Die neue Regulierung von Banken nach der Finanzkrise


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012
22 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Neue Kapitalstandards nach Basel III
2.1 Motivation zur Verbesserung der Eigenkapitalregelung
2.2 Zusammensetzung des regulatorischen Eigenkapitals
2.2.1 Hartes Kernkapital
2.2.2 Zusätzliches Kernkapital
2.2.3 Ergänzendes Eigenkapital
2.3 Kapitalabzugsposten
2.4 Kapitalpolster
2.4.1 Kapitalerhaltungspolster
2.4.2 Antizyklischer Kapitalpolster
2.5 Implementierung der Kapitalstruktur
2.6 Kritsche Betrachtung der Kapitalanforderungen

3. Höchstverschuldungsquote (Leverage Ratio)
3.1 Motivation zur Einführung einer Leverage Ratio
3.2 Zusammensetzung und Implementierung der Leverage Ratio
3.4 Kritische Betrachtung der Leverage Ratio

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Ausschüttungsbeschränkung bei bestimmter Kapitalerhaltungsquote

Abbildung 2 Implementierung der Kapitalstruktur nach Basel III

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Am 16. Dezember 2010 veröffentlichte der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht ein Maßnahmenpaket zur strengeren Regulierung des Bankensektors, das unter dem Namen Basel III Bekanntheit erlangte.[1] Mit diesem Regelwerk kommt der Ausschuss dem Anweisungen der G20 Staats- und Regierungschefs nach, die Kapitalausstattung der Finanzinstitute zu verbessern und diese, insbesondere in Krisenzeiten, widerstandsfähiger zu machen. Der Schwerpunkt des Konsultationspapieres „Basel III: Ein globaler Regulierungsrahmen für widerstandfähige Banken und Bankensysteme“ liegt vor allem in der Stärkung der Qualität und Quantität des Eigenkapitals.[2] Die resultierenden strengeren Eigenkapitalanforderungen wiesen Interdependenzen auf, die sich negativ auf die Zielrichtung auswirkten. Zum einen soll das Eigenkapital aus Instrumenten bestehen, die eine volle Verlustteilnahme garantieren und somit zur Stabilität des Finanzsystems beitragen. Zum anderen verringern die höheren Kapitalanforderungen die Bilanzaktiva, worauf höhere Kapitalquoten resultieren, die in eine schwächere Kreditversorgung münden und die Erholung der Wirtschaft nach der Finanzkrise gefährden. Ein zentrales Ziel bei der Ausarbeitung des Regelwerkes war es folglich die gegenläufigen Effekte soweit wie möglich zu eliminieren, indem weitere Konzepte wie die Kapitalpolster entwickelt wurden, um eine längerfristige Kapitalerhaltung zu ermöglichen. Um die Versorgung der Realwirtschaft mit Krediten nicht zu gefährden, wurden angemessene Übergangszeiten und Vertrauensschutzregelungen einbezogen.[3] Eine ausführliche Darstellung im Hinblick auf die neuen Eigenkapitalanforderungen bietet das Kapitel 2.

Mit der Einführung der Leverage Ratio hat der Baseler Ausschuss ein unbekanntes Terrain betreten, woraufhin die Auswirkungen auf risikoarme Geschäftsmodelle und unterschiedliche Rechnungslegungssysteme in einer festgelegten Beobachtungsphase überprüft und Anpassungen vorgenommen werden sollen.[4] Die Ausführungen zu der Leverage Ratio und eine kritische Ansichtsweise sind im Kapitel 3 zu finden.

