Im September 2011 gingen 343.431 Frauen und 387.651 Männer aus der Arbeitslosigkeit. Davon bei den Frauen 32,3 % in die Erwerbstätigkeit, 35,3 % in die Nichterwerbstätigkeit, also z. B. in ein „Hausfrauendasein“.
Bei den Männern dagegen gingen 36,0 % in die Erwerbstätigkeit und 31,7 % in die Nichterwerbstätigkeit. (vgl. Bundesagentur für Arbeit b), 2011, S. 45)
Es wurden somit 3,7% weniger Frauen als Männer in die Erwerbstätigkeit vermittelt. Es stellt sich nun die Frage, ob die Vermittlung in die Erwerbstätigkeit der einzige Bereich ist, in dem sich solche Unterschiede zwischen den Geschlechtern ergeben. Daraus ergab sich für die Recherche und Ausarbeitung folgende Arbeitshypothese:
„Die Neuausrichtung des Arbeitsmarktes wirkt auf Frauen und Männer unterschiedlich und verändert damit das Geschlechterverhältnis.“
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Vom konservativen Wohlfahrtstaat zum aktivierenden Sozialstaat
1.1 Skizzierung der Gleichstellung in der Bundesrepublik Deutschland
1.2 Hinführung zu den Perspektiven des Aktivierungsparadigma
1.3 Möglichkeiten und Folgen des Aktivierungsparadigma
1.4 Standpunkte der sozialen Arbeit
2. Ist Zustand
3. Gleichstellung durch Aktivierung
4. Folgen der Aktivierung für die Geschlechter
4.1. Folgen der Aktivierung für Frauen
4.2. Folgen für Männer
5. Bewertung und Kritik der Gleichstellungspolitik anhand...
5.1 … gesetzlicher Regelungen
5.2 … der Umsetzung
5.3 … von Familienarbeit und Frauen
Schlussgedanke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Neuausrichtung des Arbeitsmarktes auf die Geschlechterverhältnisse. Ziel ist es zu analysieren, ob und wie das aktivierende Sozialstaatsmodell die Gleichstellung von Frauen und Männern beeinflusst und wo Diskrepanzen zwischen gesetzlichem Anspruch und praktischer Umsetzung liegen.
- Wandel vom konservativen Wohlfahrtsstaat zum aktivierenden Sozialstaat
- Gleichstellungspolitische Ansätze und gesetzliche Rahmenbedingungen
- Geschlechtsspezifische Auswirkungen der Hartz-IV-Reformen
- Diskrepanz zwischen Forderung des Adult-Worker-Modells und Ernährer-Realität
- Rolle von Familienarbeit und Kinderbetreuung im Aktivierungsprozess
Auszug aus dem Buch
1.3 Möglichkeiten und Folgen des Aktivierungsparadigma
„Neben dem Aktivierungsparadigma ergeben sich natürlich auch weitere sozialpolitische Zielsetzungen die sich aber auch durchaus widersprechen können. Ein Paradebeispiel wäre in diesem Falle die Gleichstellung der Geschlechter und die unbedingte Vermittlung in Arbeit bei gleichzeitiger Marginalisierung der Familienarbeit“ (Rudolph. 2012. S. 12).
Frauen, die den Wunsch haben, neben ihrer Berufstätigkeit Kinder zu bekommen und diese großzuziehen, unterliegen vielen Stolpersteinen, die einer Verwirklichung von Erwerbstätigkeit und Familie im Wege stehen. Diese Stolpersteine sind von einer immer noch unzureichenden Kinderbetreuungsinfrastruktur, ökonomischen Negativanreizen beider Eltern, bis hin zu gesellschaftlichen Vorurteilen, gegeben.
Somit ist „die Bundesrepublik Deutschland ein „Vor- und Spitzenreiter“ des demografischen Wandels, der zudem auch in allen anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu beobachten ist“ (Brosius-Gersdorf. S. 151).
Unsere Gesellschaft zeigt auch bis dato weiterhin Vorbehalte gegen die Erwerbstätigkeit von Müttern in Deutschland, von politischer Seite aus sind wenig effektive Ansätze vorhanden die, dieses „Rabenmutterbild“ verändern „so sind nach aktuellen Umfragen 63 % der (West-) Deutschen der Meinung, dass ein Kleinkind unter der Berufstätigkeit der Mutter leiden würde“ (Brosius – Gersdorf. S. 103).
So nähren an dieser Stelle auch noch Arbeitgeber die Vorbehalte, das Mütter „mit einer Doppelbelastung von Familie und Beruf keine vergleichbare berufliche Leistung zuzutrauen sei wie den Vätern“, und sie deshalb auch Frauen immer noch bei der Entlohnung und den beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten, benachteiligen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die unterschiedlichen Vermittlungsquoten von Frauen und Männern in Arbeit dar und leitet daraus die Hypothese ab, dass die Arbeitsmarktneuausrichtung die Geschlechterverhältnisse unterschiedlich beeinflusst.
1. Vom konservativen Wohlfahrtstaat zum aktivierenden Sozialstaat: Dieses Kapitel erläutert den konzeptionellen Wandel des Sozialstaats hin zur Aktivierung, bei dem staatliche Leistungen zunehmend an Gegenleistungen geknüpft werden.
1.1 Skizzierung der Gleichstellung in der Bundesrepublik Deutschland: Hier wird der historische Kontext der Gleichstellung, beginnend mit dem Gleichberechtigungsgesetz von 1958 bis hin zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), aufgezeigt.
