Praktikumsportfolio: Fachpraktikum Politik und Wirtschaft

Mit detaillierter Ausarbeitung von Unterrichtseinheiten und Unterrichtsstunden


Praktikumsbericht / -arbeit, 2010

55 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Praktikumsvorbereitung
1.1 Ausarbeitung des Referats „Erhebung von Voreinstellungen“
1.2 Schriftlicher Entwurf „Jugendgewalt und Recht“

2. Erwartungen an das Praktikum

3. Vorstellung der Schule

4. Hospitationsberichte
4.1 Hospitation in einer 10. Klasse, Gymnasium
4.2 Hospitation in einer 8. Klasse, Hauptschule

5. Unterrichtseinheit zum Thema „Europäische Union“
5.1 Bedingungsanalyse
5.2 Sachanalyse
5.3 Didaktische und methodische Überlegungen
5.4 Überblick über die einzelnen Stunden
5.5 Reflexion

6. Erläuterungen zu Unterrichtsversuchen
6.1 „Hartz 4 – Eine kontrovers diskutierte Gesetzgebung“
6.2 „Der Generationenvertrag“
6.3 „Medien und Jugendstrafrecht“

7. Facharbeit zur Reflexionsphase

8. Abschließende Bemerkungen zum Praktikum

9. Literaturverzeichnis

10. Anhang

1. Praktikumsvorbereitung

1.1 Ausarbeitung des Referats „Erhebung von Voreinstellungen“

Theoretische Einführung

Die Erhebung von Voreinstellungen und Vorwissen der Schülerinnen und Schüler ist im Fach Politik und Wirtschaft von großer Bedeutung. So kann die Lehrperson vor allem dem didaktischen Prinzip der Schülerorientierung gerecht werden. Dieses besagt, dass Unterrichtsinhalte so ausgewählt und strukturiert werden sollen, dass Vorwissen und Voreinstellungen der Schülerinnen und Schüler im Unterricht miteinbezogen werden sollen (vgl. Sander 2008, S. 191). Um diese zu berücksichtigen, müssen sie natürlich zuerst in Erfahrung gebracht werden. Dazu gibt es verschiedene Methoden, mit denen man jeweils mit unterschiedlichem Schwerpunkt einen Überblick der Meinungen, Vorstellungen, Bilder, Interessen, Kenntnisse und Fertigkeiten der Schülerinnen und Schüler erhält.

Methode „Mein T-Shirt“

Ablauf

Die Schülerinnen und Schüler erhalten zu Beginn jeweils ein großes Arbeitsblatt, auf dem ein T-Shirt mit drei unbeschrifteten Feldern zu sehen ist. In jedes dieser Felder sollen sie nun ein Bild, eine Skizze malen bzw. etwas schreiben. Die Lehrperson gibt dabei jeweils zu den Feldern eine Fragestellung vor. Die Ergebnisse werden in der Klasse aufgehängt, so dass die Schülerinnen und Schüler die verschiedenen T-Shirts betrachten können. Anschließend werden die einzelnen Bilder auf ihre Intention hin erläutert und es werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Ergebnissen herausgearbeitet (vgl. Gugel 2006, S. 57).

Chancen und Gefahren der Methode

Die Methode „Mein T-Shirt“ bietet einige Chancen für den Unterricht. Dazu gehört, dass die Lehrperson einen Erkenntnisgewinn über Voreinstellungen und Vorwissen der Schülerinnen und Schüler erhält. Des Weiteren fördert diese Methode die Fähigkeit, die eigenen Vorstellungen mitzuteilen und sich mit denen anderer auseinander zu setzen (vgl. Gugel 2006, S. 57). Außerdem kann die Methode sehr motivierend wirken, da die Kreativität der Schülerinnen und Schüler gefordert ist. Weniger positiv fällt auf, dass die Methode sehr zeitaufwendig sein kann. Das kann vor allem dann passieren, wenn alle ihre T-Shirts vorstellen sollen. Es ist ansonsten zu beachten, dass es passieren kann, dass Schülerinnen und Schüler persönliche Informationen auf dem Bild nicht preisgeben wollen. Dies sollte von der Lehrperson rechtzeitig erfragt und akzeptiert werden (vgl. ebd. S. 57).

