Der Tsunami 2004 im Indischen Ozean hat fast 230.000 Menschen das Leben gekostet. Er wurde durch ein Beben der Stärke 9,3 auf der Richterskala ausgelöst, und war das bedeutendste Ereignis des Weltgeschehens an der Jahreswende 2004/2005. „Genau ein Jahr zuvor war es ein Erdbeben im Iran, das vor allem die Stadt Bam zerstört hatte und bei dem etwa 30.000 Menschen ums Leben gekommen sind.“ (Dikau/Pohl 2007: 1029). Die Ereignisliste ließe sich fast beliebig fortsetzen. Naturkatastrophen sind der beste Beweis für das Vorhandensein einer Naturgefährdung. Naturgefahren gewinnen in unserer Zeit immer mehr an Bedeutung.
Mit dem Anwachsen der Naturkatastrophen und der damit einhergehenden Naturgefahr befassen sich viele verschiedene Bereiche. Hierzu zählen u. a. die Natur- und Ingenieurswissenschaften, Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, aber auch das Versicherungswesen, die Politik und schließlich auch die Medien.
Ziel dieser Arbeit ist es nun, die verschiedenen Definitionen von Naturgefahren, Naturereignissen und Naturkatastrophen zu erläutern und die unterschiedliche Bedeutung der Begriffe für die jeweiligen Disziplinen, in denen sie Verwendung finden, zu differenzieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begrifflichkeiten
2.1 Natur- und Extremereignisse
2.2 Naturgefahren
2.3 Naturrisiken
2.4 Naturkatastrophen
3. Klassifikation von Naturgefahren
3.1 Klassifikation nach Ursache/Prozess
3.2 Klassifikation nach Dauer
3.3 Klassifikation nach Ausmaß
4. Bedeutung für die Versicherungswirtschaft
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die verschiedenen wissenschaftlichen Definitionen von Naturereignissen, Naturgefahren, Naturrisiken und Naturkatastrophen zu erläutern und ihre Bedeutung für unterschiedliche Disziplinen zu differenzieren, um eine gemeinsame Basis für die interdisziplinäre Katastrophenvorsorge zu schaffen.
- Definition und Abgrenzung von Grundbegriffen der Naturgefahrenforschung
- Analyse der Bedeutung von Naturereignissen für verschiedene Disziplinen
- Klassifikationssysteme von Naturgefahren nach Ursache, Dauer und Ausmaß
- Ökonomische Auswirkungen von Naturkatastrophen und Aspekte der Versicherbarkeit
- Kritische Reflexion der Rolle von Medien bei der Katastrophenwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
2.1 Natur- und Extremereignis
Zunächst soll der Begriff des Natur- und Extremereignisses näher definiert werden. „Als Naturereignis bezeichnet man das Auftreten natürlicher Prozesse wie Überschwemmungen oder Vulkanausbrüche. Im engeren Sinne kann ein Naturereignis nur dann zur Naturkatastrophe werden, wenn es sich negativ auf den Menschen oder von ihm geschaffene Werte auswirkt. Erst bei Überschreitung eines bestimmten Schwellenwerts wird ein Naturereignis als Gefahr betrachtet. Dieser Schwellenwert ist bei Individuen bzw. Gesellschaften unterschiedlich ausgeprägt und kann sich im Laufe der Zeit ändern“ (Dikau & Weichselgartner 2005:182).
Die obige Definition gibt vor allem die geographische Sichtweise wieder. In ihr wird vor allem das Auftreten eines natürlichen Prozesses erwähnt, der meteorologischen, geologischen oder biologischen Ursprungs sein kann. Als Beispiele für meteorologische Naturereignisse können Überschwemmungen, Starkwinde und Dürren genannt werden (vgl. Plate et al. 2001), während zu den geologischen Naturereignissen alle endogenen Prozesse wie Erdbeben und Vulkanausbrüche subsumiert werden. Zu den biologischen Naturereignissen kann z.B. eine Heuschreckenplage gezählt werden.
Nach dem Auftreten eines Naturereignisses können weiterhin Sekundärerscheinungen d.h. Folgeerscheinungen wie Hangrutschungen, Lawinen und Waldbrände auftreten (vgl. Plate et al. 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet anhand historischer Beispiele die zunehmende Bedeutung und Schadenswirkung von Naturkatastrophen für die Gesellschaft.
2. Begrifflichkeiten: Dieses Kapitel differenziert die Definitionen von Naturereignissen, Naturgefahren, Naturrisiken und Naturkatastrophen aus der Perspektive verschiedener Wissenschaftsdisziplinen.
3. Klassifikation von Naturgefahren: Hier werden verschiedene Ansätze zur Einteilung von Gefahren vorgestellt, basierend auf deren Ursache, zeitlicher Dauer und ihrem Ausmaß.
4. Bedeutung für die Versicherungswirtschaft: Das Kapitel erörtert die ökonomische Relevanz von Naturrisiken und die Rolle der Versicherungswirtschaft im Umgang mit Schäden durch höhere Gewalt.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit dem Hinweis, dass eine einheitliche Terminologie für die fachübergreifende Katastrophenvorsorge essenziell ist, und kritisiert die oft verzerrte mediale Darstellung von Katastrophen.
Schlüsselwörter
Naturereignisse, Naturgefahren, Naturrisiken, Naturkatastrophen, Katastrophenvorsorge, Risikomanagement, Versicherbarkeit, Höhere Gewalt, Geographie, Umweltveränderungen, Klimawandel, Vulnerabilität, Prozessklassifikation, Schadensvolumen, Interdisziplinarität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der begrifflichen Klärung und systematischen Einordnung von Naturphänomenen im Kontext der Gefahrenforschung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentral sind die Abgrenzung von Naturereignissen zu Naturgefahren und Naturrisiken sowie die ökonomische Dimension in der Versicherungsbranche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Definitionen zu erläutern und disziplinäre Unterschiede aufzuzeigen, um eine Basis für die interdisziplinäre Katastrophenvorsorge zu schaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse geographischer und versicherungswirtschaftlicher Quellen sowie die Auswertung statistischer Daten zur Schadensentwicklung.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Klassifikation von Naturgefahren nach Prozessen, Dauer und Ausmaß sowie deren Relevanz für Versicherungsmodelle.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die zentralen Charakteristika sind Naturgefahren, Naturrisiken, Risikomanagement, Katastrophenschwellen und die gesellschaftliche Wahrnehmung solcher Ereignisse.
Wie unterscheidet sich laut Autor eine Naturgefahr von einem Naturrisiko?
Eine Naturgefahr beschreibt die potenzielle Bedrohung durch natürliche Prozesse, während ein Naturrisiko die menschliche Komponente und die bewusste Entscheidung bzw. Ausgesetztheit gegenüber diesen Gefahren mit einbezieht.
Welche Rolle spielt der Begriff der „Höheren Gewalt“ in der Versicherung?
„Höhere Gewalt“ dient der rechtlichen Abgrenzung von nicht vorhersehbaren Ereignissen, für die Versicherer oft keine Haftung übernehmen, was Versicherungsnehmer dazu zwingt, spezielle Elementarschaden-Pakete zu wählen.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Geograph Michael Reichert (Autor:in), Philop Osei Owusu (Autor:in), 2008, Begriffsdefinitionen: Naturgefahren/Naturgefährdung, Naturereignisse, Naturrisiken, Naturkastrophen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208079