Online-Beratung - Ein Überblick mit kritischer Betrachtung


Studienarbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärungen
2.1 Beratung
2.1.1 Online-Beratung

3. Zielgruppen von Online-Beratung

4. Theoretische Ansätze der Online-Beratung
4.1 Klienten-zentrierter Ansatz nach Rogers
4.1.1 Die systematische Metaphernanalyse
4.1.2 Das Vier-Folien-Konzept
4.2 Therapeutisches / Kreatives Schreiben

5. Formen der Online-Beratung
5.1 Computervermittelte Kommunikation
5.1.1 Die E-Mail-Beratung
5.1.2 Die Chat-Beratung
5.2 Foren-Beratung

6. Veränderte mediale Lebenswelten im Kontext der Beratung
6.1 Der mediale Wandel in unserer Gesellschaft
6.1.2 Der mediale Wandel: eine bildliche Darstellung
6.1.1 Virtualität und Realität
6.2 Virtuelle Räume und virtuelle Identitäten
6.2.1 Der mediale Wandel unserer Gesellschaft im Kontext der Beratung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis.

1. Einleitung

Das world-wide-web, kurz Internet, ist heute zentraler Bestandteil unserer Informationsgesellschaft. Weltweit, rund um die Uhr kommunizieren? Kaufen, ohne sich einen Schritt zu bewegen? Studieren, ohne einmal in einer Universität gewesen zu sein? Durch das Internet ist dies alles möglich. Dieser Fortschritt hat auch vor der Beratung in der Sozialen Arbeit nicht Halt gemacht: Online-Beratung ist das Resultat daraus, wenn Internet auf Beratung stößt und dort eine stille Revolution in Gang setzt. Der Autor möchte diese Chance nutzen, in meiner Studienarbeit über dieses zukunftsträchtige Thema zu berichten. Chance deshalb, weil ich durch diese Arbeit eine Möglichkeit sehe, zumindest für eine kurze Zeit die rasante Entwicklung, wie sie gerade stattfindet, „anzuhalten“, um zu fragen, was man sich unter Online-Beratung in der Sozialen Arbeit überhaupt vorstellen kann, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und den medialen Wandel, der sich laufend in unserer Gesellschaft vollzieht, zu beleuchten.

Diese Arbeit soll insgesamt einen Querschnitt in das Thema der Online-Beratung darstellen. Zu Beginn dieser Arbeit erfolgt eine begriffliche Einleitung, um dann nach einem kurzen historischen Abriss und der Beschreibung der Zielgruppen besonders die theoretischen Ansätze und Formen der Online-Beratung hervor zu heben. Im Hauptteil dieser Arbeit setzt der Autor sich kritisch mit dem medialen Wandel unserer Gesellschaft auseinander und stellt im Kontext der Beratung drei Hauptthesen auf, die diesen Wandel thematisieren. Im abschließenden Fazit reflektiert der Autor diese Thesen und zeigt einen Trend für die Zukunft.

2. Begriffsklärungen

Im folgenden Teil dieser Arbeit werden Beratung und Online-Beratung definiert.

2.1 Beratung

Im Folgenden soll, begrenzt auf den Bereich der Sozialen Arbeit der Begriff „Beratung“ definiert werden. Beratung umfasst ein breitgefächertes Feld: von der rein informellen bis hin zur therapeutisch geprägten Beratung, wie man sie auch in der Sozialen Arbeit wiederfindet. Beratung stammt von dem Begriff Rat ab[1]. Setz man dieses Wort in einen vollständigen Satz „einen Rat geben“, erschließt sich daraus der Sinn dieses Begriffes. Eine allgemeine Definition für Beratung in der Sozialen Arbeit lautet wie folgt:[2]

„Beratung ist zunächst eine Interaktion zwischen zumindest zwei Beteiligten, bei der die beratende(n) Person(en) die Ratsuchende(n) - mit Einsatz von kommunikativen Mitteln - dabei unterstützen, in Bezug auf eine Frage oder auf ein Problem mehr Wissen, Orientierung oder Lösungskompetenz zu gewinnen.

