Das Freihandelsabkommen NAFTA aus der Perspektive Mexikos


Masterarbeit, 2012
77 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Die reine Theorie des Außenhandels
2.1 Beweggründe für den Außenhandel
2.2 Das Ricardo-Modell der komparativen Kostenvorteile
2.3 Das Heckscher-Ohlin-Modell
2.3.1 Das Faktorproportionentheorem
2.3.2 Das Faktorpreisausgleichstheorem
2.4 Eine theoretische Betrachtung des Freihandelskonzeptes
2.4.1 Die Freihandelszone als Instrument wirtschaftlicher Integration
2.4.2 Wohlfahrtswirkung und Einfluss auf die Handelsströme
2.4.3 Allheilmittel Freihandel bei ungleichen Partnern?

3 Das NAFTA-Vertragswerk
3.1 Die Entstehung des Freihandelsabkommens
3.1.1 Hoffnungen der Befürworter
3.1.2 Befürchtungen der Gegner
3.2 Aufbau und Ziele der NAFTA
3.3 Ausnahmeregelungen des Vertragstextes
3.3.1 Der Automobilsektor
3.3.2 Die Landwirtschaft
3.3.3 Die Textilindustrie
3.3.4 Der Energiebereich

4 Die Wirtschaft Mexikos – Eine Analyse ausgewählter Indikatoren
4.1 Die Entwicklung des Außenhandels
4.2 Das mexikanische Wirtschaftswachstum
4.3 Der Zusammenhang von NAFTA und Direktinvestitionen
in Mexiko
4.4 Lohnentwicklung und Einkommensverteilung
4.5 Beeinträchtigungen des Freihandels durch politische Fehlentwicklungen
4.6 Mexiko und die NAFTA – Eine Bilanz

5 Alternativoptionen der außenwirtschaftlichen Ausrichtung Mexikos
5.1 Intensivierter Schulterschluss mit den USA
5.2 Verstärkte lateinamerikanische Integration
5.3 Neue Chancen in Übersee
5.3.1 Kooperation mit der EU
5.3.2 Wirtschaftliche Annäherung an asiatische Märkte

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Produktionskosten in Arbeitseinheiten

Abb. 2: Berechnung der komparativen Kosten

Abb. 3: Inhalte des Artikel 102 des NAFTA- Vertrages

Abb. 4: Inhalte des Artikel 301 des NAFTA- Vertrages

Abb. 5: Inhalte des Artikel 401 des NAFTA- Vertrages

Abb. 6: Die Zusammensetzung der mexikanischen Exporte
im Jahr 2010

Abb. 7: Mexikos prozentuale Ausfuhren zu seinem größten
Handelspartner

Abb. 8: Reihung der OECD- Staaten anhand ihres Engagements
in der Armutsvermeidung

Abb. 9: Anstieg der Einkommensungleichheit im OECD- Vergleich

Abb. 10: Zusammensetzung der Steuereinnahmen im internationalen Vergleich

Abb. 11: Mexikos Handelspartner in Asien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Staatshaushalt Mexikos in den Jahren 2010 und 2011

Tab. 2: Mexikos Exporte in den Zeiträumen 1984 - 1993 und
1994 - 2005 (in Mrd US-$)

Tab. 3: Simulation des NAFTA- Einflusses auf die mexikanische Volkswirtschaft im Zeitraum 1994 – 2005

Tab. 4: Produktivitätsvergleich zwischen den NAFTA- Staaten von
1990 bis 2003

Tab. 5: NAFTA Maispreise von 1991 bis 2003

Tab. 6: Durchschnittliche ausländische Direktinvestitionen in Mexiko

Tab. 7: Mexikanische Löhne und das Pro- Kopf- BIP im Zeitraum
1996 – 2009

Tab. 8: Unterstützung politischer Programme Mexikos durch die USA

Tab. 9: Mexikos Exporte zu Freihandelspartnern im Zeitraum 1996 bis 2009

Tab. 10: Mexikos Importe von Freihandelspartnern im Zeitraum 1996 bis 2009

1 Einleitung

Durch das am 01.01.1994 in Kraft getretene Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko wurde erstmalig eine wirtschaftliche Integration zwischen zwei Industrieländern und einem Entwicklungsland in­stitutionell realisiert. Dieses Nord- Süd Abkommen zeichnet sich bis heute durch seine asymmetrische Wirtschaftsstruktur sowie durch die kulturellen und politischen Gegensätze seiner Mitgliedsstaaten aus.