Einbettungsmöglichkeiten der Methode im Politikunterricht

Zunächst einmal gilt, dass die Methode zu Beginn neuer Themenkomplexe sowie Unterrichtseinheiten eingesetzt werden kann, um die folgenden Stunden an Hand der Ergebnisse zu planen und zu strukturieren. Eine konkrete Einsatzmöglichkeit ist folgende.

Auf die drei Felder sollen zu folgenden Fragen Bilder erstellt werden:

1. Das finde ich gut an der an meiner Schule
2. Das ärgert mich an der an meiner Schule
3. So sollte meine Schule in 5 Jahren sein

Die Methode kann so als Einstieg in eine Unterrichtseinheit zu den Mitbestimmungsmöglichkeiten der Schülerinnen und Schüler an der Schule genutzt werden. An Hand der Ergebnisse kann ein die Klasse bedeutendes Thema (auf T-Shirts mehrfach gezeigt) ausgewählt werden, an dem exemplarisch die Gestaltungsmöglichkeiten der Schüler an der Schule erläutert oder gar erprobt werden. Beispielsweise sind viele Schülerinnen und Schüler an einer neuen Tischtennisplatte in der Pausenhalle interessiert. In der kommenden Unterrichtsreihe könnten an Hand dieses Themas die Schritte, die zu Erreichung des Ziels notwendig wären, erarbeitet werden.

Im Lehrplan wäre diese Einheit folgendermaßen einzubetten. Der Einsatz der Reihe findet in Klasse 7G nach dem Hessischen Lehrplan G8 statt (vgl. Hessischer Lehrplan 2008, S. 10). An dieser Stelle ist das verbindliche Unterrichtsthema „Demokratie und politische Bildung“ zu verorten mit den verbindlichen Unterrichtsinhalten „Schule gestalten: Schulklasse als Gruppe, Möglichkeiten der Mitbestimmung und Gestaltung in schulischen Gremien, SV, Schulkonferenz“.

Weitere Methoden zur Erhebung von Voreinstellungen

Vier-Ecken-Spiel: Die Lehrperson stellt verschiedene Fragen zu einem Thema an die Schülerinnen und Schüler, bei denen es jeweils vier Antwortmöglichkeiten gibt. Sie wählen eine davon aus, die ihrer Meinung am nächsten steht und positionieren sich in einer der vier Ecken im Raum, denen die Antworten jeweils zugeordnet sind. Die verschiedenen Gruppen, die sich in den Ecken gebildet haben, tauschen sich nun über ihre Antwort aus. Die Ergebnisse können dann in der gesamten Klasse vorgestellt und diskutiert werden.

Motivationsplakat (Variation): Auf einer Wandzeitung werden verschiedene Thesen zu einem Thema dargestellt. Die Schülerinnen und Schüler schreiben nun ihren Namen in die Nähe der jeweiligen Thesen. Wenn Sie der These ganz zustimmen, schreiben sie den Namen ganz nah daran, wenn sie diese eher ablehnen, schreiben sie ihren Namen weiter davon weg. Anschließend werden die einzelnen Aussagen in der Gruppe diskutiert.

Alternativ kann man statt einer Wandzeitung die Thesen auf einem Papier nacheinander jeweils auf den Boden des Klassenraums legen und die Schülerinnen und Schüler müssen sich je nach Grad der Übereinstimmung sehr nah daran oder weiter weg stellen.

1.2 Schriftlicher Entwurf „Jugendgewalt und Recht“

Didaktisch-methodische Überlegungen

Im hessischen G8-Lehrplan für das Fach Politik und Wirtschaft findet sich in Klasse 8 das verbindliche Unterrichtsthema „Jugend und Recht, Rechtswesen“ (vgl. Hessischer Lehrplan 2008, S. 14f.). Darin finden sich u.a. der verbindliche Unterrichtsinhalt „Rechte und Pflichten von Jugendlichen“ mit den Unterthemen „Zivil- und strafrechtliche Verantwortlichkeit, Geschäftsfähigkeit, Jugendrecht“ sowie der fakultative Unterrichtsinhalt „Jugendkriminalität“ mit den Unterthemen „Jugendspezifische Straftaten (Ladendiebstahl, Schwarzfahren, Beschaffungskriminalität, Sachbeschädigung), Jugendstrafrecht, Resozialisierung“.

