Kinder aus Migrantenfamilien, die zum Zeitpunkt der Schuleinschreibung im Alltag
kein Deutsch sprechen, sind oft davon bedroht in eine Sonderschule eingeschrieben
zu werden. Im Schuljahr 2010/11 stammten knapp 29% der Schülerinnen in
Sonderschulen aus nichtdeutschsprachigen Familien.
Alleine diese Tatsache veranlasst darüber nachzudenken, wie nichtdeutschsprachige
Kinder und Familien unterstütz werden können, damit diese Vorgehensweise nicht
schlagend wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung Migration
2.1 Migration - ein weibliches Phänomen
3. Identitätsentwicklung durch Sprache
4. Erstsprache vs. Zweitsprache
5. Eine Exploration der derzeitigen Lage von SchülerInnen in Österreich
6. HIPPY
6.1 Zieldefinition von HIPPY
6.2 Hausbesucherinnen als peer group
6.3 Ziele
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Projekt HIPPY (Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters) in der Steiermark als Lernprogramm zur Förderung des Zweitspracherwerbs bei Kindern mit Migrationshintergrund. Dabei wird analysiert, wie das Programm durch seine aufsuchende Arbeitsweise und den Einsatz von Müttern als Multiplikatorinnen aus dem gleichen Kulturkreis die Bildungschancen verbessert und Integration auf Augenhöhe ermöglicht.
- Bedeutung der Sprache für die Identitätsentwicklung und Integration
- Herausforderungen beim Erst- und Zweitspracherwerb in Migrationsfamilien
- Sozioökonomische Faktoren und Bildungsnachteile von Kindern mit Migrationshintergrund
- Methodik der aufsuchenden Familienarbeit am Beispiel des Projekts HIPPY
- Rolle der Hausbesucherinnen als Peergroup zur Überwindung von Sprach- und Zugangsbarrieren
Auszug aus dem Buch
6.2 Hausbesucherinnen als peer group
„Der Einsatz von Schlüsselpersonen aus dem kulturellen Umfeld gilt als hilfreich“60 schreibt Mayer, da sie die Zielgruppe am besten erreichen. HIPPY sieht die Hasubesucherinnen, derzeit besteht das Team der Hausbesucherinnen ausschließlich aus weiblichen Mitarbeiterinnen, als „Schlüsselfaktoren“ da sie eine „Begegnung auf gleicher Augenhöhe“ gewähren.61
Damit die Frauen mit dem Auftrag, Familien zu begleiten, betraut werden, müssen sie selbst Mütter sein. Eine Identifikation mit dem Programm ist ebenso Voraussetzung wie Geduld und Empathie gegenüber den Familien, sowie sicheres und kompetentes Auftreten. Die Hausbesucherinnen sind bereits gut integriert und sprechen gut Deutsch. Außerdem werden sie im Rahmen einer Basiseinschulung mit grundlegendem pädagogischem know how ausgestattet und befinden sich in ständiger Weiterbildung.62
Die Hausbesucherinnen arbeiten mit jeder ihr zugeteilten Familie wöchentlich ca. ein bis eineinhalb Stunden. In dieser Zeit bringt die Hausbesucherin der Familie das HIPPY Spiel- und Lernmaterial bei, bespricht und übt es mit ihnen. Das Lernmaterial ist in deutscher Sprache verfasst und soll von der Mutter (und/oder Vater) pro Tag gemeinsam mit Kindern 15 bis 20 Minuten benutzt werden. Im nächsten Hausbesuch bespricht die Hausbesucherin mit den Eltern die vergangene Woche und protokolliert dieses Gespräch. Sollte es Sprachbarrieren geben, ist die Hausbesucherin in der Lage Übersetzungsarbeit zu leisten. Außerdem stellt die Hausbesucherin ein Vorbild dar, da sie bereits gut integriert und der deutschen Sprache mächtig ist. 63
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das Risiko von Kindern aus Migrantenfamilien, in Sonderschulen eingeschult zu werden, und stellt das Projekt HIPPY als Interventionsmöglichkeit vor.
2. Begriffserklärung Migration: Dieses Kapitel erörtert die wissenschaftliche Komplexität des Migrationsbegriffs und geht speziell auf die Hintergründe von Migration bei Frauen ein.
3. Identitätsentwicklung durch Sprache: Es wird die zentrale Bedeutung der Sprache für Integrationsprozesse und das Zugehörigkeitsgefühl zum neuen Land thematisiert.
4. Erstsprache vs. Zweitsprache: Das Kapitel verdeutlicht die Wichtigkeit der Erstsprache als stabiles Fundament für den Erwerb einer Zweitsprache und als Teil der Identität.
5. Eine Exploration der derzeitigen Lage von SchülerInnen in Österreich: Eine statistische Betrachtung der Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund, mit besonderem Fokus auf Unterschiede zwischen Herkunftsländern.
6. HIPPY: Vorstellung des Programms HIPPY, seiner Ziele, der Arbeitsweise durch Hausbesuche und der Rolle der Hausbesucherinnen als Identifikationsfiguren.
7. Resümee: Eine kritische Reflexion über gesellschaftliche Erwartungen an Migration und das Fazit, dass erfolgreiche Integration ohne die Aufgabe eigener kultureller Wurzeln möglich ist.
Schlüsselwörter
Migration, Spracherwerb, Erstsprache, Zweitsprache, HIPPY, Integration, Bildungsbenachteiligung, Migrationshintergrund, Hausbesuchsprogramm, Peergroup, Identitätsentwicklung, Sprachbarrieren, Elternbildung, Sozialarbeit, Interkulturalität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern mit Migrationshintergrund in Österreich und untersucht, wie das Projekt HIPPY durch sprachliche Frühförderung und aufsuchende Familienarbeit Bildungschancen verbessert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf dem Zweitspracherwerb, der Bedeutung der Muttersprache für das Selbstkonzept, der Bildungssituation in Österreich sowie dem Konzept der aufsuchenden Elternarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, wie HIPPY Deutsch als Zweitsprache vermittelt und welche spezifischen Vorteile der Einsatz von Hausbesucherinnen als Peergroup in diesem Prozess bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Auswertung von Berichten des Vereins alpha nova sowie statistischen Daten der Statistik Austria basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Migration und Spracherwerb, eine Bestandsaufnahme zur Bildungssituation von Migrantenkindern sowie eine detaillierte Vorstellung und Analyse der Arbeitsweise von HIPPY.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Migration, Spracherwerb, Integration, HIPPY, Bildungsbenachteiligung und interkulturelle Familienarbeit.
Warum spielt die Herkunft der Eltern, speziell aus der Türkei, eine so große Rolle in der Untersuchung?
Die Arbeit identifiziert Kinder aus der Türkei als besonders gefährdet für schlechtere Bildungsabschlüsse, weshalb das Projekt HIPPY seine aufsuchende Arbeit gezielt auf diese Zielgruppe ausrichtet.
Inwiefern fungieren die Hausbesucherinnen als „Schlüsselfaktoren“?
Da die Hausbesucherinnen selbst Migrationserfahrung haben, wirken sie als Multiplikatorinnen, die eine Kommunikation auf Augenhöhe ermöglichen und als Vorbilder für gelungene Integration dienen.
- Quote paper
- Daniel Gutschi (Author), 2012, Zweitspracherwerb und Migration in Österreich am Modell HIPPY, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206600