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Tabari und Co - Methoden und Vielfalt der Koranexegese am Beispiel des "Züchtigungsverses"

Titre: Tabari und Co - Methoden und Vielfalt der Koranexegese am Beispiel des "Züchtigungsverses"

Thèse de Bachelor , 2012 , 47 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Hannah Amhaz (Auteur)

Orientalisme / Sinologie - Sciences de l'Islam
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Manche sagen, der Islam bedeute Frieden und andere behaupten das Gegenteil. Manche sagen, der Koran mache den Menschen frei und andere sehen in ihm nur Verbote. Viele Menschen diskutieren unaufhörlich über das Wesen des Islam und welches von dem, was in seinem Namen geschieht, tatsächlich zu ihm gehört.
Als ich begann, für diese Arbeit zu recherchieren, stellten sich mir viele Fragen: Wer darf eigentlich darüber entscheiden, was der Koran „meint“, mit dem, was er „sagt“? Wie muss ein Text interpretiert werden, der vor über tausend Jahren zu Papier gebracht wurde? Welches Koranverständnis hatten frühe Muslime und was ist davon heute noch übrig? Wie viel Tradition ist nötig und sinnvoll für ein differenziertes Verständnis und welche Rolle spielt dabei die eigene Vernunft? All diese Fragen spielen in die Thematik dieser Arbeit mit hinein, welche am Beispiel unterschiedlicher Interpretationen des umstrittenen „Züchtigungsverses“ die Vielfalt und Methoden klassischer und zeitgenössischer Korangelehrter untersucht.
Nach einer kurzen Gegenüberstellung drei verschiedener Übersetzungen des thematisierten Verses, stelle ich den Verskommentar ÓabarÐs vor. Dieser soll exemplarisch für die „frühe“ Koranexegese den Aufbau und die Methoden klassischer Korankommentare herausstellen und Aufschluss über das damalige Koranverständnis geben. Zudem werden weitere klassische und mittelalterliche Verskommentare hinzugezogen, um dadurch methodische und inhaltliche Veränderungen innerhalb der Koranexegese zu verdeutlichen. Im darauffolgenden Teil steht das moderne Koranverständnis im Vordergrund, das am Beispiel der Verskommentare Sayyid Qutbs und Amina Waduds unterschiedliche Tendenzen innerhalb der modernen Koranexegese aufzeigen wird. Die Unterscheidung in „traditionell“ und „kritisch“ soll dabei nicht unterstellen, dass es sich bei den unterschiedlichen Korangelehrten um zwei klar voneinander abgrenzbare Gruppen handle. Vielmehr folgt sie der eigenen Abgrenzung der Gelehrten untereinander und soll vor diesem Hintergrund unterstellte Unterschiede und mögliche Gemeinsamkeiten sowie gegenseitige Kritik genauer untersuchen. Der letzte Teil dieser Arbeit bietet einen Überblick über die gewonnenen Ergebnisse und präsentiert mögliche Schlussfolgerungen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Vers 4:34 und seine Übersetzungen

III Zwischen Tradition und Moderne

a) Das Koranverständnis der islamischen Frühzeit

A.1 Óabarīs Verskommentar

A.2 Kontinuität und Wandel der Versinterpretationen

b) Modernes Koranverständnis

1 Das traditionelle Koranverständnis

1.1 Der Kommentar Sayyid Qutbs

1.2 Weitere Beispiele traditioneller Interpretationen

1.3 Kritik am traditionellen Koranverständnis

2 Das kritische Koranverständnis

2.1 Der Kommentar Amina Waduds

2.2 Weitere Beispiele kritischer Interpretationen

2.3 Kritik am kritischen Koranverständnis

IV Fazit

V Quellen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Methoden und die Vielfalt der Koranexegese am Beispiel des umstrittenen „Züchtigungsverses“ (Sure 4:34). Ziel ist es, die Unterschiede zwischen klassischen, traditionellen und kritischen Interpretationsansätzen herauszuarbeiten und zu analysieren, wie Geschlechterrollen und gesellschaftliche Kontexte die Auslegung des Koran beeinflussen.