Im Jahr 2012 steht das vom Drogenkrieg, ausufernder Korruption und großem sozialen Gefälle gezeichnete Mexiko vor einem Scheideweg. Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen am 01.07.2012 wird weitreichende politische Konse­quenzen in Fragen der fortzusetzenden Liberalisierung des Handels sowie des Vorgehens gegen die übermächtig erscheinenden Drogenkartelle haben. Trotz intensiver Bemühungen des scheidenden Präsidenten Felipe Calderon wird das Land von der UN mit Sorge betrachtet und könnte als nächster Staat der Erde den unrühmlichen Titel eines „failed state“ verliehen bekommen. Wirtschaft­lich hingegen scheint sich Mexiko im Vergleich zu seinen latein­amerikanischen Nachbarn auf der Überholspur zu befinden.

Mit dem Ausspruch „Mexico is beyond BRICS“[1] bringt der Vorsitzende der Lateinamerika- Initiative der Deutschen Wirtschaft Reinhold Festge die beein­druckende ökonomische Performance des Landes auf den Punkt.

Schon vor der Gründung der Freihandelszone NAFTA waren die Vereinigten Staaten von Amerika Mexikos wichtigster Handelspartner. Angesichts dieser einseitigen Abhängigkeit sowie einer in vergangenen Jahrzehnten vernachläs­sigten weltwirtschaftlichen Öffnung versuchte die Regierung De la Madrid Hurtados Anfang der 1980er Jahre durch eine neoliberale Strategie der Markt­öffnung, eine Trendwende einzuleiten. Einen vorläufigen Erfolg und Höhe­punkt dieser neoliberalen Wirtschaftsstrategie verzeichnete man mit dem Ab­schluss des Freihandelsabkommens NAFTA mit Kanada und den USA im Jahre 1994, an das große Hoffnungen geknüpft waren. Neben primär verfolgten wirtschaftlichen Zielen erhoffte man sich im Folgeschritt durch einen Anstieg des allgemeinen Lohnniveaus und einen Rückgang der landesweiten Armut deutliche soziale Verbesserungen.

Angesichts dieser hehren Ziele bei nach wie vor anhaltenden massiven sozialen und wirtschaftlichen Missständen stellt sich die Frage, welche Effekte von dem NAFTA- Vertragsabschluss auf die mexikanische Wirtschaft und Gesellschaft ausgehen.

Es gilt daher zu untersuchen, welchen Mehrwert das NAFTA- Abkommen für die mexikanische Volkswirtschaft erzeugt. Gleichzeitig muss erörtert werden, zu welch gesellschaftlichen wie ökonomischen Kosten sich Mexiko den poten­tiellen, aus dem Freihandelsabkommen resultierenden wirtschafts- politischen Vorteil, erkauft hat. Letztendlich soll diese Bestandsaufnahme nach 18 Jahren NAFTA- Mitgliedschaft den Versuch einer „Bilanzierung“ darstellen, um da­raufhin eine Aussage über die Vorteilhaftigkeit des Vertragswerks für Mexiko ableiten zu können.

Darauf aufbauend soll geklärt werden, ob das Vertrauen in ein Fortbestehen des NAFTA- Abkommens ausreichend ist, um eine andauernde Prosperität der mexikanischen Volkswirtschaft sicherzustellen oder, ob nicht viel eher alterna­tive Wege der wirtschaftspolitischen Ausrichtung beschritten werden sollten.

Zur Bearbeitung der Fragestellung wird sich die Arbeit im Grundlagenteil mit der reinen Außenhandelstheorie beschäftigen, um die Grundüberlegungen der theoretischen Modellannahmen bezüglich des Außen- und Freihandels heraus­zuarbeiten.

In einem nächsten Schritt wird daraufhin die Entstehungsgeschichte des NAFTA- Abkommens nachvollzogen. Die Hoffnungen der Befürworter sowie die Befürchtungen der Gegner des Abkommens sollen in Kombination mit den vertraglich festgeschriebenen Zielen als Maßstab dienen, um an späterer Stelle eine Bewertung des Abkommens vornehmen zu können.

