10.12.2009. Schweden. Stockholm. Konzerthaus. Vergabe der Nobelpreise. Unter den Preisträgern der Amerikaner Oliver Williamson, Professor an der University of California in Berkeley. Er erhält in diesem Jahr den Wirtschaftsnobelpreis, für die Erarbeitung von Modellen zur Konfliktlösung mit Hilfe von Unternehmensstrukturen, mit der er, laut des Nobelkomitees, das „Verständnis von außermarktlichen Institutionen wesentlich vergrößert“. Williamson geht dabei davon aus, dass in den Wirtschaftswissenschaften nicht nur Märkte und Preise dominieren, sondern eben auch Institutionen und Rahmenbedingungen zu berücksichtigen sind. Vereinfacht man seine These, geht er davon aus, dass Verhandlungen und Verträge bei komplexen Transaktionskosten besser unternehmensintern abgeschlossen werden können, wohingegen Verhandlungen und Verträge mit geringen Transaktionskosten besser über den Markt abgewickelt werden können. Sein Ansatz ist damit Bestandteil der sogenannten amerikanischen Institutionenökonomik und baut auf den Erkenntnissen des Wirtschaftsnobelpreisträgers von 1991, Ronald Harry Coase auf, der geehrt wurde für „seine Entdeckung und Klärung der Bedeutung der sogenannten Transaktionskosten und der Verfügungsrechte für die institutionelle Struktur und das Funktionieren der Wirtschaft“. Die von den beiden Nobelpreisträgern entwickelten Thesen und Ansätze sind Bestandteil der Institutionenökonomik, die wiederum einen Rahmen für die Medienökonomie bilden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Medienökonomie, Medienökonomik oder Ökonomie der Medien?
3. Ökonomische Grundgedanken
3.1 Begriffe und Definitionen
3.2 Basiskonzepte der Ökonomik
4. Politische Ökonomie und die Neue Institutionenökonomik als Fundus einer Medienökonomie
4.1 Der Transaktionskostenansatz
4.2 Der Property-Rights-Ansatz
4.3 Der Principal-Agent-Ansatz
5. Normative Grundlagen von Ökonomie und Publizistik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den aktuellen Status der Medienökonomie als transdisziplinäres Fachgebiet zwischen Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft. Ziel ist es, die Grundlagen der Disziplin zu definieren, ihre theoretische Einbettung in die Neue Institutionenökonomik zu erläutern und die Notwendigkeit einer Verknüpfung ökonomischer Effizienzziele mit normativen publizistischen Anforderungen zu verdeutlichen.
- Definition und historische Entwicklung der Medienökonomie
- Methodologische Grundlagen des ökonomischen Verhaltensmodells
- Die Neue Institutionenökonomik als theoretisches Fundament (Transaktionskosten-, Property-Rights- und Prinzipal-Agent-Ansatz)
- Normative Spannungsfelder zwischen ökonomischem Handeln und öffentlicher Aufgabe der Medien
- Transdisziplinäre Integration von Kommunikationswissenschaft und Wirtschaftswissenschaft
Auszug aus dem Buch
4.1 Der Transaktionskostenansatz
Der Transaktionskostenansatz als ein Ansatz der Neuen Institutionenökonomik geht zurück auf Ronald Coase, der 1937 folgendes überlegte: „Wenn wir als Ökonomen von der Überlegenheit der dezentralen Koordination individueller Pläne über Märkte so überzeugt sind, wie kann man dann erklären, daß es überhaupt Unternehmen gibt?“ (vgl. Erlei/Leschke/Sauerland 1999:42). Damit stellte er Adam Smiths ,Theorie zur unsichtbaren Hand‘ in Frage, bzw. widerlegte sie (vgl. ebd.). Neben Coase gilt auch Oliver E. Williamson als wissenschaftlicher Gründervater (vgl. Kiefer 2005:61).
Ausgangspunkt des Transaktionskostenansatzes ist die Erkenntnis, dass bei der Errichtung und Erhaltung von Institutionen Kosten anfallen, die sogenannten Transaktionskosten (vgl. Behrends 2001:89). Darunter versteht man „alle Nachteile, Opfer oder Kosten, die Akteure im Rahmen der Anbahnung, Vereinbarung, Durchführung und Überwachung von Prozessen der Leistungsübertragung zu tragen haben“ (Wolf 2003:269). Als Ursache für das Aufkommen von Transaktionskosten wird die beschränkte Rationalität des Individuums und sein Opportunismus festgemacht (vgl. Döbler 2007:57). Beschränkte Rationalität und Opportunismus sind jedoch nicht nur Ursache für Transaktionskosten, sondern bestimmen diese zusammen mit Umweltfaktoren (Faktorspezifität, Unsicherheit, Häufigkeit) auch (vgl. Behrends 2001:89).
