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Die Motivik des grotesken Leibes nach Michail M. Bachtin

Eine Darstellung der Motive der grotesken Leibeskonzeption sowie eine Analyse des indianischen Mythenzyklus der Winnebago Indianer

Titel: Die Motivik des grotesken Leibes nach Michail M. Bachtin

Hausarbeit , 2011 , 28 Seiten , Note: 1,00

Autor:in: Kerstin Schmitt (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit den Merkmalen und Motiven der grotesken Leibeskonzeption des russischen Literaturwissenschaftlers, Semiologen und Kulturtheoretikers Michail M. Bachtin. Zentral untersucht werden dabei die sechs Quellen des grotesken Leibes: die Riesenlegenden, die Wunder Indiens, die Mysterienspiele, der christliche Reliquienkult, die Marktplatzkomik sowie der Sprachgebrauch des Mittelalters und die hippokratische Schriftensammlung. Diese Quellen benutzt Bachtin in seiner Abhandlung Rabelais und seine Welt. Volkskultur als Gegenkultur um an François Rabelais Roman Gargantua und Pantagruel die groteske Leibeskonzeption zu manifestieren. Innerhalb dieser Hausarbeit dienen die Rabelaisschen Quellen als Grundlage zur Hervorhebung, Verdeutlichung und Vorstellung von Motiven des grotesken Leibes wie exemplarisch Hyperbolisierung, Offenheit, Zweileibigkeit , Verspottung, Überindividualität bzw. Kollektivität, Mischkörperlichkeit, Anatomisierung, Zerstückelung, Reisen zwischen den Welten (Leben und Tod), Lazzi, Ausscheidungen und Ausdünstungen von Körpersäften und Weiteren mehr.
Im Verlauf dieser Hausarbeit soll nachgewiesen werden, dass die Leibeskonzeption mythischer Figuren, spezifischer gesagt die des Tricksters, eine groteske ist. Um diese These zu verifizieren, werden drei Episoden des indianischen Mythenzykluses der Winnebago Indianer mit der Gestalt des Wakdjũnkaga anhand der zuvor erarbeiteten Motiven der Rabelaisschen Quellen des grotesken Leibes hin analysiert. Die Untersuchung der Episoden des indianischen Mythenzyklus zeigt exemplarisch Motive des grotesken Leibes auf [...]. Diese Analyse soll die Funktion und das Verständnis des grotesken Leibes für Wakdjũnkaga als Trickster aufzeigen.
Abschließend resümiert der Ausblick die dargelegte Argumentation und skizziert daraus resultierend die Thematik des grotesken Leibes als Kunstmittel bzw. Zugang des Erzählers zu den mythischen Erzählstoffen. In jenem Kapitel liegt der Versuch einer Einordnung des grotesken Leibes als Zugang/ Kunstmittel/ Kunstgriff in die Erzählkunst der mythischen Figuren/ Trickster vor. Der groteske Leib wird anhand eines skizzierten Schemas – zur Vermittlung der Funktion der traditionellen Schauspielkunst – systematisiert. Dieses Schema soll die Beziehung des Akteurs, der Kunstfigur und der diversen Rollen verdeutlichen und eine Brücke schlagen in unsere Zeit. Ersichtlich werden dabei (Über-)Reste und Praktiken, welche bis heute überleben (können).

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die groteske Leibeskonzeption nach Michail M. Bachtin – Eine Einführung

2.1. Quelle 1: Die Riesenlegenden

2.2. Quelle 2: Die Wunder Indiens

2.3. Quelle 3: Mittelalterliche Mysterienspiele

2.4. Quelle 4: Der (christliche) Reliquienkult

2.5. Quelle 5: Marktplatzkomik und Sprachgebrauch des Mittelalters: Schwüre, Flüche, Schimpfworte

2.6. Quelle 6: Die Hippokratische Schriftensammlung

3. Der göttliche Schelm namens Wakdjunkaga – Eine Einführung

3.1. Analyse der 14ten Episode: Der Schelm versengt sich den After und isst seine eigenen Eingeweide

3.2. Analyse der 15ten Episode: Der Penis wird in einen Kasten verpackt

3.3 Analyse der 23ten Episode: Die Abführzwiebel

4. Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Merkmale und Motive der grotesken Körperkonzeption nach Michail M. Bachtin anhand ausgewählter Quellen aus Rabelais' Werk und analysiert deren Anwendung auf die mythische Figur des Tricksters Wakdjunkaga innerhalb des Mythenzyklus der Winnebago Indianer.

  • Grundlagen der grotesken Leibeskonzeption nach Bachtin
  • Die sechs zentralen Quellen des grotesken Leibes im Mittelalter
  • Analyse des Mythenzyklus des Tricksters Wakdjunkaga
  • Verbindung von mythischen Erzählstoffen und traditioneller Schauspielkunst
  • Bedeutung des grotesken Leibes als künstlerisches Ausdrucksmittel

Auszug aus dem Buch

3.3 Analyse der 23ten Episode: Die Abführzwiebel

Das Kapitel 23 belegt exemplarisch die These, dass der Trickster bzw. Wakdjunkagas Leib ein grotesker ist. Alle zuvor beschriebenen Merkmale Bachtins sind in diesem Mythos auffindbar.

