Erich Kästner gehört zu den meistverfilmten deutschen Autoren, „sein Name ist mit einer ganzen Reihe von Höhepunkten des deutschen Films verbunden.“ Es liegen zahlreiche Verfilmungen zu seinen Werken, vornehmlich denen für Kinder, vor. EMIL UND DIE DETEKTIVE erschien 1929 zur Zeit der späten Weimarer Republik. Dem Roman kommt eine besondere Stellung zu, da er nicht nur Kästners erstes Werk für Kinder war, sondern mit der deutschen Verfilmung von Gerhard Lamprecht aus dem Jahre 1931 auch sein erst- und meistverfilmter. Neben etlichen internationalen Übersetzungen und Verfilmungen folgten zwei weitere deutsche, wohl nicht zuletzt deshalb kann man den Roman als seinen bekanntesten bezeichnen. Robert A. Stemmle adaptierte das Werk 1954 ein zweites und Franziska Buch 2001 ein drittes Mal in das Medium Film. Folglich umfassen der Roman und die drei filmischen Werke eine zeitliche Spanne von über siebzig Jahren.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Kästners literarischer Vorlage sowie den drei deutschen Verfilmungen. Gerade die umfassende Zeitspanne zwischen den Werken macht eine Untersuchung des in Berlin spielenden Romans sowie der dort gedrehten Filme aus unterschiedlichen Gründen interessant. Zum einen haben sich in dieser Zeit Gesellschaft und Städte stark gewandelt und modernisiert, zum anderen ist auch der Film, der 1931 noch am Anfang seiner Entwicklung stand, kontinuierlich weiter entwickelt worden, wodurch sich auch die Erwartungshaltung der Zuschauer an Filme gewandelt hat. Inwiefern sich diese Veränderungen in den Adaptionen zeigen, ist ein wichtiger Aspekt der Arbeit. Wie wurden die Darstellung der Handlung, die Figuren sowie das Milieu Stadt verändert, um aktuelle Funktionen zu erfüllen? Inwiefern gehen Figuren- und Städtewandel einher? Aus welchem Grund gibt es Änderungen in der Darstellung bestimmter Aspekte oder sind Änderungen kaum spürbar, da Kästners Werk eine ungebrochene Aktualität besitzt?
In Bezug auf die Stadtdarstellung stellt sich, neben dem Wandel der Stadt, die Frage, inwiefern aktuelle politische Ereignisse der jeweiligen Entstehungszeit der Filme mit einbezogen werden, da diese zu unterschiedlichen und historisch bedeutenden Zeiten entstanden und zudem in Berlin spielen.
Ausgehend vom Roman und im Hinblick auf die Figuren ist auch Kästners moralisches Anliegen von Interesse, da er seine Figuren auf spezifische Art und Weise zeichnete.
Kästner selbst verstand sich stets als Moralist, der mit seinen Büchern pädagogisch ...
Inhaltsverzeichnis
1 LITERATUR UND FILM
1.1 Intermedialität
1.2 Literaturadaption
1.3 Formen der Visualisierung in Literatur und Film
1.4 Filmisches Schreiben
2 „EMIL UND DIE DETEKTIVE“
2.1 Ein Roman für Kinder von Erich Kästner
2.1.1 Inhalt
2.1.2 Rezeption
2.2 Die deutschen Verfilmungen
2.2.1 Gerhard Lamprecht – 1931
2.2.2 Robert A. Stemmle – 1954
2.2.3 Franziska Buch – 2001
3 FIGURENGESTALTUNG
3.1 Figuren in Literatur und Film
3.2 Kästners Roman
3.2.1 Figuren und Figurenkonstellationen
3.2.2 Die Figur Emil
3.2.3 Die Darstellung der Kinderfiguren
3.3 Figuren und Figurenkonstellationen in den Verfilmungen
3.3.1 Gerhard Lamprecht - 1931
3.3.2 Robert A. Stemmle – 1954
3.3.3 Franziska Buch – 2001
4 DAS MOTIV DER GROßSTADT
4.1 Entwicklung und Wandel des Motivs
4.2 Die Darstellung der Stadt in Kästners Roman
4.3 Die Darstellung der Stadt in den Verfilmungen
4.3.1 Gerhard Lamprecht - 1931
4.3.2 Robert A. Stemmle - 1954
4.3.3 Franziska Buch - 2001
5 „EMIL UND DIE DETEKTIVE“ ALS LITERATURVERFILMUNG
5.1 Typen der Adaption der Verfilmungen
5.1.1 Gerhard Lamprecht - 1931
5.1.2 Robert A. Stemmle – 1954
5.1.3 Franziska Buch - 2001
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Erich Kästners Roman „Emil und die Detektive“ sowie seine drei deutschen Verfilmungen im Hinblick auf Veränderungen in der Figuren- und Stadtdarstellung über einen Zeitraum von mehr als 70 Jahren und analysiert, wie diese Adaptionen als Literaturverfilmungen einzuordnen sind.