Diese beiden Bereiche lassen sich gut als erster, zweistündiger Block zur Einführung in die Thematik um Recht und Rechtsstaatlichkeit zusammenführen. Das Thema lautet Jugendgewalt und Recht. Dieses ist insbesondere für das Leben der Schülerinnen und Schüler von Bedeutung, da es sich um einen sehr lebensnahen Bereich handelt.

Wie es der Lehrplan für diesen Inhalt vorsieht, dass es zunächst konkret um Jugend und Recht und danach abstrakt um Gerichtswesen und Rechtsstaatlichkeit sowie Grund- und Menschenrechte geht, soll diese Unterrichtseinheit zunächst als schülerorientierter Einstieg mit Bezug zur Jugend gestaltet werden. Die Lernziele sollen folgende sein: Auf der Ebene des politischen Lernens geht es um die Sensibilisierung für die Problematik von Jugendgewalt, das Verständnis über Ursachen von jugendlicher Gewalt, das Wissen über mögliche Lösungen zur Prävention von Gewalt sowie Kenntnisse über Jugendstrafrecht. Auf der Ebene des sozialen Lernens üben die Schülerinnen und Schüler Kommunikationsfähigkeiten wie das Aufnehmen, Kennenlernen und Respektieren anderer Meinungen, die Artikulation eigener Ergebnisse und Gedanken, das sachbezogene Gespräch, das schnelle Einstellen auf neue Gesprächspartner sowie gezieltes Nachfragen und die Fähigkeit, zuhören zu können. Auf der Ebene der Lebenshilfe erlernen die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Rechte und Pflichten in Bezug auf die Thematik.

Die didaktischen Prinzipien Exemplarisches Lernen und die Schülerorientierung (vgl. Sander 2008, S. 191ff.) erschienen uns für diese Lernziele als sehr sinnvoll. Ein lebensnaher, exemplarischer Konflikt bzw. Fall als Ausgangspunkt für die Unterrichtseinheit kann die Schülerinnen und Schüler sehr gut für die Thematik motivieren.

Die Ergebnisse werden später zu allgemeinen Kategorien abstrahiert. Durch Fragen, die die Empathie der Schülerinnen und Schüler herausfordern, werden sie dazu aufgefordert, ihre Voreinstellungen in den Unterricht mit einzubringen. Ausgehend von diesen didaktischen Prinzipien erschien uns die Kugellagermethode als sinnvolle Wahl. Ein exemplarischer Fall wird zwischen den Schülerinnen und Schüler im Dialog besprochen, in dem diese ihr Vorwissen und ihre Voreinstellungen mit dem Fall verknüpfen.

Diese Stunde habe ich auch im Rahmen des Fachpraktikums in ähnlicher Form, aber inhaltlich identisch durchgeführt und stelle diese weiter unten vor. Die darin enthaltene Sachanalyse auf Seite 34f. gilt auch für diesen Unterrichtsentwurf.

Verlauf

Die beiden Unterrichtsstunden laufen folgendermaßen ab. In der ersten Stunde werden nach einem Überblick über den Ablauf allgemeine Fragen an die SuS gestellt, die sich auf die Nutzung von Handys sowie Handyvideos mit illegalen Inhalten beziehen, die mit Handzeichen beantwortet werden sollen.

Die Lehrperson versucht damit das Vorwissen und die Voreinstellungen der Schülerinnen und Schüler zum Themenbereich „Jugendgewalt und Recht“ durch offene Fragen herauszuarbeiten und diese dadurch gleichzeitig zu motivieren und für das Thema zu sensibilisieren. Im Anschluss daran folgt die Erarbeitungsphase, die in Einzelarbeit und im Unterrichtsgespräch in Form eines Kugellagers stattfindet. Die Schülerinnen und Schüler erhalten ein Arbeitsblatt, auf dem eine Kurzgeschichte zu finden ist. In dieser Kurzgeschichte geht es um einen Schüler, der von seinen Kameraden verprügelt und dabei mit dem Handy gefilmt wird. Nachdem die Klasse die Geschichte in Einzelarbeit gelesen hat, folgt ein methodischer Wechsel. Es folgt ein kurzer Umbau der Klassenstruktur, um das Kugellager zu ermöglichen.

Die SuS tauschen sich dabei über den Inhalt, Konflikte, eigene Gefühle sowie darüber hinaus über gesamtgesellschaftliche Ursachen des Problems aus. Im Anschluss folgt eine Ergebnissicherung im Klassenplenum. Die Schülerinnen und Schüler nehmen wieder ihre Plätze ein und es werden die Ergebnisse aus den Gesprächen im Kugellager zusammengeführt und festgehalten.

