Zweitspracherwerb und Migration in Österreich am Modell HIPPY

Hausbesuchprogramm für Eltern von Vorschulkindern mit Migrationshintergrund


Hausarbeit, 2012
19 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklärung Migration
2.1 Migration - ein weibliches Phänomen

3. Identitätsentwicklung durch Sprache

4. Erstsprache vs. Zweitsprache

5. Eine Exploration der derzeitigen Lage von SchülerInnen in Österreich

6. HIPPY
6.1 Zieldefinition von HIPPY
6.2 Hausbesucherinnen als peer group
6.3 Ziele

7. Resümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Kinder aus Migrantenfamilien, die zum Zeitpunkt der Schuleinschreibung im Alltag kein Deutsch sprechen, sind oft davon bedroht in eine Sonderschule eingeschrieben zu werden. Im Schuljahr 2010/11 stammten knapp 29% der Schülerinnen in Sonderschulen aus nichtdeutschsprachigen Familien.1

Alleine diese Tatsache veranlasst darüber nachzudenken, wie nichtdeutschsprachige Kinder und Familien unterstütz werden können, damit diese Vorgehensweise nicht schlagend wird.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem Lernprogramm, das sich speziell an Kinder und Mütter mit Migrationshintergrund richtet - das Projekt HIPPY wird in der Steiermark vom Verein alpha nova angeboten und ist Gegenstand dieser Arbeit. Um das Projekt besser zu verstehen, werden im ersten Teil grundlegende Begrifflichkeiten erörtert, sowie die Gründe einer Migration, speziell von Frauen, näher beleuchtet.

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage: "Wie gelingt es dem Projekt HIPPY Deutsch als Zweitsprache zu vermitteln und welche Vorteile bringt die Arbeit in der Peergroup?"

Aus dem Grund der besseren Lesbarkeit wird die Arbeit unter der Verwendung der weiblichen Form verfasst, jedoch beziehen sich die Aussagen, wenn nicht anders angegeben, auf beide Geschlechter. Zudem wurden Zitate der neuen Rechtschreibung angepasst. Wo Unterschiede im Sinn vorliegen würden, wurden die Zitate allerdings in der alten Schreibung belassen.

2. Begriffserklärung Migration

Mit der Migration beschäftigen sich auf Grund der Komplexität der Wanderschaft viele Wissenschaften, daraus resultierend gibt es viele Definitionen des Begriffes Migration.2

Laut OECD wird Migration bzw. Langzeitmigration wie folgt definiert: „ A long-term migrant is a person who moves to a country other than that of his or her usual residence for a period of at least a year (12 months), so that the country of destination effectively becomes his or her new country of usual residence. From the perspective of the country of departure, the person will be a long- term emigrant and from that of the country of arrival, the person will be a long-term immigrant.“3

„Migration ist eine allgemeine Sammelbezeichnung für den Umstand, dass Personen für einen längeren oder unbegrenzten Zeitraum einen früheren Wohnort verlassen haben und in der Gegenwart in einem anderen Land als ihrem Herkunftsland leben. Die Verwendung Migranten schließt deutlich die Wohnortveränderung innerhalb eines Staates aus.“4 Diese Definition scheint auf den ersten Blick klar, jedoch lässt auch Hamburger Spielraum in der Definition wenn er schreibt: „Für das Verständnis des individuellen Sinnzusammenhangs wie auch der sozialen Bedeutung von Migration ist zunächst der Wanderungsgrund von Bedeutung.“5

Franck Düvell führt das Nichtvorhandensein einer allgemeinen Definition unter anderem darauf zurück, dass sich den Autorinnen bei näherer Beschäftigung mit der Begrifflichkeit „Abgründe der Migrationssoziologie“ auftun. Laut Düvell ist Migration an „zehn Variablen des Ortswechsels“ geknüpft, die bei einer Definition des Begriffes Migration zu berücksichtigen sind: Zeit, Ort, Geographie, Zweck und Motiv, Profession, Akteure, Politische Bedingungen, Rechtlicher Status, Charakter der Entscheidung, Historische Bedingungen.6

Hauptgründe der Wanderschaft ist laut Treibel: „Suche nach Arbeit und der Schutz vor Verfolgung“7. Daher besteht nicht immer der freiwillige Gedanke beim Verlassen seiner Heimat.8 Ein Umstand der auch in dieser Arbeit von Bedeutung ist, da im weiteren Verlauf Motivationen für der Zweitspracherwerb diskutiert werden. Weiters schreibt Treibel: „Migration ist nicht ein Sonderfall, sondern die Normalität in den Lebensläufen heutiger Menschen.“9

In diesem Absatz wurde kurz ein Überblick des Migrationsbegriffes gestaltet und auf dessen Normalität in unserer Gesellschaft hingewiesen. Warum sind aber Frauen besonders von Migration betroffen?