  • Gegenüberstellung verschiedener Koranübersetzungen und deren Einfluss auf das Textverständnis.
  • Analyse des klassischen Koranverständnisses unter besonderer Berücksichtigung des Kommentars von Óabarī.
  • Untersuchung des traditionellen Koranverständnisses am Beispiel von Sayyid Qutb.
  • Erforschung kritischer bzw. reformistischer Ansätze, insbesondere durch Amina Wadud.
  • Diskussion der Bedeutung von historischem Kontext und Hermeneutik für das moderne Koranverständnis.

Auszug aus dem Buch

A.1 Óabarīs Verskommentar

Als der bedeutendste Korankommentar der ersten drei islamischen Jahrhunderte gilt die Umfassende Erläuterung: Kommentar zum Koran des persischen Gelehrten aÔ- Óabarī. Darin sammelt, ordnet und kommentiert dieser die Arbeiten seiner Vorgänger nach den Regeln und Methoden der Überlieferung seiner Zeit. Sein Werk ist daher sowohl ein methodischer und inhaltlicher Endpunkt in der Geschichte der Koranexegese als auch Ausgangspunkt für eine neue Generation von Korankommentatoren. Sein Kommentar des Verses umfasst im Original dreizehn Seiten und ist damit vergleichsweise umfangreich. Diesen beginnt er wie üblich mit der Auflistung der Isnade [asānīd], welche sich auf die Generationen des späten 7. und 8. Jahrhunderts beschränken. Diese listet Óabarī für jeden Versteil gesondert auf, um die Überlieferungen so exakt wie möglich bestimmten Begriffen zuzuordnen, wobei er vereinzelt Überliefererketten mehrmals an unterschiedlichen Stellen anführt.

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die persönliche Motivation der Autorin, den Koran und seine Auslegung zu erforschen, und führt in die Fragestellung zur Vielfalt der Interpretationen des „Züchtigungsverses“ ein.

II Vers 4:34 und seine Übersetzungen: Dieses Kapitel stellt drei unterschiedliche Koranübersetzungen des Verses 4:34 gegenüber und diskutiert die divergierenden Auslegungen grundlegender Begriffe wie „Widerspenstigkeit“.

III Zwischen Tradition und Moderne: Hier werden die historische Entwicklung der Koranexegese, der Kommentar von Óabarī sowie der Wandel von Versinterpretationen von der Frühzeit bis zur Moderne analysiert.

a) Das Koranverständnis der islamischen Frühzeit: Ein Überblick über die Entstehung der Koranexegese im achten Jahrhundert, geprägt durch die Suche nach dem richtigen Verständnis anhand der Prophetentradition.

A.1 Óabarīs Verskommentar: Eine detaillierte Betrachtung von Óabarīs einflussreichem Werk, das als methodischer Referenzpunkt für die frühe Exegese dient.

A.2 Kontinuität und Wandel der Versinterpretationen: Dieses Kapitel zeigt auf, wie spätere Gelehrte begannen, die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau durch Zuschreibungen wie „geistige Minderbemittelung“ zu begründen.

b) Modernes Koranverständnis: Einführung in die modernen Ansätze, die zwischen traditionellen und kritischen Exegese-Richtungen unterscheiden.

1 Das traditionelle Koranverständnis: Untersuchung konservativer Auslegungen, die den Gelehrtenkonsens und die Überlieferung betonen.

1.1 Der Kommentar Sayyid Qutbs: Analyse des einflussreichen Werkes Fī Ẓilāl al-Qurʾān und Qutbs Verständnis der familiären Rollenverteilung.

1.2 Weitere Beispiele traditioneller Interpretationen: Darstellung weiterer zeitgenössischer Gelehrter, die das Prinzip der männlichen Führung in der Familie befürworten.

1.3 Kritik am traditionellen Koranverständnis: Zusammenfassung der Kritik an einem ahistorischen Verständnis, das den Koran als Machtinstrument nutzt.