Beginnend mit der Verbindung von Mensch und Naturwesen, hört Wakdjunkaga während des Flanierens durch die Welt eine Stimme, die prophezeit: „wer mich zerkaut, der wird sich entleeren, wird sich entleeren“. Eine Zwiebel spricht mit ihm, was auf einen mischwesenähnlichen Charakter des Wakdjunkaga hindeutet. Da er selbst ein Naturwesen ist, bestehend innerhalb einer Einheit aus Leib und ihn umgebenden Kosmos, kann er andere verstehen bzw. mit ihnen kommunizieren.

Wakdjunkaga ist überzeugt, dass niemand außer der Natur ihn zwingen kann sich selbst zu entleeren, niemand hat jene Macht über ihn und niemand außer der Natur kann ihm die Autorität über seinen Leib nehmen.

Jedoch erleidet Wakdjunkaga Blähungen und lässt „einen Wind fahren“. Er verspottet seine Blähungen – Paul Radin definiert dies als eine Parodie der Heldentaten der Krieger – indem Wakdjunkaga sagt:

[...] die Zwiebel hat behauptet, ich müßte mich entleeren und dabei lasse ich nur einen Wind fahren. Auf jeden Fall aber bin ich ein großer Mann, auch wenn ich einen kleinen Wind lasse.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bachtin’sche Konzeption des grotesken Leibes ein und erläutert die Zielsetzung, diese auf die Figur des Tricksters Wakdjunkaga anzuwenden.

2. Die groteske Leibeskonzeption nach Michail M. Bachtin – Eine Einführung: Dieses Kapitel definiert den grotesken Leib als Gegenmodell zum Neuen Körperkanon und stellt die sechs theoretischen Hauptquellen vor, die den grotesken Leib in der mittelalterlichen Kultur begründen.

3. Der göttliche Schelm namens Wakdjunkaga – Eine Einführung: Hier erfolgt die Hinführung zur Analyse der indianischen Tricksterfigur Wakdjunkaga als mythische Reflexionsfigur und Träger grotesker Merkmale.

4. Ausblick: Das abschließende Kapitel resümiert die Analyse und ordnet den grotesken Leib als Kunstmittel und Bindeglied zwischen mythischer Erzählung und heutiger Schauspielkunst ein.

Schlüsselwörter

Grotesker Leib, Michail Bachtin, Trickster, Wakdjunkaga, Mythenzyklus, Winnebago Indianer, Körperkonzeption, Karneval, Anatomisierung, Volkskultur, Rabelais, Schauspielkunst, Zerstückelung, Körperlichkeit, Erzählinstanz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Motivik und die Merkmale des grotesken Leibes, wie sie der Literaturwissenschaftler Michail M. Bachtin definierte, und überträgt diese Theorie auf mythische Erzählungen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des grotesken Leibes, die Abgrenzung zum Neuen Körperkanon sowie die Untersuchung mythischer Tricksterfiguren im Kontext von Volkserzählungen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist der Nachweis, dass die Leibeskonzeption des Tricksters Wakdjunkaga aus dem Mythenzyklus der Winnebago Indianer als grotesk im Sinne Bachtins verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literatur- und kulturwissenschaftliche Analyse, bei der sie Bachtins Theorie der grotesken Leibeskonzeption als theoretischen Rahmen auf konkrete Episoden eines indianischen Mythenzyklus anwendet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Bachtins Quellen des grotesken Leibes und eine detaillierte Analyse dreier spezifischer Episoden der Wakdjunkaga-Sage.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Zentrale Begriffe sind der groteske Leib, die Zweileibigkeit, die Hyperbolisierung, das Motiv des schwangeren Todes und die Funktion des Tricksters als Vermittler zwischen Gegensätzen.

Wie unterscheidet sich der groteske Leib vom Neuen Körperkanon?

Während der Neue Körperkanon einen abgeschlossenen, isolierten und statischen Körper beschreibt, zeichnet sich der groteske Leib durch Offenheit, Grenzüberschreitung und stetige Veränderung aus.

Welche Rolle spielt die Zwiebel in der 23. Episode des Mythenzyklus?

Die Zwiebel fungiert als sprechendes Naturwesen, das den Trickster zu unkontrollierten Entleerungen zwingt, was die Verbindung zwischen Leib und Kosmos sowie das zerstörerische Potenzial des grotesken Leibes verdeutlicht.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Motivik des grotesken Leibes nach Michail M. Bachtin
Untertitel
Eine Darstellung der Motive der grotesken Leibeskonzeption sowie eine Analyse des indianischen Mythenzyklus der Winnebago Indianer
Hochschule
Universität Leipzig  (Theaterwissenschaft )
Veranstaltung
Historizität von Theater/ Kultur-Geschichte
Note
1,00
Autor
Kerstin Schmitt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V206751
ISBN (eBook)
9783656336464
ISBN (Buch)
9783656344711
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Leib Bachtin Grotesker Leib Motivik des Leibes Trickster Winnebago Indianer
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kerstin Schmitt (Autor:in), 2011, Die Motivik des grotesken Leibes nach Michail M. Bachtin , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206751
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Leseprobe aus  28  Seiten
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