Nach Analyse der verwendeten Literatur ist evident, dass hinblicklich des zukünftigen Bedarfs weiterer neuer Shopping-Center unterschiedliche Einschätzungen bestehen. Während die Concepta Projektentwicklung GmbH noch von „zu wenigen Shopping-Center(n) in Deutschland“ (EUROHANDELSINSTITUT, GERMAN COUNCIL OF SHOPPING CENTERS 2006: 50) spricht, hält Brockhoff (BRUNE et al. 2006) Deutschland für overshopped.
Einerseits bieten sich durch neue Einkaufscenter in alten Innenstädten Entwicklungschancen, da sie Möglichkeiten zur ökonomischen und städtebaulichen Sicherung und Weiterentwicklung der Innenstädte (BRUNE et al. (Kühn 2006)) bieten, andererseits wird ein fehlplaziertes, überdimensioniertes Center einen irreversiblen Schaden für die jeweilige Stadt zur Folge haben (BRUNE et al. (Brune 2006)). In jedem Fall ist allerdings nur eine Errichtung in 1a-Lagen sinnvoll, da es sonst zu internen Gewichtsverschiebungen zu Lasten der Hauptgeschäftsstraße kommt. Weiterhin gilt heute die Regel, dass nur wirklich sehr große Städte mit einem sehr starken Produkt Innenstadt das Produkt Shopping-Center ohne nachhaltigen Schaden vertragen (BRUNE et al. (Doerr 2006)). Neben Projekten wie Physical Evidence und Business Improvement Districts die seitens der Stadt und der Gewerbetreibenden Verbesserungen in der kriselnden Innenstadt erreichen können, ist auch eine integrierte Stadtgalerie oftmals eine bessere Lösung als ein nicht-integriertes, überdimensioniertes Shopping-Center. Bei Planung der Stadtgalerie muss schließlich auf eine standortgerechte Verkaufsflächengröße sowie eine sorgfältige Sortimentsplanung geachtet werden. Wenn all diese Faktoren beachtet werden, können sich Innenstädte in Zukunft selbstbewusst behaupten und einem weiteren Niedergang ihrer Innenstädte erfolgreich entgegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeines
1.1 Definition
1.2 Merkmale
2. Shopping-Center in den USA
2.1 Anfänge der Shopping-Center
2.2 Weitere Entwicklung
2.3 Neue Formen von Shopping-Centern
2.4 Probleme und Trends
3. Shopping-Center in Deutschland
3.1 Anfänge der Shopping-Center
3.2 Weitere Entwicklung bis heute
3.3 Prognosen
3.4 Shopping-Center-Generationen
3.5 Einordnung innerstädtischer Einkaufszentren
3.5.1 Typologie innerstädtischer Center
3.6 Einseitiges Wachstum/ Konsequenzen für Innenstädte
3.7 Lösungsansätze
3.7.1 Alternative: Stadtgalerie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Genese, die zugrunde liegende Philosophie sowie die praktische Umsetzung von Shopping-Centern im städtebaulichen Kontext mit Fokus auf die USA und Deutschland. Ziel ist es, die Auswirkungen dieser Einzelhandelsform auf die Innenstadtentwicklung zu analysieren und Lösungsstrategien für den strukturellen Wandel aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung von Shopping-Centern in den USA und Deutschland
- Differenzierung verschiedener Generationen und Betriebstypen von Einkaufszentren
- Analytische Einordnung innerstädtischer Center und deren Auswirkungen auf den Wettbewerb
- Konsequenzen für die urbane Infrastruktur und den Einzelhandelsbesatz
- Evaluierung von Strategien gegen den Strukturwandel, wie z. B. Stadtgalerien
Auszug aus dem Buch
2.1 Anfänge der Shopping-Center in den USA
Als Mutterland der Shopping-Center gilt die USA. Der Unternehmer Jesse Clyde Nichols betrieb Anfang der 1920er Jahre Siedlungsbau am Stadtrand von Kansas. Nichols, der auch als Bauherr fungierte, erkannte früh die Chancen des Automobils, so dass er im Zusammenhang mit der neu zu errichtenden Siedlung, ein Shopping-Center errichtete, das ganz auf die Bedürfnisse der Automobilbesitzer zugeschnitten sein sollte. Sein Ziel war es, Kunden aus einem möglichst großen Einzugsgebiet anzuziehen.
