1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
Das deutsche Gesundheitswesen wurde im Laufe der Zeit durch viele Einflüsse nachhaltig geprägt. Zu dem entschiedensten Einschnitt zählt dabei der stetige Anstieg der Gesundheitsausgaben. Somit war es immer oberstes Ziel der Gesundheitspolitik diese Ausgaben zu begrenzen. Um dieses Ziel erfolgreich zu erreichen, war es ein relevanter Schritt die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherungen mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Gesundheitssystems zu verbinden. Aufgrund dessen, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung gesetzlich versichert ist, „bilden die stabilen Beitragsätze der gesetzlichen Krankenversicherungen das wesentliche Element der gegenwärtigen Gesundheitspolitik“. Gerade unter diesem Gesichtspunkt kam es in der Vergangenheit zu häufigen Reformen und Gesetzgebungen im Gesundheitswesen. Um neue Wirtschaftlichkeitspotentiale erschließen zu können, welche die Ausgaben reduzieren und eine Erhöhung der Beiträge verhindern sollen, ist die Politik durchaus gewillt, den Gesundheitssektor noch wettbewerbsorientierter auszurichten. Im besonderen Fokus der Reformgesetzgebung steht dabei der Krankenhaussektor. Dieser bildet bei den Krankenversicherungsunternehmen den größten Kostenblock. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde 2003 das deutsche DRG-basierende Vergütungssystem eingeführt. Die Gesundheitsleistungen sollen zukünftig rein auf Basis von leistungsbezogenen und pauschalisierenden Fallgruppen (Diagnosis Related Groups -DRGs) finanziert werden. Für die Krankenhäuser bedeutet dies nichts anderes, als dass ihre erbrachten Leistungen durch neue vorher gesetzlich definierte Budgets und Preise bemessen werden. Die Einführung einer DRG-basierten Vergütung hat den stationären Versorgungsbereich vor neue Herausforderungen gestellt. Man rechnet damit, dass sich die Zahl der deutschen Krankenhäuser mindestens um ein Viertel bis 2015 reduzieren wird.
Sowohl die Arbeitsinhalte, als auch die Arbeitsorganisation der Krankenhäuser hat sich grundlegend verändert. Dagegen hat das strategische Beschaffungsmanagement für die Krankenhäuser an Bedeutung gewonnen. Durch die zunehmende Regulierung der Finanzmittel sind die Krankenhäuser gezwungen, ihre Güter kostendeckend zu beschaffen. Jedoch darf sich dies nicht auf Kosten der Qualität, der medizinischen Versorgung und der Patienten auswirken.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise
2 GRUNDLAGEN DER STRATEGISCHEN BESCHAFFUNG
2.1 Begriff und Gegenstände der Beschaffung
2.2 Management und strategisches Management
2.3 Strategisches Beschaffungsmanagement
3 RAHMENBEDINGUNGEN DES GESUNDHEITSWESENS
3.1 Entwicklung des Gesundheitswesens
3.2 Akteure im Gesundheitssystem im Bezug zur Medizinindustrie
3.3 Anforderungen des Marktes
4 RAHMENBEDINGUNGEN DES KRANKENHAUSWESENS
4.1 Unternehmen Krankenhaus
4.1.1 Struktur des deutschen Krankenhauswesens
4.1.2 Trägerstruktur des Krankenhausmarktes
4.1.3 Strategische Allianzen im Krankenhaussektor
4.2 Finanzierung von Krankenhausleistungen
4.2.1 Krankenhausfinanzierung bis zur Gesundheitsreform 2000
4.2.2 Planung und Einführung eines DRG-basierten Entgeltsystems ab 2000
4.2.2.1 Diagnosis Related Groups
4.2.2.2 Nutzen des neuen Systems
4.3 Auswirkungen der DRG-Einführung in Deutschland
4.3.1 Auswirkung auf die Organisation der Krankenhäuser
4.3.2 Einfluss auf das Kaufverhalten
5 ERARBEITUNG EINES STRATEGISCHEN LÖSUNGSKONZEPTS
5.1 Ausgangssituation der Konzeption
5.1.1 Vergabeverfahren innerhalb des Krankenhauswesens aus Sicht der Anbieter
5.1.2 Die fünf Kräfte des Markfeldes
5.1.2.1 Kraft 1: Substitute
5.1.2.2 Kraft 2: Stärke des Käufers
5.1.2.3 Kraft 3: Stärke der Lieferanten
5.1.2.4 Kräfte 4 und 5: Existierende und zukünftige Wettbewerber
5.2 Methodischer Lösungsansatz durch eine Nutzwertanalyse
5.2.1 Ziel der Befragung durch eine Nutzwertanalyse:
5.2.2 Durchführung der Nutzwertanalyse
5.2.3 Auswertung
5.2.4 Zielhierarchie
5.3 Aufstellung eines Lösungskonzepts
5.4 Beurteilung und Umsetzung des Lösungskonzepts
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN
6.1 Zusammenfassung
6.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein strategisches Lösungskonzept für Unternehmen der Medizintechnik zu entwickeln, um die Anforderungen von Einkäufern und Anwendern im Krankenhaussektor besser zu bedienen. Im Fokus steht dabei die Analyse der Auswirkungen des DRG-Vergütungssystems auf den Markt sowie das Kaufverhalten der unterschiedlichen Krankenhausträgerschaften.
