In der folgenden Arbeit sollen nun die Optimierungspotenziale genauer untersucht werden, um eine Antwort darauf zu erhalten, weshalb sich diese Identifikationstechnologie trotz ihrer Vorteile nicht flächendeckend entlang der gesamten Wertschöpfungskette durchgesetzt hat. Die Optimierungspotenziale wären damit neben den mittlerweile bekannten Ursachen ein weiterer Grund, weshalb die RFID-Technologie sich trotz ihrer Nutzenpotenziale nicht flächendeckend etabliert hat und stattdessen nur individuelle Insellösungen existieren. Denn RFID findet überwiegend standortintern im Bereich des Bestands- und Teilemanagements der Beschaffungs- und Produktionslogistik Verwendung. Standort- oder unternehmensübergreifende RFID-Lösungen sind dagegen kaum vorhanden.
Dieser Arbeit liegt die Hypothese zugrunde, dass möglicherweise die RFID-Optimierungspotenziale, also die Vorteile der RFID-Technologie, selbst der Grund dafür sind, weshalb Insellösungen entstehen.
Um dies analysieren zu können, wird in der folgenden Arbeit der Bereich der Automobilindustrie betrachtet. Denn die Automobilindustrie ist aufgrund ihres durchgängigen Waren- und Informationsflusses in Verbindung mit ihren geschlossenen Behälterkreisläufen ideal für den Einsatz von RFID-Systemen.
Um die Fragestellung beantworten zu können, ist es zunächst erforderlich, sich mit den RFID-Optimierungspotenzialen selbst zu befassen bzw. diese zu analysieren. Es soll demnach herausgestellt werden, welche Optimierungspotenziale existieren und wie diese innerhalb des Produktionsprozesses in der Automobilindustrie zu Stande kommen. Im Anschluss daran wird das zugrunde liegende Problem anhand eines selbst entwickelten Drei-Phasenmodells dargestellt.
Das zweite Kapitel soll zunächst alle wichtigen die RFID-Technologie betreffenden Begriffe erklären, worauf im Anschluss ein kurzer geschichtlicher Rückblick sowie eine Einordnung der RFID in die Auto-ID-Systeme folgen. Der die Automobilhersteller bedrohende Verdrängungswettbewerb, die in der Automobilindustrie bereits erfolgreich eingesetzte RFID-Technologie sowie Ursachen für die Existenz der Insellösung sind die zentralen Punkte, mit denen sich das dritte Kapitel beschäftigt. Im vierten Kapitel sollen Theorie und Praxisbeispiele die Optimierungspotenziale aufzeigen, die sich unternehmensintern durch den RFID-Einsatz ergeben. Das fünfte Kapitel widmet sich schließlich der Überprüfung der eingangs gestellten Hypothese.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Radio Frequency Identification (RFID) – ein Auto-ID-System
2.1 Definition und Bestandteile
2.2 RFID-Historie – vom 2. Weltkrieg bis zur Massenproduktion
2.3 Die verschiedenen Varianten der Auto-ID-Systeme
3 Automobilhersteller (OEM) und die Automobilindustrie
3.1 Die Schlüsselindustrie Deutschlands
3.2 Der Verdrängungswettbewerb und seine Folgen
3.3 Erfolgreicher RFID-Einsatz
3.4 RFID-Einsatz als Insellösung
4 Die RFID-Technologie im Produktionsprozess
4.1 Definition und Abgrenzungsproblematik
4.1.1 Produktion und Logistik
4.1.2 Der Produktionsprozess
4.2 RFID-Optimierungspotenziale entlang des Produktionsprozesses
4.2.1 Eingangs- und Ausgangslogistik
4.2.2 Dokumentation und Steuerung von Produktionsprozessen
4.2.3 Zuordnung der Bauteile im Produktionsprozess
4.2.4 Wartungs- und Instandhaltungsprozess
4.2.5 Intelligente Werkzeuge und Spannsysteme
4.2.6 Innerbetrieblicher Transport
4.2.7 Verpackungs- und Behältermanagement
4.2.8 RFID-Vorteile und deren weitere Auswirkungen
5 Drei-Phasenmodell
5.1 Motivationsphase
5.1.1 Gründe gegen einen RFID-Einsatz
5.1.2 Gründe für einen RFID-Einsatz
5.2 Befriedigungsphase
5.3 Demotivationsphase
5.3.1 Horizontale Demotivation
5.3.2 Vertikale Demotivation
5.4 Zusammenfassung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht, warum die RFID-Technologie trotz ihrer hohen Optimierungspotenziale in der Automobilindustrie nicht flächendeckend entlang der gesamten Wertschöpfungskette etabliert ist und stattdessen überwiegend als vereinzelte Insellösung Anwendung findet.
- Analyse der RFID-Optimierungspotenziale in Produktionsprozessen der Automobilhersteller.
- Untersuchung der wirtschaftlichen und technischen Hürden bei der RFID-Integration.
- Erstellung eines Drei-Phasenmodells (Motivation, Befriedigung, Demotivation).
- Bewertung der Rolle des Verdrängungswettbewerbs bei der Entstehung von Insellösungen.
- Evaluation der standortinternen vs. unternehmensübergreifenden RFID-Nutzung.
Auszug aus dem Buch
RFID-Einsatz zur Dokumentation und Steuerung im BMW-Werk Wackersdorf
Im oberpfälzischen Wackersdorf werden pro Tag etwa 2.500 Cockpits der BMW 3er Reihe produziert, die von dort aus „just-in-sequence“ an weitere Montagewerke in Deutschland und der Welt geliefert werden. Die für die Produktion benötigten Formhäute erhält das Werk vom nahegelegenen Vorlieferanten. Um die Produktionsphasen in der Herstellung der Instrumententafeln für den 3er-BMW kontrollieren und diese zurückverfolgen zu können, setzt BMW in seinem oberpfälzischen Werk die RFID-Technologie ein.
Dafür wird zuerst beim Zulieferer an dem für die Tafeln verwendeten Material ein Transponder angebracht, der die entsprechenden Auftragsdaten enthält und mit einem Barcode verknüpft ist. Nachdem die auf dem Transponder gespeicherten Daten im BMW-Werk von Leseeinheiten ausgelesen und mit dem BMW-Produktionsauftrag abgestimmt wurden, werden diese um weitere BMW-interne Informationen ergänzt. Damit ermöglicht das RFID-System die automatische Steuerung des nachfolgenden Verarbeitungsprozesses und die Dokumentation sicherheitsrelevanter Daten. Die Ergebnisse einer jeden einzelnen Station des Produktionsprozesses werden an den jeweiligen nachfolgenden Bearbeitungsstationen auf dem RFID-Label gespeichert. Wurden die Daten einer vorgelagerten Prozessstation nicht ordnungsgemäß auf dem Transponder hinterlegt, kann der nachfolgende Produktionsschritt nicht ausgeführt werden.
Die RFID basierte Lösung zur Kontrolle von Produktionsschritten und deren Rückverfolgbarkeit ermöglicht es, alle relevanten Prozessschritte einem Bauteil zuzuordnen und alle ihm zugeordneten Prozesse zu dokumentieren. Somit ist das Werk nun in der Lage dokumentationspflichtige Bauteile zu erfassen und die Prozessschritte zur Erzeugung von Bauteilen (Derivate) automatisch zu steuern. Diese Prozessschritte lassen sich auch noch nach Jahren zurückverfolgen, da der RFID-Tag nach dessen Anbringung nicht mehr entfernt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der RFID-Optimierungspotenziale und die Problemstellung der Insellösungen in der Automobilindustrie.
2 Radio Frequency Identification (RFID) – ein Auto-ID-System: Definition, historische Entwicklung und Einordnung von RFID in bestehende Auto-ID-Systeme.
3 Automobilhersteller (OEM) und die Automobilindustrie: Darstellung der Bedeutung der Automobilbranche in Deutschland, des intensiven Verdrängungswettbewerbs und des aktuellen Einsatzstatus von RFID.
4 Die RFID-Technologie im Produktionsprozess: Detaillierte Untersuchung der Einsatzgebiete von RFID innerhalb der Produktionsprozesse und Analyse der spezifischen Effekte.
5 Drei-Phasenmodell: Modellierung der Entscheidungsprozesse der Akteure (Motivation, Befriedigung, Demotivation) hinsichtlich der RFID-Einführung.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage unter Einbeziehung des Drei-Phasenmodells.
Schlüsselwörter
RFID, Automobilindustrie, OEM, Produktionsprozess, Wertschöpfungskette, Insellösung, Drei-Phasenmodell, Logistik, Automatisierung, Informationseffekt, Transformationseffekt, Wettbewerb, RFID-Tag, Transponder, Bestandsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe, warum die RFID-Technologie in der Automobilindustrie überwiegend als Insellösung eingesetzt wird und warum eine unternehmensübergreifende Implementierung bisher kaum stattfindet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen RFID-Technologien, Produktions- und Logistikprozesse der Automobilhersteller, sowie die betriebswirtschaftlichen Herausforderungen und psychologischen Faktoren der Akteure bei der Einführung dieser Systeme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Überprüfung der Hypothese, ob die Vorteile der RFID-Technologie selbst die Ursache dafür sein könnten, dass keine flächendeckende, unternehmensübergreifende Lösung entsteht, sondern lediglich standortinterne Insellösungen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche, der Auswertung aktueller Branchenstudien und der Entwicklung eines eigenen Drei-Phasenmodells, um das Verhalten der Entscheidungsträger zu analysieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die technischen Grundlagen und Optimierungspotenziale von RFID aufgezeigt. Anschließend wird ein Drei-Phasenmodell vorgestellt, das die Phasen der Motivation für einen Einsatz, die Befriedigung nach dem Erfolg und die anschließende Demotivation für weitere, übergeordnete Schritte erklärt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie RFID, Automobilindustrie, Insellösung, Drei-Phasenmodell und Wertschöpfungskette definiert.
Welche Rolle spielt der Verdrängungswettbewerb für RFID-Lösungen?
Der Wettbewerb führt dazu, dass Automobilhersteller ihre eigenen Lösungen und Daten schützen wollen, anstatt kooperativ zu handeln. Dies hemmt die Bereitschaft zur vertikalen Integration, da man keinen Wettbewerbsvorteil an andere abgeben möchte.
Wie unterscheidet sich die horizontale von der vertikalen Demotivation?
Die horizontale Demotivation bezieht sich auf die Schwierigkeit, ein unternehmensübergreifendes System entlang der gesamten Lieferkette zu realisieren, während die vertikale Demotivation den mangelnden Willen beschreibt, mit konkurrierenden Automobilherstellern zusammenzuarbeiten.
- Citar trabajo
- Thanh Tan Phan (Autor), 2012, Von den RFID-Optimierungspotenzialen zur Inselproblematik: Eine Erläuterung am Beispiel der Produktionsprozesse der Automobilhersteller (OEM), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207221