Französisch und Créole in Haïti

Sprachliche Besonderheiten des haïtianischen Kreol


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehung des Sprachraumes

3 Sprachsituation nach der Kolonialzeit und der Unabhängigkeit
3.1 Créole in Haïti
3.2 Französisch in Haïti
3.3 Sprachkontakt

4 Sprachpolitik
4.1 Justiz
4.2 Bildung
4.3 Medien und Öffentlichkeit

5 Analyse der linguistischen Merkmale des Créole anhand des haïtianischen Volksmärchens „Istwa Bouki ak Malis
5.1 Phonetik und Phonologie
5.2 Morphosyntax
5.3 Lexik

6 Schluss

7 Bibliographie
7.1 Sekundärliteratur
7.2 Internetquellen
7.3 Bildquellen

8 Anhang
8.1 Volksmärchen „Istwa Bouki ak Malis“ Kreolfassung
8.2 Volksmärchen „L’histoire de Bouki et Malie“ Französischfassung

1 Einleitung

Diachronisch betrachtet hat sich das Wort ‚Créole‘ seit der Entdeckung Amerikas bis heute hin sehr verändert. Im Verlauf meiner Arbeit ist folgende der zahlreichen Definitionen am wichtigsten: „Kreolisch (créole, criollo, …) ist heute der Name, den die Sprecher selbst ihrer Sprache gegeben haben[…]“[1]. Zu diesen Sprechern zählen auch die Einwohner der westlichen Inselhälfte von Hispaniola, besser bekannt als Haïti. In der Kolonialzeit im 15. Jahrhundert kam es zur Ausrottung der Urbevölkerung in Haïti und erst im 17. Jahrhundert wurden afrikanische Sklaven importiert. Die unterschiedlichen Sprachen erschwerten die Kommunikation zwischen Kolonialherren und Sklaven, aber auch zwischen den Sklaven selbst, da diese nicht alle aus derselben Region gebracht wurden, um Verschwörungen zu vermeiden. Kontakt zwischen Menschen, Kulturen und Sprachen war jedoch unumgänglich im Alltag, sodass sich beispielsweise neue Sprachen entwickelten, die anfangs nur zur gegenseitigen Verständigung dienten (Pidginsprachen), aber auch schon bald Muttersprache für die Sklavenbevölkerung wurden (Kreolsprachen)[2]. In Haïti spielt vor allem die französische Kreolsprache eine besondere Rolle, da Französisch die Sprache der dominierenden Kolonialherren war.

Die Kolonialisierung von Haïti ist ein bedeutender Aspekt in der Entstehung der dort gesprochenen Kreolsprache, weswegen ich zuerst auf historische Ereignisse zurückgreifen und anschließend den Stellenwert der dominierenden Sprachen Französisch und Créole klären möchte, wobei hier nicht nur der alltägliche Gebrauch eine große Rolle spielt, sondern auch die Sprachpolitik. Um die Unterschiede der Sprachen deutlicher zu machen, werde ich das haïtianische Volksmärchen „Istwa Bouki ak Malis“ auf linguistische Merkmale untersuchen.

Herrscht in Haïti eine ausgewogene Diglossie oder ist Créole aufgrund historischer Hintergründe minderwertiger als Französisch?

Diese wichtige Frage erstreckt sich durch die gesamte Arbeit und wird nach den ganzen Untersuchungsergebnissen zum Schluss geklärt.

2 Entstehung des Sprachraumes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am 06.12.1492 gelangte Christoph Kolumbus nach Haïti und traf dort auf die Ureinwohner, auch Arawak-Indianer genannt. Trotz der friedfertigen Haltung des Volkes, dauert es nicht lange und die Kolonialherren begannen mit der Ausbeutung und Misshandlung der Indianer und diese grausamen Taten endeten schließlich in der kompletten Ausrottung der Urbevölkerung[3]. Um jedoch den Nutzen von den vorhandenen Plantagen zu ziehen, importierte man im 17. Jahrhundert Arbeitskräfte aus Afrika, da diese Arbeit als zu nieder für die weiße Bevölkerung angesehen wurde. Es begann zudem die Rivalität zwischen den großen Kolonialmächten und nach dem Friedensvertrag von Ryswick 1697 gab Spanien Haïti, damals Saint-Domingue, letztendlich an Frankreich ab. Im 18. Jahrhundert wurde die Inselhälfte durch die ganze Plantagenwirtschaft schließlich zur reichsten Kolonie Frankreichs. Nach dem Erlass der Code Noir, eine Anordnung zum Umgang mit Sklaven von Ludwig dem XIV, versuchten viele afrikanische Sklaven zu fliehen oder taten sich zusammen und fochten Aufständen an. Diese führten 1791 zur Révolution Haïtienne, die schlussendlich am 01.01.1804 unter Jean-Jacques Dessalines mit der Unabhängigkeit des Landes Saint-Domingue, von diesem Zeitpunkt an nun Haïti genannt, von Frankreich endete[4]. Somit ist Haïti auch das erste Sklavenvolk in der Geschichte der Kolonialisierung, das sich unabhängig machte.

Schon durch diese kurze Zusammenfassung kann man erkennen, was für eine bewegte Geschichte Haïti hat und dass viele verschiedene Völker dazu gehören. Das Zusammenkommen dieser Völker war der Anfang von Kommunikationsproblemen und der Herausbildung der französischen Kreolsprache.

[...]


[1] Stein, Peter: Kreolisch und Französisch, Tübingen 1984, S.7.

[2] Vgl. ebd., S.1.

[3] Vgl. Ludwig, Ralph: Frankokaribische Literatur, Eine Einführung, Tübingen 2008, S.21-22.

[4] Vgl. Leclerc, Jacques (1999) : L'aménagement linguistique dans le monde , Haïti.
http://www.tlfq.ulaval.ca/AXL/amsudant/haiti.htm (Stand: 30.08.2012)

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Französisch und Créole in Haïti
Untertitel
Sprachliche Besonderheiten des haïtianischen Kreol
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V206731
ISBN (eBook)
9783656348146
ISBN (Buch)
9783656349921
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Haiti, franzöisch, kreol, creole
Arbeit zitieren
Selin Sahin (Autor), 2012, Französisch und Créole in Haïti, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206731

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