Das stetige expansive Streben nach Arrondierung der eigenen Territorien im Laufe der
fortschreitenden Verstaatlichung einzelner Völker führte dazu, dass die werdenden Staaten
sich hauptsächlich durch ihre jeweiligen Machtpotentiale unterschieden. Je nachdem wie groß
die Machtfülle war, konnte eine Vormachtstellung eingenommen, andere Mächte unterworfen
werden oder aber die eigene Existenz auf dem Spiel stehen, falls eine andere Macht über ein
größeres Potential verfügte. Wurden durch die expansiven Absichten besonders potenter
Mächte häufig kleinere Gemeinwesen bedroht, so ist eine erfolgreiche Abwehrstrategie dieser
schwächeren Mächte zu erkennen. Sie leisteten gegen die Hegemonialbestrebungen
erfolgreich Widerstand, indem sie sich mit anderen Mächten zusammentaten und so Allianzen
bildeten. Dadurch stellten sie ein Gleichgewicht der Machtpotentiale her, wodurch die
Expansionsbestrebungen von einzelnen blockiert und relativ schwache, kleinere Systeme
erhalten wurden. Wird unter diesem Aspekt der deutsche Fürstenbund von 1785 näher
betrachtet, so verwundert doch die Konstellation der Bündnispartner: Preußen, eine
vermeintliche Großmacht, bildete hierbei zusammen mit den Reichsfürsten eine Allianz zur
Erhaltung der Reichsverfassung, also zum Schutze der ständischen Souveränität. Ein solcher
Bund widerspricht jedoch vollkommen dem üblichen Verhalten einer europäischen
Großmacht, die doch aufgrund ihrer Machtfülle eher bestrebt gewesen sein sollte, sich die
kleinen Systeme einzuverleiben. Hier liegt die Besonderheit des von Friedrich dem Großen
geschmiedeten Bundes: Der Bund war darauf ausgelegt einen solchen Übergriff auf die
kleineren Systeme im Reich vorzubeugen. Doch warum wollte der König so etwas
verhindern? Hatte er doch selbst mit Österreich und Russland bereits ein solches Vorgehen
mit der Polnischen Teilung selbst praktiziert. Wollte Friedrich womöglich mit diesem Bund
die Grundlage für ein Reich unter der preußischen Führung schaffen oder waren es gar
reichspatriotische Absichten, die ihn dazu veranlassten diese Allianz zu schaffen, um die alte
Ordnung zu retten? Es gilt zu zeigen, welche Absichten Friedrich
wirklich mit dieser Union hatte. Um dies zu bewerkstelligen, ist es unvermeidlich den
Ursprung seiner Fürstenbundbestrebungen näher zu beleuchten, um zu sehen aus welchen
Situationen die Ideen entsprangen, um dann in einem zweiten Schritt, bei der Umsetzung des
Bundes, zu erkennen, ob und wie er seine ursprünglichen Bestrebungen umsetzte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Fürstenbundidee
3. Umsetzung der Fürstenbundpläne
3.1. Durchsetzung der Bestrebungen
3.2. Bestrebungen in Bezug auf die kleineren Fürstenhöfe
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die außenpolitischen Beweggründe Friedrichs II. zur Initiierung des deutschen Fürstenbundes von 1785. Dabei wird analysiert, inwieweit dieser Bund lediglich als machtpolitisches Instrument zur Eindämmung österreichischer Hegemonialbestrebungen im Reich diente und welche Rolle die Reichsstände innerhalb dieser Allianz einnahmen.
- Außenpolitische Isolation Preußens nach dem Siebenjährigen Krieg
- Friedrichs Instrumentalisierung der Reichsverfassung zur Machtabsicherung
- Das Spannungsfeld zwischen preußischen Interessen und habsburgischer Expansionspolitik
- Die Rolle kleinerer und geistlicher Fürstenhöfe innerhalb der Fürstenallianz
Auszug aus dem Buch
3.1. Durchsetzung der Bestrebungen
Wie wir im ersten Teil dieser Arbeit gesehen haben, war diese Allianz für Friedrich den Großen zwar eine Notlösung, da er keine andere Möglichkeit mehr sah um der Reichspolitik Josephs II. Widerstand leisten zu können, dennoch aber eine erforderliche Lösung, wodurch der Bund zu einem äußerst wichtigen Projekt seiner Politik avancierte. Bei der Umsetzung des Bundes musste dem König die Verwirklichung zweier grundlegender Ziele besonders am Herz liegen: Erstens die Schaffung einer politischen Barriere um Josephs Reichspolitik einzudämmen und zweitens eine militärische Entlastung der westlichen, im Reich liegenden preußischen Besitzungen durch eine Unionsarmee für einen eventuellen Krieg gegen die Kaisermächte Österreich und Russland und gegebenenfalls gegen Frankreich.
