Petra Kelly und ihr Engagement für Tibet


Bachelorarbeit, 2012

41 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Getrieben von Empathie

Im Kampf für die Menschenrechte in Tibet
Ursprünge von Petra Kellys politischem Interesse und frühe Berührungspunkte mit Tibet
Petra Kellys Aktivitäten zur Unterstützung der tibetischen Exilregierung
Reden und Vorträge
Publikationen
Preisverleihungen
Pressearbeit
Reisen und Veranstaltungen
Korrespondenz
Politik im Bundestag
Politische Widerstände im Kampf für Tibet
Die offizielle Haltung der Bundesrepublik Deutschland
Abweichende Positionen bezüglich Tibet in Union und FDP
Die SPD
Die Grünen
Petra Kelly - Die Stimme Tibets in Deutschland

Quellen
Ungedruckte Quellen - Archiv Grünes Gedächtnis (AGG), Petra-Kelly-Archiv (PKA)

Gedruckte Quellen

Darstellungen

Getrieben von Empathie

Vor 20 Jahren kam es in Bonn zu einer Tragödie. Unter nie endgültig geklärten Umständen wurde Petra Kelly von ihrem Lebensgefährten Gert Bastian im Schlaf erschossen. Anschließend erschoss sich Bastian selbst. Seit ihrem Abschied aus dem Bundestag 1990 war es ruhiger um Petra Kelly geworden, trotzdem verabschiedeten sich auf der Gedenkveranstaltung der Grünen über tausend Menschen von ihr1 und gedachten der „Friedensaktivistin und Galionsfigur der Gründungsgrünen“.2 Doch nicht nur der Frieden war ihr ein Anliegen. Zeit ihres Lebens genoss ein breites Spektrum an Themen ihre Aufmerksamkeit. Sie kämpfte unter anderem gegen die zivile und militärische Nutzung der Kernkraft, für den Umweltschutz und die Menschenrechte.3 Diese Aufzählung ließe sich lange fortführen und ausdifferenzieren. Im Kampf für die Menschenrechte umfasste ihr Netzwerk beispielsweise Kontakte zu Navajo-Indianern in Arizona, zu Intellektuellen in Jugoslawien und Bürgerrechtlern in der DDR4 um nur einige zu nennen. Das Leitmotiv ihres Lebens war „das Leiden des Menschen und die Ungerechtigkeiten dieser Welt“5 zu lindern. Sie besaß ein zu großes Maß an Empathie als dass sie Menschenrechtsverletzungen, egal in welchem Teil der Welt, auf sich beruhen lassen konnte.

Trotz dieser Vielfalt an Themen lassen sich Schwerpunkte erkennen. Petra Kelly engagierte sich besonders intensiv für die Rechte der Tibeter und deren Kampf für Autonomie.6 Nach der Vertreibung von chinesischen Offiziellen und Militärs im Jahr 1913 erlangte Tibet zeitweise seine Unabhängigkeit. In den folgenden Jahren versäumte es die tibetische Führung allerdings, diesen Status von anderen Staaten anerkennen zu lassen.7 Dies ermöglichte es China, Tibet 1951 zu annektieren, ohne dabei großen internationalen Widerstand hervorzurufen. Außerhalb Chinas herrscht unter Fachleuten breiter Konsens darüber, dass Tibet von 1913 bis 1951 de facto ein unabhängiger Staat war und widerrechtlich in den chinesischen Staatsverband eingegliedert wurde.8 Auch der wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestags schloss sich dieser Meinung in seinem Gutachten aus dem Jahr 1987 an.9 Seit der Annexion durch China war die Situation in Tibet „von ständigen Menschenrechtsverletzungen, politischer Repression und Diskriminierung der tibetischen Bevölkerung im eigenen Land geprägt.“10 Nach der Besetzung Tibets und der Flucht des heute noch amtierenden 14. Dalai Lama kam es in der Folge 1959 zur Gründung einer tibetischen Exilregierung in Dharamsala. Diese Stadt in Nordindien ist seitdem das Zentrum des tibetischen Unabhängigkeitsstrebens. Inzwischen fordert die tibetische Exilregierung zwar weiterhin eine umfassende Autonomie, sie würde sich jedoch in außenpolitischen Belangen China unterordnen und damit auf eine volle Souveränität verzichten.11 Doch selbst diesen reduzierten Forderungen verweigert China bis heute seine Zustimmung.

