Auf der Suche nach Informationen über die „Welt des Islam“ und seine Lehre stößt man im Heiligen Römischen Reich des frühen 17. Jahrhunderts auf Werke wie die des Salomon Schweigger . Seine deutschsprachige Übersetzung des Korans erschien 1616 unter dem Titel AL CORANUS MAHOMETICUS, Das ist: Der Türcken Alcoran / Religion und Aberglauben , dessen Notwendigkeit der Autor damit begründet, dass man den Feind kennen müsse, um ihn besiegen zu können, wobei seine Übersetzung kaum mit dem Original übereinstimmt. Niemanden versetzt das in Erstaunen, denn von einem christlichen Gelehrten jener Zeit wird keine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Islam erwartet. Leider sind das Feindbild „Islam“ und der orientalistische Diskurs über die arabischen Länder, ihre Kulturen und Religionen keine Phänomene des 17. Jahrhunderts, sondern prägende Bestandteile unserer Zeit. Wenn auch oder vielleicht gerade weil die Auswahl an Informationsmaterial über den Islam und „den Orient“ scheinbar bis ins Unendliche reicht, konnten sich orientalistische Denkstrukturen durchgängig halten und sind heute ein wichtiger Bestandteil der deutschen Politik.
Inhaltsverzeichnis
1. Der „islamische Raum“ aus europäischer Perspektive
2. Saids Kritik an orientalistischen Denkmustern
3. Der orientalistische Einwanderungsdiskurs Deutschlands
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert, wie historisch gewachsene orientalistische Strukturen den aktuellen deutschen Einwanderungsdiskurs prägen. Dabei wird untersucht, wie durch die Konstruktion eines monolithischen Feindbildes "Islam" politische Integrationsprobleme legitimiert und Ausschlussmechanismen erzeugt werden.
- Analyse des Begriffs "Orientalismus" nach Edward Said
- Kritik am deutschen Integrationsdiskurs und dessen zugrunde liegenden Machtinteressen
- Untersuchung der Rolle von Feindbildern für die politische Instrumentalisierung
- Darstellung von Mechanismen der strukturellen und institutionellen Diskriminierung
- Reflektion über die Rolle von unbewussten Ressentiments in Entscheidungsprozessen
Auszug aus dem Buch
Der orientalistische Einwanderungsdiskurs Deutschlands
Dem Berliner Politologen Kien Nghi Ha zufolge wird die Ablehnung der außereuropäischen Einwanderung seit Ende des kalten Krieges verstärkt mit orientalistischen Feindbildern begründet. Die omnipresente Gefahr eines „islamischen Terrors“ als einer (scheinbaren) Tatsache ist Bestandteil der öffentlichen Berichterstattung; private wie öffentlich-rechtliche Radio- und TV-Sender integrieren diese wie selbstverständlich in ihr Programm. Sogenannte „Islamexperten“ und Politiker sprechen öffentlich von „der patriachalischen türkischen Kultur“, „dem frauenfeindlichen Islam“ oder „dem islamischen Erwachen“, ohne dass von der deutschen Mehrheitsgesellschaft eine Erklärung dieser Begriffsverbindungen erwartet wird. Ein allgemeiner Konsens über bestimmte Kausalitäten scheint zu bestehen, welche in ihrer Gesamtheit den Islam per se als Ursache für die „Integrationsprobleme der Muslime“ in Deutschland innerhalb eines „zivilisierten (...) homogenen und friedfertigen christlich-abendländischen Europa[s]“ definiert haben. Demnach sind also sowohl „der Islam“ als auch „Deutschland und Europa“ bzw. „der aufgeklärte Westen“ monolithische Einheiten, denen ihre zwar unterschiedlichen jedoch absoluten Wahrheitsansprüche gemeinsam sind, von Grund auf unvereinbar.
Eine weitere Annahme innerhalb dieses Diskurses ist die Gleichsetzung dieses als statisches, mit „europäischen Werten“ unvereinbares Konstrukt „Islam“ mit „den Muslimen“ - weiter mit den „muslimischen Einwanderern“ bzw. der „vorwiegend muslimischen, türkischen / arabischen Minderheit“. Daraus lassen sich folgende grundlegende Charakteristika innerhalb des deutschen Integrationsdiskurses ableiten:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der „islamische Raum“ aus europäischer Perspektive: Das Kapitel führt in die historische Entwicklung des orientalistischen Diskurses ein und begründet die Notwendigkeit, diesen im Kontext der modernen deutschen Integrationspolitik zu untersuchen.
2. Saids Kritik an orientalistischen Denkmustern: Hier werden die theoretischen Grundlagen nach Edward Said erläutert, insbesondere die bewusste Trennung zwischen Orient und Okzident als Instrument der Machtausübung und Identitätsbildung.
3. Der orientalistische Einwanderungsdiskurs Deutschlands: Dieser Abschnitt analysiert die aktuellen Ausprägungen orientalistischer Narrative, die zur Stigmatisierung von Muslimen und zur Rechtfertigung diskriminierender politischer Maßnahmen in Deutschland genutzt werden.
Schlüsselwörter
Orientalismus, Einwanderungsdiskurs, Integration, Islamophobie, Edward Said, Hegemonie, Feindbild, deutsche Leitkultur, Postkolonialismus, strukturelle Diskriminierung, Machtinteressen, kulturelle Identität, Rassismus, Migration, Stereotypisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit orientalistische Denkmuster, die bis in die Kolonialzeit zurückreichen, das aktuelle politische und gesellschaftliche Klima gegenüber Muslimen und Einwanderern in Deutschland beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit thematisiert die Konstruktion des "Orients" als Gegenpart zum "Okzident", die Rolle der Medien und Politik bei der Verstetigung von Feindbildern sowie die Auswirkungen dieser Diskurse auf die Integrationspolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die verborgenen Mechanismen und Kausalitäten offenzulegen, durch die der Islam als monolithisches Feindbild in den Integrationsdiskurs eingeschrieben wird, um politische Machtansprüche zu stützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine essayistische Analyse, die postkoloniale Kritik (insbesondere nach Edward Said und Kien Nghi Ha) auf den aktuellen deutschen Integrationsdiskurs anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Merkmale des Integrationsdiskurses, die Ursachen für die Entstehung von Bedrohungsszenarien sowie die daraus resultierenden negativen Auswirkungen, wie etwa den Abbau von Minderheitenrechten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Orientalismus, Hegemonie, Islamophobie, Integrationsdiskurs und das Konzept der "westlichen Leitkultur".
Welche Rolle spielen "Islamexperten" in der Argumentation der Autorin?
Die Autorin kritisiert, dass sogenannte "Islamexperten" dazu beitragen, den Islam pauschal als Ursache für Integrationsprobleme zu definieren, ohne eine differenzierte Auseinandersetzung zu ermöglichen.
Was bedeutet die "Imaginäre Homogenisierung" im Kontext dieser Arbeit?
Damit ist die Vorstellung gemeint, dass sowohl "der Westen" als auch "der Islam" als einheitliche, unvereinbare Blöcke wahrgenommen werden, was eine rationale Debatte verhindert.
- Citar trabajo
- Hannah Amhaz (Autor), 2012, Eurozentrismus und Integration – eine Analyse orientalistischer Strukturen innerhalb des deutschen Einwanderungsdiskurses, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206834