Es wird außerdem darüber hinaus im Plenum über die Ursachen der Ereignisse in der Kurzgeschichte diskutiert sowie darüber erarbeitet, welchen Einfluss die Medien dabei besitzen. Zuletzt werden Lösungsansätze besprochen, die darauf zielen derartige Ereignisse vorzubeugen.

Als Hausaufgabe erhalten die SuS ein Arbeitsblatt, auf welchem einige rechtliche Aspekte von Gewaltvideos erläutert werden. Die darauf stehenden Fragen dazu sollen sie beantworten. In der Folgestunde werden nun die auf dem Arbeitsblatt stehenden Aspekte, also die rechtlichen Fragen, besprochen und festgehalten. Danach folgt im Plenum eine Reflektion zu dem Thema.

2. Erwartungen an das Praktikum

Vor dem Praktikum hatte ich bestimmte Erwartungen und Hoffnungen, legte aber auch gewisse Ziele fest, die ich während der Zeit an der Schule bei meinem Fachpraktikum Politik und Wirtschaft erreichen wollte. Zu ersterem ist zu sagen, dass ich mir erhofft habe, dass in der Schule eine angenehme Atmosphäre herrscht, so dass es einfacher ist, mit Lehrpersonen in Kontakt zu treten. So kann man schnell zu Hospitationsterminen kommen bzw. selbst Unterrichtsstunden durchführen.

Auch erhoffte ich mir, dass ich mein Berufsziel des Lehrers festigen kann, indem ich viele Unterrichtsstunden halte und ich mir eine gewisse Sicherheit erarbeite. Eines meiner Ziele war es, möglichst viele Facetten des Unterrichtsgeschehens zu erleben. Ich wollte also in vielen verschiedenen Klassenstufen sowie in den unterschiedlichen Schulzweigen Einblicke gewinnen. Daraus wollte ich erkennen, welche Bereiche mich besonders ansprechen. Außerdem wollte ich herausfiltern, ob mein Wunsch, an einer Gesamtschule zu arbeiten, sich wirklich festigt oder ob ich am gymnasialen Zweig, den ich studiere, lieber ausschließlich unterrichte.

Ein weiteres Ziel war es, dass ich möglichst viele verschiedene Methoden und Sozialformen im Unterricht erproben kann, um zu erkennen, welche an welchen Stellen am besten nutzbar sind und welche auch mir persönlich am besten gefallen und zu meinem Lehrertyp passen.

Auch wollte ich sehr gerne einmal an der Notenvergabe teilnehmen, da dies in der Universität selten thematisiert wird und ein Bereich ist, in dem sich für mich sehr viele Fragen eröffnen, die ich gerne beantwortet hätte: Welche Methoden gibt es, um mündliche Noten zu geben? Wie findet die Einteilung der Noten nach einer Arbeit statt, also wie unterteilt man?

Ein weiteres Ziel war es, die schulischen Unterrichtsinhalte aufzuarbeiten und auch dahingehend möglichst viel mitzunehmen. Allzu oft hört man, dass Referendare viel Zeit dafür benötigen, den Schulstoff selbst zu erarbeiten, der den Schülerinnen und Schüler vermittelt werden soll, da dies in der universitären Ausbildung zu kurz kommt. Besonders interessiert war ich zudem daran, wie die politischen Meinungen der Schülerinnen und Schüler und aussehen und inwiefern sie übereinstimmen mit Jugendstudien, die man im Studium verwendet.

Dies ist meines Erachtens ein sehr wichtiger Bereich, da nur mit diesem Wissen auch schülerorientierter Unterricht gelingen kann. Insbesondere bin ich aber auch selbst daran interessiert, inwiefern sich die viel diskutierte Politikverdrossenheit in der Jugend zeigt.

Des Weiteren war ich mir auch im Klaren darüber, dass ich im Praktikum noch auch viele weitere Aspekte von Schule und Unterricht erfahren werde, die ich im Vorhinein gar nicht antizipieren kann. Darauf werde ich im Rückblick dieses Praktikumsberichts dann stärker eingehen.