Das darauf folgende Kapitel soll, basierend auf den zuvor definierten vertrag­lichen Zielen der NAFTA, eine Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung Mexikos vornehmen. Die Betrachtung der Wirtschaft Mexikos seit Bestehen der NAFTA erfolgt anhand ausgewählter Indikatoren. Zusätzlich werden auch die natürlichen Grenzen des Freihandelskonzeptes bei innenpolitischen wie gesellschaftlichen Fehlentwicklungen Erwähnung finden.

Abgeschlossen wird das Kapitel durch ein Zwischenfazit, welches eine Bilanz zu der bisherigen NAFTA- Mitgliedschaft Mexikos ziehen wird und die Aus­wirkungen des Abkommens auf die mexikanische Wirtschaft zusammenfasst.

Nach der Untersuchung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage Mexikos

wird sich das folgende Kapitel mit alternativen Wegen internationaler ökono­mischer Kooperation befassen. In Abhängigkeit von den Ergebnissen der vor­hergehenden Wirtschaftsanalyse sollen mögliche wirtschaftspolitische Handlungsoptionen als Alternativen oder Ergänzungen zu dem NAFTA- Abkommen aufgezeigt werden.

Eine abschließende Betrachtung wird die gewonnenen Erkenntnisse zusam­menführen, um die eingangs formulierten Fragen zu beantworten und

eine Empfehlung für eine weitergehende wirtschaftliche Integration Mexikos auszusprechen.

2 Die reine Theorie des Außenhandels

Die der Diskussion des nordamerikanischen Freihandelsabkommens voraus­gehende Beschäftigung mit der reinen Außenhandelstheorie soll den Leser mit den grundlegenden Gedanken der theoretischen Modelle vertraut machen. Weit entfernt vom Anspruch einer umfassenden, kritischen Analyse der angeführten Modelle wird vielmehr das Ziel verfolgt, ein Grundverständnis von der Funktion und Sinnhaftigkeit des Außen- und Freihandels zu erzeugen.

Dabei sind die Modellannahmen der reinen Theorie nicht vorbehaltlos auf das reale Wirtschaftsgeschehen im nordamerikanischen Handelsraum zu übertragen, da den Überlegungen vereinfachende Annahmen und idealtypische Ausgangsbedingungen zugrunde liegen.[2]

2.1 Beweggründe für den Außenhandel

Einleitend soll der Frage nachgegangen werden, welche Motive Staaten in ihrem Streben nach Wohlfahrtsgewinn dazu veranlassen, Außenhandel zu betreiben?

Der Import von Gütern wie z.B. Agrarprodukten oder Rohstoffen kann aufgrund klimatischer oder geologischer Gegebenheiten, die die Herstellung im Inland unmöglich machen, nötig sein. Aber auch Industrieprodukte können wegen niedrigen technischen Wissens und geringen industriellen Entwicklungsstandes nicht verfügbar sein.

Außenhandel kann aber auch durch Preisdivergenzen zwischen derselben im In- und Ausland angebotenen Ware hervorgerufen werden. Der Import von Waren aus dem Ausland erscheint aber nur dann als lohnend, wenn der Preisvorteil nicht durch Transportkosten und Zölle aufgehoben wird.

Unabhängig von Preisüberlegungen kann Außenhandel auch in dem Wunsch nach Produktdifferenzierung begründet sein. So führt dies zu intraindustriellem Handel, wenn Waren derselben Gütergruppe, bedingt durch unterschiedliche Konsumentenpräferenzen, exportiert und importiert werden.[3]

Des Weiteren sei Adam Smith als renommierter Vertreter der klassischen Außenhandelstheorie angeführt, der durch den Ansatz der absoluten Kosten­vorteile nachwies, dass Länder vom Handel miteinander profitieren, wenn sie absolute Vorteile bei der Produktion der gehandelten Güter besitzen.

Durch die Spezialisierung auf die Fertigung der Ware, in der das jeweilige Land die höhere Arbeitsproduktivität aufweist und den Tausch gegen andere benötigte Güter im Ausland, ergibt sich ein Konsumzugewinn für alle beteiligten Länder.[4]

Das Prinzip der absoluten Kostenvorteile stößt allerdings an seine Grenzen, wenn der Versuch unternommen wird, zu erklären, welche Vorteilhaftigkeit für ein Land im Außenhandel liegt, das jedes benötigte Produkt kostengünstiger als andere Länder herzustellen vermag.