Unzählige Briefe, Reisen und teilweise selbst organisierte Konferenzen zu diesem Thema sind Beleg für Petra Kellys zeitintensiven und aufopferungsvollen Kampf für die Menschenrechte der Tibeter und deren politische Autonomie. Besonders bemerkenswert an Petra Kellys Wirken ist, dass sie Pionierarbeit leistete und ein Thema ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte, das vorher kaum Beachtung fand. Petra Kelly war die prominenteste Fürsprecherin der Tibeter in Deutschland und die erste Bundestagsabgeordnete, die die Besetzung Tibets durch China öffentlichkeitswirksam problematisierte. Diesbezüglich war sie die Vorreiterin in Deutschland und in der deutschen Politik.

Zur Verdeutlichung dieser These werden in den folgenden Ausführungen zwei Schwerpunkte gelegt. Einerseits erfolgt eine Darstellung ihrer Tätigkeiten im Bundestag sowie anderer Maßnahmen außerhalb des Bundestags, mit denen sie die Öffentlichkeit für das Thema Tibet sensibilisieren wollte. Andererseits werden die Positionen der Regierung und der relevanten Parteien erörtert. Vor dem Hintergrund der Tibet-Politik von Union, FDP, SPD und den Grünen kann Kellys Engagement kontrastiert werden und ihre Pionierleistung wird deutlich. Zeitlich liegt der Fokus auf den Jahren ihres Bundestagsmandats 1983 bis 1990. Ihre Hinwendung zu Tibet begann zwar schon früher, allerdings sind erst für die Bundestagsabgeordnete Petra Kelly intensive und wirkungsvolle Aktivitäten zugunsten Tibets dokumentiert.

Drei Biographien von Petra Kelly vermitteln einen guten Gesamtüberblick über ihr Leben und Wirken, jedoch ohne dabei Kellys Tibet-Engagement näher zu beleuchten. Bei zwei dieser Arbeiten ist das frühe Erscheinungsdatum ein Problem. Monika Sperrs Werk erschien schon 1983 und damit zu früh, um für die Themenstellung einschlägig zu sein. Sarah Parkin veröffentlichte ihre Biographie zwar 1992, als persönliche Bekannte Kellys merkt man ihrem Buch jedoch die Betroffenheit über Kellys frühen Tod an, was verständlicherweise eine nüchterne Betrachtung verhinderte. Die aktuellste Biographie wurde von Saskia Richter im Jahr 2010 veröffentlicht und erscheint im Vergleich zu Sperr und Parkin deutlich objektiver. Allen drei Titeln ist jedoch gemein, dass sie in Bezug auf Kellys Engagement für Tibet nicht ins Detail gehen.

Vor allem das „Petra-Kelly-Archiv“ (PKA) im „Archiv Grünes Gedächtnis“ (AGG) der „Heinrich-Böll-Stiftung“ in Berlin trägt zur exakten Dokumentation von Petra Kellys Tibet-Engagement bei. Hervorragend aufbereitet lagern hier die Akten von Kellys Bundestagsbüro und bieten einen umfangreichen Einblick in ihre Aktivitäten als Abgeordnete. Das PKA ist zudem auch im Hinblick auf Reisen, Konferenzen, Publikationen und sonstige Aktivitäten von Bedeutung, da ihr gesamtes Engagement durch ihr Büro im Bundestag organisiert wurde. Es war das administrative Zentrum ihrer politischen Tätigkeit. Sehr ergiebig bezüglich des Themas dieser Arbeit sind zudem Plenarprotokolle und Drucksachen des Deutschen Bundestags. Kleine Anfragen, Anträge und Diskussionen im Plenum stellen die verschiedenen Positionen der Parteien anschaulich dar. Zu den für die Arbeit relevanten Quellen zählen weiterhin Artikel aus verschiedenen Zeitungen und Publikationen von Petra Kelly.

