"Die Welt dreht sich um mich"

Dramenanalyse zu Nis-Momme Stockmanns „Der Mann, der die Welt aß“ (2009)


Hausarbeit, 2010

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt/Gliederung

1. Einleitung

2. Form und Inhalt
2.1 Aufbau und Form des Dramas
2.2 Dramatische Situation
2.3 Inhalt der Szenen
2.4 Nebenfiguren
2.5 Sprache und Kommunikation

3. Der Protagonist: Egozentrik als dominanter Handelnsantrieb
3.1 „Alleine“
3.2 „Selbstständig“
3.3 „Frei sein“
3.4 Merkantiles Handeln

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis.

1.Einleitung

Einen Jedermann zeichnete Nis-Momme Stockmann in seinem dramatischen Debut „Der Mann der die Welt aß“. Jeder Mann aus der Generation der Dreißigjährigen könnte der Protagonist sein: Die jetzt eigentlich erwachsene Spaßgeneration (ver)weigert sich, erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen, will sich selbst verwirklichen, ohne konkret Position zu beziehen. Steine auf dem Weg lassen sie straucheln. Egozentrik als gesellschaftliches Problem zeichnet sich ab in dieser Gesellschaft des Individualismus, Merkantilismus, Egoismus.

Stockmann schrieb ein Gesellschaftsstück der Gegenwart und traf den Nerv der Zeit: Er gewann für „Der Mann der die Welt aß“ den Haupt- und Publikumspreis des Heidelberger Stückemarktes 2009, das Stück wurde von der European Theatre Convention zu einem der besten europäischen Stücke 2009 gewählt und 2010 als deutscher Beitrag zur Theaterbiennale „Neue Stücke aus Europa“ in Wiesbaden eingeladen.

Am 17. Dezember 2009 fand die Uraufführung in Heidelberg unter der Regie von Dominique Schnizer statt. Es folgten Inszenierungen in Magdeburg, Basel und Wien.

Kurz beschrieben geht es um den 35-jährigen Sohn, Bruder und Vater, einen Egozentriker, wie er im Buche steht, der alles, was seine Mitmenschen ihm bieten, in sich aufnimmt, konsumiert: Zuneigung, Unterstützung, Geld. Der unfähig ist, etwas anders als im Bezug auf die eigene Person zu bewerten und um den sich das Netz seiner auf Egozentrik beruhenden Versäumnisse zusammen zieht.

Das Drama nach formalen und inhaltlichen Aspekten analytisch zu erfassen und im Anschluss daran den Handelnsantrieb des Protagonisten zu analysieren ist die Absicht der folgenden Arbeit.

2. Form und Inhalt

2.1 Aufbau und Form des Dramas

Als „Passionsdrama in zwölf Szenen“[1] bezeichnete Otto Burckhardt das Theaterstück. Es gliedert sich in zwölf Szenen, fünf davon sind mit Namen von Charakteren aus dem Stück betitelt (Ulf (2.), Lisa (5.), Bogensee (8., 9.) und Phillip (11.)). Zwei Szenen zu Beginn tragen den Namen einer Krankheit (Grippe (1.) und Asthma (2.)), die jedoch in der so benannten Szene wenig Bedeutung hat bzw. auf andere Beschwerden verweist und bei „Asthma“ erst zum Ende des Stückes hin akut wird. Die weiteren Titel weisen auf (gewünschte) Zustände des Protagonisten: Alleine (4.), Selbstständig (6.) und Frei sein (12.). Weiters spielen Telefongespräche (7.), Cognac (7.1) und Der Schrank (10.) eine Rolle.

Das Stück steigert sich im Sinne eines konsequenten Niedergangs/ einer Kapitulation des Protagonisten. Dennoch endet es nicht in der totalen Katastrophe, bedingt durch die Fähigkeit des Protagonisten, Sachverhalte auszublenden, die ihm nicht ins Konzept passen.

Die Handlungsstruktur ist vorgegeben durch die Gesprächssituationen, aus denen das Stück zusammengesetzt ist: direkte Dialoge zwischen dem Protagonisten „(xxxx)“ und einer der Nebenfiguren, bzw. Telefongespräche. Es findet sich ein Minimum an äußerer Aktion. Die Handlung wird durchweg szenisch präsentiert (keine narrative Vermittlung durch Expositionserzählung etc.).