3. Vorstellung der Schule

Die Schule ist eine kooperative Gesamtschule ohne gymnasiale Oberstufe. Die Zweige Gymnasium, Realschule und Hauptschule werden getrennt unterrichtet. Wie mir berichtet wurde, ist die Schule allerdings auf dem Weg, eine reine Haupt- und Realschule zu werden. Die letzten Gymnasialklassen verlassen nach den Ferien die Schule.

Es arbeiten an der Schule 53 Lehrkräfte, wobei davon sieben im Vorbereitungsdienst sind. Es gibt allerdings nur drei Lehrkräfte, die Politik und Wirtschaft als Fach besitzen. Daher wird Politik und Wirtschaft sehr oft fachfremd unterrichtet. Das Fach ist dennoch eigenständig und wird nicht im Fächerverbund mit Geschichte und Erdkunde vermittelt, wie es an anderen Gesamtschulen der Fall ist.

An der Schule befinden sich derzeit etwa 500 Schülerinnen und Schüler, die größtenteils aus der Stadt Wetzlar sowie aus den umliegenden Kleinstädten und Dörfern kommen. Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schüler ist relativ hoch. Die Schule besitzt außerdem einen musikalischen Schwerpunkt seit drei Jahren.

Die Schule bietet eine pädagogische Nachmittagsbetreuung an, die nach dem Regelunterricht um 13.10 zusammen mit einem gemeinsamen Mittagessen beginnt. Die Hausaufgabenbetreuung findet in der Bibliothek im Schulgebäude statt und wird von pädagogisch geschultem Personal begleitet. Darüber hinaus kooperiert die Schule mit einer Schulpsychologin, die sich in begrenztem Zeitrahmen den auffälligeren Schülerinnen und Schülern widmet. Diese Arbeit findet in einem in der Schule eigens eingerichteten „Trainingsraum“ statt. Dieser Raum wird zudem während der Unterrichtszeit ständig von Lehrpersonen besetzt. So können Schülerinnen und Schüler, die im Unterricht negativ auffallen in diesen Raum geschickt werden, um über ihr Fehlverhalten zu reden und alternative Handlungsmöglichkeiten zu erarbeiten.

4. Hospitationsberichte

4.1 Hospitation in einer 10. Klasse, Gymnasium

Ich habe eine Unterrichtsstunde zum Thema „Die Börse und Formen von Aktien“ zur Beobachtung ausgewählt, bei der ein Kurzfilm gezeigt und besprochen wird. Ich entschied mich, diese Stunde als Beobachtungsstunde auszuwählen, um folgendes zu analysieren: die Art und Weise, in der der Film als Medium eingesetzt wird, die Arbeitsaufträge, die die Schülerinnen und Schüler zum Film erhalten, das Schüler- sowie das Lehrerverhalten während des Films sowie die Besprechung der Inhalte. Da Filme in meiner Schulzeit gerne als Phase der Entspannung für die Schülerinnen und Schüler und weniger als Lernphase genutzt wurde, wollte ich herausfinden, ob die Lehrperson dieses Problem überwinden kann und durch den Film einen effektiven Lernprozess erreichen konnte.

Ich habe dazu die Beobachtungsform begutachtende/ prüfende (professionelle) Beobachtung (vgl. Kretschmer und Stary, 1998, S.35) ausgewählt. Des Weiteren bin ich als Praktikant ein nicht teilnehmender Beobachter gewesen. Eine klare Einteilung in offene oder verdeckte Beobachtung ist nicht möglich, da es den Schülerinnen und Schüler zum einen bewusst war, dass ich als Praktikant den Unterricht beobachte und dokumentiere, aber zum anderen die genaue Absicht des Beobachtens nicht bekannt war. Da die Beobachtung nicht nach einem wissenschaftlich erprobten Kriteriensystem erfolgte, ist sie als unstrukturiert einzuordnen (vgl. ebd., 1998, S. 36). Als Dokumentationsform habe ich das narrative Protokoll ausgewählt (vgl. ebd., 1998, S. 41-42), bei dem ich die Aspekte, die ich für meine Beobachtungskriterien als besonders wichtig erachte, hervorhebe.

Zur Klasse ist vorab zu sagen, dass an diesem Tag 22 Schülerinnen und Schüler anwesend sind: 14 Schülerinnen und 8 Schüler. Es handelt sich um eine 10. Klasse im Gymnasialzweig, die zweimal in der Woche Unterricht im Fach Politik und Wirtschaft hat. Die Lehrkraft erläuterte mir, dass es sich um eine sehr angenehme Klasse handele, die sehr still und lernwillig seien.