Dass Außenhandel jedoch auch für solche Staaten sinnvoll erscheint, soll im folgenden Kapitel nachgewiesen werden.

2.2 Das Ricardo-Modell der komparativen Kostenvorteile

David Ricardo stellte Anfang des 19. Jahrhunderts mit seinem Modell der komparativen Kostenvorteile einen Ansatz vor, der das Zustandekommen von Außenhandel auch bei Abwesenheit absoluter Kostenvorteile erklären konnte.

Ricardo wies nach, dass auch ein Land welches sämtliche Produkte effizienter als das Ausland produzieren kann, von internationalem Handel profitiert. Entscheidend ist die Produktionsspezialisierung auf Güter, in denen das jeweilige Land komparative Vorteile aufweist.[5] Da nur begrenzte Ressourcen zu Verfügung stehen, ist die Produktion von Waren, welche im Vergleich mit dem Ausland komparative Nachteile mit sich bringen, zu minimieren und der Bedarf durch Importe zu decken.[6] Gemessen werden kann der komparative Vorteile in der Produktion eines Gutes anhand der Opportunitätskosten, die durch den Verzicht auf die Herstellung anderer Waren entstehen. Ein fiktives Beispiel in Anlehnung an Ricardos berühmten Vergleich der Produktion von Wein und Tuch in England und Portugal soll dies verdeutlichen.

Abb. 1: Produktionskosten in Arbeitseinheiten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weeber, 2011, S. 80 (verändert).

Auch wenn Land B absolut gesehen in der Produktion beider Güter Vorteile besitzt, lohnt sich aufgrund der komparativen Kostenunterschiede der Import von Mais.

Abb. 2: Berechnung der komparativen Kosten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Weeber, 2011, S. 80 (verändert).

Indem die Produktionskosten für ein Gut in Einheiten des jeweils anderen Gutes dargestellt werden, kann aufgezeigt werden, dass Land B einen Kosten­vorteil in der Fertigung von Autoradios und Land A in der Produktion von Mais aufweist.[7]

Da sich Ricardo in seinen Überlegungen auf den Produktionsfaktor Arbeit beschränkt, führt er das Entstehen von komparativen Kostenvorteilen lediglich auf die unterschiedliche Arbeitsproduktivität der Länder bei der Fertigung bestimmter Waren zurück. Auch wenn der Beitrag Ricardos zur Weiter­entwicklung der Außenhandelstheorie nicht hoch genug einzuschätzen ist, mehren sich doch kritische Stimmen, die die Vernachlässigung von Faktoren wie z. B. der Arbeitslosigkeit oder des technischen Fortschritts beklagen.[8]

Ricardo geht von vollständiger Mobilität des Faktors Arbeit im Inland aus und vernachlässigt bei der Produktionsumstellung auf vorteilhafte Güter einen eventuell abweichenden Arbeitskräftebedarf sowie ein mögliches Unvermögen oder eine mangelnde Bereitschaft der Arbeitskräfte, die neue Situation anzu­nehmen.

2.3 Das Heckscher-Ohlin-Modell

Die Behandlung des Heckscher- Ohlin- Modells als „Herzstück der Außen­handelstheorie“[9] ist unerlässlich, um die theoretischen Grundlagen des Handels zwischen den USA und Mexiko als klassische Vertreter einer Nord- Süd- Kooperation zwischen einem Industrie- und einem Schwellenland zu verdeutlichen. Die wesentlichen Kernaussagen des Heckscher- Ohlin- Modells sollen durch die Erläuterung des Faktorproportionen- sowie des Faktorpreis-ausgleichstheorems wiedergegeben werden. Auf eine Darstellung der weiter­führenden Überlegungen von Rybcynski und Stolper- Samuelson wird in dieser Arbeit verzichtet.

2.3.1 Das Faktorproportionentheorem

Nachdem sich das vorige Kapitel mit komparativen Kostenvorteilen beschäftigt hat, soll nun nachvollzogen werden, dass Kostendivergenzen neben unter­schiedlich ausgeprägter Arbeitsproduktivität auch in einer ungleichen Ausstattung mit Produktionsfaktoren begründet sein können.