2. Neue Kapitalstandards nach Basel III

2.1 Motivation zur Verbesserung der Eigenkapitalregelung

Die Finanzkrise zeigte vermehrt Mängel der Eigenkapitalregulierung im Finanzsektor auf, deren negative Auswirkungen sich nicht nur auf den Finanzmarkt verbreiteten, sondern auch zur Gefährdung der Realwirtschaft beitrugen in Bezug auf die Versorgung mit liquiden Mitteln.[5] Eines der Hauptgründe für die fatalen Folgen lag in der Kapitalausstattung des Finanzsektors, die zum größten Teil aus hybriden Kapitalinstrumenten bestand. In den Jahren vor der Krise gewannen die hybriden Kapitalinstrumente, die sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalmerkmale aufweisen, immer mehr an Bedeutung, aufgrund ihrer kostengünstigen Kapitalaufnahmemöglichkeiten über Tochterunternehmen im Ausland. Einige dieser Instrumente gewährten nur eine eingeschränkte Verlustabsorption. Andere zeigten zwar eine volle Verlustteilnahmefähigkeit auf, gestatteten jedoch aufgrund von Kündigungsrechten nur einen begrenzten Verbleib im Unternehmen.[6] Folglich wiesen die Banken eine unzureichende Kapitalausstattung auf, im Verhältnis zu den anfallenden Risiken, wodurch die Unternehmensfortführung erheblich gefährdet wurde und nur noch staatliche Hilfen das Bankengeschäft stabilisieren konnten. Aufgrund dieser Erkenntnisse führt der Baseler Ausschuss einen internationalen Regulierungsrahmen ein, der strengere globale Regelwerke im Hinblick auf die Eigenkapitalausstattung beinhaltet, um die Widerstandfähigkeit der Banken zu stärken und somit einen weiteren Zusammenbruch des Finanzsektors zu verhindern.[7]

2.2 Zusammensetzung des regulatorischen Eigenkapitals

Das regulatorische Eigenkapital in dem Regelwerk Basell III wurde im Vergleich zu Basel II vollständig überarbeitet und entsprechend neu definiert. Das regulatorische Eigenkapital besteht nun aus drei Kapitalkategorien, dem harten Kernkapital, zu dem das harte und das zusätzliche Kernkapital zählen, und dem Ergänzungskapital[8], die in den folgenden Kapiteln beschrieben werden. Die bisher dem Eigenkapital zurechenbaren Drittrangmittel stellen nicht mehr ein aufsichtsrechtliches Kapitalinstrument dar[9] und auch das Ergänzungskapital wird nicht mehr wie früher in 1. Klasse und 2. Klasse unterschieden.[10] Dabei nimmt das harte Kernkapital die qualitativ höchste Kapitalstufe ein, gefolgt vom zusätzlichen Kernkapital und dem Ergänzungskapital. Nach Abzug der regulatorischen Anpassungen steigt das harte Kernkapital von zwei Prozent auf 4,5 Prozent der RWA. Die gesamte Kernkapitalquote muss mindestens sechs Prozent der RWA betragen, wobei 1,5 Prozent auf das ergänzende Kernkapital entfallen. Das Ergänzungskapital sinkt von vier auf zwei Prozent. Somit ergibt sich weiterhin eine regulatorische Gesamteigenkapitalquote von acht Prozent der RWA.[11] Die einzelnen Kapitalinstrumente können, durch die im Regelwerk aufgestellten Klassifizierungskriterien, eindeutig der entsprechenden Kapitalkategorie zugeordnet werden. Die Intention dieser einheitlichen Definitionen ist, in Zukunft keinen regulatorischen Spielraum mehr bei der Zuordnung zum Eigenkapital zuzulassen. Bei der Ausarbeitung der Klassifizierungsmerkmale der einzelnen Kapitalkategorien wurden von der Aufsicht im Wesentlichen drei Aspekte in den Vordergrund gestellt. Zum einen sollen die Finanzinstrumente eine vollständige Verlustteilnahme gewähren, zum anderen dem Geschäftsbetrieb der Bank durch einen dauerhaften Verbleib dienen, und als letzes wurde der Fokus auf die Werterhaltung des Eigenkapitals gelegt.[12]

