Papst Pius XII. und der Holocaust


Seminararbeit, 2003

20 Seiten, Note: sehr gut


Leseprobe

Inhalt

1. Papst Pius XII. – „Hitlers Papst“ oder „Retter der Juden“?

2. Das Leben des Eugenio Pacelli / Papst Pius XII

3. Das Reichskonkordat von 1933

4. Die Verurteilungen des Antisemitismus

5. Der Vatikan und Polen

6. Unparteilichkeit oder Protest?

7. Die Interventionen des Papstes

8. Aktionen der Nuntien

9. Der Vater aller

Literatur

Papst Pius XII. und der Holocaust

In die Zeit des nationalsozialistischen Antisemitismus zwischen 1933 – 1945 fällt auch das Pontifikat Papst Pius XII. Er war der Papst des Zweiten Weltkrieges, der Papst der Schoa. Der Papst der schwieg, als hätte er reden müssen[1] – so lautet jedenfalls die Anklage, die wie ein dunkler Schatten auf der Kirche liegt.

1. Papst Pius XII. – „Hitlers Papst“ oder „Retter der Juden“?

Seit Rolf Hochhuths Theaterstück „Der Stellvertreter“ von 1963 gilt Eugenio Pacelli, so der bürgerliche Name Pius XII. wegen seines Verhaltens im Zweiten Weltkrieg als belastet.[2] Hochhuth meint: „wenn er mehr mit den Menschen gesprochen hätte, hätten sich viele Juden retten können.“[3] John Cornwell nannte ihn mit seinem Buch „Hitler´s Pope“, aber allein der Titel ist schon eine Provokation und nach Besier geht dieser Vorwurf zu weit, da bisher publizierte Quellen schon jetzt ausschließen, dass Pacelli „Hitlers Papst“ war.[4] Anhänger betrauerten ihn nach seinem Tod 1958 als „Vorbild der Menschheit“[5] und „Apostel der Wahrheit“[6]. Ziel der Politik Pius war eine Befestigung des Gestaltungsraumes für das katholische Leben in den betreffenden Ländern, deshalb musste sich der höchste Vatikanische Diplomat mit der Pariser Volksfrontregierung Léon Blums ebenso verständigen können, wie mit dem amerikanischen Präsidenten Roosevelt und den europäischen Diktatoren Mussolini und Hitler.[7] Der US-Präsident Eisenhower würdigte ihn als „Feind der Tyrannei und Wohltäter der Unterdrückten.“[8] Die Außenministerin des Staates Israel, Golda Meir, sandte folgendes Beileitstelegramm, als Papst Pius XII. verstarb: ‚Wir trauern mit der Menschheit um das Hinscheiden seiner Heiligkeit Pius XII. In einer Generation, die von Krieg und Zwietracht heimgesucht war, hielt er die Ideale des Friedens und des Mitleids hoch. Als unser Volk während des Naziterrors ein furchtbares Martyrium durchlitt, erhob der Papst die Stimme für die Opfer.’[9] Pater Gumpel ist der Chefermittler in Sachen Heiligkeit. Er bearbeitet seit 20 Jahren den brisantesten Fall zu den schwebenden Verfahren zur Selig- und Heiligsprechung: die Causa Pacelli.[10] Und er hält fest: „Pius XII. war einer der größten Päpste der Geschichte.“[11] Goldhagen hingegen hält die Konzentration auf den Papst für einen Trick, um die katholische Kirche als solche zu entlasten.[12] Aufschluss darüber könnten nur die archivierten Dokumente geben, aber als einziger europäischer Staat gewährt der Vatikan den interessierten Historikern keine freie Archivbenutzung und beharrt auf einer Sperrfrist von 75 Jahren. Aus dem ganzen Hin und Her zieht Heinrich Jaenecke folgenden Schluss: „Das Schicksal hat Eugenio Pacelli zur falschen Zeit auf den falschen Platz gestellt.“[13]

Wer war aber nun dieser Mann, der für die einen ein Held, für die anderen ein moralischer Versager ist?

