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Tauschbeziehungen und soziale Ökonomie in Goethes "Wahlverwandtschaften"

Title: Tauschbeziehungen und soziale Ökonomie in Goethes "Wahlverwandtschaften"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 26 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: M.A. Maike Zazie Matern (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Im nächsten Jahr feiert die Erscheinung von Goethes Roman Die Wahlverwandtschaften ihr 200jähriges Jubiläum. An Aktualität hat der Text seitdem jedoch wohl kaum etwas eingebüßt.
Dieser Aufsatz behandelt das Tauschphänomen in den Wahlverwandtschaften. Unterschiedliche Aspekte verweisen darauf, wie vielfältig hier Tauschverhältnisse auftreten: Begriffe wie Besitz, Gewinn, Verzicht, Opfer und Mangel werden verwendet. Im Mittelpunkt des Romans stehen der Partnertausch und das chemische Gleichnis der „Wahlverwandtschaften“, das dem Roman den Namen gegeben hat. Beides ist in der Forschung bereits eingehend diskutiert worden. Eduards und Lucianes Verschwendungssucht fällt auf und dagegen die von Charlotte intendierte Sparsamkeit und Ottilies Enthaltsamkeit. Luciane schlüpft in ihrem Rollentausch in ständig neue Verkleidungen und auch die neue herannahende Epoche, die im Roman diskutiert wird, die kulturelle Innovation, kann als Tauschvorgang betrachtet werden. Eduards Austausch von Zeichen für Zufall und Schicksal ist der figurative Tausch im semantischen Feld als Übertragung, Umcodierung und Bedeutungsaustausch. Die geläufigste Kommunikationsform scheint im Roman der Briefaustausch zu sein und die Kommunikation an sich wiederum funktioniert augenscheinlich nicht.
Der Tauschaspekt innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen soll hier Schwerpunkt sein. Es ist nicht möglich, alle Aspekte des Tauschs, so wie sie in den Wahlverwandtschaften auftreten, zu behandeln. Da der Roman allerdings eine sehr genaue Beobachtung sozialer Konflikte liefert und die experimentelle Darstellung für eine Verallgemeinerung spricht, erscheint es interessant, sich mit der Verbindung zwischen ökonomischem und sozialem Austausch zu befassen. Das Scheitern der Ökonomie führt schließlich zum Scheitern der Figuren und ihrer Konstellation. Erst durch ein reges und gesundes Tauschverhalten könnten die sozialen Verhältnisse funktionieren. Der Tausch zeigt sich hier als ein zeitloses Phänomen, mit dem wir auch unsere eigenen sozialen Beziehungen beobachten und bewerten können.
Zur Einführung dient ein Überblick über verschiedene Theorien des Tauschs. Die Romananalyse folgt anschließend.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Theorie um den Tausch

2.1. Der ökonomische Tausch

2.2. Soziale Tauschbeziehungen

3. Tauschbeziehungen in Goethes Wahlverwandtschaften

3.1. Tausch als Freizeitbeschäftigung

3.2. Die soziale Ökonomie der Figurenkonstellation

3.2.1. Mangelnde Tauschakte

3.2.2. Egozentrische Verhaltensstrukturen

3.2.3. Kommunikationsmedien als Distanzierungsmittel

3.2.4. Eduards Tauschverhalten

3.2.5. Ottilies Entsagen

3.2.6. Fehlerhafte Tauschrelation

3.2.7. Charlottes Entsagen

3.2.8. Mangel an Gleichzeitigkeit

3.2.9. Mittler

3.3. Das chemische Gleichnis

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Tauschphänomen in Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften", wobei der Fokus auf der Verbindung zwischen ökonomischen Tauschtheorien und zwischenmenschlichen sozialen Beziehungen liegt. Die zentrale Forschungsfrage adressiert das Scheitern der Figuren und ihrer Konstellation als Resultat eines defizitären Tauschverhaltens.

  • Tauschtheorien nach Vogl, Simmel, Mauss und Marx
  • Figurenkonstellation und zwischenmenschliche Interaktion
  • Die Rolle von Egozentrismus und Kommunikationsstörungen
  • Ökonomische Metaphorik und das chemische Gleichnis
  • Die Katastrophe als Folge ausbleibender sozialer Reziprozität