Eli F. Heckscher und Bertil Ohlin verfolgen mit ihrem Modell die Theorie, dass ein Land vorrangig jene Güter produziert und exportiert, die seiner natür­lichen Faktorausstattung entsprechen und ihm damit Kostenvorteile gegenüber anderen Ländern einbringen. Das Heckscher- Ohlin- Theorem geht davon aus, dass die Ausstattung der Länder mit den Faktoren Arbeit, Boden und Kapital variiert und voneinander abweichende Güterpreise auf diese Unterschiede zu­rückzuführen sind.[10] Entscheidend ist festzuhalten, dass lediglich der relative Reichtum an Faktoren betrachtet wird und absolute Größen keine Beachtung finden.[11] Ebenso wie von Ricardo die Differenzen in den Arbeitsproduktivitäts­relationen in den Vordergrund gestellt wurden, konzentrieren sich Heckscher und Ohlin nun auf die Unterschiede in den Faktorproportionen. Stellt man exemplarisch einem Land A, das in hohem Maße über den Faktor Arbeit verfügt, ein Land B gegenüber, welches reichlich mit Kapital ausgestattet ist, so erscheint es sinnvoll, dass Land A sich auf die Herstellung des arbeitsintensiven Gutes 1 (Kinderspielzeug) spezialisiert, wohingegen Land B die Produktion eines kapitalintensiven Gutes 2 (Medizintechnik) bevorzugen wird. Land A kann relativ mehr von Gut 1 produzieren und Land B hat im Gegenzug einen relativen Vorsprung in der Herstellung des Gutes 2.[12]

Ein Export der Güter nach Deckung der Inlandsnachfrage hätte einen Wohl­standszuwachs für alle Beteiligten zur Folge sofern von der theoretischen Annahme ausgegangen wird, dass nur geringfügige Transportkosten, Tausch­wirtschaft und Freihandel vorherrschen.[13] Folgt man diesem Gedankenmodell, so findet sich darin eine Begründung, weshalb Entwicklungsländer überwiegend boden- und arbeitsintensive Güter ausführen und Industrieländer sich hingegen auf den Export kapitalintensiver Waren konzentrieren.[14] Dass diese Aussage jedoch nur mit Einschränkungen gelten kann, hat Wassily Leontief durch eine Studie der US- Importe und Exporte nachgewiesen. Demzufolge haben die USA als Industriestaat überwiegend arbeitsintensive Hochtechnologie- Güter exportiert, die zur Erstellung hochqualifizierte Arbeit erfordert. Das „Leontief- Paradoxon“ stellte damit fest, dass eine qualitative Unterscheidung des Faktors Arbeit vorzunehmen ist, um die Aussagekraft des Faktorproportionentheorems nicht zu verfälschen.[15]

2.3.2 Das Faktorpreisausgleichstheorem

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, ob bei Fortführung der angestellten Überlegungen ein vollständiger Ausgleich der Faktorpreise möglich wäre. Würde nun Land A unseres Beispiels die Produktion des arbeitsintensiven Gutes 1 ausweiten, so stiege die Nachfrage nach Arbeitskräften. Die damit einhergehende Verknappung des Arbeitskräfte­angebots in Land A hätte Lohnsteigerungen zur Folge, die die Lohndifferenz zu dem arbeitsarmen aber kapitalreichen Land B reduzieren würde. Eine inter­nationale Angleichung des Faktorpreises (hier der Löhne) wäre die Folge.[16] Allerdings gibt Ohlin einschränkend zu bedenken, dass die Angleichung der Faktorpreise mindestens eine interregionale Mobilität des Faktors Arbeit voraussetze.[17]

Der Frage, ob diese theoretische Schlussfolgerung und in einigen Schwellenländern bereits festgestellte Entwicklung auch auf die mexikanische Volkswirtschaft zutrifft, muss an späterer Stelle in dieser Arbeit nachgegangen werden.

2.4 Eine theoretische Betrachtung des Freihandelskonzeptes

2.4.1 Die Freihandelszone als Instrument wirtschaftlicher Integration

Die reine Außenhandelstheorie einschließlich ihrer Vertreter Ricardo und Heckscher- Ohlin setzt in ihren Modellen Freihandel als Grundprämisse voraus. Der Abbau von real vorherrschenden Zöllen und nicht- tarifären Handelshemmnissen erscheint folglich als ein richtiger Schritt auf dem Weg zu einer für alle Beteiligten wohlfahrtssteigernden Außenwirtschaft.

