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Was darf Satire? Der Fall Siemens/Delius

Titre: Was darf Satire? Der Fall Siemens/Delius

Dossier / Travail , 2002 , 25 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Mandy Fischer (Auteur)

Lettres - Généralités
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Résumé Extrait Résumé des informations

Am 19. Oktober 1972 veröffentlicht der Schriftsteller Friedrich Christian Delius unter dem Titel „Unsere Siemens Welt“ eine fingierte Festschrift zum 125jährigen Jubiläum der Firma Siemens. Abgesehen von der geschichtlichen Entwicklung des Unternehmens, welches er getreu den firmeneigenen Gepflogenheiten als „Unser Haus“ bezeichnet, stellt
Delius die unterschiedlichen Unternehmensbereiche des Konzerns vor, als da unter anderem wären „Unsere Produkte“, „Unsere Öffentlichkeitsarbeit“ oder „Unsere Führungskräfte“. Delius selbst sagt über seine Absichten er „habe versucht ein möglichst
umfassendes Bild eines Weltkonzerns zu geben und möglichst genau zu zeigen, wie moderner Kapitalismus - am Beispiel Siemens- funktioniert.“1 Als Material für die Erstellung dieser Festschrift dienten Delius neben wissenschaftlicher Literatur, aktuellen wirtschaftspolitischen Zeitschriften, Gewerkschafts- und Betriebszeitungen vor allem Schriften und Informationen aus
dem Hause Siemens.2 Auch die inhaltliche Gliederung sowie die sprachlichen Formulierungen des Textes wurden diesen Informationsmaterialien entnommen. Die der Literatur entnommenen Fakten, in Verbindung mit Delius humoristischer Schreibweise, ließen das entstehen, was fortan als Dokumentarsatire bezeichnet werden sollte. Der Siemens Konzern ging daraufhin vor Gericht, um die Verbreitung der fingierten Festschrift zu verhindern. Es kam zu einem mehrjährigen Prozess, dessen Kernfrage es war, ob ein solches literarische Werk wie Delius es verfasst hatte als Satire unter den Begriff, und somit auch den Schutz, der Kunst fiel, oder ob es sich lediglich um eine Dokumentation, eine Tatsachenbehauptung handele, die nicht dem Begriff der Kunstfreiheit nach Art. 3, GG zuzuordnen wäre. Die Fragen, die die vorliegende Arbeit zu erörtern versuchen wird, sind demzufolge: Was trieb Siemens dazu vor Gericht zu gehen und warum sollte die Veröffentlichung verhindert werden? Was waren die Argumente der beiden Seiten? Welches Urteil wurde gefällt und wie wurde es begründet?
1Delius, F.C.: Wie wahr muß eine Satire sein? Der Prozeß der Siemens AG gegen
„Unsere Siemens Welt“ In: Broder, Henryk M. (Hg): Die Schere im Kopf. Über Zensur und Selbstzensur.
Köln 1976, S.69.
2 ebd

Extrait


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. „Unsere Siemens Welt“: Erläuterungen zur Methode

2. Reaktionen auf „Unsere Siemens Welt“

2.1 Siemens geht vor Gericht

2.2 Die Verfasser wehren sich

3. Exkurs: Das Problem der Dokumentarsatire

4. Der Streit um die Kunst

4.1 Eine Dokumentation kann nicht Kunst sein

4.2 Die Entscheidung des Landgericht Stuttgart

5. Der Kunststreit: Die zweite Instanz

5.1 Die Kunstbestimmung des OLG Stuttgart

5.2 Das Urteil des OLG

5.2.1 Unterlassungen

5.2.2 Kreditschädigung und Schadenersatz

6. Zum Konflikt zwischen Satire und Justiz

6.1 Die Tendenz zur Konfliktlösung im Zivilrecht

6.2 Der Siemens Prozess- ein Liquidierungsverfahren gegen Kritiker?

Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht den juristischen Konflikt zwischen dem Siemens-Konzern und dem Schriftsteller Friedrich Christian Delius nach der Veröffentlichung der satirischen Festschrift „Unsere Siemens Welt“ im Jahr 1972. Ziel ist es, die Argumentationsmuster beider Seiten sowie die Rolle des Rechts bei der Abgrenzung von Kunstfreiheit und Persönlichkeitsschutz zu analysieren.

  • Die methodische Herangehensweise der Dokumentarsatire
  • Die juristische Abgrenzung zwischen Satire und Tatsachenbehauptung
  • Die Auslegung der Kunstfreiheit durch deutsche Gerichte
  • Der Konflikt zwischen Konzerninteressen und kritischer Literatur

Auszug aus dem Buch

3. Exkurs: Das Problem der Dokumentarsatire

„Stets erinnert er (der klassische Satiriker) ein bißchen an den Parteigänger einer fragwürdigen Sache, der so sehr voll Übereifer und übertriebenem guten Willen für die Sache eintritt, daß sie dadurch nur Schaden nehmen kann. Vor allem plaudert er, durch solchen Übereifer, die geheimen Motive und Pläne aus, die ausdrücklich verschwiegen bleiben sollen[...] Alle diese Elemente einer klassischen Satire liegen, wie mir schien, bei diesem Text gleichfalls vor. Jede Satire ist wenn man so will von jeher eine Dokumentarsatire.“

So lautete die Einschätzung des Gutachters im Prozess ,Professor Hans Mayer, in Bezug auf die auftretende Problematik der Vermischung von Dokumentation und Satire in einem literarischen Werk.