Beratung erfüllt demzufolge den Zweck, einer hilfesuchenden Person durch „persönliche Kommunikation“[3] weiter zu helfen. Der Rahmen hierfür bildet die Interaktion, der Wechselbeziehung zwischen dem Berater und dem Ratsuchenden. Beratung ist in vielen wissenschaftlichen Disziplinen vorzufinden. So kann man die psychologische, sozialpädagogische, psychosoziale und soziale Beratung als größte Stellvertreter aufführen. In der Sozialen Arbeit wird vor allem das Ziel verfolgt, Beratung als eine „“ Reduktion oder Milderung der Schwierigkeiten“[4] anzuwenden bei der insbesondere lebenspraktische Fragen sowie psychosoziale Krisen im Vordergrund stehen. Dies wird unter dem Sammelbegriff „Sozialberatung“ zusammengefasst. Beratung als eigenständige Methode ist in fast allen Hilfebereichen vorzufinden, zum Beispiel in den Bereichen der Pflege, Betreuung oder Einzelfallhilfe.[5]. Wie man sieht, umfasst der Bereich der Beratung ein sehr großes Spektrum an unterschiedlichsten Anwendungsformen. Die Grenze zwischen Beratung und Therapie laufen in vielerlei Hinsicht ineinander über. Eine klare Abgrenzung ist deshalb schwer zu treffen. Eine Möglichkeit, Beratung und Therapie voneinander zu unterscheiden, liefern die Autoren Sauer und Retaiski, indem sie Lebensberatung mit der therapeutischen Vorgehensweise vergleichen:

„Lebensb[eratung] [sic!]versucht sich gegenüber der Therapie insoweit abzugrenzen, als sie sich an Klienten wendet, die in der Lage sind, ihre Lebenssituation noch eigenständig zu regeln und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, während Therapie sich an Patienten wendet der Verlust von Steurungs- und Kontrollfunktion so groß ist, dass sie ihr Leben nicht ohne schwerwiegende Störungen selbst regulieren können und massive Hilfe brauchen “ [6] .

Ein Unterschied zwischen Beratung und Therapie lässt sich demnach hauptsächlich am Zustand des Klienten festmachen.

2.1.1 Online-Beratung

Der Begriff Online-Beratung umfasst einen breit gefassten Bereich. Das folgende Zitat gibt eine Definition von Online-Beratung:

„Der Begriff Onlineberatung (auch Internetberatung oder Online-Beratung) bezeichnet eine computergestützte Beratung, die sich über das Internet medial vermittelt und interaktiv stattfindet. Unter dem Sammelbegriff Onlineberatung werden sehr verschiedene Interaktionsprozesse zusammengefasst. Konkrete Kommunikationsformen sind: E-Mail-Beratung, Chatberatung, Beratung in Foren. Inhaltlich unterscheidet sich Onlineberatung in Zielgruppenausrichtung, Themenfeld (rechtlich, psychologisch, pädagogisch) und Beratungskonzepten (Fachberatung, Prozessberatung).“[7]

Wenn im weiteren Verlauf dieser Arbeit von Online-Beratung gesprochen wird, bezieht diese sich ausschließlich auf die Prozessberatung und grenzt sich von der rein informellen Beratung ab. Mit Prozessberatung ist ähnlich wie bei Face-to-Face- Beratung ein Interaktions- und Kommunikationsprozess zwischen Ratsuchendem und Berater gemeint.

3. Zielgruppen von Online-Beratung

Online-Beratung bietet prinzipiell jedem Internet Nutzer die Möglichkeit auf schnellem Wege Hilfsangebote wahrzunehmen. Dabei gibt es bestimmte Personengruppen, für die diese Form von Beratung besonders geeignet ist.

