Dieser Mann ist ein Mythos: Im Gesicht einen langen Rauschebart, immer eine Zigarre im Mundwinkel, die unverwechselbare grüne Uniform angezogen. Jesuitenschüler, Sohn aus gehobenem Hause. Jurist war er ebenso wie politischer Denker. Später dann Kämpfer in den Bergen, Anführer einer Guerillatruppe und Bezwinger eines Diktators. Kurz: Revolutionär. Mythen und Legenden ranken sich inzwischen um diesen Mann: In der Bucht von Havanna soll er beim Kampf gegen Diktator Batista sch wer verletzt durch haiverseuchtes Gewässer an Land geschwommen sein; an anderer Stelle wird ihm nachgesagt, er brauche nie zu schlafen. Inzwischen ist er der dienstälteste Regierungschef des 21. Jahrhunderts, der sich allen Unkenrufen und seinem Alter zum Trotz an der Spitze des kleinen Inselstaates hält und in Lateinamerika als Vorbild für andere Regierungschefs gilt. Die Uniform hat er zwar inzwischen eingestaucht gegen den bequeme- ren Nike-Jogginganzug, aber präsent bleibt er immer noch.
Für die Einen ist er Symbolfigur für die Befreiung der armen Länder von der Unterdrückung, für die Anderen ein ungeheuerlicher Diktator. Für noch Andere schlicht ein anscheinend immer währendes Ärgernis. Und was ist Fidel Alejandro Castro Ruz für Deutschland? Noch interessanter: Was war er für die Bundesrepublik und DDR, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den beiden Blocks im Kalten Krieg eine unterschiedliche Interpretation zu Castro erahnen lassen?
Wie wurden er und sein Kuba in der Zeit zwischen der Machtübernahme 1959 bis zur fast in einen Dritten Weltkrieg führenden Kubakrise 1962 in deutschen Medien1 dargestellt? Mit welchen Bezeichnungen belegt und wie ausführlich behandelt? Schurke oder Freiheitskämpfer? Dieser Hauptfrage stellt sich diese Arbeit und versucht, sie mithilfe einer Inhaltsanalyse zu beantworten.