1.2 Hinführung zu den Perspektiven des Aktivierungsparadigma: Es wird analysiert, wie das Aktivierungsparadigma durch Erwerbsarbeitszentrierung und Disziplinierungsprozesse die Lebensformen der Betroffenen reguliert.
1.3 Möglichkeiten und Folgen des Aktivierungsparadigma: Dieses Kapitel thematisiert die Zielkonflikte zwischen der Vermittlung in Arbeit und der Marginalisierung von Familienarbeit sowie die strukturellen Hürden für Mütter.
1.4 Standpunkte der sozialen Arbeit: Es werden die verschiedenen Positionen innerhalb der sozialen Arbeit zur Aktivierung, zwischen Empowerment und Kritik an der Reduzierung sozialer Rechte, gegenübergestellt.
2. Ist Zustand: Dieses Kapitel liefert eine empirische Bestandsaufnahme der geschlechtsspezifischen Arbeitsmarktsituation, insbesondere bezüglich Teilzeitquoten, Einkommensunterschieden und der Betroffenheit von Arbeitslosigkeit.
3. Gleichstellung durch Aktivierung: Hier werden die gesetzlichen Bestimmungen im SGB II und SGB III untersucht, die eine Gleichstellung von Männern und Frauen als durchgängiges Prinzip fordern.
4. Folgen der Aktivierung für die Geschlechter: Die Auswirkungen der Systemumstellung werden analysiert, wobei geschlechtsspezifische Unterschiede beim Leistungsbezug und in den Vermittlungsprozessen beleuchtet werden.
4.1. Folgen der Aktivierung für Frauen: Dieser Abschnitt fokussiert auf die besonderen Hürden für Frauen, wie etwa die unzureichende Unterstützung bei der Kinderbetreuung und das Risiko, in Niedriglohnbeschäftigungsverhältnisse vermittelt zu werden.
4.2. Folgen für Männer: Es wird erörtert, wie Männer von den neuen Systemvorgaben betroffen sind und unter welchem Druck zur Flexibilität sie im Vergleich zu Frauen stehen.
5. Bewertung und Kritik der Gleichstellungspolitik anhand...: Dieses Kapitel kritisiert die Diskrepanz zwischen dem politischen Anspruch der Gleichstellung und der Realität, in der Effizienzziele dominieren.
5.1 … gesetzlicher Regelungen: Hier wird untersucht, warum Instrumente wie die Kinderbetreuung im SGB II als unverbindliche „Kann-Leistungen“ ausgestaltet sind.
5.2 … der Umsetzung: Dieser Teil beleuchtet die Praxis der Jobcenter, in denen ökonomische Einsparungen häufig Vorrang vor einer nachhaltigen Integration von Frauen haben.
5.3 … von Familienarbeit und Frauen: Abschließend wird das Spannungsfeld zwischen dem „Adult-Worker-Modell“ und dem fortbestehenden „Ernährermodell“ sowie die Vernachlässigung privater Familienarbeit analysiert.
Schlussgedanke: Das Fazit bestätigt die Hypothese, dass die Neuausrichtung des Arbeitsmarktes die Geschlechterverhältnisse verändert, jedoch formal gesetzte Gleichstellungsziele in der Praxis häufig verfehlt werden.
Schlüsselwörter
Aktivierung, Sozialstaat, Gleichstellung, Geschlechterverhältnis, Arbeitsmarkt, SGB II, Erwerbstätigkeit, Familienarbeit, Ernährermodell, Adult-Worker-Modell, Kinderbetreuung, Arbeitsmarktintegration, Hartz IV, Teilzeitbeschäftigung, soziale Arbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Neuausrichtung des deutschen Sozialstaats durch das „Aktivierungsparadigma“ die Gleichstellung von Frauen und Männern fördert oder behindert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen den Wandel des Wohlfahrtsstaats, die Analyse von SGB II und SGB III, die geschlechtsspezifischen Unterschiede am Arbeitsmarkt sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf unter dem Druck der Arbeitsmarktintegration.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, ob die gesetzlich verankerte Gleichstellungspolitik in der täglichen Praxis der Arbeitsvermittlung tatsächlich umgesetzt wird oder durch Effizienzziele untergraben wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, die aktuelle arbeitsmarktstatistische Daten sowie sozialwissenschaftliche Studien und Berichte zur Hartz-IV-Umsetzung einbezieht.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Vordergrund?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Analyse des „Ist-Zustands“ am Arbeitsmarkt, den Auswirkungen der Aktivierung auf Männer und Frauen sowie der kritischen Bewertung der gesetzlichen Regelungen und deren Umsetzung in den Jobcentern.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Aktivierung“, „Gleichstellungspolitik“, „Ernährermodell“ und „Adult-Worker-Modell“ geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Kinderbetreuung im SGB II?
Der Autor kritisiert, dass Kinderbetreuung als notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermittlung von Müttern lediglich als eine unverbindliche „Kann-Leistung“ verankert ist, was ihre praktische Umsetzung stark einschränkt.
Welches Resümee zieht der Verfasser zum „Adult-Worker-Modell“?
Der Verfasser kommt zu dem Schluss, dass sich das angestrebte „Adult-Worker-Modell“ – in dem beide Geschlechter gleich für den Lebensunterhalt aufkommen – bisher nicht durchgesetzt hat, da alte, gefestigte Vorstellungen vom typischen Ernährer und strukturelle Barrieren weiterhin fortbestehen.
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- Bachelor of Arts Eugen Daser (Author), 2011, Gleichstellungspolitische Perspektiven in der Aktivierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/206960