Die wohl am stärksten vertretende Zielgruppe stellen die Jugendlichen dar[8]. Die „Internetgeneration“ spielt im Internet, kommuniziert über Datenaustauschsysteme und nutzt sogenannte soziale Netzwerke, um über bestimmte Themenfelder zu diskutieren. Auf Grund dieser offensichtlich bestehenden Nähe zum Internet sind auch Online Beratungsangebote für Jugendliche einfach und unkompliziert zu erreichen.[9] Besonders in der Pubertät entstehen bei Jugendlichen Hemmschwellen oder Angstzustände vor direkten Kontaktsituationen mit anderen Menschen, die durch die Anonymität und Distanz des Internets vermieden werden. Für Personen mit einer körperlichen Behinderung ist die Online-Beratung eine ideale Nutzungsmöglichkeit, da sie häufig nur unter Schwierigkeiten zu örtlich gelegenen Beratungsstellen kommen können. Aufgrund des schriftlichen Austausches ist Online-Beratung besonders für hörgeschädigte Menschen geeignet. Des Weiteren bietet es einkommensschwachen Menschen eine effektive Hilfe, da die Beratung im Internet meist kostenfrei ist.

Zusammenfassend zeichnet sich Online-Beratung besonders durch ihre unkomplizierte, ortsunabhängige und häufig kostenlose Nutzung aus und bietet dadurch vor allem gesellschaftlichen Minderheiten eine gute Hilfe.

4. Theoretische Ansätze der Online-Beratung

Im folgenden Teil dieser Arbeit sollen verschiedene theoretische Ansätze näher dargestellt werden.

4.1 Klienten-zentrierter Ansatz nach ROGERS

Der Klienten-zentrierte Ansatz ist eine aus der humanistischen Psychologie stammende Therapieform, bei welcher der Mensch mittels seiner Selbstheilungskräfte im Zentrum des Geschehens steht. Dem Berater obliegt demzufolge die Aufgabe dem Klienten zu lehren eine „geistige und emotionale Haltung anzunehmen, die sie befähigt, die eigenen Probleme selbst zu lösen.“[10] Das heißt, es soll eine Verhaltensänderung stattfinden, die dem Klienten unter anderem eine klare Sichtweise seiner Probleme vermitteln soll, zu dem soll er durch diese Sichtweise die vorhandenen Probleme eigenständig lösen. Dieser Ansatz beruht auf der Theorie des Autors Carl Rogers der „nicht-direktiven- Beratung“[11]. Das bedeutet, dass der Klient den Gesprächsverlauf selber steuern kann. In Folge dieser „Selbersteuerung“ erhält der Klient das Bewusstsein über sein Einstellungen und den damit verbundenen Gefühlen und gewinnt letztendlich an „Einsicht und Selbstverständnis“[12] Diese Gesprächstechniken eigenen sich hervorragend für die Online-Beratung, da der Klient selber entscheiden kann, wie viel Informationen er Preis gibt und bestimmt den Verlauf des Gespräches. Dadurch bleibt dem Klienten seine Unabhängigkeit gegenüber dem Beratungsangebot erhalten.

Neben dem eben beschriebenen therapeutischen Vorgehen legt Rogers sehr großen Wert auf die Persönlichkeit des Klienten. Rogers entwickelte die sogenannte Persönlichkeitstheorie, in der die Persönlichkeit als das „Resultat einer dynamischen Auseinandersetzung“[13] angesehen wird. Diese Auseinandersetzung definiert sich zum einen über das individuelle „Selbstkonzept“[14] des Individuums, zum anderen bezieht es den Erfahrungsprozess, Gefühle, Impulse etc. mit ein.[15] Ein Beispiel für eine solche Auseinandersetzung ist, dass ein Paar sich auf unbestimmte Zeit räumlich voneinander trennen muss und somit gezwungen wird eine Fernbeziehung zu führen. Für einen der Beziehungspartner stellt die Trennung ein großes Problem dar. Das zeigt sich dadurch, dass dieser jedes Mal Angst bekommt und weint, wenn über dieses Thema gesprochen wird. Rogers bezeichnet dieses Verhalten als eine „Inkongruenz“[16]. Die Konfrontation zwischen der aktuellen Erfahrung (der Verlust des Partners) und dem eigenen Anspruch an sich selbst (den Partner gehen zu lassen und sich auf die Situationsänderung einzustellen) zeigen den Konflikt besonders deutlich.