Inhaltsverzeichnis
A Einleitung
1. Forschungsstand
2. Wesen und Sinn von Medieninhaltsanalysen
B Medien als Berichterstatter
1. Auswahl- und Wirkungsmechanismen von Zeitungen
1.1. Merkmale der Auslandsberichterstattung
2. Die Zeitungslandschaft in Ost und West
2.1. Propagandist, Agitator und Organisator: Medien in der DDR
2.1.1. Die Rolle der Medien
2.1.2. Abriss der historischen Entwicklung
2.1.3. Einflussmöglichkeiten auf die Berichterstattung
2.1.4. Das Berufsbild des Journalisten
2.2. Kontrolleur und Korrektor: Medien in der Bundesrepublik
2.2.1. Die Rolle der Medien
2.2.2. Abriss der historischen Entwicklung
2.2.3. Einflussmöglichkeiten auf die Berichterstattung
2.2.4. Das Berufsbild des Journalisten
C Ereignisgeschichtliche Zusammenhänge
1. Die kubanische Revolution
1.1. Der lange Freiheitskampf: Kuba, Spanien und die USA
1.2. Der „Sieg der Revolution“: Kubas neue Rolle
1.3. Kommunistische Machtübernahme oder nationale Befreiung?
2. Galionsfigur der Revolution: „Maximo Lider“ Fidel Castro
3. Kuba im internationalen Kontext
3.1. Entfremdung und Abkehr: Die Beziehungen zu den USA
3.2. Zum gegenseitigen Nutzen: Die Beziehungen zur Sowjetunion
3.3. Orientierung an den USA: Die Beziehungen zur Bundesrepublik
3.4. „Leuchtturm mit sozialistischem Licht“: Die DDR und Kuba
D Aufbau der Inhaltsanalyse
1. Auswahl der Untersuchungsobjekte
1.1. Untersuchungsobjekt „Frankfurter Allgemeine Zeitung“
1.2. Untersuchungsobjekt „Neues Deutschland“
2. Verfahren und Methode
2.1. Festsetzung der Untersuchungszeiträume
2.2. Die Erfassung formaler und inhaltlicher Charakteristika
2.2.1. Bewertungen
E Ergebnisse der Analyse
1. Formale Merkmale der untersuchten Artikel
1.1. Überblick über die Berichterstattung 1959 bis 1962
1.2. Erster Untersuchungszeitraum: „Havanna“
1.2.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.2.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.3. Zweiter Untersuchungszeitraum: „Reformen“
1.3.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.3.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.4. Dritter Untersuchungszeitraum: „Embargo“
1.4.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.4.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.5. Vierter Untersuchungszeitraum: „Schweinebucht“
1.5.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.5.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.6. Fünfter Untersuchungszeitraum: „Sozialismus“
1.6.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.6.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.7. Sechster Untersuchungszeitraum: „Kubakrise“
1.7.1. Ereignisgeschichte im Untersuchungszeitraum
1.7.2. Struktur der Berichterstattung in FAZ und ND
1.8. Zwischenfazit
2. Inhaltliche Merkmale der untersuchten Artikel
2.1. Anteil und Bild der Fraktionen Kuba, USA und SU
2.2. „Bärtiger“ oder „Befreier“? Die Darstellung Fidel Castros
2.2.1. Die Darstellung Eisenhowers und Kennedys im Vergleich
2.2.2. Die Darstellung Chruschtschows im Vergleich
2.3. „Unregierbar“ oder „heldenhaft“? Die Darstellung Kubas
2.3.1. Die Darstellung der USA im Vergleich
2.3.2. Die Darstellung der Sowjetunion im Vergleich
2.4. Themenschwerpunkte innerhalb der UZ
2.5. Personalisiert oder abstrahiert?
2.6. Auffälligkeiten in der Berichterstattung
F Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die mediale Darstellung von Fidel Castro und der kubanischen Revolution in der Zeit von 1959 bis 1962, unter besonderer Berücksichtigung der Unterschiede zwischen der bundesdeutschen "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) und dem DDR-Zentralorgan "Neues Deutschland" (ND).
- Vergleichende Analyse der Medienberichterstattung in Ost und West
- Einfluss von politischer Ideologie und Lagerzugehörigkeit auf die Nachrichtenauswahl
- Konstruktion von Feindbildern und Heldenfiguren im Kalten Krieg
- Methodik der Inhaltsanalyse zur Erfassung formaler und inhaltlicher Charakteristika
- Rolle von Journalisten als "Schleusenwärter" in unterschiedlichen Mediensystemen
Auszug aus dem Buch
A Einleitung
Dieser Mann ist ein Mythos: Im Gesicht einen langen Rauschebart, immer eine Zigarre im Mundwinkel, die unverwechselbare grüne Uniform angezogen. Jesuitenschüler, Sohn aus gehobenem Hause. Jurist war er ebenso wie politischer Denker. Später dann Kämpfer in den Bergen, Anführer einer Guerillatruppe und Bezwinger eines Diktators. Kurz: Revolutionär. Mythen und Legenden ranken sich inzwischen um diesen Mann: In der Bucht von Havanna soll er beim Kampf gegen Diktator Batista sch wer verletzt durch haiverseuchtes Gewässer an Land geschwommen sein; an anderer Stelle wird ihm nachgesagt, er brauche nie zu schlafen. Inzwischen ist er der dienstälteste Regierungs chef des 21. Jahrhunderts, der sich allen Unkenrufen und seinem Alter zum Trotz an der Spitze des kleinen Inselstaates hält und in Lateinamerika als Vorbild für andere Regie rungschefs gilt. Die Uniform hat er zwar inzwischen eingestaucht gegen den bequeme ren Nike-Jogginganzug, aber präsent bleibt er immer noch.
Für die Einen ist er Symbolfigur für die Befreiung der armen Länder von der Unterdrü ckung, für die Anderen ein ungeheuerlicher Diktator. Für noch Andere schlicht ein an scheinend immer währendes Ärgernis. Und was ist Fidel Alejandro Castro Ruz für Deutschland? Noch interessanter: Was war er für die Bundesrepublik und DDR, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den beiden Blocks im Kalten Krieg eine unterschiedli che Interpretation zu Castro erahnen lassen?