2 Das kritische Koranverständnis: Vorstellung der reformistischen Ansätze, die den Koran kontextuell und zeitgebunden interpretieren.

2.1 Der Kommentar Amina Waduds: Analyse von Waduds holistischer Methode, die den Koran aus einer feministischen Perspektive neu bewertet.

2.2 Weitere Beispiele kritischer Interpretationen: Überblick über andere Denker, die eine Loslösung von patriarchalen Traditionen fordern.

2.3 Kritik am kritischen Koranverständnis: Auseinandersetzung mit Vorwürfen gegen Reformisten, sie würden das „islamische Erbe“ zugunsten subjektiver Interpretationen aufgeben.

IV Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass eine objektive Interpretation des Koran nicht existiert und die Vieldeutigkeit als Stärke des Textes begriffen werden sollte.

V Quellen: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie Internetquellen.

Schlüsselwörter

Koranexegese, Vers 4:34, Züchtigungsvers, Islam, Koraninterpretation, Frauenrechte, Geschlechterrollen, Islamwissenschaft, Óabarī, Sayyid Qutb, Amina Wadud, Traditionell, Kritisch, Hermeneutik, Scharia

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Koranexegeten den „Züchtigungsvers“ (Sure 4:34) unterschiedlich interpretieren und wie diese Auslegungen das Verständnis von Geschlechterrollen und der Ehe im Islam prägen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Themen umfassen die Geschichte der Koranexegese, die Unterscheidung zwischen traditionellen und kritischen Auslegungsmethoden sowie die Rolle von Autorität und Kontext in der Koraninterpretation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Vielfalt der Auslegungsmethoden aufzuzeigen und zu demonstrieren, wie Gelehrte durch die Auswahl von Quellen und Hadithen unterschiedliche, teils gegensätzliche Interpretationen begründen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der klassische, mittelalterliche und zeitgenössische Kommentare gegenübergestellt werden, um methodische Veränderungen in der Koranexegese nachzuzeichnen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der frühen Koranexegese (am Beispiel von Óabarī), die Vorstellung des traditionellen Verständnisses (Sayyid Qutb) und die Untersuchung moderner, kritischer Ansätze (Amina Wadud u.a.).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Koranexegese, Sure 4:34, Gender-Aspekte, Hermeneutik, patriarchale Lesart, Reformismus und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen dem „Universellen“ und dem „Spezifischen“ eine Rolle?

Kritische Gelehrte nutzen diese Differenzierung, um zwischen zeitlosen koranischen Werten (wie Gerechtigkeit) und historisch bedingten, zeitgebundenen sozialen Regeln zu unterscheiden.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Internetplattformen bei der Koraninterpretation?

Die Arbeit stellt fest, dass Internetplattformen heute eine zentrale, wenn auch oft unregulierte Rolle spielen, indem sie eine breite, teils laienhafte Debatte über islamische Rechtsfragen ermöglichen.

Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Objektivität bei der Auslegung?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass keine Interpretation vollständig objektiv sein kann, da jeder Gelehrte seine eigenen Beobachtungen und weltanschaulichen Vorstellungen in die Auslegung des Textes einbringt.

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Résumé des informations

Titre
Tabari und Co - Methoden und Vielfalt der Koranexegese am Beispiel des "Züchtigungsverses"
Université
Free University of Berlin
Note
1,0
Auteur
Hannah Amhaz (Auteur)
Année de publication
2012
Pages
47
N° de catalogue
V207106
ISBN (ebook)
9783656343301
ISBN (Livre)
9783656345053
Langue
allemand
mots-clé
exegese koran islam suren züchtigungsvers 4:34 traditionell orthodox koranexegese tafsir auslegung interpretation tabari wadud amina kritisch modern klassisch arabisch original vers frau frauen muslimisch islamisch übersetzung
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Hannah Amhaz (Auteur), 2012, Tabari und Co - Methoden und Vielfalt der Koranexegese am Beispiel des "Züchtigungsverses", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207106
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Extrait de  47  pages
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