Im Kampf für die Menschenrechte in Tibet

Ursprünge von Petra Kellys politischem Interesse und frühe Berührungspunkte mit Tibet

Die Grundlagen für Petra Karin Kellys12 politisches Interesse und ihre spätere Karriere als Politikerin wurden schon früh gelegt. In diesem Zusammenhang muss besonders Kunigunde Birle, ihre Großmutter mütterlicherseits, erwähnt werden. „Omi Birle“ war für die junge Petra Kelly die wichtigste Bezugsperson.13 Sie las ihr aus Zeitungen vor14 und diskutierte mit ihr aktuelle Ereignisse. So kam die junge Petra Kelly schon früh mit Themen wie der damals diskutierten Wiederbewaffnung Deutschlands und der Stationierung von Atomwaffen in Kontakt15 und wurde politisch sensibilisiert. Später begleitete Kunigunde Birle ihre Enkelin zu Demonstrationen und unterstützte sie in vielerlei Hinsicht tatkräftig, unter anderem bei administrativen Tätigkeiten.16 Kelly bezeichnete ihre Großmutter als „wichtige Leitfigur für mein Leben, für mein politisches Engagement“.17 Dieses Zitat macht besonders deutlich, dass „Omi Birle“ bei Kellys Politisierung ein wichtiger Faktor war.18

Im Alter von elf Jahren kam es zu großen Veränderungen in Petra Kellys Leben. Ihre Mutter heiratete den amerikanischen Soldaten John Edward Kelly. Zudem wurde ihre Halbschwester Grace geboren und die nun vierköpfige Familie zog bald nach deren Geburt nach Columbus im US-Bundesstaat Georgia.19 Dort wurden beispielsweise Martin Luther King oder John F. Kennedy zu ihren Vorbildern20 und die USA mit ihrer lebendigen Demokratie waren eine ideale Umgebung für die heranwachsende Petra Kelly. Ihr politisches Engagement weitete sich nach Beginn ihres Studiums an der „American University“ in Washington stark aus. Sie organisierte dort die „International Week“, akquirierte für diesen Anlass anerkannte Experten als Redner21 und wurde aus diesem Grund sogar zum Thema eines ganzseitigen Artikels in der Washington Post.22 An der American University studierte sie unter anderem Politik und mag während dieser Zeit das erste Mal mit dem Konflikt in Tibet in Berührung gekommen sein. Zumindest war sie in sehr engem Kontakt mit ihrem Professor Abdul Aziz Said und diskutierte oft und lange mit ihm.23 Da dessen Kurs „World Politics“ unter anderem Tibet zum Thema hatte,24 ist es wahrscheinlich, dass sich Petra Kelly ebenfalls mit dieser Problematik beschäftigte.

Während dieser Zeit erhielt sie auch Rüstzeug für die politische Praxis, welches sie später noch oft und erfolgreich einsetzen sollte. Sie begann mit potentiellen Verbündeten für ihre Anliegen in Korrespondenz zu treten, darunter bekannte Persönlichkeiten wie Robert Kennedy und der damalige Vizepräsident Hubert Humphrey; mit letzterem diskutierte sie sogar im Fernsehen.25 Petra Kelly kam zu solchen Bekanntschaften durch die sogenannte „letter power“.26 Dies bezeichnet das umfangreiche und teilweise öffentliche Versenden von Briefen an einflussreiche Personen zur Durchsetzung politischer Ziele. Sie machte die Erfahrung, dass allein das Anschreiben einer Person etwas bewirken konnte. Zeitlebends sollte sie einen unglaublich regen Briefverkehr betreiben, auch um später Unterstützer für die Befreiung Tibets anzuwerben. Die „letter power“ ist ein Beispiel, wie sich Petra Kelly durch ihren Aufenthalt in den USA typisch amerikanische Protestformen aneignete. Gerade die Hauptstadt Washington war während der 1960er Jahre ein Zentrum der immer stärker werdenden Bürgerrechtsbewegung und damit ideales politisches Übungsterrain für Petra Kelly. Zwar war sie kein führender Protagonist dieser Bewegung sondern lediglich Teilnehmer einiger Demonstrationen.27 Nichtsdestotrotz war ihr Aufenthalt in den USA für ihren späteren Kampf für Tibet insofern wichtig, als sie neue Aktionsformen kennenlernte. In den USA erfuhr sie, wie effektiv ziviler Ungehorsam und symbolische Aktionen wie das Schreiben eines offenen Briefs sein konnten.28 Petra Kelly übernahm all diese Formen des politischen Aktivismus und verwendete sie später mit großem Erfolg in der deutschen Politik.29