Auch Gabriele Rittig beschreibt die Satire als eine Kunstform die sich zwar verfremdender, spezieller Stilmittel wie Übertreibungen oder Verzerrungen bediene, andererseits aber auf Tatsachen basiere und somit auch auf „Realien“ wirke. Laut Rittig lebt die Satire „von den Bezügen zur Realität und bedient sich nicht unbedingt der anerkannten Formen, die einen meinungäußernden, aktuellen Inhalt ästhetisch ins anerkannt Freie transzendieren“. Satire lebe von der Verwechselbarkeit und der größtmöglichen Annäherung an ihren Gegenstand, sie „muß dessen Sprache oder diejenige der Angesprochenen übernehmen“.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Vorstellung des Falls Delius/Siemens als Ausgangspunkt der Untersuchung und Formulierung der zentralen Fragestellung.

1. „Unsere Siemens Welt“: Erläuterungen zur Methode: Analyse der satirischen Technik und der Absicht hinter der Form der fingierten Festschrift.

2. Reaktionen auf „Unsere Siemens Welt“: Darstellung der juristischen Schritte von Siemens und der Verteidigungsstrategie des Autors.

3. Exkurs: Das Problem der Dokumentarsatire: Theoretische Auseinandersetzung mit der Vermischung von faktischer Berichterstattung und satirischer Verfremdung.

4. Der Streit um die Kunst: Untersuchung des Prozesses vor dem Landgericht Stuttgart und die Kontroverse um den Kunstcharakter des Werkes.

5. Der Kunststreit: Die zweite Instanz: Darstellung der Urteilsfindung am OLG Stuttgart sowie die Bewertung einzelner Textstellen.

6. Zum Konflikt zwischen Satire und Justiz: Einordnung des Prozesses in die allgemeine Tendenz zivilrechtlicher Konfliktlösungen bei satirischer Sozialkritik.

Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung des Falls für die Kunstfreiheit und die Wirksamkeit kritischer Literatur.

Schlüsselwörter

Friedrich Christian Delius, Siemens, Satire, Dokumentarsatire, Kunstfreiheit, Grundgesetz, Zivilrecht, Persönlichkeitsschutz, Zensur, Festschrift, Rechtsstreit, Prozess, Literaturkritik, Kapitalismuskritik, Meinungsäußerung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert den juristischen Konflikt um die satirische Festschrift „Unsere Siemens Welt“ von F.C. Delius und untersucht, wie Gerichte zwischen Kunstfreiheit und den Interessen eines Konzerns abgewogen haben.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Zentrale Themen sind die Grenzen der Satire, das Spannungsfeld zwischen Kunst und Dokumentation sowie die Möglichkeiten von Konzernen, durch Zivilrecht gegen unliebsame Kritik vorzugehen.

Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Untersuchung geht der Frage nach, warum der Siemens-Konzern juristisch gegen die Satire vorging, wie die Argumente beider Seiten lauten und wie die Gerichte den Kunstcharakter sowie die rechtliche Zulässigkeit der Aussagen bewerteten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine medien- und rechtswissenschaftliche Analyse, die den Prozess anhand von Urteilsbegründungen, zeitgenössischen Kommentaren und literaturwissenschaftlicher Fachliteratur aufarbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einordnung der Satire, den Prozessverlauf in erster und zweiter Instanz sowie die Diskussion um die Auswirkungen auf die schriftstellerische Freiheit.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Dokumentarsatire, Kunstfreiheit, Kreditschädigung, Persönlichkeitsrecht, Repression und die Wirksamkeit von Literatur.

Inwiefern beeinflusste das Urteil die Arbeit von Satirikern?

Das Urteil führte zu einer Verunsicherung, da Satiriker befürchteten, nun jede Einzelheit ihres Werkes beweisen zu müssen, was den satirischen Prozess erschwert hätte.

Warum wählte Delius die Form einer Festschrift für seine Satire?

Delius wollte die Sprache von Unternehmensverlautbarungen entlarven, indem er deren Euphemismen und Ideologie direkt parodierte, um den modernen Kapitalismus kritisch darzustellen.

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Résumé des informations

Titre
Was darf Satire? Der Fall Siemens/Delius
Université
University of Lüneburg  (Sprache und Kommunikation)
Cours
LIteratur und Zensur nach 1945
Note
1,7
Auteur
Mandy Fischer (Auteur)
Année de publication
2002
Pages
25
N° de catalogue
V20789
ISBN (ebook)
9783638245715
Langue
allemand
mots-clé
Satire Fall Siemens/Delius LIteratur Zensur
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Mandy Fischer (Auteur), 2002, Was darf Satire? Der Fall Siemens/Delius, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20789
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Extrait de  25  pages
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