Zur Auswahl des Inhalts ist folgendes zu sagen: Da die Unterrichtseinheit „Sparen und Anlegen – Die Börse“ in den kommenden Stunden beendet werden soll, wurde der Film ausgewählt, um zum einen bestehendes Wissen noch einmal zu wiederholen und zu festigen und zum anderen, um einige neue Aspekte zu vermitteln. In einer der folgenden Stunden sollte dann ein Test zur Einheit geschrieben werden.

Folgendermaßen lief die Stunde ab: Um 9.45 begann der Unterricht mit der Begrüßung und der Besprechung von organisatorischen Dingen. Die Klasse plante unter anderem eine Fahrt nach Kaiserslautern, um das Planspiel Polis durchzuführen. Danach wurde das Fernsehgerät für den Filmstart vorbereitet. Im Anschluss daran erklärte die Lehrperson, um was es sich für einen Film handele. Außerdem fügte sie hinzu, dass die Schülerinnen und Schüler während des Films ein Protokoll führen sollten. Hierzu wurde keine genauere Erläuterung gegeben. Um 9.55 startete der Film. Die Lehrperson hatte mir vor der Stunde erläutert, dass der Film von einigen Schülerinnen und Schüler vorgeschlagen wurde. Ursprünglich wollte sie einen komplexeren Film zeigen, der allerdings dasselbe Thema beinhaltete.

Der Film war so aufgebaut, dass eine Fernsehmoderatorin sich bei verschiedenen Experten an der Frankfurter Börse über Fragen zu verschiedenen Anlageformen informierte. Es ging dabei um Begriffe wie Fonds, Exchange Traded Fonds, Zertifikate, Optionsscheine etc. Die Schülerinnen und Schüler waren sehr konzentriert und diszipliniert während des Films. Der größte Teil der Klasse schrieb sehr detailliert mit. Die Lehrperson war damit gleichzeitig damit beschäftigt, die Klasse zu beobachten, den Film zu schauen und dabei Stichpunkte zu vermerken. Insgesamt dauerte der Film etwa 20 Minuten.

Als der Film zu Ende war, folgte ein Unterrichtsgespräch zu den Inhalten des Gezeigten. Die Lehrperson stellte zunächst Fragen zum Verständnis des Films. Die Schülerinnen und Schüler reagierten dazu zunächst einmal verhalten. Danach begann die Lehrkraft gezielte Fragen zu Fachbegriffen aus dem Film zu stellen. Die meisten konnten von vielen beantwortet werden, andere konnten nur von einzelnen genauer erklärt werden. Während der Begriffsklärung fügte die Lehrperson immer wieder Fragen zum allgemeinen Verständnis ein. Unter anderem wurde im Film erläutert, dass gewisse Aktien sich besonders für Rentner eignen würden, um ihre Alterssicherung zu verbessern. Hierzu fragte die Lehrperson danach, was denn damit genau gemeint sei. Sie begann also sehr offen und formulierte dann immer enger bzw. genauer, um letztlich auf das Problem der leeren Rentenkassen bzw. der Überalterung der Gesellschaft zu stoßen. Während der Besprechung herrschte ein sehr angenehmes Unterrichtsklima. Die Schülerinnen und Schüler beteiligten sich sehr gut daran und verhielten sich auch überwiegend ruhig. Diese Phase dauerte 15 Min, so dass der Unterricht um 10.30 zu Ende war.

Zur Art und Weise der Durchführung ist folgendes zu sagen: Der Film wurde im Klassenraum mit einem Fernsehgerät gezeigt. Die Auswahl des Films erfolgte durch einen Vorschlag der Schülerinnen und Schüler. Dies war sehr sinnvoll, da die diese sich so ernst genommen fühlen. Da der Film auch inhaltlich das abgedeckt hat, was die Lehrkraft zeigen wollte, gab es keinen Nachteil für den Lernprozess. Der Film wurde „in einem Rutsch“ gezeigt. Es wurden also keine Pausen gemacht. Dies hätte anders gemacht werden können, um an geeigneten Stellen den Film zu stoppen und schwere Begriffe oder Erläuterungen besprechen zu können oder Verständnisfragen zu klären, die eventuell schon aufgetaucht wären.