2.1 Migration - ein weibliches Phänomen

„Migration ist weiblich“10 suggeriert ein Artikel von Frau Lutz, Professorin an der Wolfgang Goethe Universität Frankfurt. Geschätzte 191 Millionen MigrantInnen gibt es auf der Erde - der Großteil davon Frauen.11 Im Jahr 2011 waren rund 753.200 Frauen in Österreich ausländischer Herkunft - also 17,5% der weiblichen Gesamtbevölkerung in Österreich, 59% dieser Frauen waren Migrantinnen aus Drittstaaten.12

Abwanderungsgründe von Frauen stellen vor allem die Unterhaltungsindustrie und Prostitution dar13, wobei der freiwillige Gedanke auch hier vermutlich nicht vorherrschend ist. Die Idee, wieder ins Abwanderungsland zurückzukehren, wenn sich die persönliche Situation gebessert hat, verbindet sie mit Migrantinnen in anderen Arbeitsfeldern. „Unsicherheiten am Arbeitsort, Krankheit, Ausbeutung, Forderungen nach immer neuen Konsumgütern, Medikamenten etc. im Herkunftsland bewirken eine sukzessive Verschiebung der geplanten Rückkehr. Haushalts- und Pflegearbeit scheint den meisten Betroffenen zunächst mehr Sicherheit zu bieten, da sie in einem "geschützten" Bereich tätig sind.“14 Prekäre Arbeitssituationen von Frauen, die einer Tätigkeit im Haushaltsbereich (Reinigung, Kindermädchen, Pflege) nachgehen, scheinen jedoch an der Tagesordnung zu sein. Die Vorstellung von einem sicheren und wertvolleren Arbeitsplatz wird dadurch zunichte gemacht.15 Menschenhandel mit Frauen, erscheint vorerst als schreckliche, aber vor allem historische Tatsache, eine Studie im Jahr 2004 mit dem Thema „EU- Enlargement, Migration and Trafficking in Women: The Case of South Eastern Europe“ spricht jedoch gegenwärtig von „contemporary form of slavery“16 - also einer modernisierten Form der Sklaverei.

Ein weiterer Grund für die Migration von Frauen ist die Tatsache, dass ehemalige Gastarbeiter in Österreich geblieben sind und sich dazu entschlossen haben, ihre Familien ebenfalls nach Österreich zu holen.17 Gastarbeit wurde jedoch lange als männliches Monopol verstanden, Frauen fanden kaum Berücksichtigung in der öffentlichen Diskussion. Sprach man von Frauen im Kontext der Wanderschaft, nahm man an, dass diese nicht erwerbstätig seien.18 Frauen in der Migration wurden lange als unselbstständig und abhängig von Männern dargestellt, selbst wenn Untersuchungen schon bewiesen, dass dieses Rollenbild nicht stimmt, scheint es immer wieder Gegenstand von Erklärungsmodellen zu sein.19 Frauen wanderten jedoch sehr Wohl im Rahmen der Industrialisierung in den 50er Jahren als Arbeiterinnen nach Europa bzw. Deutschland, auch ohne Familie oder in Abhängigkeit zu einem Mann.20

3. Identitätsentwicklung durch Sprache

Dann sollen sie halt Deutsch lernen!

Eine Forderung die immer wieder im Zusammenhang mit Migrantinnen zu vernehmen ist.21 Auch der österreichische Staatssekretär für Integration - Sebastian Kurz22 fordert, wie in § 21a Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetzes beschrieben, dass Kenntnisse in Deutsch auf A1 Niveau vorhanden sein müssen, bevor man den Antrag auf Erteilung eins Aufenthaltstitels stellen kann. Eine Forderung, die in dieser Arbeit nicht bewertet oder näher beleuchtet wird, da es den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Wie wichtig ist es, dass Menschen in einem Land die gleiche Sprache sprechen und dient es der Identität mit der Gesellschaft?