Doch bevor sie in der deutschen Politik aktiv wurde, studierte sie zunächst in Amsterdam, um bald darauf ein Praktikum bei den „Europäischen Gemeinschaften“ (EG) in Den Haag anzutreten.30 Von Bedeutung ist, dass Kelly zu dieser Zeit die Patenschaft für eine Waise aus Tibet übernahm.31 Mit Nima Chonzom sollte sie später im engen Kontakt stehen und es kam zu wechselseitigen Besuchsreisen.32 Petra Kelly selbst nannte diese Patenschaft einen wichtigen Grund für ihr Interesse für Tibet: „Nimas Schicksal hat mich sehr berührt und hat mich auch sehr stark motiviert, immer wieder auf die Menschenrechtsfragen in bezug [sic] auf Tibet einzugehen“.33 Die überdurchschnittliche Aufmerksamkeit, die Tibet später bei Kellys Kampf für die Menschenrechte genoss, kann unter anderem durch ihre persönliche Beziehung zu diesem Land erklärt werden. Kellys Sympathie für Tibet hatte wahrscheinlich auch eine religiöse Komponente. Unzufrieden mit der katholischen Kirche verfasste sie ein Schreiben an den Papst und trat aus der Kirche aus.34 Von der friedfertigen Religiosität des Dalai Lama und des Buddhismus fühlte sie sich deutlich mehr angezogen.35

Ab 1972 arbeitete sie dann in der Verwaltung der EG. Trotz ihres Wohnsitzes in Den Haag und ihrer Arbeit bei der EG zeigte sie großes Interesse für die Politik in Deutschland, nahm an einer Vielzahl von Demonstrationen teil36 und war bis 1979 Mitglied der SPD.37 Nach ihrem Austritt38 war sie 1980 Mitbegründerin der neuen Partei „Die Grünen“. Während dieser Zeit lässt sich nicht belegen, dass die chinesische Besetzung Tibets die besondere Aufmerksamkeit Kellys genoss. Vielmehr ist davon auszugehen, dass es lediglich ein Thema von vielen war. Anfang der 1970er Jahre war eher der Kampf gegen die Atomkraft das für sie dominierende Thema. Für Petra Kelly ebenfalls bedeutsam waren die Bereiche Arbeitnehmerrechte, Feminismus und Menschenrechte.39 Sie konnte also nicht einer Bewegung zugeordnet werden, sondern sie „war in all diesen Bewegungen zuhause, sie knüpfte Netzwerke und führte zusammen.“40 Erst während ihrer Zeit als Abgeordnete machte sie den Kampf für Menschenrechte und unterdrückte Bevölkerungsgruppen zu ihrem Hauptanliegen.41 Aktives Engagement für das tibetische Volk, das über bloßes Interesse hinausging, lässt sich somit erst ab ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete nachweisen.

Petra Kellys Aktivitäten zur Unterstützung der tibetischen Exilregierung

Ihr Organisationstalent hatte Petra Kelly während ihrer Zeit in den USA schon früh bewiesen. Ebenso, dass sie die Öffentlichkeit für ihre Belange sensibilisieren konnte. Ein Journalist schrieb, sie studiere im Hauptfach Internationale Beziehungen, im Nebenfach „managing to do things“.42 Auch später war Kelly sehr aktiv und ihr Einsatz für Tibet umfasste ein weites Spektrum. Sie hielt Reden, organisierte Veranstaltungen und unterhielt eine riesige Korrespondenz. Dabei stand sie sowohl mit Unterstützern in Kontakt, aber gerade auch mit Personen, die in Bezug auf Tibet einer anderen Meinung waren.

Reden und Vorträge

Petra Kelly war als Vortragende gern gesehen. Sie war eine gute Rednerin,43 auch wenn sie bisweilen sehr schnell sprach und erschöpfend viele Zahlen und Fakten aneinanderreihte.44 Eine der ersten dokumentierten Reden Kellys zum Thema Tibet war am 10. Juni 1987. Der „Verein der Tibeter in Deutschland“ hatte sie nach Bonn eingeladen, wo sie über die Haltung der Bundesregierung bezüglich des Tibet- Problems sprechen sollte.45 Als die erste Abgeordnete, die diese Problematik im Bundestag zur Diskussion gestellt hatte,46 war sie prädestiniert für diese Rede. Inhaltlich bezog sie sich dabei vor allem auf die bereits erwähnte Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen aus dem Juni 1986. Kelly kritisierte die in dieser Antwort manifestierte Haltung der Bundesregierung in vielerlei Hinsicht. Besonders ein zentraler und später wiederkehrender Vorwurf taucht hier erstmals auf: Die Bundesregierung verschweige Menschenrechtsverletzungen in Tibet aus Rücksichtnahme auf den bedeutenden Handelspartner China.47 Neben aller Kritik sah Kelly allerdings auch „Zeichen eines neuen ehrlichen Ansatzes von Menschenrechtspolitik im Deutschen Bundestag“.48 Davon sprach sie bezogen auf den interfraktionellen Antrag vom Oktober 198749 während einer Tibet-Demonstration in Bonn.50 In einer Vielzahl weiterer Reden auf Konferenzen, Treffen und anderen Veranstaltungen wies sie unermüdlich auf das Schicksal der Tibeter hin, warb um Unterstützung und prangerte die Haltung der eigenen und der chinesischen Regierung an.51

Publikationen

Wie umfassend sich Petra Kelly mit der Situation Tibets beschäftigte, erkennt man auch an der Tatsache, dass sie die Herausgeberin von drei Büchern zum Thema Tibet war. 1988 gab sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Gert Bastian das erste Buch heraus: „Tibet - ein vergewaltigtes Land“. Die beiden Herausgeber schrieben den ersten Aufsatz, in dem sie die für sie untragbare Situation in Tibet schilderten,52 während im Anschluss eine Vielzahl anderer Autoren verschiedene Aspekte der Tibet- Problematik ausführten. Die Veröffentlichung dieses Buches zeigt beispielhaft, wie es Kelly gelang, Synergieeffekte aus verschiedenen Bereichen ihres Tibet-Engagements zu erzeugen. So lud sie zur Veröffentlichung den gerade in Europa weilenden Dalai Lama ein. Dies erzeugte sowohl für den Dalai Lama als auch für die Buchvorstellung mehr Aufmerksamkeit, als es sonst möglich gewesen wäre. Zugleich nutzte sie ihr umfangreiches Netzwerk, um verschiedene andere Tibet-Aktivisten und Bundestagsabgeordnete zur Pressekonferenz einzuladen.53 Zu guter Letzt konnte sie mit dem Erlös des Buchprojekts die „Deutsche Tibethilfe e.v.“ finanziell unterstützen.54

Es folgten noch zwei weitere Bücher, die von Petra Kelly editiert wurden. „Tibet klagt an“ erschien 1990 noch während ihrer Zeit als Bundestagsabgeordnete ebenfalls in Zusammenarbeit mit Gert Bastian. Eine weitere Aufsatzsammlung erschien 1992: „Plädoyer für Tibet“. Beide Male waren die Bücher in ähnlicher Weise als Textsammlungen verschiedener Autoren strukturiert.

Preisverleihungen

Doch nicht nur Petra Kelly war schriftstellerisch tätig, sondern auch der Dalai Lama selbst. Dies nahm Kelly zum Anlass, um ihn zusammen mit Gert Bastian für den „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels“ vorzuschlagen.55 Dieser Vorschlag stieß sogar bei Mitstreitern der Friedensbewegung wie Robert Jungk nicht unbedingt auf Zustimmung. Der Dalai Lama sei zwar ein sehr sympathischer Religionsführer aber absolut kein Schriftsteller.56 Den Preis erhielt dann 1989 auch der tschechoslowakische Oppositionsführer und spätere Präsident Vaclav Havel.57

Die Idee, dem Dalai Lama und damit den Tibetern durch einen international beachteten Preis Aufmerksamkeit zu verschaffen, konnte jedoch auf andere Weise verwirklicht werden.