Es gab zum Film nur den Arbeitsauftrag, ein Protokoll zu führen. Dies kam mir zunächst ein wenig dürftig vor. Es zeigte sich aber, dass die Schülerinnen und Schüler bei dieser Aufgabe schon routiniert vorgingen und somit diese Methode schon geübt hatten, so dass keine weitere Erläuterung zur Vorgehensweise nötig gewesen wäre. Es wäre möglich gewesen, zudem den Schülerinnen und Schüler noch weitere spezielle Fragen an die Hand zu geben, um die Aufmerksamkeit auf spezielle Aspekte zu richten.

Die Schülerinnen und Schüler konzentrierten sich während der Präsentation auf den Film und schrieben eifrig mit. Dies ist als sehr positiv zu erachten. Wie schon oben erläutert ist die gute Durchführung der Protokollmethode wohl auf Übung damit zurück zu führen. Außerdem ist hinzuzufügen, dass der Film selbst sehr ansprechend und schülernah gestaltet war, so dass die Motivation gesteigert wurde. Hierbei ist auch anzufügen, dass die Tatsache, dass die Schülerinnen und Schüler den Film ausgesucht haben, zusätzlich motivierend gewirkt hat. Die Lehrperson agierte meines Erachtens auch sehr gut, indem sie sich wichtige Stichworte mitschrieb, die sie später besprechen wollte.

Die Besprechung der Inhalte lief meines Erachtens sehr gut ab. Die Lehrperson schaffte es, ein sehr anregendes und freundliches Unterrichtsklima zu schaffen, indem sie Antworten der Schülerinnen und Schüler stets auf positive Art und Weise bestätigte und gleichzeitig aber so stark lenkend eingriff, dass die wichtigsten Aspekte zu Wort kamen. Die Lehrkraft agierte auch bei der Fragestellung sehr gut, da sie neben dem Abfragen der Begriffe stets Fragen zu allgemeinen Themen, die im Film zu Wort kamen, einfügte. Durch das zunächst offene Fragen konnten sich viele SuS melden. Durch engere Fragen kam die Klasse dann zum Kern der Sache.

Alles in allem lief die Stunde meines Erachtens sehr positiv ab. Entscheidende Schlüsselstelle für das Funktionieren der Stunde waren meiner Meinung nach die Auswahl des Films durch die Schülerinnen und Schüler, die ansprechende, schülernahe Form des Films, die Routine im Schreiben von Protokollen sowie das Verhalten und Agieren der Lehrperson. Sie erreichte es, ein anregendes, freundlichen Unterrichtsklima zu schaffen und konnte durch gezielte Fragen im Rahmen eines Unterrichtsgesprächs die wichtigsten Aspekte hervorzuheben.

4.2 Hospitation in einer 8. Klasse, Hauptschule

Der zweite Unterrichtsbesuch fand in einer achten Klasse der Hauptschule statt. Das Unterrichtsthema war „Jugend und Gewalt“. Ich wollte in der Beobachtungsstunde folgendes untersuchen: Das Verhalten der Lehrperson in Bezug auf Unterrichtsstörungen während der gesamten Stunde und die Reaktion der Schülerinnen und Schüler, der Einstieg des Unterrichts, die Reaktion der Klasse auf das Thema. Ich habe mich für diese Stunde entschieden, da sehr viele Aspekte darin für mich interessant waren. Ich hatte zuvor mehrere Stunden Politik und Wirtschaft in dieser Klasse hospitiert und gemerkt, dass das Klassenklima zuletzt sehr angespannt war. Nur ein geringer Teil der Schülerinnen und Schüler war am Unterricht interessiert, während der größere Teil den Unterricht durch Gespräche, Witze machen etc. störte. Die Lehrperson hatte deswegen in der letzten Stunde infolge der Unterrichtsstörungen einen längeren Aufsatz diktiert, nachdem sich die Schülerinnen und Schüler nicht bereit erklärt hatten, dem Unterricht zu folgen.

Daher war ich daran interessiert, wie die Lehrperson sich in der kommenden Stunde verhält und wie sie die Klasse zu Beginn motivieren will. Außerdem war ich daran interessiert, herauszufinden, wie die Schülerinnen und Schüler einer achten Klasse der Hauptschule auf ein solches Thema reagieren und welche Meinungen dazu vorherrschen.