Auszug aus dem Buch

(3.2.4.) Eduards Tauschverhalten

Bei Eduard ist der Egozentrismus am Stärksten ausgeprägt. Die Beziehungen zu Anderen, besonders die zu Ottilie, dienen ihm nur dazu, den eigenen Narzissmus bestätigt zu sehen. Daher ist er auch so erbost, als er von der Kritik des Hauptmanns an seinem Flötenspiel erfährt. Er meint sich dadurch „von allen Pflichten losgesprochen“, beziehungsweise zu keinem Geben mehr verpflichtet, weil in seiner Sphäre des Tausches keine „Gaben“ existieren, die seiner Selbstliebe widersprechen. In Ottilie liebt er nur sich selbst. Daher meint er auch in Ottilies Schrift seine eigene zu erkennen und schreibt sich selbst Briefe in Ottilies Namen. Als er mit Charlotte das Kind Otto zeugt und beide Ehepartner in Gedanken bei dem Geliebten sind – Charlotte beim Hauptmann und Eduard bei Ottilie –, liegt die Vermutung nahe, dass er dieses Kind nicht mit Charlotte und auch nicht mit Ottilie, sondern mit sich selbst zeugt. Als Eduards eigene Reproduktion muss der Sohn zwangsläufig Otto heißen wie er selbst. Eduards Austausch findet nur in sich selbst statt. Er schafft sich eine eigene ökonomische Welt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Tauschphänomen als zentrales Element der "Wahlverwandtschaften" und Skizzierung der methodischen Verbindung von Ökonomie und Sozialem.

2. Zur Theorie um den Tausch: Thematische Zusammenfassung ökonomischer und sozialer Tauschtheorien durch Denker wie Nietzsche, Smith, Aristoteles, Mauss, Simmel und Vogl.

3. Tauschbeziehungen in Goethes Wahlverwandtschaften: Analyse der konkreten Tauschvorgänge und Kommunikationsstrukturen innerhalb der Romanhandlung unter Einbeziehung der Figurencharakteristika.

4. Fazit: Zusammenfassende Deutung des katastrophalen Romanendes als direkte Konsequenz der Unfähigkeit der Figuren, ein gesundes und reziprokes Tauschverhalten zu etablieren.

Schlüsselwörter

Tauschbeziehungen, soziale Ökonomie, Goethes Wahlverwandtschaften, Partnertausch, Egozentrismus, Kommunikationsmedien, ökonomische Tauschtheorie, Interaktion, Reziprozität, Schuld, Opfer, Wertbestimmung, narzisstisches Tauschverhalten, Sozialgefüge.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das komplexe Geflecht aus ökonomischen und sozialen Austauschprozessen in Goethes Roman "Die Wahlverwandtschaften".

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Tausches, die Analyse der Figurenkonstellation und die Untersuchung der psychologischen sowie ökonomischen Störungen in deren Beziehungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, inwiefern das Scheitern der zwischenmenschlichen Beziehungen der Figuren auf ein fehlerhaftes und nicht reziprokes Tauschverhalten zurückzuführen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse unter Einbezug soziologischer und ökonomischer Tauschtheorien, primär basierend auf den Werken von Autoren wie Joseph Vogl, Georg Simmel und Marcel Mauss.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung des Tauschverhaltens der vier Hauptfiguren, ihrer Kommunikationsweisen sowie der Rolle von Mittler und dem chemischen Gleichnis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tauschbeziehungen, soziale Ökonomie, Egozentrismus, Reziprozität und das Scheitern der Figurenkonstellation charakterisiert.

Warum wird das Verhalten Eduards als narzisstisch eingeordnet?

Eduard wird als narzisstisch beschrieben, da er Beziehungen primär als Bestätigung seines eigenen Selbst nutzt und einen Austausch mit anderen Figuren verweigert, indem er alles auf sich selbst bezieht.

Welche Rolle spielt die Figur der Ottilie im Tauschsystem des Romans?

Ottilie wird als jemand analysiert, der sich durch extreme Passivität und Entsagen fast vollständig dem sozialen Austausch entzieht, was zu ihrer Isolation und letztlich zu ihrem Tod führt.

Warum ist das "chemische Gleichnis" für die Argumentation relevant?

Es fungiert als Metapher für die Figurenkonstellation; die Arbeit zeigt jedoch auf, dass die chemische Gesetzmäßigkeit nicht einfach auf das menschliche Handeln übertragbar ist, was das Scheitern der Figuren unterstreicht.

Warum ist der Briefverkehr als "Distanzierungsmittel" zu bewerten?

Briefe dienen den Figuren dazu, die reale Präsenz des Anderen und die damit verbundenen Störpotenziale zu vermeiden, anstatt den direkten, authentischen Austausch zu suchen.

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Details

Title
Tauschbeziehungen und soziale Ökonomie in Goethes "Wahlverwandtschaften"
College
Free University of Berlin  (Peter Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Course
Goethes Wahlverwandtschaften
Grade
1,7
Author
M.A. Maike Zazie Matern (Author)
Publication Year
2007
Pages
26
Catalog Number
V207572
ISBN (eBook)
9783656347064
ISBN (Book)
9783656348740
Language
German
Tags
tauschbeziehungen ökonomie goethes wahlverwandtschaften
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Maike Zazie Matern (Author), 2007, Tauschbeziehungen und soziale Ökonomie in Goethes "Wahlverwandtschaften", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207572
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