- Intermediale Beziehungen zwischen Literatur und Film.
- Die Entwicklung und Transformation von Kinderfiguren und deren moralischen Werten.
- Das Motiv der Großstadt Berlin und dessen Wandel im Kontext der Zeitgeschichte.
- Typologie der Literaturadaption und werkgerechte Umsetzung filmischer Mittel.
- Vergleich der filmischen Inszenierung von 1931, 1954 und 2001.
Auszug aus dem Buch
1.1 INTERMEDIALITÄT
Intermedialität (lat. Inter: zwischen; lat. medius: Mittler, vermittelnd) bezeichnet eine gegenwärtige Forschungsrichtung, die im engeren Sinn die Beziehungen zwischen Medien behandelt, wie sie aufgrund eines Zusammenspiels mindestens zweier distinktiver Medien bestehen.
Nach Schanze kann die Intermedialitätsforschung historisch als Mediengeschichte oder aktuell als Medienästhetik angelegt sein. Er definiert Intermedialität als Beziehung zwischen mindestens zwei sich in ihrer Bedeutung unterscheidenden Medien. Da der moderne Begriff allerdings häufig diskutiert wurde, kam es zu einer Ausweitung, womit eine „Unschärfe der Definition“ einhergeht.
Die Verwendung des Begriffs nimmt mit der Entwicklung der Medien zu. So ist dieser etwa seit Mitte der neunziger Jahre in sämtlichen Werken, die sich mit der Beziehung von Literatur und elektronischen Medien beschäftigen, zu finden. Die Forschungsfragen werden immer vielfältiger und differenzierter. Weiterhin sind äußerst unterschiedliche Ausprägungen von Intermedialität seit den achtziger Jahren entstanden, die jeweils Funktionen mit verschiedenem Schwerpunkt erfüllen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 LITERATUR UND FILM: Theoretische Grundlegung zum Verhältnis von Literatur und Film sowie Erläuterung der Konzepte Intermedialität und Literaturadaption.
2 „EMIL UND DIE DETEKTIVE“: Vorstellung des Romans von Erich Kästner sowie inhaltliche und filmorganisatorische Details zu den drei Verfilmungen (1931, 1954, 2001).
3 FIGURENGESTALTUNG: Analyse der Charakterisierung von Figuren im Roman und den Filmen, wobei insbesondere der Wandel der Hauptfiguren und ihre moralische Ausrichtung untersucht werden.
4 DAS MOTIV DER GROßSTADT: Untersuchung des Stadtraums als Handlungsort und dessen Darstellung im Wandel der Zeit und der jeweiligen Filmepochen.
5 „EMIL UND DIE DETEKTIVE“ ALS LITERATURVERFILMUNG: Abschließende Einordnung der Adaptionen nach filmwissenschaftlichen Typologien basierend auf den vorangegangenen Analysen.
Schlüsselwörter
Emil und die Detektive, Erich Kästner, Literaturverfilmung, Intermedialität, Adaption, Figurengestaltung, Stadtmotiv, Berlin, Neue Sachlichkeit, Filmgeschichte, Transformation, Kinderliteratur, Medienwechsel, Werktreue, Genreanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das Zusammenspiel von Literatur und Film am Beispiel von Erich Kästners „Emil und die Detektive“ und dessen drei deutschen Verfilmungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die filmische Darstellung von Figuren, das Motiv der Großstadt Berlin sowie die medienwissenschaftliche Einordnung der Literaturverfilmungen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, wie sich Handlung, Figuren und das Milieu Stadt in den Adaptionen verändert haben, um zeitgenössische Funktionen zu erfüllen, und inwiefern Kästners moralisches Anliegen in den Filmen erhalten bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen vergleichenden medienwissenschaftlichen Ansatz, der auf Film- und Literaturtheorien zur Adaption und Figurengestaltung basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der literarischen Vorlage, die spezifische Charakterisierung der Filmfiguren über die Jahrzehnte hinweg sowie die Untersuchung des sich wandelnden Stadtbildes in den drei Verfilmungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Intermedialität, Literaturadaption, Figurenanalyse, Großstadtmotiv und der filmhistorische Vergleich der drei Versionen.
Wie unterscheiden sich die drei Verfilmungen in Bezug auf die Darstellung von Emil?
Während die Romanfigur Emil durch Moral und Selbstreflexion geprägt ist, rücken die Verfilmungen zunehmend Spannung und Action in den Vordergrund, wobei die Figur Emil in den späteren Adaptionen weniger moralisch reflektiert und teils naiv oder unüberlegt handelt.
Welche Rolle spielt die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche in den Filmen?
Sie fungiert besonders in der Verfilmung von 1954 als zentrales Symbol und Mahnmal, das den zeitgeschichtlichen Kontext der Nachkriegszeit und die Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte visuell unterstützt.
- Arbeit zitieren
- Bianca Kramer (Autor:in), 2011, "Emil und die Detektive" - Ein Roman und seine deutschen Verfilmungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206825