Zusammenfassung der Kapitel
A Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und die methodische Herangehensweise vor, um die Darstellung von Fidel Castro in deutschen Medien während der frühen Jahre der kubanischen Revolution zu untersuchen.
B Medien als Berichterstatter: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsmechanismen von Massenmedien sowie die spezifischen Rahmenbedingungen und Kontrollstrukturen, unter denen Zeitungen in der BRD und der DDR arbeiteten.
C Ereignisgeschichtliche Zusammenhänge: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss der kubanischen Revolution, der Machtübernahme Castros und der internationalen Beziehungen Kubas im Kontext des Kalten Krieges.
D Aufbau der Inhaltsanalyse: Hier wird der methodische Aufbau der Studie dargelegt, einschließlich der Kriterien zur Auswahl der untersuchten Zeitungen (FAZ und ND) sowie der angewandten Analyseverfahren.
E Ergebnisse der Analyse: In diesem umfangreichen Hauptteil werden die formalen und inhaltlichen Daten der Berichterstattung präsentiert, unterteilt in verschiedene Untersuchungszeiträume von der Revolution bis zur Kubakrise.
F Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Untersuchung vor dem Hintergrund der eingangs aufgestellten Hypothesen und zieht ein Resümee über die mediale Konstruktion von Realität.
Schlüsselwörter
Fidel Castro, Kuba, Kubanische Revolution, Medieninhaltsanalyse, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Neues Deutschland, Kalter Krieg, DDR, Bundesrepublik Deutschland, Berichterstattung, Nachrichtenfaktoren, Ideologie, Systemvergleich, Massenmedien, Journalismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie zwei maßgebliche deutsche Zeitungen aus unterschiedlichen politischen Lagern – die westdeutsche FAZ und das DDR-Organ "Neues Deutschland" – über Fidel Castro und die frühen Jahre der kubanischen Revolution berichteten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind der Systemvergleich der Medienlandschaften, die Rolle der Presse in der ideologischen Auseinandersetzung des Kalten Krieges sowie die Konstruktion von Fremd- und Feindbildern in der Auslandsberichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die spezifischen Darstellungsweisen und Wertungen der untersuchten Medien aufzudecken und zu zeigen, wie Ereignisse auf Kuba durch die ideologische Brille der jeweiligen Mediensysteme interpretiert und vermittelt wurden.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Studie verwendet eine quantitative und qualitative Medieninhaltsanalyse, bei der Artikel anhand eines detaillierten Kodierbogens auf formale Merkmale und inhaltliche Wertungen hin untersucht wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine formale Analyse der Berichterstattung (z.B. Umfang, Platzierung, Visualisierung) und eine tiefgehende inhaltliche Untersuchung der Bewertung von Personen wie Castro, Kennedy und Chruschtschow sowie der involvierten Staaten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Lagerzugehörigkeit", "Ideologisierung", "Gatekeeping", "Personalisierung" und "Kalter Krieg", welche die Verzerrungen in der Berichterstattung über das ferne Kuba erklären.
Warum wurden gerade die FAZ und das Neue Deutschland als Fallbeispiele gewählt?
Beide Zeitungen fungierten als jeweilige Leitmedien ihres politischen Systems, was einen direkten und aufschlussreichen Vergleich der totalitären bzw. liberal-demokratischen Medienlogik ermöglichte.
Welche Rolle spielt der Faktor "Personalistierung" bei der Darstellung Castros?
Die Arbeit stellt fest, dass Fidel Castro in beiden Medien stark als zentrale Identifikationsfigur oder Feindbild personalisiert wurde, was es den Zeitungen ermöglichte, komplexe revolutionäre Prozesse anschaulicher und propagandistisch effektiver zu vermitteln.
- Citation du texte
- Dennis Schmidt (Auteur), 2007, Fidel Castro und die Anfänge der kubanischen Revolution 1959-1962, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208154