Essay, welches sich mit der Mediatisierung und den gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, die diese nach sich zieht, beschäftigt. Den Fokus legt das Essay dabei auf die Frage, ob und wenn ja, in wiefern sich Straftaten und Kriminalität durch das Web 2.0 gewandelt haben und wie diese Prozesse gedeutet werden können. Dies wird am Beispiel von Graffiti behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Mediatisierung und theoretische Ansätze
2. Mediatisierung der Kriminalität – Graffiti im Web 2.0
3. Transformationen durch digitale Medien
4. Weiterführende Überlegungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Mediatisierung auf kriminelle Handlungen und deren öffentliche Darstellung im Internet. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie digitale Plattformen wie YouTube die Kommunikation, Wahrnehmung und Verbreitung von Straftaten verändern und welche Rolle diese Medien für die Identitätskonstruktion von Tätern spielen.
- Grundlagen der Mediatisierungstheorie
- Transformationen im Bereich abweichenden Verhaltens
- Graffiti als illegale Kommunikation im öffentlichen Raum
- Die Rolle von Web 2.0-Plattformen bei der Dokumentation von Straftaten
- Veränderung der Zuschauerposition und soziale Interaktion
Auszug aus dem Buch
Mediatisierung der Kriminalität – Straftäter im Web 2.0 ?
Dass sich auch Kriminelle zunehmend digitalen Medien und dem Web 2.0 zur Verbreitung und Illustration ihrer illegalen Aktivitäten zu bedienen scheinen, lässt sich u.a. anhand von Videos auf der Internetplattform Youtube am Beispiel der Writercrew 1Up zeigen. Auf einem Youtubechannel namens AggroTV sind zahlreiche Videos dieser Crew veröffentlicht, die mehrere, vermummte und männliche junge Männer dabei zeigen, wie sich diese in zumeist nächtlichen Aktionen, illegal Zugang zu U-Bahnschächten im Raum Berlins verschaffen und ganze Züge mit ihren Initialen „1Up“ besprühen, während sie die Stadt als „ihre Leinwand“ bezeichnen und postulieren „eine Lebensgemeinschaft, eine Familie“ zu sein. Die Frage, ob Kriminelle selbst auf öffentlichen Plattformen vertreten sind, ohne dass ihre Videos zensiert werden, lässt sich in diesem Zusammenhang also bejahen. Des Weiteren scheinen sie keine rechtlichen Konsequenzen befürchten zu müssen, sobald sie sich zu keiner Zeit mit ihrem tatsächlichen Namen ansprechen, oder aber ihr Gesicht erkennbar zeigen. Offensichtlich filmen sie sich tatsächlich bei ihren Straftaten und offenbar scheint dies auch im Rahmen der Betreiber öffentlicher Videoplattformen geduldet zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Mediatisierung und theoretische Ansätze: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Mediatisierung sowie verschiedene soziologische und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven dazu, wie Medien sozialen Wandel beeinflussen.
2. Mediatisierung der Kriminalität – Graffiti im Web 2.0: Hier wird der theoretische Rahmen auf abweichendes Verhalten übertragen und die Rolle von Graffiti als illegale Form der Kommunikation im öffentlichen und virtuellen Raum analysiert.
3. Transformationen durch digitale Medien: Dieser Abschnitt untersucht die veränderte Rolle von Zuschauern und die Auswirkungen der Videodokumentation auf das Verständnis und die Wahrnehmung krimineller Handlungen.
4. Weiterführende Überlegungen: Das abschließende Kapitel diskutiert die Grenzen der Mediatisierung von Kriminalität und differenziert zwischen verschiedenen Deliktsformen.
Schlüsselwörter
Mediatisierung, Kriminalität, Web 2.0, Abweichendes Verhalten, Graffiti, Vandalismus, Soziologie, Kommunikation, Digitale Medien, Youtube, Social Software, Öffentlicher Raum, Identitätskonstruktion, Straftat, Transformation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich das Konzept der Mediatisierung auf das Feld der Kriminalität auswirkt und welche neuen Formen der Selbstdarstellung Täter durch digitale Plattformen entwickeln.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen Mediatisierungstheorien, die Soziologie abweichenden Verhaltens, die Analyse digitaler Videoplattformen sowie die Transformation öffentlicher Räume durch neue Medien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie kriminelle Akteure das Internet und Web 2.0-Funktionen nutzen, um ihre illegalen Taten zu dokumentieren, zu verbreiten und wie dies die Wahrnehmung durch die Gesellschaft verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit der Mediatisierungsforschung und nutzt das Fallbeispiel der Writercrew „1Up“ zur empirischen Veranschaulichung der aufgestellten Thesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von abweichendem Verhalten, der Analyse der Verbreitung von Graffiti-Videos auf YouTube und der Untersuchung der Interaktion zwischen Tätern und einem virtuellen Publikum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mediatisierung, Kriminalität, Web 2.0, Graffiti, Vandalismus und soziale Transformation definiert.
Warum wird Graffiti als Hauptbeispiel gewählt?
Graffiti dient als populäres Beispiel für abweichendes Verhalten, das durch seine sichtbare Präsenz im urbanen Raum sowie zunehmend im Internet eine eigene Form der öffentlichen Kommunikation darstellt.
Bedeutet die Mediatisierung, dass alle Kriminellen ihre Taten online stellen?
Nein, wie im Kapitel „Weiterführende Überlegungen“ dargelegt, gibt es kriminelle Handlungen, bei denen eine öffentliche Dokumentation nicht sinnvoll oder aufgrund rechtlicher Konsequenzen zu riskant wäre.
Welche Rolle spielen Videoplattformen wie YouTube für Kriminelle?
Sie dienen als Bühne für die eigene Inszenierung, ermöglichen die Verbreitung von illegalen Inhalten an ein Massenpublikum und fördern die Bildung einer „Zuschauer-Täter-Interaktion“ durch Kommentarfunktionen.
- Quote paper
- Jennifer Blasinski (Author), 2012, Mediatisierung der Kriminalität – Straftäter im Web 2.0?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208068