Country Club Plaza (1922) übte allerdings über Jahrzehnte eine Pionierfunktion aus, da durch die folgende Weltwirtschaftskrise sich der Bau von weiterem Shopping Centern verzögerte. Erst ab Mitte der 1950er Jahre wurden erstmals Shopping-Center in größerer Anzahl errichtet. Als Gründe für die schnelle Expansion gelten die „rasch fortschreitende Suburbanisierung (…), die steigenden Zahl der privaten Fahrzeuge, der Ausbau des Highway-Netzes und eine verbesserte steuerliche Abschreibung für Investoren“ (HAHN 2007:16).
Als geistiger Vater von Einkaufszentren gilt allerdings der österreichische Architekt Victor David Grünbaum. Er lokalisierte Geschäfte losgelöst von der Verkehrsstraße, abseits von Hauptverkehrswegen und fasste sie in der Mitte eines großen Areals in einer konzentrierten Gruppe zusammen. Der in der Literatur auch häufig als Victor Gruen benannte jüdische Emigrant aus Wien, errichtete 1956 „das erste geschlossene d.h. überdachte und vollklimatisierte Shopping-Center in einem Vorort von Minneapolis“ (HAHN 2007: 17). Southdale war sofort ein großer Erfolg. Gruen hatte das Ziel Kommunikationszentren in den zersiedelten US-amerikanischen Außenbezirken zu bauen und so dem suburbian squirrel entgegenzuwirken. Seine Vision war es, Leben, Arbeiten und Wohnen wieder zusammenzuführen; eine Mall als Typ „moderner Marktplatz“. Es sollten viele kleine Städte um eine Großstadt entstehen anstatt einer suburbia ohne Anfang und Ende (BRUNE et al. 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeines: Dieses Kapitel definiert den Begriff Shopping-Center und erläutert deren zentrale Merkmale sowie die Abgrenzung zu anderen Handelsformen.
2. Shopping-Center in den USA: Die historische Entwicklung vom Pionierprojekt bis zur modernen Mall sowie aktuelle Trends und Probleme auf dem US-Markt werden hier beleuchtet.
3. Shopping-Center in Deutschland: Dieses Kapitel analysiert die spezifische Entwicklung in Deutschland, kategorisiert Generationen und diskutiert die Folgen für die innerstädtische Struktur.
4. Fazit: Das Fazit bewertet die Zukunftsperspektiven von Shopping-Centern und die Notwendigkeit einer standortgerechten Planung gegenüber dem Erhalt gewachsener Innenstädte.
Schlüsselwörter
Shopping-Center, Einzelhandel, Stadtentwicklung, Innenstadt, Suburbanisierung, Standort, Mietfläche, Strukturwandel, Handelsbesatz, Stadtgalerie, Konsumentenverhalten, Marktanalysen, Stadtplanung, Deutschland, USA
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und der städtebaulichen Bedeutung von Shopping-Centern, wobei die Unterschiede zwischen dem amerikanischen Ursprung und der deutschen Praxis im Vordergrund stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Einkaufszentrums, die verschiedenen Typen und Generationen, die Auswirkungen auf die Attraktivität von Innenstädten sowie Lösungsansätze für bedrohte Handelsstandorte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Shopping-Center die städtische Handelslandschaft verändern und unter welchen Bedingungen sie eine Bereicherung statt einer Belastung für die Innenstadt darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse der vorhandenen Fachliteratur, Wirtschaftsberichte und statistisches Material über Center-Entwicklungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der US-amerikanischen Entwicklung, die detaillierte Historie in Deutschland sowie die kritische Betrachtung der städtebaulichen Integration und der Folgen für den lokalen Einzelhandel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Shopping-Center, Stadtentwicklung, Strukturwandel, Suburbanisierung, Innenstadt, Einzelhandelsangebot und Stadtgalerie.
Wie unterscheidet sich die Stadtgalerie vom klassischen Shopping-Center?
Die Stadtgalerie wird im Text als stadtverträgliche Alternative beschrieben, die durch eine zentrale Lage und ein komplementäres Angebot zur Belebung der Innenstadt beiträgt, statt diese als Ziel zu ersetzen.
Welche Gefahr geht laut Autor von überdimensionierten Shopping-Centern aus?
Fehlplatzierte oder überdimensionierte Center führen laut Analyse zu einer irreversiblen Schwächung der innerstädtischen Hauptgeschäftslagen und können durch Trading-Down-Prozesse einen Teufelskreis des städtebaulichen Niedergangs auslösen.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Geograph Michael Reichert (Autor:in), 2008, Einkaufen unter einem Dach, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208108