Ohne die pragmatischen Überlegungen Mexikos zur Etablierung einer Freihandelszone vorwegzunehmen, soll in diesem Textabschnitt der Nutzen und die theoretische Umsetzung des Freihandelskonzeptes diskutiert werden.

Neben uni- und multilateralen Formen der Umsetzung stellt die Freihandels­zone, die wohl am ehesten realisierbare, da weniger Beteiligte und geringere Unwägbarkeiten mit sich bringende Institution dar.[18]

Die Freihandelszone verkörpert einen Zusammenschluss von mindestens zwei Staaten, der auf Importe von Mitgliedsländern keine Zölle oder nicht- tarifäre Handelshemmnisse erhebt. Als loses Gebinde werden den Mitgliedsstaaten keine Vorgaben in der Handelspolitik gegenüber Drittländern gemacht. Ebenso erfolgt keine Festlegung gemeinsamer Außenzölle.[19]

Der Vollständigkeit halber sei auch die Zollunion, als weitere Möglichkeit Freihandel zu realisieren, erwähnt.

Im Gegensatz zur Freihandelszone stellt die Zollunion ein Gebilde mit supra­nationaler Entscheidungsinstanz dar, welche einen gemeinsamen Außenzolltarif für die Mitgliedsländer festlegt. Während die Zollunion einen Mehraufwand durch die Errichtung politischer Strukturen erfordert, verlangt eine Freihandelszone nach Festlegung verwaltungstechnischer Regularien, um die Herkunft gehandelter Güter belegen zu können.[20]

Dies ist nötig, da ohne gemeinsamen Außenzoll der Anreiz besteht, Waren aus Drittländern über das Mitgliedsland mit dem niedrigsten Außenzoll in die Freihandelszone einzuführen. Mit Hilfe der Definition von Ursprungsregeln will man in Mitgliedsländern gefertigte Produkte von übrigen Waren kenntlich machen. Durch die Fülle an produktbezogenen Bestimmungen entsteht ein nicht zu unterschätzender Verwaltungs- und Kontrollaufwand.[21]

Die Vorteile dieses politischen wie verwaltungstechnischen Mehraufwandes werden in der Verhinderung von Protektionismus und der Förderung des Welt­handels gesehen. Da multilaterale Abkommen zu weltweiter Zollreduktion gegenwärtig nicht greifbar erscheinen und fortwährenden, langwierigen Aushandlungsprozessen unterliegen, wird die beschriebene zweitbeste Lösung der regionalen wirtschaftlichen Integration bevorzugt.[22]

2.4.2 Wohlfahrtswirkung und Einfluss auf die Handelsströme

Nachdem das Wesen einer Freihandelszone dargestellt wurde, haben die folgenden Ausführungen zum Ziel, die theoretischen Auswirkungen des Freihandels auf die Volkswirtschaften der Mitgliedsländer zu verdeutlichen.

Wie Viner nachgewiesen hat, geht mit der Einrichtung von Freihandelszonen eine Neuausrichtung der Handelsströme einher. Geprägt werden die Handels­ströme von den Prozessen der Handelsschaffung und Handelsumlenkung.

Der Effekt der Handelsschaffung tritt ein, wenn Importe aus einem Mitgliedsland der Freihandelszone Waren von unwirtschaftlich produzierenden Herstellern des Inlandes ersetzen. Neben diesem produktionsseitigen Effekt der Handelsschaffung entsteht ebenfalls ein nachfrageseitiger Effekt, da die effi­zienteren Produkte aus dem Partnerland den Konsum stimulieren. Überdies hinaus wird der nachfrageseitige Effekt durch das, sich aus der ökonomischen Integration ergebende größere Marktvolumen verstärkt.[23]

Das Phänomen der Handelsumlenkung ergibt sich aus einer Abkehr vom Weltmarkt, wenn die ursprünglich aus Drittländern importierten Waren inner­halb der Freihandelszone günstiger zu beziehen sind. Die bislang ineffizienter als der Weltmarkt produzierenden Anbieter der Freihandelszone profitieren von dem Wegfall der Zölle innerhalb des Integrationsraums und haben daher einen Vorteil gegenüber den durch Einfuhrzölle belasteten Produzenten aus Drittstaaten.[24]

Die Handelsumlenkung bewirkt also eine Substitution der Weltmarktprodukte durch Erzeugnisse aus dem Gebiet der Freihandelszone.