2.2 Dramatische Situation

„Der Mann der die Welt aß“ spielt in der Jetztzeit. Als Räume legt die Regieanweisung folgende fest: „Die teuer eingerichtete Wohnküche des Sohnes. Das einfache Schlafzimmer des Vaters. Das chaotische Wohnzimmer der Exfrau. Ein Zeltfestplatz, auf dem der jüngere Bruder sich betrinkt.“ (1. Szene, S. 4); ein Kieselsee (2. Szene, S. 13); ein Warteraum (3. Szene, S. 19); Draußen in der Einkaufspassage (4. Szene, S. 21); Lisas Flur und Küche (5. Szene, S. 23); Beim Sohn zuhause (Wohnzimmer, Küche: 6., 7., 7.1, 10., 11., und 12. Szene, S. 27, 30, 38, 44, 49, 52); Ein dunkler Raum (8. Szene, S. 40); „Ein Bürogebäude. Ein Vorraum zum Büro Bogensees. Zwischen den winzigen Stühlen auf der einen Seite und dem Schreibtisch auf der anderen Seite ist eigenartig viel Platz.“ (9. Szene, S. 40) Diese Vielfalt der Schauplätze lässt an ein Drehbuch denken.

Handlungssituation ist: Ein Mann, der für gewöhnlich die Welt aß, wir nun von ihr gefressen.[2] Ein selbstbezogener Mittdreißiger verliert seinen Job, muss sich um seinen zunehmend dementen Vater kümmern, für zwei Kinder Unterhalt zahlen, ist überfordert und bemerkt in seiner Egozentrik nicht die Nöte seiner Nächsten (Asthma des Bruders, Geldknappheit der Exfrau, weil die Unterhaltszahlungen ausbleiben). In den Dialogen werden diese Probleme – oft indirekt – thematisiert: Verlust des Arbeitsplatzes, Geldknappheit, Krankheiten wie Demenz und Asthma, emotionale Nöte und Ängste.

2.3 Inhalt der Szenen

„Der Mann der die Welt aß“ verbindet aktuelle Themen: die Pflege der Eltern, familiäre und finanzielle Krisen, Ehescheidungen, gescheiterte Lebensentwürfe und Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig die Gefühlsnöte der jungen Eltern- und Großelterngeneration, die in Sprachlosigkeit münden, das oft zu beobachtende Sich-Nichts-zu-sagen-Haben, die unterschiedlichen Lebenshaltungen, Lebenserwartungen und Erwartungen aneinander.

1. Ein Mann in den Dreißigern sitzt zuhause, unentwegt telefonierend. Zuerst spricht er mit seinem Vater, der nach längerem Zögern, in dem der Sohn insistiert, der Vater möge doch zum Arzt gehen, offen legt, dass er sich einen Teil der Zunge abgebissen und sich die Hand verbrannt hat. Der Sohn gerät in Wut und wiegelt Fragen zum eigenen Befinden unwillig ab.
Danach spricht er mit seinem Bruder Phillip. Das Gespräch bricht ab, bevor es richtig beginnt, da Phillip offenbar das Handy runter gefallen ist. Ein Anlauf, mit Lisa, der Exfrau zu reden, scheitert ebenfalls. Phillip ruft wieder an, doch wegen des Partygeschehens im Hintergrund ist kein Gespräch möglich. Lisa ruft an und redet (xxxx) ins Gewissen: er müsse sich um den alten Vater kümmern; er müsse für den Unterhalt der gemeinsamen Kinder sorgen – auch wenn er arbeitslos sei. Und er habe Kinder, die seine Zuwendung bräuchten. (xxxx) weist Lisa ab. Wieder ruft Phillip an, betrunken. Dann der Vater, der den Sohn bittet, mit ihm zum Arzt zu gehen, was (xxxx) auf Phillip abschiebt.

[...]


[1] Pressemitteilung vom 23.12.2009; http://www.die-stadtredaktion.de/?p=6234

[2] vgl. http://www.etc-cte.org/bop/

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
"Die Welt dreht sich um mich"
Untertitel
Dramenanalyse zu Nis-Momme Stockmanns „Der Mann, der die Welt aß“ (2009)
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Vorlesung und Übung "Dramaturgie und Regie im zeitgenössischen Theater"
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
9
Katalognummer
V207251
ISBN (eBook)
9783656342991
ISBN (Buch)
9783656343783
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stockmann, Der Mann der die Welt aß, Dramenanalyse, Egozentrik, zeitgenössisch
Arbeit zitieren
Veronika Seitz (Autor), 2010, "Die Welt dreht sich um mich", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207251

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Die Welt dreht sich um mich"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden