In dieser Hausarbeit soll im Folgenden untersucht werden, wie sich die Bevölkerungswissenschaft in der Zeit nach dem Zweiten Weltrkrieg entwickelt hat. Dabei soll das Augenmerk vor allem auf das geteilte Deutschland gelegt werden, weil gerade hier die Auswirkungen der aktiven Bevölkerungspolitik des „Dritten Reiches“ zu einer ganz besonderen Einstellung in Politik, Wissenschaft und Gesellschaft geführt haben. Aber auch der Vergleich mit dem Ausland soll nicht außer Acht gelassen werden.
Die demographischen Daten selbst sollen in dieser Arbeit nur eine untergeordnete Rolle spielen; sie tauchen nur in dem Zusammenhang auf, in dem sie politische oder wissenschaftliche Entscheidungen verdeutlichen helfen. Ansonsten sollen eher wissenschaftliche und politische Entwicklungen und damit einhergehende Konzepte im historischen Kontext beleuchtet und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft aufgezeigt werden.
Der erste Teil widmet sich der Definition der Bevölkerungswissenschaft. Was sind deren Aufgabengebiete und welche Faktoren spielen eine übergordnete Rolle? Bei einer generellen Betrachtung soll auch der Blick über den deutschen Tellerrand gewagt werden. Dies scheint deswegen besonders angebracht, weil andere europäische Staaten, in dieser Arbeit insbesondere Frankreich, durch eine andere Historie andere Auffassungen von der Bevölkerungswissenschaft erkennen lassen. Besonders deutlich wird dies dann in einer direkten Gegenüberstellung zur Situation in Deutschland.
Der Hauptteil befasst sich schließlich mit den Entwicklungslinien der Bevölkerungswissenschaft in den Jahren von 1945 bis heute. Der institutionelle Aufbau der Wissenschaften spielt dabei ebenso eine Rolle wie die konkrete Politik. Der Hauptteil ist ab dem Jahr 1949 in die Kapitel „Deutsche Demokratische Republik“ und „Bundesrepublik Deutschland“ und nach 1989/90 in das Kapitel „Wiedervereinigtes Deutschland“ aufgeteilt. Welche Gegensätze aber auch welche Gemeinsamkeiten weisen die beiden deutschen Staaten in diesen Jahren auf? Welche neuen Entwicklungen lassen sich ausmachen?
Interessant erscheint zudem eine Untersuchung der führenden Personen in der Bevölkerungswissenschaft. Welche Rolle spielten sie nach und, vor allem, vor 1945. Das Fazit komplettiert die Hausarbeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Bevölkerungswissenschaft
Definition
Stellung und Anwendung in den europäischen Staaten
Stellung und Anwendung in Deutschland
Entwicklungslinien der Bevölkerungswissenschaft
... in der Deutschen Demokratischen Republik
... in der Bundesrepublik Deutschland
... im wiedervereinigten Deutschland seit 1989/90
Kontinuitäten
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft sowie deren politische Umsetzung im geteilten und wiedervereinigten Deutschland ab 1945, wobei die historischen Belastungen durch die Bevölkerungspolitik des „Dritten Reiches“ als zentraler Kontextfaktor fungieren.
- Historische Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft in Ost- und Westdeutschland.
- Analyse der offiziellen Bevölkerungspolitik und ihrer familienpolitischen Instrumente.
- Vergleich der institutionellen Etablierung der Disziplin in den deutschen Staaten.
- Untersuchung von personellen und wissenschaftlichen Kontinuitäten nach 1945.
- Kritische Betrachtung von Prognose-Methoden und modernen rechtsextremen Rezeptionsmustern.
Auszug aus dem Buch
Bevölkerungswissenschaft
Bei der Bevölkerungswissenschaft handelt es sich um eine multifunktionale Forschungsrichtung (weshalb der Begriff „Bevölkerungswissenschaften“ eigentlich angebrachter wäre). Sie setzt sich aus unterschiedlichsten Teildisziplinen zusammen, und ist daher auch wenig fest umrissen. Neben der Statistik und den Sozialwissenschaften spielen auch die Bevölkerungslehre, die Bevölkerungsgeschichte und die Bevölkerungspolitik in ihre Zusammensetzung mit hinein. Medizinische, biologische und soziologische Teilaspekte vermengen sich so zu der Gesamtforschungsrichtung „Bevölkerungswissenschaft“, in der die genannten Teilaspekte je nach Zeit und Ort unterschiedlich stark gewichtet werden.
Sterbequote, Wanderungsbewegung und Geburtenrate sind die maßgeblichen Komponenten der Disziplin Bevölkerungswissenschaft. Die Sterbequote wird vor allem durch den wissenschaftlichen Fortschritt im Gesundheitswesen beeinflusst. Geringere Säuglingssterblichkeit und erhöhte Lebenserwartung haben die Sterbequote immer niedriger werden lassen. Trotzdem ist sie nicht die entscheidene Einflussgröße auf die Bevölkerung und somit auf die Bevölkerungspolitik.