In der Online-Beratung wird der Klient-zentrierte Ansatz durch die Autoren Knatz und Dodler aufgegriffen, die dazu drei Grundhaltungen entworfen haben.

1. Kongruenz: Die Echtheit. Der Berater soll sich seiner Empfindungen bewusst werden und diese auch dem Klienten mitteilen können.
2. Akzeptanz und Wertschätzung: Wegen der anfangs bestehenden Distanz zwischen Klient und Berater, sollte der Berater durch eine möglichst achtende und wertschätzende Haltung annehmen. Dadurch fällt es beiden leichter Spannungen und Angst abzubauen und eine durch emotionale Wärme geprägte Beziehung aufzubauen.
3. Empathie: Der Berater sollte einerseits ein möglichst ausgeprägtes Gespür für die Emotionen des Klienten vorweisen, andererseits ein Verständnis der Gefühle und deren persönlichen Bedeutung für den Klienten entwickeln.

[...]


[1] Vgl. Rott, H. (2007). Entwicklung der Online- Beratung unter strukturellen Gesichtspunkten, S.6.

[2] Hinrichs, C. (2010) zit. n. Engel, F., Nestermann, F., Sickendiek, U. Beratung. Eine Einführung in sozialpädagogische und psychosoziale Beratungsansätze. Grundlagentexte soziale Berufe (1. Auflage). Weinheim, München. Juventa- Verlag, S. 13.

[3] Steinke, B.( 2002). „Beratung“in Fachlexikon der sozialen Arbeit (5. Auflage). Frankfurt am Main: Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge, S. 119.

[4] Hinrichs, C. (2010). Online Beratung eine Einführung zu einem neuerschlossenem Feld in der Sozialen Arbeit (1. Auflage). Berlin: RabenStück Verlag, S. 29.

Vgl. Hinrichs, C. (2010). Online Beratung eine Einführung zu einem neuerschlossenem Feld in der Sozialen Arbeit (1. Auflage). Berlin: RabenStück Verlag, S. 28.

[6] Rott, H. (2007). Entwicklung der Online- Beratung unter strukturellen Gesichtspunkten, S. 12.

[7] Rott, H. (2007). Entwicklung der Online- Beratung unter strukturellen Gesichtspunkten, S. 17.

[8] Vgl. Risau, P, Schuhmacher, M. a.a.O., S. 247.

[9] Vgl. „http://www.beratung-online.info/klienten-online-beratung.php“, Zugriff am 13.08.2011.

[10] Hinrichs, C. (2010). Online Beratung eine Einführung zu einem neuerschlossenem Feld in der Sozialen Arbeit (1. Auflage). Berlin: RabenStückVerlag, S. 19.

[11] Esser, U. Müller, B. „Gesprächspsychotherapie" in Fachlexikon der sozialen Arbeit (5. Auflage). Frankfurt am Main: Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge, S.404.

[12] Hinrichs, C. (2010)., a.a.O.

[13] Hinrichs, C. (2010), a.a.O.

[14] Seithe, M. (2008). Enaging Möglichkeiten Klientenzentrierter Beratung in der Sozialen Arbeit(1. Auflage) Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften | GWV Fachverlage GmbH, S.20.

[15] „Inkungruenz“ auf http://lexikon.stangl.eu/1839/inkongruenz/, Zugegriffen am.11.09.2011.

[16] Vgl. Hinrichs, C. (2010), a.a.O, S. 22.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Online-Beratung - Ein Überblick mit kritischer Betrachtung
Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Veranstaltung
Verfahren und Techniken der Sozialen Arbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V207401
ISBN (eBook)
9783656350514
ISBN (Buch)
9783656350569
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit, Online-Beratung, Verfahren, Techniken, Therapie, Psychosoziale Beratung
Arbeit zitieren
Fabian Volkmann (Autor), 2011, Online-Beratung - Ein Überblick mit kritischer Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207401

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