- Strategisches Beschaffungsmanagement in Krankenhäusern
- Einfluss des DRG-Systems auf Krankenhausstrukturen und -prozesse
- Marktanalyse von Medizintechnik-Anbietern im Krankenhaussektor
- Durchführung einer Nutzwertanalyse zur Ableitung von Lösungsstrategien
- Optimierung der Kundenbetreuung und -zusammenarbeit
Auszug aus dem Buch
4.3.2 Einfluss auf das Kaufverhalten
Nachdem im vorherigen Abschnitt die Auswirkungen der DRG-Einführung betrachtet wurden, sollen nun Aufschlüsse über die strategischen Ausrichtungen im Bereich der Beschaffung gegeben werden. Hierbei wurden die Vertreter der privaten, freigemeinnützigen und öffentlichen Krankenhäuser befragt. Dabei sollten sowohl eventuelle Unterschiede zwischen den drei Kundengruppen aufgezeigt, als auch der Einfluss der DRGs auf das Kaufverhalten berücksichtigt werden. Nach Auswertungen der Interviews konnten folgende Fakten zum Kaufverhalten nach Einführung des DRG – Systems festgestellt werden:
Die Auflistung der nachfolgenden Krankenhausträger soll hierbei eine Rangordnung darstellen.
Private Krankenhausträger: Die Einführung des DRG-Systems bietet Kliniken in privater Trägerschaft die Möglichkeit durch entsprechende Exklusivverträge mit den einzelnen Herstellern, mehr Profit zu generieren. Durch die Vertragsverhandlungen kann ein sehr guter Preis für das einzelne Produkt erzielt werden. Die Summe des gezahlten DRG bleibt aber pro Klinik identisch, somit resultiert eine größere Gewinnspanne .Ein guter Einzelpreis kann aber wiederum nur durch die Abnahme einer großen Stückzahl von Produkten pro Klinik entstehen. Somit muss eine große Stückzahl gleicher Produkte geordert werden. Die Qualität der Produkte wird natürlich im Rahmen des Vertrages auch fixiert. Daraus resultiert eine gewisse Konzentration auf einen Hersteller und eine Qualität. Nachteilig wirkt sich ein solches gewinnorientiertes Kaufverhalten auf die individuellen Patientenbedürfnisse aus. Der technische Fortschritt in innovativen teureren Systemen kann nicht genutzt werden. Die Zufriedenheit der Zuweiser sinkt ebenfalls, da diesen keine Variabilität und Produktvielfalt geboten werden kann. Gleichzeitig fällt ein zusätzlicher Nachteil auf, wenn es zum Auftreten eines Produktfehlers kommt, kann dieses mit anderen Produkten eines anderen Herstellers nicht zeitnah abgefedert werden.
Freigemeinnützige Krankenhausträger: Bei der Befragung eines Vertreters der freigemeinnützigen Trägerschaft konnte beim Kaufverhalten eine größere Flexibilität festgestellt werden. Aber auch hier steht natürlich eine Gewinnorientierung im Mittelpunkt der Preisverhandlungen. Die Verhandlungen sind aber mehr auf eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung orientiert und somit werden mehrere Hersteller zugelassen. Von den einzelnen Herstellern wird ein Portfolio mit guter Mischung aus effizienten Basisprodukten und sogenannten High-End-produkten geordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einleitung in die Thematik der strategischen Beschaffung im Gesundheitswesen und Darstellung der Forschungsziele und Vorgehensweise.
