Ausgehend von der Beobachtung, dass Enterprise-Resource-Planning-Systeme bereits seit vielen Jahren das softwaretechnische Rückgrat vieler großer Unternehmen darstellen, wird in dieser Arbeit der Versuch unternommen, eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz eines solchen integrierten Informationssystems bei einem Kleinstunternehmen auszusprechen.
In den Fokus rückt hierbei die Möglichkeit der Bereitstellung eines solchen Systems „On Demand“ unter Würdigung der Anforderungen speziell kleiner Unternehmen.
Der Abhandlung selbst liegt ein dreistufiges Konzept zugrunde, in welchem zunächst die Basisbegriffe kurz erläutert werden und eine Einführung in das gewählte Bereitstellungsmodell in Abgrenzung zu alternativen Möglichkeiten gegeben wird.
Im zweiten Teil liegt der Schwerpunkt in der Präsentation des allgemeinen Auswahl- und Einführungsablaufes für ERP-Systeme auf Basis eines aktuell anerkannten Vorgehensmodells und den daraus resultierend notwendigen Modifikationen dieser „Best Practice“ für Kleinstunternehmen.
Auf den daraus gewonnenen Erkenntnissen bezüglich der zuvor ermittelten speziellen Anforderungen eines Kleinstunternehmens der Handels- und Dienstleistungsbranche, basiert der Entwurf eines Referenzunternehmens. Anhand dessen werden übliche Vorgänge des Tagesgeschäfts auf einer Instanz des repräsentativen ERP-Systems „openERP“ auf On-Demand-Basis unter Realbedingungen getestet. Die Ergebnisse dieses Benchmarks werden unter Berücksichtigung der theoretischen Erkenntnisse verwendet, um im Ergebnis die Gesamtwürdigung der allgemeinen Sinnhaftigkeit des Einsatzes von ERP Systemen auf On-Demand-Basis für KMU vorzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Grundlagen und Definitionen
1.1 KMU – Kleine und mittelständische Unternehmen
1.2 ERP-Systeme
1.3 Zwischenfazit zur Vorteilhaftigkeit von ERP-Systemen
1.4 ERP-Systeme als ausgelagerte Dienstleistung
1.4.1 Software-as-a-Service (SaaS)
1.4.2 On-Demand-Bereitstellung
1.4.3 Zwischenfazit zur ERP-Bereitstellung als On Demand Dienstleistung
1.5 Anforderungen der Zielgruppe an ein integriertes Informationssystem
1.6 Vorstellung von openERP als On Demand-Lösung
2 ERP-Einführung in einem kleinen Unternehmen
2.1 Ein Phasenmodell der ERP-Einführung
2.2 Allgemeine Würdigung des Aufwandes der Einführung eines ERP-Systems in einem Kleinstunternehmen
3 Praxistest der Software „openERP“ On Demand
3.1 Standardgeschäftsvorfälle im Vergleich
3.2 Fazit des Praxistests
4 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, ob die Einführung von Open-Source ERP-Systemen auf On-Demand-Basis für Kleinstunternehmen sinnvoll ist und unter welchen Bedingungen dies ökonomisch tragbar erscheint.
- Grundlagen von ERP-Systemen und Cloud-Bereitstellungsmodellen
- Anforderungsanalyse für Kleinstunternehmen an integrierte Informationssysteme
- Methodik der ERP-Einführung und deren Modifikation für kleine Betriebe
- Praxistest der Software "openERP" anhand von Standardgeschäftsvorfällen
- Bewertung der Kosten-Nutzen-Relation und der organisatorischen Auswirkungen
Auszug aus dem Buch
1 Grundlagen und Definitionen
Die Auseinandersetzung mit dem abgesteckten Aufgabenfeld erfordert eine Kenntnis von Basisbegriffen im ERP-Bereich, für die oftmals keine allgemeingültigen Bestimmungen vorliegen. Um Redundanzen zu vermeiden erfolgt vorab die Erläuterung der hierbei zugrunde gelegten Definitionen sowie der Einschränkungen.
1.1 KMU – Kleine und mittelständische Unternehmen
Derzeit existiert keine rechtsverbindliche Definition eines „kleinen und mittelständischen Unternehmens“. Nach Maßgabe der EU-Kommission im Jahr 2005 erfolgt die Einstufung eines Unternehmens als KMU anhand von Schwellwerten bezüglich der Mitarbeiterzahl im Jahres schnitt, sowie wahlweise dem Umsatz oder der Bilanzsumme.
Unabhängige Unternehmen mit bis zu 9 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz oder einer Bilanzsumme von bis zu 2 Mio. € werden demnach als „Kleinst-Unternehmen“ definiert, welche mit einem Mitarbeiterstamm von bis zu 49 Personen und einem Umsatz oder einer Bilanzsumme bis 10 Mio. € als sog. „kleine Unternehmen“. Mit 50-249 Beschäftigten und einem Umsatz bis 50 Mio. € oder einer Jahresbilanzsumme bis 43 Mio. € erfolgt die Qualifizierung als „mittleres Unternehmen“. Die Europäische Kommission hat zwar 2003 den Versuch einer Normierung dieses Begriffes unternommen und die Empfehlung an die Mitgliedsländer ausgesprochen diese Definition zu verwenden, jedoch finden in der Mittelstandsforschung wie in der Literatur die folgend aufgeführten Vorgaben des Institutes für Mittelstandsforschung Bonn bis heute breitere Anwendung. Dieses Institut sieht den Begriff etwas weniger differenziert. „KMU“ sind nach dessen Definition sowohl unabhängige „kleine Unternehmen“ mit weniger als 10 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz unter 1 Mio. € sowie unabhängige „mittlere Unternehmen“ mit maximal 499 Beschäftigten und höchstens 50 Mio. € Jahresumsatz. Der absolut auch hohe wertmäßige Beitrag der KMU zur deutschen Wirtschaftsleistung unterstreicht die Angemessenheit der Betrachtung dieses Aggregats.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problemstellung des hohen Wettbewerbsdrucks und der Relevanz effizienter Geschäftsprozesse durch ERP-Systeme für Unternehmen.
1 Grundlagen und Definitionen: Erläuterung zentraler Begriffe wie KMU, ERP-Systeme sowie Cloud-basierter Bereitstellungsmodelle wie SaaS und On-Demand.
2 ERP-Einführung in einem kleinen Unternehmen: Detaillierte Betrachtung eines Phasenmodells zur ERP-Einführung und Analyse des besonderen Aufwandes für Kleinstunternehmen.
3 Praxistest der Software „openERP“ On Demand: Durchführung eines Praxistests mit dem System „openERP“ an Hand realitätsnaher Geschäftsvorfälle eines Beispielunternehmens.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse hinsichtlich Rationalisierungspotenzialen und der Wirtschaftlichkeit des Einsatzes für die Zielgruppe.
Schlüsselwörter
ERP-Systeme, Kleinstunternehmen, KMU, On-Demand, Cloud Computing, openERP, Open-Source, Prozessoptimierung, Software-as-a-Service, Wirtschaftlichkeit, Implementierung, Geschäftsprozesse, IT-Infrastruktur, Anforderungsanalyse, KMU-Definition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung und den Nutzen von integrierten ERP-Systemen auf On-Demand-Basis für Kleinstunternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Kerngebiete sind die Einführungsmethodik von ERP-Software, die Besonderheiten der On-Demand-Bereitstellung sowie die speziellen Anforderungen und Ressourcen von Kleinstunternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine fundierte Empfehlung für oder gegen den Einsatz solcher Systeme auszusprechen, basierend auf einer theoretischen Analyse und einem praktischen Testlauf.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein dreistufiges Konzept angewandt: Definition der Grundlagen, Analyse eines ERP-Einführungsmodells und eine empirische Testung mittels eines Praxistests (Benchmark) an einem Referenzunternehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung des ERP-Marktes, die Anpassung an Kleinstunternehmen sowie einen Praxistest mit der Open-Source-Software openERP.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich primär auf ERP-Systeme, On-Demand-Modelle, KMU, openERP und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen.
Warum wurde explizit "openERP" für den Test gewählt?
openERP wurde gewählt, da es als zertifizierte Open-Source-Lösung keine Lizenzkosten verursacht, was für die untersuchte Zielgruppe der Kleinstunternehmen finanziell besonders attraktiv ist.
Welche wesentliche Herausforderung identifiziert der Autor für Kleinstunternehmen?
Die größte Herausforderung ist der hohe projektspezifische Aufwand, insbesondere die Komplexität der Anpassung und die Abhängigkeit vom Anbieter bei einem gleichzeitig oft limitierten Budget und fehlendem IT-Know-how im eigenen Betrieb.
Zu welchem Fazit kommt der Autor bezüglich der Wirtschaftlichkeit?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass ein solches Projekt nur dann lohnenswert ist, wenn die erreichten Rationalisierungseffekte die Kosten (hier monatlich 499 € netto) und den organisatorischen Aufwand deutlich übersteigen.
- Quote paper
- Florian Wolf (Author), 2012, Vor- und Nachteile von Open-Source ERP-Systemen auf On-Demand-Basis für KMU am Beispiel von openERP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207141