Wanderungsbewegung: Grenzüberschreitende Migrationen spielen vor allem in Zusammenhang mit der Zuwanderungspolitik eine große Rolle. Einige Länder sind besonders bemüht um (eine ausgeglichene) Zuwanderung, andere verstehen unter Zuwanderungspolitik eher die Einschränkung derselben. Unterschieden werden muss im wissenschaftlichen Sinn noch zwischen der räumlichen (regionale Verteilung der Bevölkerung) und der natürlichen (Anzahl, Wachstum und Altersaufbau der Bevölkerung) Bevölkerungsbewegung. Ein Beispiel mag aber verdeutlichen, inwieweit die Zuwanderungspolitik über die Größe der Bevölkerung entscheidet: Vor allem die westeuropäischen Staaten sehen sich dem Umstand gegenüber, dass die Bevölkerung immer älter wird und gleichzeitig schrumpft. Wissenschaftler haben Berechnungen darüber angestellt, wieviele Ausländer, also Migranten, zum Beispiel nach Deutschland einwandern müssten, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Demnach müssten bis ins Jahr 2050 hinein 188 Millionen Menschen mehr ein- als auswandern, um den Altersquotienten niedrig halten zu können. An diesem Beispiel wird deutlich, welchen geringen Stellenwert oder, anders ausgedrückt, welche geringen Einflussmöglichkeiten auf die gesamte Bevölkerung gesehen die Kategorie Wanderungsbewegung hat im Vergleich mit der Geburtenrate.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Umriss der Zielsetzung, die wissenschaftliche und politische Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft unter Berücksichtigung des historischen Erbes von 1945 zu beleuchten.
Bevölkerungswissenschaft: Definition der Disziplin als multifunktionale Forschungsrichtung und Darstellung der Unterschiede zwischen internationalen Auffassungen und der deutschen Situation.
Entwicklungslinien der Bevölkerungswissenschaft: Detaillierte Betrachtung der institutionellen und politischen Entwicklung in der DDR, der BRD sowie im wiedervereinigten Deutschland unter Analyse der jeweiligen wissenschaftlichen Akteure.
Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Entwicklungslinien, der unterschiedlichen familienpolitischen Strategien der deutschen Staaten sowie der weiterhin wirksamen Kontinuitäten aus der Zeit des Nationalsozialismus.
Schlüsselwörter
Bevölkerungswissenschaft, Bevölkerungspolitik, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Familienpolitik, Demographie, Geburtenrate, Wanderungsbewegung, Institutionalisierung, Nationalsozialismus, Kontinuitäten, Bevölkerungsentwicklung, Sozialpolitik, Migration, Historische Aufarbeitung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft in Deutschland nach 1945 und analysiert, wie die nationalsozialistische Vergangenheit die Politik und Wissenschaftsdisziplin in beiden deutschen Staaten beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Definition der Bevölkerungswissenschaft, die institutionelle Ausgestaltung in Ost- und Westdeutschland sowie die Auswirkungen politischer Entscheidungen auf die demografische Entwicklung und Familienpolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklungslinien und Gemeinsamkeiten bzw. Gegensätze der bevölkerungspolitischen Ansätze in der DDR und der BRD sowie die wissenschaftliche Aufarbeitung und Kontinuitäten nach dem Zweiten Weltkrieg zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die den institutionellen Aufbau der Wissenschaft, politische Diskurse und die Untersuchung führender Akteure im historischen Kontext kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Bevölkerungswissenschaft in der DDR, der BRD und im wiedervereinigten Deutschland, ergänzt durch eine Betrachtung der personellen und thematischen Kontinuitäten vor und nach 1945.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte umfassen Bevölkerungswissenschaft, Bevölkerungspolitik, Familienpolitik, DDR, BRD, Nationalsozialismus, Demographie und die historische Aufarbeitung von Wissenschaftskontinuitäten.
Welche Rolle spielte Parviz Khalatbari in der DDR?
Khalatbari war eine prägende Figur, der die Institutionalisierung der Bevölkerungswissenschaft in der DDR vorantrieb, den „Arbeitskreis Demographie“ gründete und zur internationalen Anerkennung der Disziplin in der DDR beitrug.
Wie unterscheidet sich die Familienpolitik von DDR und BRD laut der Arbeit?
Während in der DDR Beruf und Familie durch eine Vielzahl staatlicher Maßnahmen stärker aufeinander abgestimmt wurden, stand in der BRD lange Zeit die Wahlfreiheit der Frau zwischen Beruf und Erziehung im Vordergrund, bei einer offiziellen Ablehnung expliziter Bevölkerungspolitik.
- Citation du texte
- Dennis Schmidt (Auteur), 2004, Deutschland nach Hitler. Die Entwicklung der Bevölkerungswissenschaft und ihre Umsetzung in Ost- und Westdeutschland ab 1945, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208146