Während handelsschaffende Effekte zu begrüßen sind, da sie die Produktions­effizienz innerhalb der Freihandelszone erhöhen, werden handelsumlenkende Effekte hingegen als Ursache für Wohlfahrtsminderung angesehen. Im ungünstigsten Fall könnte Freihandel damit, so Viner, zu einer Verschlechterung der Wohlfahrtsbilanz partizipierender Staaten führen.[25]

Entscheidend für die positive Bilanz einer Freihandelszone wäre demnach das Überwiegen handelsschaffender gegenüber handelsumlenkenden Effekten.

2.4.3 Allheilmittel Freihandel bei ungleichen Partnern?

Die NAFTA als Freihandelsabkommen ungleicher Partner birgt gewisse Chancen, aber auch besondere Risiken für alle Beteiligten.

Losgelöst von diesem Paradebeispiel einer Nord- Süd- Kooperation zwischen Industrie- und Schwellenland werden im Folgenden Argumente angeführt, die sich für oder gegen das Eingehen solch einer ökonomischen Integration aus­sprechen.

Der schon von Viner angeführte positive Effekt der statischen Handels-schaffung lässt sich um dynamische Wirkungen erweitern. Höhere Skalenerträge in einem wachsenden, dem Freihandel unterliegenden Markt befördern die Produkteffizienz und führen in Kombination mit zunehmender Konkurrenz zu Preissenkungen, die wiederum Wachstumseffekte auslösen.[26]

[...]


[1] Strausberg, 20.06.2012, in: Die Welt, S. 2.

[2] Weitergehende Ausführungen zur Schwierigkeit der Anwendung und Beweisführung der reinen Theorie in der Empirie finden sich in: Rose/ Sauernheimer, 2006, S. 379 f.

[3] Vgl. Rose/ Sauernheimer, 2006, S. 381 ff.

[4] Vgl. Ströbele/ Wacker, 1995, S. 9.

[5] Vgl. Woll, 2000, S. 628.

[6] Vgl. Koch, 2006, S. 79.

[7] Vgl. Weeber, 2011, S. 80.

[8] Vgl. Weeber, 2011, S. 81.

[9] Ströbele/ Wacker, 1995, S. 25.

[10] Vgl. Woll, 2000, S. 644.

[11] Vgl. Ströbele/ Wacker, 1995, S. 26.

[12] Vgl. Rose/ Sauernheimer, 2006, S. 421.

[13] Ströbele/ Wacker, 1995, S. 27.

[14] Vgl. Truong Giang, 2004, S. 7f.

[15] Vgl. Koch, 2006, S. 91.

[16] Vgl. Koch, 2006, S. 90.

[17] Vgl. Ohlin, 1924, S. 120f.

[18] Vgl. Bhagwati,2002, S. 93ff.

[19] Vgl. Blank/ Clausen/ Wacker, 1998, S. 57.

[20] Vgl. Krugman/ Obstfeld/ Melitz, 2012, S. 342.

[21] Vgl. Pethke, 2002, S. 55.

[22] Vgl. Blank/ Clausen/ Wacker, 1998, S. 73.

[23] Vgl. Blank/ Clausen/ Wacker, 1998, S. 58.

[24] Vgl. Blank/ Clausen/ Wacker, 1998, S. 58.

[25] Vgl. Bhagwati,2002, S. 107f.

[26] Vgl. Rose/ Sauernheimer, 2006, S. 648f.

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Das Freihandelsabkommen NAFTA aus der Perspektive Mexikos
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
77
Katalognummer
V207672
ISBN (eBook)
9783656356141
ISBN (Buch)
9783656357933
Dateigröße
1781 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freihandel, Freihandelsabkommen, Mexiko, Mexico
Arbeit zitieren
Alexander Maronitis (Autor), 2012, Das Freihandelsabkommen NAFTA aus der Perspektive Mexikos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207672

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