstrategie
4.2 Adjusted Present Value Ansatz
4.2.1 Grundlagen
4.2.2 Autonome Finanzierungsstrategie
4.2.3 Wertorientiere Finanzierungsstrategie
4.3 Schlussbetrachtung der Entity-Ansätze
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen systematischen Überblick über die Anwendung des Discounted Cashflow-Verfahrens unter Verwendung des Entity-Ansatzes, wobei insbesondere der WACC-Ansatz und dessen verschiedene Finanzierungsstrategien detailliert analysiert und anhand von Fallbeispielen geprüft werden.
- Grundlagen und Systematik der Discounted Cashflow-Verfahren
- Unterscheidung zwischen Entity- und Equity-Ansätzen
- Ermittlung von Kapitalkosten und Free Cashflows
- Autonome vs. wertorientierte Finanzierungsstrategien in der Unternehmensbewertung
- Vergleich der Methoden (WACC-Ansatz vs. Adjusted Present Value)
Auszug aus dem Buch
3.3 Cashflows im Entity-Ansatz
Der Begriff Cashflow wird als Erfolgskennzahl der Bilanzanalyse oder als Zahlungsstromgröße zur Beurteilung der finanzwirtschaftlichen Lage, bzw. zur Ermittlung des Unternehmenswertes genutzt. Es exisitieren zwei Möglichkeiten den Cashflow zu berechnen: die direkte und die indirekte Methode.
Während die direkte Methode zahlungswirksame Einzahlungs- und Auszahlungsströme direkt ermittelt und gegenüberstellt, setzt die indirekte Methode bei Ergebnisgrößen an. Hier werden im ersten Schritt zahlungsunwirksame Erträge subtrahiert und zahlungsunwirksame Aufwendungen addiert. Da die Berechnungen auf der Ausgangsgröße Gewinn- und Verlustrechnung basieren, muss das Ergebnis in einem zweiten Schritt um die erfolgsneutralen aber zahlungswirksamen Vorgänge korrigiert werden, um schließlich als Saldogröße den Cashflow zu erhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Unternehmensbewertung ein und erläutert den Fokus der Arbeit auf das DCF-Verfahren mit dem Entity-Ansatz.
2 Grundlagen der Discounted Cashflow-Verfahren: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Basis der DCF-Verfahren und grenzt die verschiedenen Brutto- und Nettoansätze voneinander ab.
3 Die Entity-Methode: Hier werden die methodischen Kernkomponenten der Entity-Methode, wie Kapitalkostenbestimmung und Cashflow-Ermittlung, detailliert erläutert.
4 Berechnung des Unternehmenswertes mit der Entity- Methode: Dieses Kapitel vertieft die praktische Anwendung mittels WACC- und APV-Ansatz unter Berücksichtigung verschiedener Finanzierungsstrategien.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Vor- und Nachteile der betrachteten Verfahren zusammen und bewertet deren Eignung für die Bewertungspraxis.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Discounted Cashflow, Entity-Methode, WACC, Kapitalkosten, Free Cashflow, Eigenkapitalkosten, Fremdkapitalkosten, Adjusted Present Value, Finanzierungsstrategie, Zirkularitätsproblem, Tax Shield, Unternehmenswert, Beta-Faktor, Rentenmodell.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der systematischen Unternehmensbewertung unter Anwendung der Entity-Methode, mit einem Schwerpunkt auf dem WACC-Ansatz.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Systematik von DCF-Verfahren, die Berechnung von Kapitalkosten, die Handhabung von Steuervorteilen (Tax Shields) sowie die Unterscheidung zwischen autonomen und wertorientierten Finanzierungsstrategien.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Entity-Ansätze zu verschaffen und deren praktische Anwendung durch mathematische Herleitungen und Fallbeispiele zu veranschaulichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die kapitalmarkttheoretischen Grundlagen der Unternehmensbewertung, insbesondere auf das CAPM und die Modigliani/Miller-Thesen, um Unternehmenswerte zirkularitätsfrei zu ermitteln.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Entity-Methode sowie die praktische Berechnung des Unternehmenswertes unter den Bedingungen des WACC- und des Adjusted Present Value (APV)-Ansatzes.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind WACC, Entity-Ansatz, Free Cashflow, Kapitalkosten, Zirkularitätsproblem, Tax Shield und der Adjusted Present Value-Ansatz.
Wie wird das Zirkularitätsproblem bei der Bewertung gelöst?
Das Zirkularitätsproblem, bei dem Marktwerte für die Berechnung benötigt werden, die das Ergebnis der Bewertung selbst darstellen, wird durch Iterationsverfahren, Zielkapitalstrukturen oder rekursive Berechnungen gelöst.
Warum bevorzugt die Literatur bei autonomer Finanzierung oft den APV-Ansatz?
Da bei der autonomen Finanzierungsstrategie die Zinszahlungen und Steuervorteile deterministisch sind, erlaubt der APV-Ansatz eine leichtere und weniger aufwendige Berechnung als der WACC-Ansatz.
- Arbeit zitieren
- Velda-Tiffany Keiper (Autor:in), 2012, Unternehmensbewertung nach der Entity-Methode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206565