2.2.1 Hartes Kernkapital

Das harte Kernkapital (Common Equity Tier 1) umfasst das Stammkapital der ausgegebenen Stammaktien inklusive Agio, die thesaurierten Gewinne sowie kumulierte sonstige dem Gesamtergebnis zugerechnete Erträge und die offenen Rücklagen.[13] Hinzugerechnet werden ebenfalls die Stammaktien von konsolidierten Tochtergesellschaften der Bank, welche in Form von Minderheitsbeteiligungen von Dritten gehalten werden aber trotzdem die Zuordnungskriterien zum harten Kernkapital erfüllen.[14] Dem Stammkapital zugeordnete Stammaktien müssen die vierzehn aufsichtsrechtlichen Klassifizierungskriterien erfüllen. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Zuordnung zum Stammkapital sind zum einen, dass das eingezahlte Kapital sofort, uneingeschränkt und unbefristet der Bank zur Verfügung steht und nur im Falle einer Liquidation nach Befriedigung aller Verpflichtungen ausbezahlt werden kann.[15] Damit soll gewährleistet werden, dass diese Eigenkapitalkomponente alle Verluste der Bank unbeschränkt absorbiert und den Geschäftsbetrieb aufrecht erhält (Prinzip des Going-Conzern).[16] Zum anderen sieht die Zuordnung zum harten Kernkapital vor, dass Ausschüttungen erst vorgenommen werden dürfen, nachdem alle gesetzlichen und vertraglichen Verpflichtungen erfüllt sind. Es gibt also keine Einräumung von Vorzügen bei der Ausschüttung oder sogar eine Ausschüttungspflicht.[17] Desweiteren schreibt das Regelwerk Basel III vor, dass diese Kapitalinstrumente nach den Rechnungslegungsvorschriften eindeutig zum harten Kernkapital zuzuordnen und separat in der Bilanz auszuweisen sind.[18] Diese Klassifizierungsmerkmale gelten ebenfalls für Finanzinstrumente von Nicht-Aktiengesellschaften.[19] Damit soll sichergestellt werden, dass auch andere Rechtsformen über ein vergleichbar hohes Kapitalniveau verfügen wie die Aktiengesellschaften.[20] Das harte Kernkapital ist somit einer der wichtigsten und qualitativ hochwertigsten Komponenten des Eigenkapitals, dem auch Basel III eine besondere Stellung einräumt.

[...]


[1] Vgl. Gaumert/Götz/Ortgies (2011), S. 54.

[2] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 2.

[3] Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 3.

[4] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht(2011a), S. 71.

[5] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 1f.

[6] Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 7f.

[7] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 2.

[8] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 13.

[9] Vgl. Lüders/Manns/Schnall (2011), S. 8.

[10] Vgl. Füser/Stetter/Wagner (2011), S. 8.

[11] Vgl. Hartmann-Wendels (2010), S. 21.

[12] Vgl. Füser/Stetter/Wagner/ (2011), S. 9.

[13] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 14; Vgl. Wimmer/Müller (2011), S. 264.

[14] Vgl. Füser/Stetter/Wagner (2011), S. 8.

[15] Vgl. Weinrich u.a. (2012), S. 165.

[16] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011b), S. 77.

[17] Vgl. Wimmer/Müller (2011), S. 264.

[18] Vgl. Deutsche Bundesbank (2011), S. 12.

[19] Vgl. Füser/Stetter/Wagner (2011), S. 9.

[20] Vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (2011a), S. 15.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die neue Regulierung von Banken nach der Finanzkrise
Hochschule
Universität zu Köln  (Seminar für ABWL und Bankbetriebslehre )
Veranstaltung
Hauptseminar Banken
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V207818
ISBN (eBook)
9783656350804
ISBN (Buch)
9783656350866
Dateigröße
584 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regulierung, banken, finanzkrise
Arbeit zitieren
Ina Schäfer (Autor), 2012, Die neue Regulierung von Banken nach der Finanzkrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/207818

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die neue Regulierung von Banken nach der Finanzkrise


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden