Einleitung
Eine breite Unterstützung in der Bevölkerung für einen Krieg ist überlebens- wichtig für eine Regierung, besonders und vor allem in einer Demokratie mit einem dem System innenwohnenden Legitimationszwang. Im Krieg muss von den Re- gierenden klargestellt werden, für was, und somit auch wogegen, sie vorgeben zu kämpfen. Dabei hat es eine Demokratie ungleich schwerer als eine Diktatur, die Men- schen zu „überzeugen“. An die Stelle von Akzeptanz der diktatorischen Regierung tritt in der Demokratie die offene Kritik. Und die macht es der Regierung nicht leicht, eigene Beschlüsse sofort und ohne Kompromisse durchzusetzen.
An diesem Punkt kommt die Propaganda in all ihren Ausformungen und mit all ih- ren Inhalten ins Spiel. Sie soll die Bevölkerung davon überzeugen, dass die Ziele und die Wege der Regierung die richtigen sind. Propaganda geht auf das lateinische Wort propagare (ausbreiten) zurück und beschreibt so viel wie die konzeptionelle Be- einflussung der Menschen durch Medien mit dem Ziel, die Öffentlichkeit durch die ideologischen Aussagen zu manipulieren und hinter den Zielen einer Gruppe (in diesem Fall einer Regierung) zu versammeln. Der Begriff geht auf die durch Gregor XV. 1622 verfasste päpstliche „Congregatio de propaganda fide“ (Vereinigung zur Verbreitung des Glaubens) zurück und ist bis heute negativ belegt. Durch ihren appellhaften Charakter versucht die Propaganda meist direkt die Gefühle des Hörers, Zuschauers oder Betrach- ters zu berühren und so Emotionen auszulösen. Wenn ein Poster z. B. Angst, Hoffnung oder Zuversicht weckt, hat es sein Ziel bereits erreicht. Denn die Propagandisten oder Werber müssen letztendlich nur das durchsetzen, was die Politik oder andere Auftragge- ber als Ziel vorgegeben haben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Das Feindbild
Vorüberlegungen zum Feindbild
Konkrete Beispiele zur Zeit des Zweiten Weltkrieges
„Kill the Japs!” - Die Japaner
„This is the enemy” - Die Deutschen
Vergleich
Poster-Propaganda der USA
Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg
Koordination der (Poster-)Propaganda
Das OWI
Transportierte Themen
Japaner und Deutsche
Exkurs: Stellenwert des Posters zur Zeit von Radio und Kino
Propaganda entscheidet nicht den Krieg, aber sie lenkt ihn (Fazit)
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Heimat-Propaganda der Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs, mit einem besonderen Fokus auf das Medium des Posters. Dabei analysiert der Autor die Rolle von Feindbildern als Instrument der psychologischen Kriegsführung und vergleicht die spezifische mediale Darstellung von Japanern und Deutschen in der amerikanischen Bevölkerung.
- Entwicklung und Funktion von Feindbildern im Kontext moderner Kriegsführung.
- Vergleichende Analyse der Wahrnehmung und Stigmatisierung von Japanern gegenüber Deutschen.
- Strukturelle Organisation der US-Propaganda, insbesondere durch das Office of War Information (OWI).
- Thematische Schwerpunkte der Plakatkampagnen zur Mobilisierung der Heimatfront.
- Bedeutung des Posters im Wettbewerb mit neuen Medien wie Radio und Film.
Auszug aus dem Buch
Das Feindbild
Feindbilder sind unverzichtbar. Sie erklären, entschuldigen, begründen, steuern, helfen sich orientieren, vereinfachen und werten schließlich die eigene Position auf, indem der Gegner stark verunglimpft wird. Feindbilder bauen auf Stereotypen und Vorurteilen auf, sind also meist lange bestehend und in der jeweiligen Gesellschaft fest verankert. Zumindest muss bereits, aus propagandistischer Sicht betrachtet, eine gewisse negative, abwehrende und abwertende Einstellung zu dem Fremden bestehen, die durch den gezielten Einsatz von Medien zu einem starken Bedrohungsszenario führen kann.
Dem Feindbild wohnt also ein durchweg negativer Charakter inne. Propaganda kann diese Feindbilder selbst nicht auslösen, sondern sie nur ausnutzen. Dabei tritt das Feindbild stark vereinheitlicht auf, Differenzierungen sind kaum vorhanden. Diese Schwarz-Weiß-Malerei (Licht gegen Dunkelheit oder, aktueller, mit oder gegen uns) führt zu einem starken Zwang innerhalb der Bevölkerung, diesem Feindbild zu folgen, Zweifler können so schnell, in einer leichten Form, als unpatriotisch, in der schwereren Form, als Vaterlandsverräter gebrandmarkt werden. Insofern erfüllt das Feindbild auch heute noch (nicht nur in den USA) seinen Zweck.
Besondere Wichtigkeit erfahren die Feindbilder, die in diesem Sinn als eine Zuspitzung von Vorurteilen gesehen werden können, seit der Zeit des industrialisierten Krieges, weil dieser „auf die Mobilisierung der Massen als Soldaten und als Produzenten von Kriegsgerät“ angewiesen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert die Notwendigkeit von staatlicher Propaganda in Demokratien, um die Bevölkerung im Krieg zu mobilisieren und Akzeptanz für politische Ziele zu schaffen.
Das Feindbild: Dieses Kapitel definiert die Funktion von Feindbildern als psychologische Hilfsmittel und stellt die stark divergierende Darstellung von Japanern und Deutschen in den USA gegenüber.
Poster-Propaganda der USA: Hier wird der organisatorische Aufbau der Propaganda durch Institutionen wie das OWI beschrieben und analysiert, wie Plakate zur Steuerung der Heimatfront eingesetzt wurden.
Propaganda entscheidet nicht den Krieg, aber sie lenkt ihn (Fazit): Der Autor schlussfolgert, dass Propaganda zwar keinen Krieg gewinnt, aber maßgeblich zur moralischen Festigung der Bevölkerung und zur emotionalen Zermürbung des Gegners beiträgt.
Schlüsselwörter
Propaganda, USA, Zweiter Weltkrieg, Feindbild, OWI, Plakat, Heimatfront, Mobilisierung, Japaner, Deutsche, Psychologische Kriegführung, Stereotype, Rassismus, Demokratie, Kriegsanleihen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der US-amerikanischen Heimat-Propaganda während des Zweiten Weltkriegs und analysiert, wie durch den gezielten Einsatz von Medien – speziell Postern – Feindbilder konstruiert und die öffentliche Meinung beeinflusst wurden.
Welche thematischen Schwerpunkte bilden den Kern der Untersuchung?
Zentral sind die Entstehung von Feindbildern, der Vergleich zwischen der Darstellung des deutschen und japanischen Gegners sowie die organisatorischen Abläufe der Propagandatätigkeiten durch das Office of War Information (OWI).
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Charakterisierung der Kriegsgegner aufzuzeigen und zu verstehen, warum die Regierung Roosevelt trotz des Aufkommens modernerer Medien wie Radio und Kino weiterhin stark auf das Medium Poster setzte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine historische Analyse, wertet zeitgenössische Quellen sowie Forschungsliteratur aus und führt einen strukturierten Vergleich der Propaganda-Strategien durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Begriffs Feindbild, die Untersuchung der spezifischen Propaganda-Kampagnen zur Mobilisierung der amerikanischen Bevölkerung und einen Exkurs über die Stellung des Posters im Medienkontext jener Zeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Propaganda, psychologische Kriegführung, Feindbilder, OWI, Heimatfront und die gezielte Mobilisierung der Zivilgesellschaft für Kriegsanleihen und Arbeitsproduktivität.
Warum unterschied sich die Darstellung der Japaner so stark von der der Deutschen?
Laut Arbeit lag dies an der kulturellen Distanz und den geschichtlichen Vorurteilen gegenüber Japanern, während Deutschland als Teil der westlichen Zivilisation wahrgenommen wurde, was zu einer eher differenzierten "Feindbild-Krankheit-Metapher" führte.
Welche Rolle spielte das OWI konkret bei der Koordination?
Das OWI fungierte als zentrale Stelle, die versuchte, die Informationen zu kanalisieren, stieß jedoch oft auf Widerstände bei anderen Behörden wie dem Navy Department und kämpfte mit internen Differenzen über die "richtige" Art der Propaganda.
- Arbeit zitieren
- Dennis Schmidt (Autor:in), 2004, Feindbilder und Poster-Propaganda, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208144