[...]


1 Vgl. Richter, Saskia, Die Aktivistin. Das Leben der Petra Kelly, München 2010, S. 326.

2 Ebd., S. 398.

3 Vgl. ebd., S. 95ff.

4 Vgl. ebd., S. 119.

5 Richter, Saskia, Tod einer Charismatikerin. Polit-Ikone Petra Kelly, in: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,508573,00.html (letzter Besuch: 19.08.2012).

6 Vgl. Parkin, Sara, The Life and Death of Petra Kelly. London 1994, S. 145.

7 Vgl. Hölzl, Marcus, Tibet - Vom Imperium zur chinesischen Kolonie. Eine historische und gesellschaftstheoretische Analyse, Frankfurt a. M. (u.a.) 2009 (Politik und Demokratie, Bd. 16), S. 58f.

8 Vgl. Hoppe, Thomas, Tibet heute. Aspekte einer komplexen Situation, Hamburg 1997 (Mitteilungen des Instituts für Asienkunde Hamburg, Bd. 281), S. 24f. Vgl. Schmitz, Gerald, Tibet im Völkerrecht. In: Tibet im Exil, hrsg. von Bernstoff, Dagmar/von Welck, Hubertus, Baden-Baden 2002, S. 41 - 61, S. 47. Vgl. Hölzl, Imperium, S. 72ff.

9 Vgl. The Legal Status of Tibet. Study by the German Bundestag, in: The Anguish of Tibet. Hrsg. von Kelly, Petra/Bastian, Gert/Aiello, Pat, Berkeley 1991, S. 73 - 79.

10 Hölzl, Imperium, S. 51.

11 Vgl. ebd., S. 101. Vgl. Hoppe, Tibet, S. 25.

12 Ihr Geburtsname war Petra Karin Lehmann. Ihren Nachnamen wird sie erst nach der erneuten Hochzeit ihrer Mutter ändern. Der Einfachheit halber wird sie in dieser Arbeit durchgehend Petra Kelly genannt werden.

13 Vgl. Sperr, Monika, Petra Karin Kelly. Politikerin aus Betroffenheit, München 1983, S. 42.

14 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 35.

15 Vgl. Feuerstein-Praßer, Karin, Ich gehe immer aufs Ganze. 10 Frauenportraits, Regensburg 2002, S. 226.

16 Vgl. Schlötzer-Scotland, Christiane, Mit dem Herzen denken. Petra Kelly, in: Jahrhundertfrauen. Ikonen, Idole, Mythen, hrsg. von Kahlweit, Cathrin, München 2000, S. 34 - 41, S. 35. Vgl. Richter, Aktivistin, S. 35.

17 Kelly, Petra, Mit dem Herzen denken. Texte für eine glaubwürdige Politik, München 1990, S. 23.

18 Vgl. Feuerstein-Praßer, Frauenportraits, S. 230.

19 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 39.

20 Vgl. Sperr, Politikerin, S. 55f. Vgl. Feuerstein-Praßer, Frauenportraits, S. 230. 6

21 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 53.

22 Vgl. Phillips, B.J., `Some of the Things She Manages to Do, Well...´. In: The Washington Post and Times Herald, Nr. unbekannt, 30.03.1969, S. 139.

23 Vgl. Parkin, Life, S. 40f. Vgl. Richter, Aktivistin, S. 51.

24 Vgl. Laurent, Lawrence, World Politics Teacher Doesn’t Fear Television. In: The Washington Post and Times Herald, Nr. unbekannt, 09.06.1959, S. 7.

25 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 55f.

26 Vgl. Phillips, Things, S. 139.

27 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 57.

28 Vgl. Bevan, Ruth A., The Dilemma of Power in Petra Kelly’s Antipolitics. In: IHS 22 (1994), S. 33 - 47, S. 36.

29 Vgl. Fücks, Ralf, Petra Kelly und die Grünen. Eine Wiederannäherung, in: Petra Kelly. Eine Erinnerung, hrsg. von Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin 2007, S. 7 - 8, S. 7.