Die Sprache eines Landes, in das emigriert werden soll, ist entscheidend im Prozess der Migration und spielt bereits bei der Überlegung, in welches Land man einwandert, eine tragende Rolle.23 Voraussetzung für einen solchen Entscheidungsprozess ist sicherlich der Umstand, dass es sich nicht um eine Flucht oder sonstige unfreiwillige Entscheidung handelt.

Der Sprache wird eine entscheidende Größe im Migrationsprozess zugesprochen: „Die Sprache zu beherrschen und die Verpflichtung dazu sind (...) wichtig für die Integration.“24 Zudem fungiert die Sprache primär als Indikator für Integration. „Dabei werden in öffentlichen Verlautbarungen neben der Relevanz von Deutschkenntnissen die Förderung gesellschaftlicher Teilhabechancen von Personen mit Migrationshintergrund als Kernelement der der Integration hervorgehoben.“25

[...]


1 vgl. Statistik Austria, 2012, S. 44

2 vgl. Treibel, 1999, S. 17f

3 OECD: long-term migrants, Online unter URL: http://stats.oecd.org/glossary/detail.asp?ID=1562 (Zugriff am 25.09.2012)

4 Hamburger in: Otto / Thiersch, 2011, S. 947.

5 Hamburger in: Otto / Thiersch, 2011, S. 947.

6 vgl. Düvell, 2006, S. 6ff

7 Treibel, 1999, S. 21

8 ebenda; sowie Brizić: 2007, S. 41

9 Treibel, 1999, S. 226

10 Lutz: Migration ist weiblich, Online unter URL: http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/mig/ de2499278.htm (Zugriff am 15.10.2012)

11 vgl. Lutz: Migration ist weiblich, Online unter URL: http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/mig/ de2499278.htm (Zugriff am 15.10.2012)

12 vgl. Statistik Austria, 2011, S.8

13 vgl. Lutz: Migration ist weiblich, Online unter URL: http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/mig/ de2499278.htm (Zugriff am 15.10.2012)

14 vgl. Lutz: Migration ist weiblich, Online unter URL: http://www.goethe.de/lhr/prj/daz/mag/mig/ de2499278.htm (Zugriff am 15.10.2012)

15 Schilling in: Neue Caritas, Sept. 2012, S. 4f

16 El-Cherkeh et al, 2004, S. 3

17 Ataç in: Fassman / Dahlvik (Hg.), 2012, S. 272

18 vgl. Boos-Nünning / Karakaşoǧlu, 2006, S.13

19 vgl. Boos-Nünning / Karakaşoǧlu, 2006, S. 23

20 vgl. Boos-Nünning / Karakaşoǧlu, 2006, S. 48

21 vgl. Grabner, Amanda: Die Ausländer sollen deutsch lernen, Online unter URL: http://wien.kpoe.at/ news/article.php/2012012513332954 (Zugriff am 29.09.2012); sowie: Die Presse Online: Wie Sprachförderung anderswo funktioniert, Online unter URL: http://diepresse.com/home/bildung/schule/ 1293409/Wie-Sprachfoerderung-anderswo-funktioniert?from=suche.intern.portal (Zugriff am 29.9.2012)

22 vgl. Integration Österreich: Sebastian Kurz - Staatssekretät für Integration, Online unter URL: http:// www.integration.at/wir_ueber_uns/staatssekretaer/ (Zugriff am 29.9.2012)

23 vgl. Henkelmann, 2012, S.135

24 Schwarz in: Fikentscher / Pflug / Schwermer, 2012, S.88

25 Schramkowski in: Geisen / Riegel, 2007, S. 149

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zweitspracherwerb und Migration in Österreich am Modell HIPPY
Untertitel
Hausbesuchprogramm für Eltern von Vorschulkindern mit Migrationshintergrund
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung
Note
1
Autor
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V206600
ISBN (eBook)
9783656338765
ISBN (Buch)
9783656339489
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zweitspracherwerb, migration, österreich, modell, hippy, hausbesuchprogramm, eltern, vorschulkindern, migrationshintergrund
Arbeit zitieren
Daniel Gutschi (Autor), 2012, Zweitspracherwerb und Migration in Österreich am Modell HIPPY, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206600

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