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Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich

Ein soziopolitischer Vergleich

Title: Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich

Master's Thesis , 2012 , 131 Pages , Grade: Sehr gut

Autor:in: Thomas Ziegelwagner (Author)

Politics - History of Political Systems
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Dass der Kampf um die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts das Bohren sehr harter Bretter bedeutete, ist gelinde gesagt eine starke Untertreibung. Schon der Blick auf die Dauer dieser Auseinandersetzung verdeutlicht das. Wenn man das Revolutionsjahr 1848, in dem häufig erstmals starke Forderungen nach politischer Mitbestimmung für Männer und Frauen erhoben wurden, als Referenzjahr nimmt, in welchem der verstärkte Einsatz für das Frauenwahlrecht in den vier Staaten Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich(-Ungarn) begann, so dauerte es im Fall von Großbritannien noch 80, in den USA 72, in der Schweiz 123 und in Österreich 70 Jahre, bis Frauen das gleiche Stimm- und Wahlrecht bekamen wie ihre männlichen Kollegen. Wohl keine der Frauen, die den Kampf um das gleiche Frauen- und Männerwahlrecht initiierten, erlebte die Erfüllung ihres Traumes.

Natürlich war auch die Einführung des allgemeinen und gleichen Männerstimm- und Wahlrechts in den vier behandelten Ländern nicht immer eine Selbstverständlichkeit oder ein einfacher Weg. Trotzdem zeigen sich hier große Unterschiede zum Frauenstimm- bzw. Wahlrecht. So besaßen im Jahr 1848 Männer in zwei der vier Staaten bereits das Wahlrecht, nämlich in den USA (zumindest weiße Männer) und in der Schweiz. In Österreich sollten sie das allgemeine und gleiche Wahlrecht 1907 erhalten und in Großbritannien im Jahr 1918. Wenngleich auch das Männerwahlrecht durchaus kontrovers gesehen wurde, war dies kein Vergleich zur Ablehnung, die den um das Stimm- und Wahlrecht werbenden Frauen entgegenschlug. Frauen aus der ihnen seit Jahrhunderten angestammten Umgebung im Haus und aus ihrer traditionellen Tätigkeit der Kindererziehung und Familienbetreuung herauszureißen und sie quasi in die Öffentlichkeit zu zerren und sogar noch den Untiefen der Politik auszusetzen, erschien dem Großteil der Männer (und auch vielen Frauen selbst) als so abwegig, als würde man heute das Stimm- und Wahlrecht etwa für Kinder fordern. In genau diese Richtung gingen von Anfang an auch die Argumentationslinien von Politikern. So meinte der Abgeordnete Rudolf Brestel beim 1848/49 stattfindenden Reichstag von Kremsier bereits zum Thema Frauenwahlrecht:

`Wollte man die Weiber zulassen, weil sie an den Staatslasten Theil (sic!)
nehmen, so müsste man aus gleichem Grunde auch die Kinder und Narren
zulassen´ (Parlamentsdirektion, 1999, S. 28)
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die historische Entwicklung der Menschenrechte – ein kurzer Überblick

2.1 Menschen- und Frauenrechte in der antiken Welt

2.2 Menschen- und Frauenrechte im Mittelalter und der frühen Neuzeit

2.3 Menschen- und Frauenrechte in der Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution

2.3.1 Die Forderung nach politischen Rechten für Frauen

2.4 Die weitere Entwicklung der Menschen- und Frauenrechte im 19. und 20. Jahrhundert

3. Die Frauenstimmrechtsbewegung in Großbritannien von 1866 bis 1928

3.1 Die Rolle der Frauenstimmrechtsbewegung in Großbritannien – ihre wichtigsten Gruppierungen und Entwicklungslinien

3.2 Politische Parteien und die Frauenstimmrechtsbewegung 1866 -1928 – wechselnde Einstellungen und Bündnisse

4. Die Frauenstimmrechtsbewegung in den USA vom 19. Jahrhundert bis 1920

4.1 Organisationen und Kampagnen vor dem Ersten Weltkrieg

4.2 Die schwarze Frauenstimmrechtsbewegung vor dem Ersten Weltkrieg – von Verbündeten zu Gegnerinnen

4.3 Die amerikanische Frauenstimmrechtsbewegung während und nach dem Ersten Weltkrieg – Präsident, Kongress(e) und politische Parteien

5. Die Frauenstimmrechtsbewegung in der Schweiz von 1848 bis 1971

5.1 Entwicklungslinien der schweizerischen Frauenstimmrechtsbewegung

5.2 Schweizerische Frauenstimmrechtsorganisationen und ihre GegnerInnen

5.3 Politische Parteien, Bundesrat und Parlament - ihr Verhältnis zur schweizerischen Frauenstimmrechtsbewegung

6. Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Österreich

6.1 Die Entwicklung des österreichischen Wahlrechts von 1848 bis 1918

6.2 Die österreichische Frauenstimmrechtsbewegung 1848 – 1918 – Frauenvereine, Agitationsmethoden, Argumente und Gegenargumente

6. 3 Einstellungen der politischen Parteien zum Frauenstimmrecht und zur Frauenstimmrechtsbewegung

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Master Thesis untersucht den soziopolitischen Prozess und die historischen Hintergründe der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts in Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich. Dabei steht die Analyse der Frauenbewegungen, ihrer Organisationen sowie ihrer Interaktion mit den jeweiligen politischen Parteien und staatlichen Entscheidungsträgern im Zentrum der Forschungsfrage.

  • Historische Entwicklung der Frauenrechte im Kontext der allgemeinen Menschenrechtsgeschichte.
  • Vergleichende Analyse der Organisationsformen und Agitationsmethoden in vier verschiedenen Staaten.
  • Untersuchung der politischen Bündnisse und des Verhaltens etablierter Parteien gegenüber Frauenwahlrechtsforderungen.
  • Bewertung des Einflusses gesellschaftlicher Umbrüche (insbesondere des Ersten Weltkriegs) als Katalysatoren für die politische Partizipation von Frauen.
  • Analyse der spezifischen Hürden und gegnerischen Bewegungen in den jeweiligen nationalen Kontexten.

Auszug aus dem Buch

2.1 Menschen- und Frauenrechte in der antiken Welt:

Die Idee der Menschenrechte kann bis in die Antike zurückverfolgt werden. Die Angaben zu den Ursprüngen der Menschenrechte reichen von Gott als ihre Quelle bis hin zu pragmatischen Begründungen, um möglichen Machtmissbrauch einzuschränken oder die Befriedigung grundsätzlicher menschlicher Bedürfnisse zu ermöglichen (Vgl. Fritzsche, 2009, S. 20).

Einer der ersten Versuche in der Antike Recht verbindlich zu machen und damit die Willkür hintanzuhalten, wurde vom babylonischen König Hammurabi (1728-1686 v. Chr.) unternommen. Man war zu der Überzeugung gelangt, dass manche Gesetze so grundlegend seien, dass es nicht einmal in der Macht des Königs liegen sollte, sie ändern zu können. Dieser Ansatz findet sich in ähnlicher Weise auch in den modernen Menschenrechten wieder. Die zweite revolutionäre Entwicklung im Kodex Hammurabi lag darin, dass durch das Prinzip `Auge um Auge und Zahn um Zahn´ festgeschrieben wurde, dass die Strafe für ein Verbrechen eine dem Verbrechen angemessene sein sollte und nicht in Blutrache und der Vernichtung ganzer Ortschaften ausarten durfte. (Vgl. Ishay, 2007, S. 8)

Es scheint sinnvoll, die Entwicklung von Menschen- und Frauenrechten durchaus als zwei unterschiedliche Strömungen zu betrachten, da Menschenrechte in vielen Kulturen und Gesellschaften häufig nicht gleichzeitig auch Frauenrechte bedeuteten. Oft wäre wohl der Begriff `Männerrechte´ den Gegebenheiten eher gerecht geworden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den langwierigen Kampf für die politische Mitbestimmung von Frauen in den vier betrachteten Ländern und benennt die zentralen Leitfragen bezüglich der Organisation der Frauenbewegungen und ihrer politischen Verbündeten.

2. Die historische Entwicklung der Menschenrechte – ein kurzer Überblick: Dieses Kapitel verortet die politische Partizipation von Frauen in der langen Tradition der Menschenrechtsgeschichte, von der Antike über das Mittelalter und die Frühe Neuzeit bis hin zu den entscheidenden Impulsen der Aufklärung und Französischen Revolution.

3. Die Frauenstimmrechtsbewegung in Großbritannien von 1866 bis 1928: Der Abschnitt beleuchtet die Zersplitterung der britischen Bewegung zwischen gemäßigten Organisationen (NUWSS) und militanten Suffragetten (WSPU) sowie deren komplexes Verhältnis zu den großen politischen Parteien des Landes.

4. Die Frauenstimmrechtsbewegung in den USA vom 19. Jahrhundert bis 1920: Das Kapitel analysiert die föderale Struktur der USA, die Herausforderungen der Rassenfrage sowie die strategischen Kampagnen und Lobbyarbeit, die schließlich zur Verfassungsänderung führten.

5. Die Frauenstimmrechtsbewegung in der Schweiz von 1848 bis 1971: Die Arbeit zeigt, wie das System der direkten Demokratie in der Schweiz dazu führte, dass die Einführung des Frauenstimmrechts erst spät durch Referenden der männlichen Stimmbürger erfolgen konnte.

6. Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Österreich: Dieser Teil untersucht das komplizierte Wahlrecht der österreichischen Monarchie und beschreibt, wie die Sozialdemokratie nach dem Zusammenbruch des Staates das Frauenwahlrecht in der provisorischen Verfassung verankern konnte.

7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung führt die Ergebnisse zusammen, vergleicht die unterschiedlichen nationalen Wege und reflektiert über gemeinsame Einflussfaktoren wie den Ersten Weltkrieg sowie die Bedeutung politischer Opportunität für den Erfolg der Frauenbewegungen.

Schlüsselwörter

Frauenstimmrecht, Frauenwahlrecht, Menschenrechte, Politische Partizipation, Frauenbewegung, Suffragetten, Wahlrechtsreform, Demokratiegeschichte, Sozialdemokratie, Parlamentarismus, Österreich, Großbritannien, Schweiz, USA, politische Parteien.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in den vier Staaten Großbritannien, USA, Schweiz und Österreich und vergleicht die dabei ablaufenden soziopolitischen Prozesse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?

Zentrale Themen sind die Entwicklung der Menschenrechte, die Organisationsgeschichte der Frauenstimmrechtsbewegungen, deren Methoden der politischen Agitation sowie das wechselhafte Verhältnis zu den etablierten politischen Parteien.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Erlangung politischer Mitspracherechte für Frauen zu identifizieren und die Rolle politischer Verbündeter sowie den Einfluss gesellschaftlicher Krisen zu bewerten.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um einen historischen und politikwissenschaftlichen Vergleich, der durch Literaturanalyse die politischen Institutionen, die Parteienlandschaft und die Frauenorganisationen der jeweiligen Länder gegenüberstellt.

Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in länderbezogene Kapitel, die jeweils die Entstehung der Bewegung, die Zusammenarbeit mit Parteien und die spezifischen Hürden (wie etwa Föderalismus in den USA oder direkte Demokratie in der Schweiz) detailliert analysieren.

Welche Schlüsselbegriffe definieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Frauenstimmrecht, Wahlrechtsreform, politische Partizipation, Suffragetten, Parteipolitik und der Einfluss des Ersten Weltkriegs auf gesellschaftliche Transformationsprozesse.

Warum war die Schweiz bei der Einführung des Frauenstimmrechts so langsam?

Aufgrund des Systems der direkten Demokratie musste die männliche Bevölkerung auf kantonaler und nationaler Ebene in Volksabstimmungen über die Zuerkennung des Frauenwahlrechts entscheiden, was den Prozess durch die konservative Einstellung vieler Männer erheblich verzögerte.

Welche Rolle spielte der Erste Weltkrieg für das Frauenwahlrecht?

Der Erste Weltkrieg fungierte in vielen Staaten als Katalysator, da die notwendige Übernahme von Aufgaben durch Frauen in der Heimatfront (und der damit verbundene gesellschaftliche Wandel) die Argumente der Gegner des Frauenwahlrechts entkräftete.

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Details

Title
Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich
Subtitle
Ein soziopolitischer Vergleich
College
Donau-Universität Krems
Grade
Sehr gut
Author
Thomas Ziegelwagner (Author)
Publication Year
2012
Pages
131
Catalog Number
V207078
ISBN (eBook)
9783656345213
ISBN (Book)
9783656345510
Language
German
Tags
Großbritannien USA Schweiz Österreich Frauenwahlrecht
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Ziegelwagner (Author), 2012, Die Einführung des Frauenstimm- bzw. Wahlrechts in Großbritannien, den USA, der Schweiz und Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207078
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