30 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 65ff.

31 Vgl. Parkin, Life, S. 146.

32 Vgl. Rede von Petra Kelly auf der internationalen Tibet-Anhörung, Bonn, 20.04.1989, in: AGG PKA 760. Vgl. A one-women Tibetan army on the Western front. Interview: Petra Kelly, in: Tibetan Review, Nr. unbekannt, Januar 1989 (genaues Datum unbekannt), S. 13 - 16.

33 Rede von Petra Kelly auf der internationalen Tibet-Anhörung, Bonn, 20.04.1989, in: AGG PKA 760.

34 Vgl. Schlötzer-Scotland, S. 35.

35 Vgl. Feuerstein-Praßer, Frauenportraits, S. 247.

36 Vgl. ebd., S. 237.

37 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 186.

38 Vgl. Petra Kelly an Bundeskanzler Helmut Schmidt, Bonn, 17.02.1979, in: AGG PKA 2552. Ihren Austritt erklärte sie in einem offenen Brief an Willy Brandt, wiederum ein Beispiel für die „letter power“.

39 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 95ff.

40 Fücks, Wiederannäherung, S. 7.

41 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 118.

42 Phillips, Things, S. 139.

43 Vgl. Parkin, Life, S. 158.

44 Vgl. Richter, Aktivistin, S. 288f.

45 Vgl. Rede von Petra Kelly auf dem Tibet-Forum, Bonn, 10.06.1987, in: AGG PKA 1095.

46 Vgl. Plenarprotokoll 10/240, 22.10.1986, in: Verhandlungen des Deutschen Bundestags, Stenographische Berichte, Band 139, Bonn 1986.

47 Vgl. Rede von Petra Kelly auf dem Tibet-Forum, Bonn, 10.06.1987, in: AGG PKA 1095.

48 Rede von Petra Kelly auf der Tibet-Demonstration, Bonn, 09.10.1987, in: AGG PKA 720.

49 Vgl. Drucksache 11/953, 14.10.1987, in: Verhandlungen des Deutschen Bundestags, Drucksachen, Band 354, Bonn 1987.

50 Vgl. Rede von Petra Kelly auf der Tibet-Demonstration, Bonn, 09.10.1987, in: AGG PKA 720.

51 Vgl. Kapitel 2.5. und 2.6.

52 Vgl. Kelly, Petra/Bastian, Gert, Wir dürfen nicht schweigen! In: Tibet - Ein vergewaltigtes Land. Berichte vom Dach der Welt, hrsg. von Kelly, Petra/Bastian, Gert, Hamburg 1988, S. 18 - 29, S. 18ff.

53 Vgl. Rede von Petra Kelly anlässlich der Buchvorstellung von „Tibet - ein vergewaltigtes Land“, Stuttgart, 16.06.1988, in: AGG PKA 718.

54 Vgl. Kelly, Petra/Bastian, Gert, Danksagung. In: Tibet - Ein vergewaltigtes Land. Berichte vom Dach der Welt, hrsg. von Kelly, Petra/Bastian, Gert, Hamburg 1988, S. 14.

55 Vgl. Petra Kelly und Gert Bastian an den Stiftungsrat für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, Bonn, 30.01.1989, in: AGG PKA (Ordnernummer unbekannt).

56 Vgl. Robert Jungk an Petra Kelly und Gert Bastian, Salzburg, 28.01.2989, in: AGG PKA (Ordnernummer unbekannt).

57 Vgl. Liste der Preisträger des Deutschen Buchhandels, in: http://www.friedenspreis-des- deutschen-buchhandels.de/445722/ (letzter Besuch: 19.08.2012).

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Petra Kelly und ihr Engagement für Tibet
Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
41
Katalognummer
V206573
ISBN (eBook)
9783656336518
ISBN (Buch)
9783656337287
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Petra Kelly, Kelly, Tibet, Menschenrechte
Arbeit zitieren
Thomas Weisser (Autor:in), 2012, Petra Kelly und ihr Engagement für Tibet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206573

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