Die Suche nach Gerechtigkeit bestimmt seit jeher schon das Denken der Menschen- und noch immer gibt es wohl keinen Staat auf der Welt in dem sich jeder Bürger allzeit gerecht behandelt fühlt. Ist Gerechtigkeit also überhaupt möglich? Oder ist es eine Illusion, die von Generation zu Generation weitergetragen wird- eine art ewiger Menschheitstraum? Ein besonderer Teil der Betrachtungen kann auf das Verhältnis von Recht und Gerechtigkeit gelenkt werden. Eine bestehende Rechtsordnung schreibt immer Gebote und Verbote vor und setzt somit fest, was in einem gewissen Rahmen richtig und falsch ist. Genau so bestimmt sie über die Arbeitsweise und die Funktion von gesellschaftlichen Institutionen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Die Grundpositionen: Positivismus- Nichtpositivismus
4. Relativismus
4.1 Existenz und doppelte Subjektivität von Werten
4.2 Letztbegründete Wirklichkeit und Werteproblem
5. Hans Kelsen
5.1 Reine Rechtslehre
5.2 Gerechtigkeit
6. Fazit und Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch Hans Kelsens Theorie des Werterelativismus und geht der zentralen Frage nach, ob dieser Ansatz eine tragfähige Lösung auf der Suche nach einer objektiven Gerechtigkeit bietet oder lediglich eine Fluchtmöglichkeit vor dieser moralischen Herausforderung darstellt.
- Das Spannungsverhältnis zwischen Recht und Moral
- Die Gegenüberstellung von Positivismus und Nichtpositivismus
- Die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Werterelativismus
- Hans Kelsens Reine Rechtslehre und das Konzept der Grundnorm
- Die Analyse von Gerechtigkeit als subjektiver und interpersonell nicht wahrheitsfähiger Wert
Auszug aus dem Buch
Gerechtigkeit
Den Begriff der Gerechtigkeit fasst Kelsen in erster Linie als eine „mögliche aber nicht notwendige Eigenschaft einer gesellschaftlichen Ordnung“51 auf.
Erst in zweiter Linie begreift er Gerechtigkeit als Tugend des Menschen, die er versteht als das Ausrichten des Handelns einer Person nach einer gerechten Ordnung.52
Gerechtigkeit ist ein Teilgebiet der Moral und bezieht sich auf das soziale Verhalten eines Menschen gegenüber anderen Menschen. Das Verhalten eines Menschen ist dann gerecht, wenn es einer sozialen Norm entspricht, die als allgemein gerecht gilt53. Diese Norm bezeichnet Kelsen als Gerechtigkeitsnorm54. Eine Gerechtigkeitsnorm hingegen kann sich nur auf die interpersonelle Ebene beziehen und nie eine Norm konstituieren, die sich allein auf das Verhalten einer Person bezieht, dass nicht im Zusammenhang zu anderen steht. Gerechtigkeit kann also nur das Verhalten in Bezug zu anderen bewerten55.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen Recht und Moral ein und formuliert die Fragestellung zur Rolle von Kelsens Werterelativismus bei der Suche nach Gerechtigkeit.
2. Forschungsstand: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung des Rechtspositivismus sowie die anhaltende Debatte über die Beziehung von Recht und Moral nach dem Zweiten Weltkrieg.
3. Die Grundpositionen: Positivismus- Nichtpositivismus: Hier werden die Trennungsthese und die Verbindungsthese als die zwei grundlegenden Ansätze der Rechtsphilosophie einander gegenübergestellt.
4. Relativismus: Das Kapitel untersucht die subjektivistische Natur von Werten und stellt dar, warum aus Sicht des Relativismus keine interpersonell gültigen, absoluten Werte existieren.
5. Hans Kelsen: Dieses Kapitel analysiert Kelsens Reine Rechtslehre sowie seine spezifische Herleitung des Gerechtigkeitsbegriffs als ein durch Glücksbegriffe definiertes, jedoch subjektiv bleibendes Konzept.
6. Fazit und Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion, die Kelsens Ansatz als theoretisch schlüssig, aber moralisch und gesellschaftspolitisch als unzureichend für die Verantwortung in einer vernetzten Welt bewertet.
Schlüsselwörter
Rechtspositivismus, Hans Kelsen, Werterelativismus, Gerechtigkeit, Reine Rechtslehre, Grundnorm, Recht und Moral, Trennungsthese, Wertesystem, Gerechtigkeitsnorm, Subjektivität, Normenpyramide, Rechtsphilosophie, Gesellschaftsordnung, Wertekonflikt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der rechtsphilosophischen Analyse von Hans Kelsens Theorie des Werterelativismus im Kontext der Frage nach Gerechtigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt das Verhältnis von Recht und Moral, die Differenz zwischen Positivismus und Nichtpositivismus sowie die Frage, ob absolute Werte in der Rechtslehre haltbar sind.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Kelsens Werterelativismus kritisch zu beleuchten und zu prüfen, ob seine Theorie eine adäquate Antwort auf die Suche nach Gerechtigkeit liefert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtsphilosophische Analyse, die auf der kritischen Untersuchung und Gegenüberstellung von primären Werken Kelsens sowie relevanter Literatur zum Positivismus basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen (Positivismus/Relativismus) und die spezifische Analyse von Kelsens Beiträgen zur Reinen Rechtslehre und zur Gerechtigkeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rechtsphilosophie, Reine Rechtslehre, Grundnorm, Werterelativismus und die Subjektivität von Gerechtigkeitsnormen.
Wie definiert Hans Kelsen Gerechtigkeit gemäß der Arbeit?
Kelsen definiert Gerechtigkeit primär als eine mögliche, aber nicht notwendige Eigenschaft einer gesellschaftlichen Ordnung und engt sie auf das soziale Verhalten im Bezug zu anderen ein.
Welches Paradoxon identifiziert die Autorin in Kelsens Theorie?
Die Autorin weist darauf hin, dass Kelsen zwar eine strikte Trennung von Recht und Moral fordert, seine Rechtsordnung jedoch paradoxerweise durch eine nichtpositivistische "Grundnorm" stützen muss, um logisch zu funktionieren.
- Citation du texte
- Marie Schröter (Auteur), 2011, Hans Kelsens Werterelativismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207309