Grundsätzlich gab es zwei mögliche Bündnisvarianten der Fürstenallianz. In der einen Form sollte der Fürstenbund aus den nord- und mitteldeutschen Staaten bestehen. In dieser Form bestimmten vorrangig militärische Überlegungen die Art des Bundes, denn unter den Staaten waren beispielsweise Hannover, Hessen und Sachsen, welche durch ihre Lage und ihre Streitkräfte eine hervorragende Ergänzung der preußischen Militärmacht im Kriegsfalle darstellten. Die andere Variante war eine Vereinigung der geistlichen Fürsten, die eher als politischer Faktor genutzt werden konnte, da der große Vorteil in deren Stimmen auf dem Reichstag und dem Schaden für das Ansehen des Kaisers als oberster Schutzherr der Kirche bestand. Bei einer Kombination beider Ideen würde Preußen also ein Instrument militärischer und diplomatischer Art auf Reichsebene zur Verfügung stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Ausgangslage Friedrichs II. und die Motivation, trotz seiner Rolle als Großmacht ein Bündnis mit den kleineren Reichsständen einzugehen.
2. Entwicklung der Fürstenbundidee: Beleuchtet die außenpolitischen Zwänge und die zunehmende Isolation Preußens, die Friedrich II. zur Suche nach neuen Bündnispartnern zwangen.
3. Umsetzung der Fürstenbundpläne: Beschreibt den Prozess der Vertragsgestaltung sowie die strategische Gewinnung von Verbündeten zur Absicherung gegen habsburgische Machtansprüche.
3.1. Durchsetzung der Bestrebungen: Analysiert die konkrete Formierung der Allianz und die militärischen sowie diplomatischen Ziele des Königs.
3.2. Bestrebungen in Bezug auf die kleineren Fürstenhöfe: Untersucht die Rolle der kleineren Fürsten, die trotz ihres Misstrauens gegenüber Preußen als Instrumente gegen Habsburg fungierten.
4. Schluss: Fasst zusammen, dass der Fürstenbund ein rein pragmatisches Instrument zur preußischen Interessenwahrung war und keine reichspatriotischen Hintergründe hatte.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Fürstenbund, Preußen, Österreich, Joseph II., Reichsverfassung, Außenpolitik, Allianz, Machtpolitik, Großmacht, Reichsstände, diplomatische Instrumente, Hegemonie, territoriale Sicherheit, Preußisch-Österreichischer Dualismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entstehungsgeschichte und die strategischen Motive des von Friedrich II. im Jahr 1785 initiierten Fürstenbundes innerhalb des Heiligen Römischen Reiches.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die preußische Außenpolitik gegen Ende des 18. Jahrhunderts, das Konfliktpotenzial mit Österreich unter Joseph II. und die Dynamik der Bündnisbildung zwischen dem preußischen König und den deutschen Fürsten.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Fürstenbund keine Ausdrucksform reichspatriotischer Gesinnung war, sondern eine notwendige, machtpolitische Notlösung zur Wahrung preußischer Interessen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung edierter Quellen, Korrespondenzen und einschlägiger Fachliteratur zur preußischen Geschichte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese der Fürstenbundidee, die konkrete Umsetzung der Bündnispläne sowie die Einbindung und Instrumentalisierung der kleineren Fürstenhöfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Friedrich II., Fürstenbund, Reichsverfassung, Machtpolitik und der preußisch-österreichische Gegensatz.
Warum sah Friedrich II. den Bund nur als Notlösung?
Da der Bund die Expansionsmöglichkeiten Preußens einschränkte und lediglich den Status quo sowie die bestehenden Besitzverhältnisse garantierte, betrachtete der König ihn als reines Werkzeug seiner Außenpolitik.
Welche Rolle spielte die sogenannte "Tauschaffäre" für den Erfolg des Bundes?
Die österreichischen Tauschpläne in Bayern schockierten die Reichsstände derart, dass diese in ihrer Existenzangst bereit waren, sich dem Schutz durch Preußen zu unterwerfen, was Friedrich die nötige Handhabe zur Bundesschließung lieferte.
- Quote paper
- Max Schütze (Author), 2012, Friedrich II. und der Fürstenbund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206732