2 GRUNDLAGEN DER STRATEGISCHEN BESCHAFFUNG: Vermittlung der begrifflichen und konzeptionellen Grundlagen des strategischen Beschaffungsmanagements.
3 RAHMENBEDINGUNGEN DES GESUNDHEITSWESENS: Analyse der Struktur, Akteure und Anforderungen des deutschen Gesundheitswesens.
4 RAHMENBEDINGUNGEN DES KRANKENHAUSWESENS: Untersuchung der Struktur, Finanzierung (insb. DRG) und strategischen Allianzen in Krankenhäusern.
5 ERARBEITUNG EINES STRATEGISCHEN LÖSUNGSKONZEPTS: Entwicklung eines Lösungsansatzes mittels Nutzwertanalyse zur Unterstützung von Medizintechnikunternehmen im Krankenhausmarkt.
6 SCHLUSSFOLGERUNGEN: Zusammenfassung der Kernergebnisse und ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Krankenhaussektor.
Schlüsselwörter
Strategische Beschaffung, Medizintechnik, Krankenhaussektor, DRG-System, Nutzwertanalyse, Krankenhausträger, Gesundheitswesen, Patientenversorgung, Einkaufskooperationen, Prozessoptimierung, Produktportfolio, Fallpauschalen, Beschaffungsmanagement, Marktanforderungen, Innovationsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein strategisches Lösungskonzept für Medizintechnikunternehmen gestaltet sein muss, um die spezifischen Anforderungen und Bedürfnisse von Krankenhäusern – unter Berücksichtigung verschiedener Krankenhausträgerschaften – in Zukunft erfolgreich zu bedienen.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die Arbeit fokussiert auf die strategische Beschaffung von Medizintechnik, die Rahmenbedingungen des deutschen Krankenhausmarktes (insbesondere die DRG-Finanzierung) sowie die Analyse der Kaufentscheidungsprozesse bei verschiedenen Krankenhausträgern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Lösungsansatzes für Medizintechnikhersteller, der dabei hilft, die Wünsche von Einkäufern und Anwendern im Krankenhaussektor besser zu erfüllen und die strategische Positionierung gegenüber Krankenhäusern zu optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Lösung verwendet?
Der Autor führt eine empirische Befragung bei verschiedenen Kundengruppen (privat, freigemeinnützig, öffentlich, Zuweiser) durch und nutzt die Methode der Nutzwertanalyse, um die verschiedenen kaufentscheidenden Kriterien zu gewichten und auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der strategischen Beschaffung und der Krankenhausfinanzierung erläutert. Danach folgt die methodische Herleitung des Lösungskonzepts durch die Nutzwertanalyse, die auf den erhobenen Daten der Befragung basiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Thesis?
Neben dem zentralen Begriff des strategischen Beschaffungsmanagements prägen Begriffe wie DRG-Fallpauschalen, Nutzwertanalyse, Medizintechnik, Einkaufskooperationen und Krankenhausträgerschaft das Werk.
Welche Unterschiede ergeben sich bei der Beschaffung je nach Krankenhausträger?
Private Träger sind stärker auf Gewinnoptimierung und Kostenersparnis fokussiert, während öffentliche Krankenhäuser einen höheren Spielraum haben und stärker auf Innovation, Forschung und technologischen Fortschritt setzen.
Warum ist die Nutzwertanalyse für dieses Thema besonders geeignet?
Die Nutzwertanalyse ermöglicht es, nicht nur quantitative Faktoren (wie Preis), sondern auch qualitative Kriterien (wie Innovationsgrad, Patientenbetreuung oder Service) systematisch zu erfassen und nach der relativen Bedeutung für die verschiedenen Akteure zu gewichten.
Welche Bedeutung kommt der Rolle der Zuweiser zu?
Zuweisende Ärzte fungieren als wichtiges Bindeglied und entscheiden durch ihre Einweisungsmacht mit über den Erfolg von Kliniken; sie fordern insbesondere einfache Handhabung der Medizintechnik und moderne Nachsorgelösungen wie Telemedizin.
- Quote paper
- Marcus Boer (Author), 2012, Lösungskonzept für die strategische Beschaffung am Beispiel eines Unternehmens der Medizintechnik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206708