2. Das Leben des Eugenio Pacelli / Papst Pius XII.

„Eugenio Pacelli wurde am 2. März 1876 in eine Familie von Kirchenjuristen im Dienste des Papstes hinein geboren. Die Kindheit Pacellis war durchzogen von tiefer Frömmigkeit, die sich zum Beispiel darin äußerte, daß der junge Pacelli sich selbst züchtigte durch den Verzicht auf Fruchtsäfte. Pacelli ging auf eine private katholische Grundschule, die den Vorlieben und Launen seines Gründers und Direktors, Signor Guiseppe Marchi, ausgesetzt war. Marchi hatte die Gewohnheit, über die „Hartherzigkeit der Juden“ Vorträge zu halten. Zwischen 1886 und 1894 besuchte Pacelli das humanistische Gymnasium Visconti. Er zeigte von frühem Alter an ein beeindruckendes Maß an Intelligenz und Gedächtnisstärke und konnte bei Bedarf seitenweise auswendig lernen. Außerdem hatte er eine Begabung für die klassischen und modernen Sprachen. Im Sommer 1894 beendete Pacelli die höhere Schule mit einem Diplom, einer licenza „ad honorem“. Er zog sich für zehn Tage zu Exerzitien zurück, wobei er entschied, Priester zu werden. Für die Familie stellte das keine große Überraschung dar. In den Jahren 1894 bis 1899 studierte Pacelli Philosophie und Theologie an der römischen Jesuitenuniversität „Gregoriana“. Gleichzeitig war er an der weltlichen Universität Sapienza zum Studium der Sprachen immatrikuliert. Soziale Kontakte knüpfte er dabei nicht. Am 2. April 1899 wurde er zum Priester geweiht. Im Herbst immatrikulierte sich Pacelli erneut, um kanonisches Recht zu studieren. Gleichzeitig begann Anfang 1901 seine Karriere im Vatikan mit einer Stelle als "apprendista", als „Auszubildender“ im Staatssekretariat des Vatikans. 1904 erhielt er einen Doktorgrad für seine Dissertation über die Beziehung zwischen Kirche und Staat. Bis 1905 stieg Pacelli bis zum päpstlichen Hausprälaten auf. Nach der Ernennung zum Erzbischof übernahm Pacelli 1917 die bayrische Nuntiatur in München und fördert als erster Nuntius des Deutschen Reiches entschlossen die Konkordatspolitik von Papst Pius XI. Aus dieser Zeit stammt auch seine Begeisterung für Deutschland und die deutsche Kultur. 13 Jahre später wurde er als Kardinalstaatssekretär eingesetzt und damit zum rechtlichen Stellvertreter des Papstes. Am 20. Juli 1933 handelt Pacelli mit Franz von Papen das Reichskonkordat aus. […] Nach dem Tod von Papst Pius XI. im Februar 1939 wurde Pacelli am 2. März zum Papst gewählt. Er starb am 9.

[...]


[1] Vgl. Hürten, 2000, 3.

[2] Vgl. Besier, 2002, 200.

[3] www.ldg.de/projekt/judentum/vatikanholocaust.htm

[4] Vgl. Besier, 2002, 201.

[5] Jaenecke, 2003, 142.

[6] Jaenecke, 2003, 142.

[7] Vgl. Besier, 2002, 201.

[8] Jaenecke, 2003, 142.

[9] Vgl. www.webarchiv-server.de/pin/archiv01/0601ob20.htm

[10] Vgl. Jaenecke, 2003, 142.

[11] Jaenecke, 2003, 147.

[12] Vgl. Besier, 2002, 209.

[13] Jaenecke, 2003, 147.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Papst Pius XII. und der Holocaust
Hochschule
Universität Passau  (Kath.-Theolog. Fakultät)
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V20684
ISBN (eBook)
9783638245036
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papst, Pius, Holocaust
Arbeit zitieren
Susanne Ernst (Autor), 2003, Papst Pius XII. und der Holocaust, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20684

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