1. Einleitung
Walter Bendix Schönflies Benjamins „Die Aufgabe des Übersetzers“ war eigentlich nur eine Art Vorwort zu seinen Übersetzungen von Charles Baudelaires „Tableaux Parisiens“. Für die Geschichte der Übersetzung wurde es zu einem der wichtigsten Übersetzungskonzepte. In seinem Essay behandelt er nicht nur die Aufgabe eines Übersetzers, sondern Dinge die darüber hinaus gehen. In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, was Benjamin sich unter der Aufgabe eines Übersetzers vorstellt. Weiterhin soll überprüft werden, ob er seine Aufgabe in seinen eigenen Übersetzungen wirklich bewerkstelligt oder sie nur anderen Übersetzern mit auf dem Weg gegeben hat. Weiterhin sollen seine Vorstellung von den Merkmalen und Veränderungen der beiden Basisformen „Original“ und „Übersetzung“ dargestellt werden. Um den Faden durch die Gedankengänge Benjamins nicht zu verlieren, sollen die Zusammenhänge des Textes Stück für Stück erklärt werden. Die Gliederung orientiert sich deshalb an den drei Themenkomplexen des Textes.
Im zweiten Gliederungspunkt geht es um den ersten Abschnitt des Textes, in dem Übersetzung als eine Form festgelegt wird. Außerdem wird ihr Zusammenhang zu Original und Übersetzer vorgestellt. Der dritte Punkt behandelt dann den zweiten Abschnitt, der das Verhältnis von verschiedenen Sprachen, das in der Übersetzung zum Ausdruck kommt, zeigt. Die Sprache wird hier als „Form“ der beiden Grundformen ausgearbeitet, die sich in verschiedenen Sprachkreisen aufgespalten wurde, aber im Ursprung eine Reinheit ihres Sinnes besitzt. Der vierte Punkt stellt den dritten Teil des Textes mit Aufgabe des Übersetzers dar, die den Übersetzer als Erlöser erscheinen lässt. Schließlich soll im vorletzten Punkt die Übersetzung „Einer Dame“ von Walter Benjamin mit dem Original „A une passante“ von Charles Baudelaire verglichen werden. Dieser Vergleich soll dazu dienen, ob herausgefunden werden kann, in wieweit Benjamin seine gestellte Aufgabe ausführt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Übersetzung als Form: was macht eine Übersetzung aus?
3. Übersetzung als Ausdruck des Verhältnisses von Sprachen
4. Die Aufgabe des Übersetzers
5. „A une passante“ im Vergleich mit „Einer Dame“
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht Walter Benjamins theoretischen Essay „Die Aufgabe des Übersetzers“ und prüft, inwiefern Benjamin seine eigenen theoretischen Postulate in seiner praktischen Übersetzung des Baudelaire-Gedichts „A une passante“ umsetzt.
- Analyse von Benjamins Verständnis der Übersetzung als eigenständige Form.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen Original, Sprache und der „reinen Sprache“.
- Vergleich von Baudelaires Original mit Benjamins Übersetzung „Einer Dame“.
- Kritische Würdigung der Übermenschlichkeit der Übersetzungsaufgabe nach Benjamin.
Auszug aus dem Buch
4. Die Aufgabe des Übersetzers
Die Aufgabe des Übersetzers „[...] besteht darin, diejenige Intention auf die Sprache, in die übersetzt wird, zu finden, von der aus in ihr das Echo des Originals erweckt wird.“ Das heißt bei Benjamin, der Übersetzer muss zunächst das Original mit den richtigen Mitteln in den „Bergwald der Sprache“ hineinzurufen, um ein geeignetes Echo zu empfangen. Seine Übersetzung befindet sich außerhalb dieses Waldes und nimmt das Echo des Originals in seine Sprache auf. Die Absicht im Original war hauptsächlich naiv und anschaulich, während die in der Übersetzung abgeleitet und ideenhaft ist.
Carol Jacobs würde nur Bruchstücke von Sprachelementen aus dem Echo entnehmen, die erst vom Übersetzer zusammengesetzt werden müssten. Dieser Hinweis wird hier wichtig, denn Benjamin lässt offen, ob der Übersetzer erst einmal einzelne Worte rufen muss, die sich im Echo selbstständig zu Sätzen entwickeln könnten oder nicht. Benjamin fügt die „Art des Meinens“ einfach als ganzes, aber einzelnes „Bruchstück einer größeren Sprache“ an. Er nutzt dafür die Metapher eines zerbrochenen Gefäßes, das wieder zusammengesetzt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext von Benjamins Essay vor und definiert das Ziel der Arbeit, die theoretischen Anforderungen Benjamins kritisch zu hinterfragen.
2. Übersetzung als Form: was macht eine Übersetzung aus?: Dieses Kapitel beleuchtet Benjamins These, dass Übersetzung eine eigenständige Form darstellt, die unabhängig von der Mitteilungsabsicht des Originals existiert.
3. Übersetzung als Ausdruck des Verhältnisses von Sprachen: Hier wird die Verwandtschaft der Sprachen und der Begriff der „reinen Sprache“ analysiert, die als gemeinsames Ziel aller Sprachen betrachtet wird.
4. Die Aufgabe des Übersetzers: Das Kapitel erläutert die Rolle des Übersetzers als jemanden, der das „Echo“ des Originals in eine neue Sprache transponiert und dabei eine fast unlösbare, „übermenschliche“ Aufgabe erfüllt.
5. „A une passante“ im Vergleich mit „Einer Dame“: In diesem praktischen Teil wird Benjamins Übersetzung von Charles Baudelaires Gedicht detailliert mit dem Original verglichen, um die Umsetzung seiner Theorie zu prüfen.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Benjamins Essay eher ein Anstoß zu neuen Fragen ist als eine konkrete Anleitung und die Aufgabe des Übersetzers als ein prinzipiell unvollendbares Unterfangen bleibt.
Schlüsselwörter
Walter Benjamin, Die Aufgabe des Übersetzers, Charles Baudelaire, A une passante, Übersetzungstheorie, reine Sprache, Sprachverwandtschaft, Einer Dame, Übersetzbarkeit, literarische Übersetzung, Sprachphilosophie, Textform, Echo, Original, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Walter Benjamins theoretische Schrift „Die Aufgabe des Übersetzers“ und untersucht, wie diese Theorien durch Benjamin selbst in der Praxis angewandt wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Übersetzungstheorie, der Beziehung zwischen Original und Übersetzung sowie dem Vergleich von Baudelaires Lyrik mit Benjamins deutscher Übertragung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Benjamin die hohen Kriterien, die er an eine „gute Übersetzung“ stellt, in seinem eigenen Schaffen tatsächlich einlösen konnte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse sowie einen komparatistischen Vergleich (Textvergleich) von Original und Übersetzung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung von Benjamins Konzepten (Sprache als Form, reine Sprache) und einen praktischen Vergleich ausgewählter Gedichtstrophen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind „reine Sprache“, „Übersetzbarkeit“, „Echo“, „Art des Meinens“ und die „Problematik der Menge“ bei Baudelaire.
Wie bewertet die Autorin die Anwendbarkeit von Benjamins Essay?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass Benjamin keine strikte Anleitung hinterlässt, sondern ein eher unlösbares, idealistisches Konzept der Übersetzung entwirft.
Was bedeutet in Benjamins Kontext das „Echo des Originals“?
Es beschreibt den Prozess, bei dem der Übersetzer die Intention des Originals in die Zielsprache überträgt, ohne das Original bloß zu imitieren, sondern es in der Zielsprache neu erstehen zu lassen.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2009, Walter Benjamins 'Die Aufgabe des Übersetzers' unter Einbeziehung seiner Übersetzung von Charles Baudelaires 'A une passante', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/208251