Mittels dieses Ansatzes sollen so Fragen der Integration oder Auslagerung von Unternehmensfunktionen und Geschäftsbereichen beantwortet werden (vgl. ebd.:56). Denn wirtschaftliche Effizienz ist allerdings nur gegeben, wenn Transaktionskosten minimiert werden. Im Bezug auf Medien wäre ein konkretes Beispiel der Auslagerung die Externalisierung von TV-Produktionen und für Integration die interne Koordination in der Medienproduktion (vgl. ebd.:57). Betrachtet man die Transaktionskosten genauer, so lassen sich vier Arten von Transaktionskosten unterscheiden:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Medienökonomie ein, motiviert durch die Arbeiten von Nobelpreisträgern der Institutionenökonomik wie Williamson und Coase, und skizziert den Aufbau der Seminararbeit.
2. Medienökonomie, Medienökonomik oder Ökonomie der Medien?: Dieses Kapitel beleuchtet die Definition und den Forschungsgegenstand der Medienökonomie sowie ihren Status als transdisziplinäre Schnittmenge zwischen Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft.
3. Ökonomische Grundgedanken: Hier werden die methodologischen Grundlagen wie der methodologische Individualismus und das ökonomische Verhaltensmodell (Homo Oeconomicus) erarbeitet, die als Basis für die medienökonomische Analyse dienen.
4. Politische Ökonomie und die Neue Institutionenökonomik als Fundus einer Medienökonomie: Dieses Kapitel verortet die Medienökonomie in der Neuen Institutionenökonomik und stellt deren drei zentrale Ansätze – Transaktionskosten-, Property-Rights- und Prinzipal-Agent-Ansatz – vor.
5. Normative Grundlagen von Ökonomie und Publizistik: Hier wird das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Effizienz und der normativen Zielsetzung des Journalismus (z.B. Pressefreiheit, Vielfalt) untersucht.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Medienökonomie eine wissenschaftliche Baustelle ist, die jedoch durch die Verbindung von kommunikationswissenschaftlichen und ökonomischen Aspekten zu einem architektonischen Meisterwerk reifen kann.
Schlüsselwörter
Medienökonomie, Medienökonomik, Neue Institutionenökonomik, Transaktionskostenansatz, Property-Rights-Ansatz, Principal-Agent-Ansatz, methodologischer Individualismus, Knappheit, Medienmärkte, Publizistik, Pressefreiheit, ökonomisches Verhaltensmodell, Institutionen, soziale Marktwirtschaft, transdisziplinär
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die theoretische Verortung der Medienökonomie und prüft, ob und wie diese als Schnittmenge zwischen Wirtschaftswissenschaft und Kommunikationswissenschaft fungieren kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Medienökonomie, die methodologischen Grundlagen der Ökonomik, die Anwendung der Neuen Institutionenökonomik auf Medien sowie die Auseinandersetzung mit normativen gesellschaftlichen Zielen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit möchte klären, ob die Medienökonomie eine solide wissenschaftliche Basis besitzt und wie die beiden "Häuser" – Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaft – theoretisch miteinander verbunden werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse und ordnet die Medienökonomie in verschiedene ökonomische Theorieansätze wie die Neue Institutionenökonomik und mikroökonomische Analysemodelle ein.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomischen Grundlagen (z.B. Knappheit, methodologischer Individualismus), die drei Säulen der Neuen Institutionenökonomik sowie eine Diskussion über die Vereinbarkeit ökonomischer Effizienz mit normativen Anforderungen an den Journalismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Medienökonomie, Institutionenökonomik, Transaktionskosten, Knappheit sowie die transdisziplinäre Verbindung von Publizistik und Ökonomie.
Was genau versteht der Autor unter dem "Doppelcharakter" von Medien?
Medien werden als Güter betrachtet, die sowohl eine ökonomische Komponente (als wirtschaftliche Unternehmen, die nach Effizienz streben) als auch eine gesellschaftliche Komponente (als Institutionen der Demokratie mit öffentlichem Auftrag) besitzen.
Welche Rolle spielt der Prinzipal-Agent-Ansatz in dieser Untersuchung?
Der Ansatz dient als Modell zur Analyse von Interessenkonflikten innerhalb von Medienorganisationen, beispielsweise im Verhältnis zwischen Verlegern und Redakteuren, bei denen eine Trennung von Eigentum und Verfügungsmacht besteht.
- Arbeit zitieren
- Lena Iker (Autor:in), 2010, Medienökonomie: Wissenschaftliche Baustelle oder architektonisches Meisterwerk?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208103