Ich habe wie im ersten Hospitationsbericht die Beobachtungsform begutachtende/ prüfende (professionelle) Beobachtung (vgl. Kretschmer und Stary, 1998, S.35) ausgewählt und habe als geringfügig teilnehmender Beobachter fungiert. Eine klare Einteilung in offene oder verdeckte Beobachtung ist auch hier nicht möglich gewesen, da es den Schülerinnen und Schüler zum einen bewusst war, dass ich als Praktikant den Unterricht beobachte und dokumentiere, aber zum anderen die genaue Absicht des Beobachtens nicht bekannt war.

Da die Beobachtung nicht nach einem wissenschaftlich erprobten Kriteriensystem erfolgte, ist sie als unstrukturiert einzuordnen (vgl. ebd., 1998, S. 36). Als Dokumentationsform habe ich das narrative Protokoll ausgewählt (vgl. ebd., 1998, S. 41-42), bei dem ich die Aspekte, die ich für meine Beobachtungskriterien als besonders wichtig erachte, hervorhebe. Bei der Klasse handelte es sich wie oben erläutert um eine achte Klasse aus dem Hauptschulzweig, die zweimal wöchentlich im Fach Politik und Wirtschaft unterrichtet wird.

Es waren 17 Schüler anwesend, aufgeteilt in 9 Jungs und 8 Mädchen. Zuvor hatte die Klasse das Thema „Recht“ behandelt und das Thema „Jugend und Gewalt“ wurde nun im Anschluss eingeführt.

Folgendermaßen lief die Stunde ab: Der Unterricht begann um 12.25 Uhr. Die Lehrperson wählte zum Einstieg ein Brainstorming als Methode. Die Schülerinnen und Schüler wurden im Klassenunterricht dazu aufgefordert, zum Thema „Spaß“ etwas an die Tafel zu schreiben, nachdem die Lehrperson den Begriff in die Mitte der Tafel geschrieben hatte. Diese gingen nun unaufgefordert nach vorne und schrieben verschiedene Begriffe wie „Computer“, „Tanzen“ oder „Freunde“ an die Tafel. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich in dieser Phase eher lernbereit, nahmen am Unterricht teil und störten diesen kaum.

Infolge dieser Einstiegsphase folgte eine Erarbeitungsphase. Die Lehrperson vergab um 12.35 einen Zeitungsartikel an die Klasse, in dem es darum geht, dass ein paar Jugendliche im alkoholisierten Zustand eine erwachsene Person zusammenschlagen und dies später damit rechtfertigen, dass sie eigentlich nur Spaß haben wollten. Dies sollte inhaltlich den Zusammenhang zum Einstieg bringen. Der Text wurde im Klassenunterricht vorgelesen. Nachdem dies geschehen war, fragte die Lehrperson die Schülerinnen und Schüler nach einer kurzen Zusammenfassung der Inhalte und erläuterte schwierige Begriffe. In dieser Phase waren die Schülerinnen und Schüler größtenteils am Unterricht interessiert. Nur wenige Ausnahmen störten immer wieder durch „Reinrufen“ den Unterricht.

Um 12.45 teilte die Lehrperson die Klasse in Gruppen ein. Sie erhielten die Aufgabe, sich in verschiedene Rollen zu versetzen: Vater und Mutter eines Jugendlichen sowie der Jugendliche selbst. Sie sollten sich ein fiktives Gespräch überlegen, in dem die Eltern des Jugendlichen ihr Kind zur Rede stellen und fragen, weshalb es an der Tat teilgenommen hat. Diese Phase lief sehr schleppend ab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 55 Seiten

Details

Titel
Praktikumsportfolio: Fachpraktikum Politik und Wirtschaft
Untertitel
Mit detaillierter Ausarbeitung von Unterrichtseinheiten und Unterrichtsstunden
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
11
Autor
Jahr
2010
Seiten
55
Katalognummer
V207755
ISBN (eBook)
9783656352457
ISBN (Buch)
9783656352747
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
praktikumsportfolio, fachpraktikum, politik, wirtschaft, ausarbeitung, unterrichtseinheiten, unterrichtsstunden
Arbeit zitieren
Johannes Kolb (Autor), 2010, Praktikumsportfolio: Fachpraktikum Politik und Wirtschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207755

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Praktikumsportfolio: Fachpraktikum Politik und Wirtschaft



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden